Hervorragender Artikel! Gratuliere!
Mir fallen zwei Aspekte ein, die ich noch erwaehnen moechte.
Sollte Mann/Frau trotz aller Achtsamkeit doch einmal in die furtbare Lage kommen und mit einem Messer angegriffen zu werden und es besteht keine Aussicht auf Flucht, dann wird man wohl mit Sicherheit mehr oder weniger schwer verletzt. Dazu koennen wir uns ueberlegen, ob wir im allerletzten Augenblick noch irgendeine Moeglichkeit haben, den Schaden moeglichst gering zu halten. Beispiel: Bei einem unerwarteten Stich in den Bauch taumelt der unvorbereitete Mensch zurueck und drueckt eine oder beide Haende auf den Bauch. Er ist damit wehrlos weiteren Folgeangriffen ausgesetzt. Eine moegliche hilfreiche Reaktion kann aber sein, sofort den Oberkoerper nach vorne zu lehen/Hueften zurueck und gleichzeitig beide Arme in Schulter oder Kopfhoehe nach vorne zu strecken. Diese Reaktion bringt je nach Gewichtsunterschied den Angreifer oder den Angegriffenen etwas weiter zurueck und verschafft ein wertvolles Zeitfenster zur Flucht, zum Ziehen der eigenen Waffe, oder zum set-up eines Gegenangriffes. Der eventuelle Folgeangriff des Angreifers wird dann normalerweise nicht mehr so kraftvoll und nicht mehr unerwartet/unvorbereitet kommen. Aehnlich reagieren wir bei einem Angriff von der Seite: Oberkoerper gegen die Angriffsrichtung lehnen/Hueften in entgegengesetzte Richtung, gleichzeitig beide Arme auf Schulter/Kopfhoehe in Angriffsrichtung strecken...
Diese Reaktionen muessen natuerlich intensiv geuebt werden und nach meiner Erfahrung lassen sie sich ziemlich gut ueben.
Bei der weiteren Verteidigung ist, wie du beschreibst, eine Kontrolle des Messerarms sicher ein wichtiges Hauptziel. Wichtig ist fuer uns ist dabei, dass wir als erstes nie mit beiden Armen gleichzeitig auf die Messerhand/ den Messerarm reagieren (mit Bloecken, Schlaegen, Parieren, Halten/Trappen). Selbstverstaendlich haben bei uns Kreuzbloecke nichts zu suchen. Ihr habt natuerlich selbst erfahren, dass es dazu nur wenige Bloecke gibt, die bei der Messerverteidigung funktionieren. Die richtige Position des Ellenbogens, der Hand und vor allem des Daumens sind bei Bloecken zur Messerabwehr viel wichtiger und kritischer als beim waffenlosen Kampf. Diese paar Bloecke erfordern natuerlich auch ein intensives Ueben, Ueben und nochmal Ueben...
Unser zweiter Arm (manchmal auch Ellenbogen) wird gleichzeitig entweder die freie Hand des Angreifers checken/parieren oder im Idealfall mit einem Schlag/Stich ins Gesicht/Augen/Hals dem Angreifer durch Schmerz ablenken. Wer besonders gut koordiniert ist, kann dem Angreifer gleichzeitig noch ein Knie oder Fuss in die Eier setzen.
Der erste Block, oder das Parieren des Messerarms wird bei uns also immer gleichzeitig mit einem Check oder schmerzvollen Angriff mit dem anderen Arm ausgefuehrt. In der Folge konzentrieren wir uns natuerlich auf das Kontrollieren des Messerarms. Dabei vergroessert sich naturlich die Chance, den Messerarm effektiv zu kontrollieren, "trappen", hebeln und im besten Fall noch eine Entwaffnung anzubringen. Diese Techniken nehmen wir moeglichst nicht zu sehr auseinander, sondern sie werden als zusammenhaengende Einheit geuebt. Es muss fuer uns zum Beispiel eine "natuerliche Reaktion" sein, dass wenn wir mit einem Arm blocken oder parieren, gleichzeitig die andere Hand zu einem schnellen, schmerzvollen Stich in die Augen vorschnellt. |