Tut mir leid, Senz... aber ich fürchte Du verwechselst da Einiges.
1. Es ist ein was Anderes wie sich Kampfkünste entwickeln, und wie sie später gelehrt werden. Natürlich fing alles erst an mit der Faust... später kam der Stein... dann der Speer... etc.
Aber im Training eines Samurai war unbewaffnet am unwichtigsten. Letzteres wurde nur dann verwendet wenn man um irgendwelchen Grund seine Waffe verloren hatte, aber das war nicht so der Sinn der Sache.
Ein Samurai war ein bewaffneter Soldat, und das waren schon seine Vorläufer, also vor dem 12. Jahrhundert vor das Konzept "Samurai" entstand.
Die wichtigste Waffen in der Schlacht waren Bogen und Speer. So wurde der Samurai trainiert um seinen Speer zu führen. Auf diesen Bewegungen waren auch seine waffenlosen Techniken basiert.
Ab 1600 war in Japan eine Zeit relativen Friedens. Der schwer gerüstete Samurai war nicht mehr so wichtig und so ersetzte das Schwert den Speer, da es eine "nobelere" Waffe war.
Viele ältere Stile wurden angepasst und vor allem die neuen Stile wurden auf dem Schwert basiert. Waffenloser Kampf war IMMER noch "Waffenkampf ohne Waffe".
2. Zen war in Japan fast gänzlich unbekannt bis im 17. Jahrhundert, und erst RECHT bei Krieger. Diese hatten nämlich ganz was Anderes zu tun als sich in höheren Sphären zu begeben. Japan war ein Land im Krieg... seit Jahrhunderten. Und in den Kampfkünsten war zu 99% Shintō wichtig. Das sieht man sogar schon am Namen alter Stile. Ich sag nur "Tenshin Shōden Katori Shintō Ryū", als beispiel.
Erst ab Takuan Sōhō (1573–1645) fing Zen an Fuss zu fassen in der Kriegerkaste. Seine berühmten Schüler waren: Miyamoto Musashi, Matsudaira Dewa no Kami, Ishida Mitsunari, Kuroda Nagamasa, Yagyū Munenori, Go-Mizunoo, Tokugawa Iemitsu und Itō Ittōsai.
Alle diese Herren waren aber Schwertkämpfer, und keine Meister in unbewaffneten Kampf.
Interessant aus historischer Hinsicht ist, dass Zen und das Schwert sehr schnell Fuss fasste im 17. Jahrhundert, obwohl der Frieden noch jung war. Es gab schon mehrmals Epochen des Friedens, aber niemals konnte Buddhismus den Shintō verdrängen bei den Kriegern und niemals das Schwert den Speer. Wieso das jetzt in 1600 plötzlich doch der Fall war, ist mir ein Rätsel.
Interessant um nach zu forschen, finde ich.
Jedenfalls, auch wenn die Samurai jetzt "Frieden" kannten, und der Speer und die Rüstung nicht mehr wichtig waren, und ersetzt durch den "Daishō", dem Schwerterpaar, war unbewaffneter Kampf immer noch eine Nebensache. Sie wurde zweiträngig trainiert und herauskristallisiert aus den Schwerttechniken.
Du sagst das sei jetzt unwichtig, ob es jetzt so rum war oder anders herum, aber ich widerspreche dem jetzt mal ganz klar, jedenfalls in DIESER Diskussion.
Du hast nämlich behauptet Burny solle doch erst mal das Schwert vergessen und sich mit unbewaffneten Kampf beschäftigen.
Aus Deinem Karatedō-Hintergrund verstehe ich das, ganz klar. Aber bei Koryū Bugei, also bei alte japanische Kampfkünste, sieht die ganze Geschichte nun einmal ganz anders aus.
Bitte mache nicht den Fehler zu denken dass Okinawa Japan sei. Es ist es zwar offiziell, aber erst seit 1870. Die Kampfkünste in Okinawa und Japan haben kaum etwas mit einander zu tun gehabt.
Das sieht man schon alleine am Fauststoß. In Japan gibt es keine Stile die einen Fauststoß haben der dem des Karatedō ähnelt. Damit meine ich jetzt: Faustrücken nach unten, Faust an der Hüfte; dann Arm strecken und am Ende die Faust 180 Grad drehen und treffen. Sowas gibt es nicht in Japan, oder jedenfalls GAB es nicht vor 1860. Im Daitō Ryū wurde dieser Fauststoß importiert aus Okinawa, und zwar nach 1860.
@ Gion Toji: das ist leider eine sehr oft gehörte Meinung. Dass sie weder Hand noch Fuß hat, scheint keinem zu stören. Ja, klar... die systematisierten Kampfkünste sind vor etlichen Jahrhunderten tatsächlich aus China nach Japan gekommen. Das sieht man bei unseren Schulen noch an Gyokko Ryū und vor allem bei Kotō Ryū.
A B E R: diese Behauptungen sind ganz einfach unwahr:
a) "Die Samurai bekamen die Kampfkünste zusammen mit Zen aus China vom Shaolintempel".
Das ist ganz einfach schlicht und ergreifend haarsträubend Falsch. Als Zen in Japan eintraf, gab es schon etwa 400 Jahre lang Samurai und schon 200 Jahre lang systematisierte Kampfkünste.
b) "Japaner kopieren alles".
Ein alter Kalauer. Schaut Euch Bilder an aus Japan, und welche aus Korea/China. Sogar als Laie sieht man ganz eindeutig große Unterschiede wenn man weiß wohin man schauen soll.
Japaner haben zweifelsohne viel gelernt vom Festland, ganz klar. Aber "kopiert" haben Japaner nie. Sie haben gelernt von dem was sie nicht kannten und es geändert und perfektioniert. Sie haben daraus etwas "Japanisches" gemacht.
Wenn das dan heißt dass japanische (Kampf)Künste eigentlich chinesische (Kampf)Künste seien, ist das Gleiche als behaupten dass alle Autos belgische Autos sind, da alle abstammen vom ersten Kraftfahrzeug von Ferdinand Verbiest in 1678...
Also, man sollte sich doch hüten solche Behauptungen als Wahr dar zu stellen.
Geändert von kennin (14-04-2008 um 10:22 Uhr).
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