Kritik an SV Trainer-Schnellausbildungen Hallo an alle,
ich werde hier mal meinen kritischen Gedanken zu den "SV Trainer/Instructor-Schnellausbildungen" freien lauf lassen.
Jeder kann und soll seinen Senf dazugeben. Diese Kritik ist nicht nur an die "üblichen" Verdächtigen (KAPAP, Krav Maga, Jim Wagner's System,...) gerichtet. Das selbe Konzept wird ja auch in anderen KK angewandt (z.B. Luta Livre). Ausgangspunkt 1:Trainer Instructor-Ausbildung in 80 Stunden und weniger
Bei manchen Verbänden wird ein "Basic-Instructor" in 80 Stunden oder noch weniger angeboten (aktuell KAPAP in 24 Stunden!). Dafür werden meißt fortgeschrittene Kenntnisse in einer Schlag-und Trittlastigen Kampfkunst vorasgesetzt, möglicherweise hohe Graduierung, etc.
In 80 Stunden, oder weniger, wird erwartet jemanden auf ein Level zu bringen, daß diese Person (m/w) selbständig ein System unterrichten können. Das Material soll nicht nur unterrichtet werden, es muß auch überzeugend vom Trainer/Instructor dargestellt werden können, und der Trainer/Instructor muß lernen Fehlerquellen zu erkennen und diese zu verbessern. Dies soll didaktisch so rübergebracht werden, daß die Leute (Schüler) verstehen, daß es vom Konzept/Techniken her leicht zu lernen ist. Meine Kritik:
In 80 Stunden oder weniger kann man meinen Augen keine Kombination von technischen, konzeptionellen und didaktischen Elementen an einen Kampfkünstler weitergeben, wenn nicht schon Vorkenntnisse des Systems bestehen. Alleine für das Erkennen und Begreifen der eigenen Fehlerquellen, seien sie technischer oder methodischer Natur, braucht man Erfahrungswerte die sich erst mit regelmäßiger Wiederholung einstellen, und man die Erfahrung am "eigenen Leib" sammelt. Bei einer so kurzen Lernphase bedeutet dies, daß der Trainer/Instructor die Erfahrungswerte erst im Training seiner Schüler erkennen wird. Dies muß verarbeitet werden und frühestens beim nächsten Training wird man diese Werte weitergeben können.
Ich bin auch ein Freund von der Vorstellung, daß man auch als Unterrichtender ständig dazulernt, jedoch wäre die Vorstellung, daß dies fast ausschließlich auf Kosten der Schüler passiert, für mich nicht zufriedenstellend.
In Gesprächen mit verschiedenen Leuten, die mehrere dieser "Schnellprogramme" durchlaufen haben, hat sich immer wieder herausgestellt, daß es starke Defizite in den Details gab. Ausgangspunkt 2: Übertragbarkeit eines militärischen Systems auf die zivile Selbstverteidigung
Gerade bei den militärischen Systemen wird davon gesprochen, daß sie schnell erlernbar sind und sich hervorragend für die zivile Selbstverteidigung eignen. Meine Kritik:
Ein militärisches Nahkampf System ist nur bedingt auf den zivilen Bereich übertragbar. Dies ergibt sich alleine schon aus dem Zeitpunkt zu dem ein militärisches Nahkampfsystem an Soldaten weitergegeben wird (wenn überhaupt). Bevor irgendetwas in Richtung Nahkampf unterrichtet wird, kommt erstmal eine monatelange Periode des Aufbaus. Dann ein Grundgerüst, in Israel z.B. die Grundzüge des Krav Maga. Von dem was Spezialeinheiten unterrichtet bekommen ist man da noch ganz weit entfernt. Warum werben dann Systeme damit, daß es "Special Forces XY" machen, dann muß es ja Klasse sein? Weil es werbetechnisch gewinnbringender ist. Besonders Klasse finde ich die Steigerungen, die es bei den israelischen Systemen gibt:
Krav Maga ist für die generellen Rekruten geschaffen worden, also für jedermann/frau (in Israel machen Frauen auch Wehrdienst). Aber wenn man was "Richtiges" machen will dann muß man zum KAPAP, da das die Spezialeinheiten machen.
HALLO, die ganzen Leute die Spezial-Kampfausbildung in ihren Einheiten machen haben alle die Krav Maga Grund-Ausbildung hinter sich.
Wenn man das auf den zivilen Bereich überträgt, müßte man den Leuten fairerweise sagen, daß sie, um "Sondereinheiten-Kampfkünste" richtig zu lernen, sich erstmal eine Grundbasis antrainieren sollten.
Aber das paßt dann nicht mehr ins "leicht erlernbare" Schema.
Als Klarstellung: Jede Kampfkunst, Selbstverteidigung oder militärisches System hat meiner Meinung nach ein berechtigtes Dasein. Aber man kann nicht einfach etwas nehmen und mir-nichts-dirnichts vom Ausgangspunkt auf etwas anderes übertragen.
Da gaukeln sich die Leute (Schüler, wie angehende Trainer) etwas vor.
Für die Leute, die denken ich verteidige das System der IKMF mit mindestens 160 Stunden Instructorausbildung: Auch diese Zeit ist in meinen Augen sehr knapp bemessen und ich gehöre nicht zu den Leuten die sich erst seit vorgestern mit Krav Maga befassen.
Für heute reicht es erstmal. Für konfuse Partien im Post bitte ich um entschuldigung. Ich bin zu müde um nochmal alles durchzulesen.
Gute Nacht,
John |