Um zu verstehen was der Unterschied ist zwischen "Kampfkunst" und "Kampfsport" sollte man einiges wissen.
1. In unserer eigenen Geschichte gibt es diese beiden Begriffe nicht. Es wird "Faustkampf" oder "Schwertkampf" genannt... oder auch "Fechten".
Aber "Kampfkunst" oder "Kampfsport"? Nein, diese Terminologie gab es nicht in Europa.
2. Woher kommen diese Begriffe dann? Nun, es ist kein Zufall dass quasi jeder Laie gleich an Jūdō, Karate und Kung Fu denkt wenn man das Wort "Kampfsport" in den Mund nimmt. Die Worte "Kampfkunst" und auch "Kampfsport" kommten beide aus Asien.
3. Zuerst war die Kampfkunst. Wenn man in die Geschichte hinein liest, findet man das wort "Kampfkunst" schon sehr früh, und zwar sowohl im Japanischen (Bujutsu) als in China (Wushu) und zwar ab dem 14. Jahrhundert.
Beides wird gleich geschrieben: "武術". Das Wort besteht aus zwei Teilen, wie jeder eindeutig sehen kann, und zwar: "武" und "術".
"武" (bu auf Japanisch, wu auf Chinesisch) bedeutet "Krieg", "Kampf" oder "Militär".
"術" (jutsu und *NICHT* 'jitsu' auf Japanisch, shu auf Chinesisch) wird algemein gleichgesetzt an "Kunst". Und eben hier haben wir den Salat. Ethymologisch stimmt das eindeutig. Aber im modernen Sinne des Wortes eigentlich kaum noch.
Schauen wir uns mal an was da genau geschehen ist.
Nun. Das erste richtige japanisch-fremdländische Wörterbuch war geschrieben in englischer Sprache. (Verzeih mir wenn ich hier jetzt mal nicht so aus dem Kopf heraus behaupte dass es Hepburn war, denn ich bin mir nicht sicher. Kann auch Nelson gewesen sein... oder ganz jemand anderer... habe meine Quellen gerade nicht zur Hand um nach zu forschen.)
Dieses Wörterbuch übersetzte "jutsu" ins Englische als "Art" was sowieso stimmt. ABER in der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche schepperts!
Wir kennen "Art" meist nur als "Kunst". "Art" ist aber viel mehr als das. "Art" ist etymologisch verwant mit dem deutschen Wort "Art". Und in diesem Falle doch in der Bedeutung die wir kennen aus der Redensart "Art und Weise"...
"Art" kann man deshalb eigentlich besser übersetzen als "Fähigkeit", "Fertigkeit", "Beherrschen", "Können", "Methode". Und eben das ist es auch.
Interessant zu wissen ist dass man durchaus auch "Kunst" sagen kann. "Kunst" stammt nämlich etymologisch vom Verb "Können". Wenn wir sagen "das ist ja keine Kunst" meinen wir ja oftmals nicht dass das jetzt keines der Sieben Künste sei, sondern dass es nicht schwierig ist... dass es keine Fertigkeit ist. Auch das Wort "Kunststück" ist nicht unmittelbar verbunden mit den Sieben Künsten.
Nun... das Problem ist, dass viele Leute denken dass "Kampfkunst" dennoch etwas zu tun hat mit "Ästhetik"... mitnichten.
Schauen wir aber noch mal weiter.
4. Ab der Meijirestauration (ab etwa 1860, mit dem Höhepunkt in 1871) geschah vieles auf dem Bujutsumarkt. Traditionelle Kampfkünste waren verpönt, das Schwert verboten, es sei denn bei staatliche Sicherheitskräfte nach modernem, westlichen Modell.
Die Kasten, und so auch die Samuraikaste wurde abgeschafft.
Aus den Bujutsustilen wurde was Anderes. Andere Ansichten, andere Blickwinkel wurden angewandt. Statt "Kriegsfähigkeit" wurde alles Mögliche trainiert. Körperliche Ertüchtigung, Zen-Training, Sport, Ästhetik, usw.
Der Hauptfokus lag nicht mehr auf den Kampf sondern auf andere Punkte.
Der Begriff "Budō" (武: Krieg; 道: 'weg zur Erleuchtung') war zwar bereits vor einiger Zeit entstanden, aber das Wort passte nicht so sehr in die Samuraisicht, bis auf bei einigen Zen-orientierte Samurai, die aber durchaus eine Minderheit bildeten.
Und dann war da plötzlich die Meijirestauration... neue Fokusse mussten her, denn das traditionelle Kriegshandwerk war verpönt... und eigentlich sogar verboten.
So wurde der Name "Budō" genommen für die neuen Stile: Aikijūjutsu und das daraus entstandene Aikidō, Jūdō, Kyūdō, Kendō, Iaidō, Naginatadō, usw.
Inzwischen war auch Ryūkyū annexiert worden (1870) und das alte Okinawate kam nach Japan.
Es wurde nämlich gänzlich neu eingekleidet und kam 1922 durch Funakoshi Gichin und nach Japan gebracht. So wurde es zu dem was es heute ist (nicht sofort, aber der Grundstein war gelegt). Und so wurde es auch zum "Budō".
Das moderne Jūjutsu ist eigentlich etwas sehr Bizarres.
Jūdō war entstanden aus dem alten Jūjutsu, wobei man aus den Techniken die wirklich wirksamen Sachen zum Großteil herausfilterte. Später wurde dann Karatedō hinzu gefügt und noch einige anderen Sachen, und das wurde dann das heutige, moderne Jūjutsu.
5. Fazit: Es gibt einen recht großen Unterschied zwischen "Bujutsu" und das was sich zum "Budō" gewandelt hat. Und so ist es auch mit "Kampfkunst"/"Kampfsport". Bujutsu heißt Kampfkunst im Sinne von Kampffertigkeit. Kampfsport ist eine Sportart in dem man einen Kampf simuliert oder verwendet.
Was ist nun Sport? Das ist wieder ne andere Sache.
Es gibt keine klare Definition was "Sport" nun genau ist.
Aber, eigentlich kann man vieles einigermaßen definieren:
1. Freizeitbeschäftigung
2. Wettkampf
3. Motorische Aktivität (laut dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB))
4. Umgangssprachlich wird mit Sport häufig Wettkampf und Leistung assoziiert, was sich nicht nur in Begriffen wie Denksport, Gedächtnissport oder e-Sport manifestiert, sondern auch im Anspruch verschiedener Verbände reflektiert wird, vom IOC als Sportart anerkannt zu werden. (Zitat von Wikipedia: "Sport")
(Witzig hier ist dass 1888 in einem Wörterbuch stand: "Als ein wesentliches Merkmal des Sports ist endlich anzuführen, dass dessen Ausübung nicht um des Gelderwerbs wegen geschieht", was ich nur bestätigen kann... Profisport ist für mich ein absoluter Widerspruch)
Demnach ist der Unterschied "Kampfkunst"/"Kampfsport" eigentlich gleich dem Unterschied "Bujutsu"/"Budō" was dann auch teilweise Etymologisch seine Richtigkeit hat.
Ich persönlich finde den Unterschied zwischen "Kampfkunst" und "Kampfsport" wesentlich größer als die Gemeinsamkeiten. Aber das bin halt ich. |