Einzelnen Beitrag anzeigen
  #168  
Alt 29-01-2008, 14:00
hobbes_s hobbes_s ist offline
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: Täter-mit-vielen-Kollegen-umhauen-und-fesseln-Do
 
Registrierungsdatum: 05.11.2002
Ort: Hoch im Norden
Beiträge: 654
Standard

Luggage hats erfaßt. Der überwiegende Anteil der Polizeiarbeit (auch des Streifendienstes, wir müssen also noch nicht mal das Beispiel der Hubschrauberpiloten und Profiler bemühen) besteht nicht aus Zwangsanwendung, sondern gänzlich "ungewalttätigen" Beschäftigungen. Verkehrsunfallaufnahme, Tatortarbeit, Befragung von Personen, Anzeigenaufnahme, Verkehrsüberwachung, Schlichten von Streitigkeiten, Präventionsarbeit, Personen- und Fahrzeugkontrollen, der Fertigung von Ermittlungsakten und Ordnungswidrigkeitenanzeigen, Schreiben von entsprechenden Berichte und Vermerken usw.

Natürlich kommt es immer mal wieder zu Situationen, in denen man sich rangeln muß, natürlich ist dafür Training vonnöten, und natürlich wäre es wünschenswert, daß Ausmaß und Qualität des Trainings kontinuierlich verbessert würden. Es wäre gleichfalls wünschenswert, daß mehr Kollegen Interesse für diese Thematik aufbringen würden. Jeder hat seine eigene Art mit dieser Problematik umzugehen... ich gehe eben privat ins Dojo.

Es ist allerdings nicht vertretbar, auf dieser Grundlage zu fordern, daß nur noch Bewerber zugelassen werden, die männlich, kräftig und mit Vollkontakterfahrung gesegnet sind. Ich kann nachvollziehen, daß du, Nogain, das für deine Türmannschaft so regelst. Du solltest dabei aber nicht außer Acht lassen, daß das, was du in deinem Bereich von unserem Verein siehst, nur ein kleiner Bruchteil der Tätigkeit eines Streifenbeamten ist. Der durchschnittliche Polizeibeamte kommt um ganze Größenordnungen seltener in körperliche Auseinandersetzungen als der durchschnittliche Türsteher, hat dafür aber noch einen ganzen A**** voll anderer Aufgaben, die mit SV-Kompetenz in jeglicher Form nichts zu tun haben. Für die Polizei sind derartige Anforderungen wie die von mir oben genannten Kriterien schlicht und einfach nicht angemessen.

Wenn ich mich entscheiden müßte, ob ich lieber mit einem guten Fighter oder der besagten 1,65 großen, 60 kg schweren Kollegin fahren möchte, die aber dafür das Herz auf dem rechten Fleck hat, nicht auf den Mund gefallen ist und polizeifachlich schwer was auf dem Kasten hat, würde ich mich in den allermeisten Fällen jederzeit für Alternative 2 entscheiden. Ganz einfach, weil ich sie in wesentlich mehr Situationen brauchen kann. Mangelnde Kraft und Gewicht kann man in gewisser Weise durch Personalstärke und Einsatzmittel ausgleichen... fehlende persönliche Kompetenz bei der Sachbearbeitung, Spurensicherung, Vernehmung, Einsatzabwicklung usw. nicht. Deswegen ist es richtig, daß bei der Personalauswahl der Polizei nicht Wert auf Gewichtsklasse und kämpferische Vorerfahrung gelegt wird, sondern auf die Persönlichkeit des Bewerbers.
Mit Zitat antworten