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Alt 21-03-2008, 20:36
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Halllöle, wo's um Definitionen geht, äußere ich mich ja auch sehr gerne, deswegen auch hier:

Meiner Meinung gibt es mehrere "typische" Definitionen, was jemand meint, wenn vom "Ego" die Rede ist. Leider passiert es praktisch immer, dass diese wirklich verschiedenen Dinge dann als zusammengehörig oder ein großes Konglomerat verstanden werden, und dadurch Aspekte des "Ego" als negativ gebrandmarkt werden, die eigentlich nicht negativ sind, sondern sogar notwendig für ein "normales" Leben.

Teilbereich 1: Das "Ego" ist der Teil des menschlichen Geistes, der für rationales Denken und bewusste Kontrolle des Handels und für die Ausübung der willkürlich steuerbaren Motorik zuständig ist. Das Ego ist das, was "ich denke also bin ich" zu sich selbst sagen kann, und ein Mensch der sich dies sagen kann, kann sich z.B. zielgerichtet ein Butterbrot schmieren und aufessen.
Dieser Teil ist eigentlich positiv oder neutral, denn wenn einem Menschen dieser Teil fehlt, so ist er entweder extrem psychotisch, autistisch oder geistig behindert oder ähnliches. Auch "ego-transzendierende" spirituelle Methoden wollen diesen Teil ja nicht abschaffen, sondern transzendieren, d.h. einen geistigen Bereich entwickeln, der eben über das denkende Selbstbewusstsein hinausgeht.

Teilbereich 2: Unter "Ego" wird manchmal auch lediglich die dualistische Natur des begrifflichen Denkens verstanden, dann fällt halt z.B. der Aspekt der bewussten Kontrolle der Motorik und des sonstigen kontrollierbaren Verhaltens weg. Dieser Teilbereich des "Ego" wird oft negativ bewertet, weil es oft um einen spirituellen Kontext geht, in dem eben diese geistige Transzendens angestrebt wird, und das dualistische Denken (hier =Ego) überwunden werden soll. Dabei wird leider oft vergessen, dass die Entwicklung des dualistischen Denkens für die Entwicklung der transzendenten geistigen Bereiche absolut notwendig ist, so ähnlich wie man zuerst (zumindest ansatzweise) lernen muss, mit Zahlen zu rechnen, bevor man lernen kann, wie abstraktive Formeln und Funktionen mit Variablen funktionieren; oder wie Kinder erst krabbeln lernen müssen, bevor sie laufen lernen können.

Teilbereich 3: Unter "Ego" wird teilweise auch die Summe der Meinungen über sich selbst verstanden, einschließlich der Idealbilder, wie man es gerne hätte.
D.h. das Ego beinhaltet die Informationen, dass man z.B. männlicher Bahnbeamter, verheiratet, durchsetzungsfähig, intelligent, verständnisvoll, manchmal zu schnell wütend, geschickt, mittelmäßig attraktiv ist, nur selten lügt, usw.

Teilbereich 2 und 3 sind eigentlich quasi der jeweilige Außenbereich an der einen und der anderen Seite von Teilbereich 1.

Das Gegenstück zum recht umfassenden Teilbereich 1 wäre jetzt
Teilbereich 4,
und zwar das Ego im negativen Sinne, d.h. sämtlich mehr oder weniger ausgeprägten egoistischen und selbstbezogenen Teile der Persönlichkeit.

Hier beginnt dann die große Verwirrung, und zwar, weil dann oft z.B. Teilbereich 2, d.h. das dualistische Denken als reines Funktionsprinzip mit den egoistischen Anteilen der Persönlichkeit in einen Topf geworfen wird, und dann oft so getan wird als wäre das dualistische Denken schuld am weltweiten Egoismus der Menschen.
Das ist natürlich so zutreffend wie die Fähigkeit des Menschen, auf zwei Beinen zu laufen, die Ursache für sämtlich Kriege auf Erden ist: D.h. der Zusammenhang ist völlig überzogen.

Dementsprechend muss man die Äußerungen der meisten Leute, wenn es ums "Ego" geht, sehr genau betrachten, was denn jetzt der eine oder andere meint.
Meistens kommt in Diskussionen über das Ego nicht viel rum, weil diese Vermischung der Teilbereiche 1-4 alles absorbiert.