Hallo Jibaku!
Das, was Julian als "geschobenen Schlag" bezeichnet und was in ähnlicher Form ja auch Karl-Heinz rüberbringen wollte, ist etwas, was wohl außerhalb der Karatetechnik angesiedelt ist.
Damit lassen sich sicher Superresultate erzielen, führt aber eben auch zu dem, was Julian herausstellte (und was beim Geschwindigkeitsbruchtest "ohne Wand" schlicht nicht auffällt): dem fehlenden Schockeffekt durch den Fokus.
Die Überlegungen zu den Beintechniken sind im Vergleich zur Hand, und davon bin ich überzeugt, im Werdegang des Karate ursprünglich die gleichen gewesen.
Das sieht man daran, daß in älterer Literatur auf die sonst heute übliche Unterscheidung "Hand am Makiwara, Fuß am Sandsack" keinerlei Bezug genommen wird.
Folgendes kommt jedoch hinzu:
Die Fußtechnik bringt es mit sich, daß der schlagende Teil des Körpers hier eine ungleich größere Masse darstellt, als bei der Handtechnik. Das fiel bei den früher genutzten kurzen Fußtechniken zu den unteren Extremitäten nicht so auf, da, wegen des kürzeren Weges, die aus der Beschleunigung resultierende Kraft nicht so groß war. Die Techniken waren demzufolge entweder federnd oder durchdringend besser fokussierbar und unterschieden sich nur wenig von der Handtechnik.
Heute ist dies anders. Die Fußtechnik wird weit geführt, erreicht deswegen bei gleichbleibender Beschleunigung größere Kräfte, die sich aber auch schwerer kontrollieren lassen. UND DAS TRAINIERT KEINE SAU MEHR! Der leichtere Weg ist hier, die höheren Kräfte nach dem Schwungmasseprinzip zu nutzen, was im Regelfall für ein "durchschlagendes" Ergebnis auch noch ausreicht, eigentlich aber kein "richtiges" Karate mehr ist.
Hinzu kommt weiterhin:
Aber selbst wenn man beim Fuß (letztlich aus Faulheit) auf einen ausgeprägten Fokus verzichtet, bliebe trotzdem die aus der hohen Schwungkraft des Beines resultierende, destabilisierende Wirkung auf den Gesamtkörper, was es unbedingt zu vermeiden gilt, da ansonsten Kombinationen wie Mawashi-Geri/Gyaku-Zuki nicht gelingen können.
Daher ist trotzdem ein ausgeprägtes Rückschnappen des Beines unverzichtbar.
Mein Lehrer hatte mit erzählt, daß während seiner Zeit an der Takudai diesbezüglich vergleichende Betrachtungen angestellt worden waren, die zu dem Schluß führten, daß die Karatetechnik die "bessere" sei, die sich jedoch im strikten Zeitmanagment eines 20-jährigen Berufs-Thaiboxers nicht erreichen ließe. Die "richtige" Karatetechnik ist schlicht zu schwer, um damit als junger Mensch in den Ring steigen zu können. (Ich weiß, jetzt wollen mich sicher wieder jede Menge Leute erwürgen, aber damit lebe ich ... ;-))
Gruß
Jens
Geändert von Jens S. (27-06-2003 um 11:28 Uhr).
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