Wissen zurückhalten muss aus meiner Sicht nur jemand, der ein Limit hat. Ich gebe alles weiter, was ich weiß. Wenn mich dann jemand überholen sollte, dann empfehle ich ihn an meinen Lehrer. Und den einzuholen dürfte sehr schwer sein. Was ich allerdings erwarte, ist, dass auch ein solcher Schüler mich respektiert, weil ich ihm den Weg eröffnet und geebnet habe. Hier erwarte ich in besonderem Maße Solidariät und Loyalität. Damit meine ich zum Beispiel Mithilfe in unserem Lehrbetrieb.
Ich unterrichte seit 16 Jahren. In dieser Zeit habe ich schon viele Strohfeuer erlebt.
In meinem Unterricht gebe ich weiter, was ich weiß. Es sind allerdings eher wenige, die das alles aufnehmen können oder wollen. Wenn jemand wirklich will, fördere ich ihn/sie nach bestem Wissen und Können. Und genau diese Sorte von Schülern stellen ein gewißes Risiko dar, weil ich von Anfang an nie genau weiß, ob sie den Wert meines Unterrichts wirklich verstehen und ob sie dann auch längerfristig dabeibleiben. Viele steigen aus, wenn sie die lange Form gelernt haben, weil sie noch nicht verstehen, dass es dann erst anfängt.
Mein Risiko ist, dass ich ehrlich unterrichte und Herzblut hineinstecke und dass sich Schüler immer wieder charakterlich gesehen als nicht geeignet erweisen können. - Deshalb dauert es auch bei mir einige Zeit, bis ich einen Schüler wirklich annehme. Das ist ein gewißer Selbstschutz.
Was mich betrifft, hatte ich wohl wirkich großes Glück, dass ich selbst so einen vorbildlichen, aufrichtigen und fachlich excellenten Lehrer finden durfte. |