Zitat:
Zitat von KidStealth aber so schlägt man ja auch nicht. |
Warum schlägt man so nicht? Nur mal vorab:
Kraft = Masse x Beschleunigung .. soviel sollte klar sein. Das Ziel sollte also eine möglichst hohe Beschleunigung/Geschwindigkeit des auftreffenden Punktes sein.
Wenn ich schlage, generiere ich die Beschleunigung meiner Waffe durch mehrere Bewegungen, deshalb ist mir auch unverständlich, warum hier immer geschrieben wird, "bei uns kommt die Kraft aber aus dem Körper". Warum denn nur daher? Schrittarbeit aussen vorgelassen:
1. Hüft-Körperdrehung
2. Armbewegung, durch Abduktion/Adduktion der Brustmuskulatur verstärkt + Streckung des Arms (Ellbogen)
3. Streckung des Handgelenks
4. Schliessen der Faust vor dem Treffen
Gerade von den Verfechtern der 90°-Winkel Fraktion wird immer behauptet, dass sie ihre Kraft aus der Körperdrehung beziehen, aber warum nur daher. Wenn ich mir die Videos so anschaue, wird zB nicht oder kaum mit der Brustmuskulatur gearbeitet. Jeder, der mal im Fitnesscenter an nem Butterfly war, weiss, wieviel Kraft darüber generiert werden kann.
Noch wichtiger ist mMn. die Arbeit im Handgelenk. Wir reden hier von kreisförmigen Schlagbewegungen. Umso größer der Radius eines Kreises, umso höher ist die die Geschwindigkeit am äußersten Punkt. Wenn ich meine Waffe beim Aufprall gestreckt habe, ist fast ein halber Meter mehr - ein Blick ins Physikbuch zeigt den enormen Unterschied. Oder man nimmt sich einfach mal sein Fahrrad, steckt den Reflektor erst neben die Radnabe und dreht es, danach an den äußersten Punkt der Speichen und dreht es nochmal. Kraft = Masse x Beschleunigung!!!
Der letzte Punkt ist bei mir, zumindest bei abierta-Schlägen, das Schliessen der Hand. Beim Schlag greifen die ersten drei Finger fest, Ring-und kleiner Finger sind locker. Beim Treffen schließt sich die Faust, was nochmals eine zusätzliche Beschleunigung der Stockspitze mit sich bringt (und eh notwendig ist, während ein verkrampftes Greifen vorher im Gegenteil hinderlich ist).
Bei Serrada-Schlägen kommt bei mir, aus dem DeCampo, manchmal noch ein "Öffnen" des Unterarms/Handgelenks dazu, aber das lasse ich erstmal aussen vor.
Mich würde jetzt zunächst mal von der 90° Fraktion interessieren, wie sie auch nur annähernd diese Geschwindigkeit mit einem angewinkelten Handgelenk erreichen wollen - bzw was sie machen, was ich nicht mache.
Vielleicht kommt jetzt auch das Klingen-argument, man wolle mit der Klinge schneiden und müsse daher über die Länge der Klinge aufsetzen. Aber auch das kann ich eigentlich nicht gelten lassen. 1. Kann ich genausogut mit der Spitze schneiden, 2. kann ich auch mit der ganzen Seite schneiden, indem ich einfach nach dem Auftreffen "nachgebe" und die ganze Klinge nachziehe. 3. und am wichtigsten sollte aber gerade beim Klingenkampf die Entfernung die höchste Priorität haben.
Dass man mit angewinkeltem Handgelenk eine viel geringere Reichweite hat als mit gestrecktem hat Mono schon schön dargestellt. Dazu kommt noch, dass man, wenn man mit einem stumpfen Gegenstand kämpft, also mit der Spitze treffen muss, man den Schlag sogar noch verkürzen muss (Ellbogen zum Körper) um die Spitze nach vorne zu bringen.
Wozu? Warum nicht die Reichweite ausnutzen, wenn man schon eine Waffe hat? (Und das gilt umso mehr in einem Klingenkampf, wo man ja eigentlich ausserhalb der gegnerischen Reichweite bleiben sollte).