Kempo, die japanische Schreibweise für Quanfa (in beiden Sprachen "Methode der Faust") waren eigentlich chinesische Kampfmethoden, die von Handelsreisenden, Priestern, Emigranten usw. nach Okinawa gebracht wurden. Bis der Einfluss der Japaner (Meiji-Periode) wuchs, pflegten die Okinawaer (schreibt man die so?) eine intensive Beziehung zu den Chinesen. Mit dem japanischen Einfluss begannen sich die Kampfmethoden stärker zu verändern, man wurde "nationalistischer" und man wollte etwas eigenes. Elemente wurden aus den Systemen herausgenommen, anderes vereinfacht oder "begradigt". Alles wurde irgendwie direkter, nicht so verspielt, wie die Chinesen. Ähnliche Entwicklungen findet man in vielen Dingen, wie zum Beispiel der Architektur oder der Kunst.
Irgendwann (lt. diverser Bücher im 19 Jh.) etablierte sich nebenher der Begriff Karate, allerdings wurden (und werden) beide Begriffe parallel verwendet. "Kara" "Te" ... diese beiden Worte, die heute mit "Leere Hand" übersetzt werden, bedeuteten ursprünglich "Chinesische Hand". Erst Funakoshi kam auf die die Idee, ein anderes Schriftzeichen zu wählen, das genauso ausgesprochen wurde. So wurde aus Kara = Chinesisch dann das Kara = Leer, das man aber auch als Ku = Himmel lesen kann. Japanisch muss ne ziemlich umfangreiche Sprache sein ...
Kempo-Karate ist ein Zwitter aus dem okinawischen Karate und dem chin. Quanfa, sozusagen ein Schritt in die Vergangenheit. Im Gegensatz dazu identifizieren sich die meisten Kempo-Stile (egal, ob Europa, Hawaii, Amerika oder sogar Japan und Okinawa) eher mit dem Karate, als mit dem Quanfa. Naja, keine Ahnung, warum. Man sollte die Wurzeln nicht "verleugnen". Ich selbst habe ewig gebraucht, um die Wurzeln meines Kempostiles heraus zu finden, aber das Wissen um die Geschichte macht immer auch ein bisschen Stolz - man ist sozusagen ein Teil der Geschichte.
Gruß
Dirk
Geändert von Bokuto (19-05-2003 um 20:54 Uhr).
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