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Alt 21-03-2008, 16:45
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Zitat:
Zitat von Klaus Beitrag anzeigen
Ohne Ego würde man nur rumsitzen und darauf warten dass man stirbt. Ein Ich gibt es immer.
Haben ganz kleine Kinder schon ein Ego (Ichbewusstsein) ?
Ich dachte, die müssen den Unterschied zwischen Ich und Du, das Getrenntsein erstmal in den ersten Monaten lernen?
Dennoch sitzen (liegen) die nicht nur rum und warten bis sie sterben, die kommen, im Gegenteil ganz schön "egoistisch" rüber.
Haben Tiere (bis auf Primaten, einige Wal-Arten und Spezies mit ähnlich hoher Gehirnentwicklung) ein Ego im Sinne eines bewussten Selbst-Bildes?
Sicher hat ein Hund Bedürfnisse, Emotionen und eventuell eine Persönlichkeit und einen Charakter aber hat er ein Ego?

Das Ego (Ichbewusstsein) scheint mit der evolutionären Gehirnentwicklung entstanden zu sein und wenn schon kein Vorteil zumindest kein Überlebens-/Fortpflanzungsnachteil gewesen zu sein.

Wenn man genauer hinschaut, dann ist das "Ego" eine höchst interessante Konstruktion des Geistes, da sind sich moderne Hirn-Forscher und richtige Buddhisten wohl einig.
Denn das vermeintlich dauerhafte Ich ist in Wirklichkeit nirgends zu finden und ist es nicht eigenartig, dass ein Vierzigjähriger mit "Ich" sowohl seinen momentanen Zustand meint, jedoch auch den vor 35 Jahren und eventuell den in 40 Jahren, obwohl er morgens bei Arbeitsbeginn vielleicht ein ganz anderer ist als Abends bei der Familie oder der Geliebten.

Wie aber soll man etwas auflösen, was nicht tatsächlich (im Sinne von Buddha inhärent "aus sich selbst heraus") existiert?
Geht es nicht eher darum, sich (wer wird sich was bewusst) des Konstruktes bewusst zu werden damit es seine Macht verliert?
Loslassen heißt ja nicht etwas Neues zu tun, sondern etwas, was ich die ganze Zeit tue, zu lassen.
Im Taijiquan lasse ich los, indem ich aufhöre festzuhalten, Muskeln anzuspannen. Ich merke, dass ich mich unnötig anstrenge und lasse es sein.
Ich tue weniger, nicht mehr.
Ähnlich stelle ich mir das beim Ego-Loslassen vor (und so wird es wohl auch immer von Iron beschrieben):
Ich merke welche vielleicht falschen Vorstellungen ich von mir selbst habe, und wie sehr es mich anstrengt sie gegen die Wirklichkeit aufrechtzuerhalten.
Ich merke, dass die Gedanken, Gefühle, vermeintliche Bedürfnisse kommen und gehen und man manches vielleicht einfach nur wieder gehen lassen muss (edit: kann).
Die Gefühle sind weiterhin da, werden aber nicht mehr festgehalten, nicht mehr so ernst genommen, und dann wird’s wohl erst richtig lustig (oder warum haben diese Buddhisten, die einem sagen „Leben ist Leiden“, soviel zu lachen? vielleicht haben wir den Witz nicht verstanden).

Innerhalb des Taijiquan habe ich folgende Erfahrungen gemacht: Nach einer Phase regelmäßiger Meditation machte es mir im Pushen weniger aus, zu verlieren (im Sinne der Gedanken „Mist, ich trainiere so viel, und die anderen sind immer noch besser, das lerne ich nie.. ich geb 's auf, ..
ich muss noch viel mehr üben...) und ich konnte mich mehr an gelungenen Aktionen meiner Kontrahenten freuen.
Trotzdem hab bin ich nicht schlechter geworden, nur entspannter und damit sogar besser.
Mein derzeitiges Verständnis von Nichthandeln/Nichtgewinnenwollen/Absichtslosigkeit: Das Rahmenziel ist vorgeben und bleibt erhalten (stehen bleiben, oder nicht verletzt werden) darüber hinaus gibt es jedoch keine Strategie („Ich mach A, dann macht er B und ich komm mit C“), sondern es passiert halt was sich ergibt.
Dadurch wird man freier und unberechenbarer.

Wenn man wachen Auges durch die Welt geht, merkt man wie anstrengend es sein kann, mit Leuten (auch sich selbst ) umzugehen, die ständig versuchen ihr sensibles Ichbewusstsein zu verteidigen und vor der bösen Wirklichkeit zu schützen, anstatt vielleicht zu denken:
„Ach Wirklich? - ist ja lustig

Soweit die Theorie

Geändert von bluemonkey (21-03-2008 um 17:12 Uhr).