Zuerst mal- die Auszüge sind zwar aus Shivanandas Buch, weil ich dieses gerade mit anderer Lektüre vergleiche, aber Gedankenbeherrschung kann man überall lernen, im alten Shaolin genauso wie in der Neuzeit, im Taoismus usw...
Und Kern der Aussage - vereinfacht- ist immer die auch auf Gedanken erweiterte Achtsamkeit, durch die man sein Leben bewußter erfährt und gestalten kann.
...mal abgesehen von Taokriegerin und vielleicht Iron hab ich den Eindruck, daß bei dem Thema Gedankenbewußtsein bei den meisten angstvoll ein Vorhang der Ablehnung runtergeht....
und die Frage ist, welche unbewußten Gedanken oder Ängste sind dafür zuständig?
(Die Angst vor Fremdbestimmung oder seine Freiheit zu verlieren? Oder die Angst, neben all dem täglichen Druck und den Anforderungen des modernen Lebens jetzt auch noch an seinen Gedanken arbeiten zu sollen?
-Aber sind wir nicht viel fremdbestimmter und unfreier, wenn wir uns durch alles, was uns täglich begegnet- Medien, Mitmenschen, Stimmungen etc... beeinflussen und "wie ein Boot auf den Wellen" hin- und herreißen lassen? Unsere Meinung durch Medien und den allgemeinen Egregor gestalten lassen usw? Wäre da Achtsamkeit in Bezug auf unsere Gedanken nicht besser?)
Letztendlich ist es mit den Gedanken wie mit den Bewegungen: Zappelt amn unkoordiniert rum, mag das spannend sein und auch Spaß machen, aber man zerschmeißt viel und haut sich auch manchmal gewaltig an- Zeit, die man besser verwenden könnte, geht dadurch auch noch verloren.
Sich seiner Gedanken bewußt zu sein -übrigens auch erster Schritt bei der Meditation- und zu lernen, mit diesen umzugehen bedeutet ja nicht, bis zum Exzeß jede Regung des Geistes zu zerfieseln, sondern zu lernen, diese im Großen und Ganzen zu erkennen und zu lenken (oder ziehen zu lassen ohne Beachtung)- so ähnlich, wie ein junger Mensch lernt, besseres Körperbewußtsein zu entwickeln und seinen Bewegungsapparat zu steuern oder später ein Tänzer oder Kampfsportler weiter daran feilt.
Genau genommen bringt diese Fähigkeit doch erst das WIRKLICHE Freiheit.
Eben nicht mehr Sklave sein von irgendwelchen Regungen, aufkommenden Emotionen oder Gelüsten und seinen Tagesablauf und seine Stimmung dann davon beeinflussen oder gar steuern zu lassen, sondern frei und selbstbestimmt sein eigenes Leben auf Grundlager konstruktiver, positiver Gedanken gestalten und managen.
Energie, die man sonst mit Grübeln und schlechter Laune vergeuden würde, zur Verfügung haben, um sein Leben in positivem Sinne zu gestalten-
etwas Nützliches zu bewirken anstatt sich und anderen das Leben schwer zu machen....-
Eigenverantwortung also statt bloßes Sich-Treiben-Lassen...
Das kann natürlich auch mal ein paar Anforderungen an einen stellen, vgl. die in Taokriegerin erwähnten "Schatten"- man fragt sich z.B., wieso man auf bestimmte Reize/ Situationen/Personen so empfindlich/negativ o.ä. reagiert (das geht auch im Positiven, übrigens!) und kommt dahinter, daß es tiefere Ursachen hat, mit denen sich zu beschäftigen unangenehm sein kann- man muß also bewußt aus der angenehmen, hellen, freudigen Oberfläche "abtauchen" in die Tiefen und Irrungen und Verletzungen des eigenen Ichs, was ganz schön unangenehm und anspruchsvoll sein kann.
Andererseits ist das überall so- wenn ich Zahnweh kurieren will, muß ich auch erst mal eine oft schmerzhafte Behandlung ertragen, um danach wirklich heil und beschwerdenfrei zu sein...
Geändert von scarabe (14-12-2007 um 13:04 Uhr).
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