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Alt 30-03-2008, 21:57
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Tori Tori ist offline
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Kampfkunst: Karate (Shotokan), Crossover
 
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Leider konnte ich wg. Zeitmangel zu diesem Thread bisher nichts schreiben. Die Ausgangsfrage „Muß Karate Langweilig sein?“ -> hierzu ein klares Nein. Es kann Langweilig werden, wenn man den Hintergrund der Übungen nicht versteht bzw. von vorneherein mit einer negativen Einstellung ins Training geht – tatsächlich kann dies aber in jedem Kampfsport so sein den ich kenne. Dies ist Trainingsabhängig bzw. abhängig vom jeweiligen Lehrer und nicht vom Stil. Man kann jedes Training interessant machen, nur sind zur Einschleifung der Techniken eben Wiederholungen nötig, egal bei welcher KK. Dies ist z.B. auch im Boxen so.

Zu Shotokan speziell folgendes: Anscheinend denken hier viele wir laufen nur Katas. Katas sind für MEIN Selbstverständnis für MEIN Karate sehr wichtig. Diese Erkenntnis habe ich aber auch erst nach vielen Jahren des Trainings für mich entdeckt. Früher habe ich Kata gehasst. Das heißt nicht, dass Karate ohne Kata kein Karate wäre. Aber für MICH ist es ein wesentlicher Bestandteil von Shotokan. Genauso aber liebe ich Randori (Freikampf ohne jeglichen Schutz-gerne auch der härteren Art). Nachdem ich aber hier bisher nur gelesen habe, was Shotokan alles nicht ist bzw. nicht sein soll und alles nicht kann, will ich jetzt mal darstellen was Shotokan alles sein kann bzw. ist, wenn es richtig gelehrt wird.

Shotokan ist:

- Schnelligkeit
- Disziplin
- Power/Kraft/Schnellkraft
- Explosivität
- Perfekte Körperbeherrschung
- Flexibilität
- Viele Techniken und Stellungen
- Ausdauer
- Gleichgewicht/Koordination/Distanzgefühl
- Konzentration
- Wettkampfsport
- Leistungssport
- Breitensport
- Selbstverteidigung
- Spiritualität
- Achtung/Respekt/Vertrauen dem/den Mitbürgern/trainierenden gegenüber
- Tradition
- Ächtung von Gewalt
- Ein Sport für alle – von Kindheit an für Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Erwachsene und Senioren bis ins hohe Alter
- Kameradschaft, Freundschaft, sportlich faires Messen mit anderen gleichgesinnten
und letztlich unendlich viel Spaß

Zu den einzelnen Punkten:
Im Gegensatz zu vielen Meinungen hat das Shotokan nicht nur tiefe Stellungen. Im Gegenteil - die sog. tiefen Stellungen sind meiner Auffassung nach stark im Rückzug begriffen. Tatsächlich gibt es im Shotokan einige sehr tiefe Stellungen, vor allem im Kihon. Aber tief stehen (und das wird oft falsch gelehrt) bezieht sich eben nicht auf möglichst tief runter sondern auf den abgesenkten Schwerpunkt durch die Beugung der Knie. Diese Stellungen haben aber auch Ihre Berechtigung. Denn der Shotokanstand sollte ein fester (stabiler) Stand sein - und nicht dadurch glänzen, möglichst breitbeinig seine Glieder supertief auf dem Boden zu verteilen. Kampfstellungen waren bzw. sind nie tief sondern Situationsangepasst. Ebenso die Hand/Fausthaltung. Die teilweise sehr speziellen Shotokanstellungen sind eine wichtige Grundlage um unsere Techniken entsprechend durchführen zu können, sie sind aber nicht Bedingung. Im heutigen Karate mit Wettkampfcharakter (DKV) sind tiefe Stellungen mittlerweile eher die Ausnahme und auch eher hinderlich. Die Vielzahl der Stellungen aber ist auch eine Stärke des Stils. Aber wer sagt denn, dass Shotokan sich nicht weiterentwickeln kann?

Shotokan ist kein Vollkontakt. Aber alle Shotokantechniken sind Atemitechniken und sollten auch so gelehrt und nicht vergessen werden. Und auch im Shotokan gibt es den Infight mit sehr kurzen Stellungen. Für mich sind Sandsack, Pratzen und Makiwara wesentlicher Bestandteil des Karatetrainings und unverzichtbar. Soviel zur Kritik mit in die Luft schlagen. Leider wird dies (im DKV) selten in der Unter bzw. Mittelstufe gelehrt ist aber von Training zu Training sicherlich unterschiedlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Teil des Trainings bei uns (DKV) wieder zunimmt. Die korrekte Ausführung und das erlernen all unserer Techniken nimmt aber auch erstmal viel Zeit in Anspruch.

Ich habe hier gelesen, dass im Shotokan alles verkrampft sein soll, die Techniken und so weiter und dieses merkwürdige Einrasten etc.. Dies höre ich sehr oft jedoch nur von Anfängern oder von Leuten die nur sehr kurz trainiert haben. Grundsätzlich sollen die Techniken im Shotokan flüssig, locker und unverkrampft durchgeführt werden. Typische Verkrampfungen geschehen durch Unerfahrenheit, falsche Ausführung der Techniken bzw. durch falsche Anleitung des Trainers. Im Shotokan muß die Anspannung (Kime-was wahrscheinlich von Ahnungslosen als Einrasten bezeichnet wird) erst in der Endphase der Technik erfolgen. Dies Anspannung darf korrekterweise nicht allzu lange erfolgen sonst wirds verkrampft. Steife Bewegungen sind ebenso nicht Teil des Stils. Im Gegenteil – flüssige, gleitende, dynamische Bewegungen sind ein Merkmal des Shotokan oder sollten es zumindest sein.

Unser Shotokan ist für MICH Karate-DO. Ein langer Weg. Aber dies erschließt sich manchen wohl nie. Shotokan ist nicht von heute auf morgen zu erlernen was sicherlich ein Nachteil ist. Viele Verzweifeln bereits nach kurzer Zeit aufgrund der Komplexität und des im sturen, gleichförmigen Trainings am Anfang um erst mal die Bewegungen einzuschleifen. Im Gegensatz zu vielen VK-Stilen ist Shotokan wie schon gesagt ein langer Weg. Erst wer diesen Weg gegangen ist wird dies erkennen können. Leuten die gerade mal ein paar Trainingseinheiten Shotokan hinter sich haben, dass Wesen unseres Stils aber weder verstanden noch erkannt haben, spreche ich jegliches Recht ab, diesen zu kritisieren. Shotokan hat seine Stärken und Schwächen. Das hier jedoch teilweise gezeichnete Bild von Shotokan ist schlichtwegs falsch.

Oss...

Ach ja... und Karate muß bzw. sollte wirklich nicht langweilig sein
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Geändert von Tori (30-03-2008 um 22:01 Uhr).