Wenn ich doch nur das Bild fände wo eine portugisisch/ europäisch inspirierte Rüstung mit Kettenhandschuhen zu sehen war. Aber zugegeben - eine recht späte Invention, bezogen auf die Nutzungsdauer von Rüstungen in Japan.
Nenn' es ängstlich, aber ich persönlich scheu vor dem Griff an eine polierte Säbelschneide/ gekurvtes Schwert. Die Gefahr des Schneidens ist laut meinem physikalischen Verständnis doch etwas höher als bei einer geraden Klinge. Egal wie scharf letzere ist. Einige der Techniken haben ich, trotz meiner geringen Weihen, schon gesehen. Wenn man diese Hassadeurstücke schafft, resp. überlebt, dann hat man 3 Wünsche frei und kann sich einen 2. Geburtstag eintragen. Ich rede hier noch nicht mal vom mystischen Fangen zwischen den Handflächen. Und eine fremde Klinge greifen erfordert das Stoppen oder Bremsen der Klinge oder ein furioses Verhauen des Gegenüber. Hier liegt auch ein Vorteil der (langen) Rückenschneide / Ferse - das Greifen und Einlaufen gegen die eigene Klinge durch den Gegner, ist stark erschwert. Praktikabel empfand ich immer das Greifen der eig. Kling. im Halbschwert, um etwa Schwachstellen in der Rüstung des Gegners zu inspizieren. Und da zeigt die Schneide von meiner Handfläche weg, wenn auch die gesamte Klinge umfasst werden sollte (sollte aber nicht). Die verschiedenen Formen des Windens und Drückens, Reißens und Schiebens der Klinge im Nahkampf sind aber in allen Rüstung tragenden Schulen zu finden. Oft waren weniger die Hände als
z.B. das Einklemmen zwischen Do und Armschiene gemeint. Ich vermute bei vielen Techniken eine fehlerhafte Übersetzung. Das Training beweißt recht drastisch, das der Kram ohne Rüstung keinen Sinn macht, wenn etwa die Klinge an der eigenen Seite durch einen Zug am Klingenrücken in der Nähe/ an der Tsuba, vorbeigeführt wird. Ohne zumindestens ein Kettenhemd nonsens. Letztens haben wir bei Shidoshi Kostas Kanakis mal das unbewaffnete Unterlaufen eines Schwertstreichs (dai jodan jumin kiri (oder so ähnlich geschrieben)) geübt. Wir hatten Polsterstangen, mit welchen Uke mal so richtig zugesemmelt hat. Gefordert war ein ruhiger und energischer Streich, ohne Hast aber mit der Intention zu spalten. Von 20 Versuchen hat man nur einer geklappt, vorausgesetzt der Uke hat mit den Augen oder irgendwie sonst vor dem Streich gezappelt. In allen anderen Fällen hatte tori für das Überleben nur dieser Einzelaktion mindestens eine stählerne Armschiene und eine Schulterplatte gebraucht. Mit Ferse würde eine Klinge diese Art von Verteidigung noch schneller unterbinden, da sie nicht gedreht werden müsste. Is aber auch wurscht - das Greifen der Klinge hat immer auch ein wenig mit Verzweiflung zu tun.
Aber ein paar Techniken mehr aus Deiner Feder würd' ich freudig erwarten. Mal sehen ob ich die hinbekomme und hinterher noch popeln kann


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P.S.: Natürlich trainiere ich nicht mit scharfen Klingen!!!
Schöne Grüße nach Berlin
Christian Carolus
