Ich zitiere mich mal selbst:
“...heutzutage wird der Begriff “System“ oft gleichbedeutend mit “Methode“, “Stil“ etc. verwendet. Tatsächlich aber sind alle Teilelemente eines Systems harmonisch und zur größtmöglichen Effizienz des gesamten Systems aufeinander abgestimmt. Das kann durchaus bedeuten, dass es andere Techniken & Taktiken, Ansätze & Methoden gibt, die auch effizient und erfolgversprechend sind. Wenn sie sich aber nicht stimmig integrieren lassen und so zu einem “Stottern“ des Systems führen, schaden sie mehr als sie nutzen.
Ein Beispiel: Wollte man ein perfektes Tier schaffen, so könnte man auf die Idee kommen, sich die Tiere herauszusuchen, die irgendetwas besser als alle anderen können. Vom Albatros die Flügel, vom Gepard die Beine, vom Delfin die Schwimm- und Tauchfähigkeit, vom Löwen das Gebiss usw. Aber wenn man dieses “Best-of“-Tier zusammengebastelt hätte, wäre es zu irgendeiner Bewegung, zu irgendeiner Handlung fähig? Wohl kaum. Im Gegenteil: Es wäre eine völlig hilflose Kreatur - obwohl ihre Einzelelemente perfekt sind.”
Von daher läßt sich ein Imi-IKMF-Yanilov-
KM (nennt es wie ihr wollt), nicht einfach durch die Hereinnahme neuer Techniken aufbohren. Es zeichnet sich eben ganz besonders dadurch aus, dass man bestimmte Bewegungsfolgen und -muster in Stand und Boden bei verschiedenen Angriffen wiederfindet. Dies dient der Reduktion der Komplexität, und jede neue oder andere Technik, die dazu kommen soll, wird in der Regel die Komplexität wieder erhöhen. Wenn also die maßgeblichen IKMF-Instructors in Israel Änderungen vornehmen, haben sie diesen Ansatz im Hinterkopf.
Ich könnte doch x-
JJ-Techniken reinbringe, und tue es genau aus diesen Gründen nicht. Ich werde sogar immer mal wieder gefragt, ob ich nicht im
KM ein paar
JJ-takedowns etc lehren wolle. Und lehne das immer ab, weil es nicht zum System und dem Systemansatz passt. Es entstünde nicht etwas Besseres dadurch, sondern allenfalls Sand im Getriebe.
Ich fürchte allerdings, dass die Integration von “tools” und “techniques” und “tactics” - und für die Instructors Methodik & Didaktik - in anderen
KM-Stilen nicht so weit fortgeschritten ist wie bei Yanilov. Ich kann sagen, dass das, was ich bei meiner Ausbildung zum Ju-Jutsu-Fachübungsleiter an der Hessischen Landespolizeischule durch Trainer, die alle dort
SV- und Sportausbilder waren, vermittelt bekam, mit Methodik & Didaktik des IKMF-Lehrens bei weitem nicht mithalten konnte.
Es ist nicht einfach
KM, wenn man aggressiv vorwärts prügelnd auf jemanden einschlägt.
Es kann gut sein, dass auch diverse IKMF-Instructors das nicht so toll rüberbringen. Vielleicht gibt es auch im
KM das
Phänomen, dass man am Anfang nur die Oberfläche sieht und erst später ein tieferes Verständnis entwickelt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die meisten Instructor-Rookies eben einen Intensiv-Lehrgang (offensichtlich verfügt die IKMF aber immer noch über den am längsten währenden Instructor-Course) absolviert haben, während die alte IKMF-Garde in Deutschland zum Trainieren und Fortbilden in den entwickelten IKMF-
KM-Regionen der Welt war (ich in Norwegen, Israel, Finnland, Schweden, Ungarn - wo langjährige hochrangige Instructors arbeiten). Sorry, aber Deutschland ist in Sachen
KM ein Entwicklungsland (kein Wunder also, BTW, dass es in vielerlei Hinsicht drunter und drüber geht).