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Alt 07-05-2008, 00:24
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tsange tsange ist gerade online
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Kampfkunst: Taiji
 
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Zitat von Mathieu Beitrag anzeigen
Und diese Frage möchte ich euch jetzt stellen: Was vergoldet euer Taijiquan? Was kann das Lehrer-Schüler-Verhältnis vergolden?
ich glaub, ich bin ein bissl allergisch auf die formulierung "vergolden", als ob man einem ramschgegenstand den anstrich von glanz verpassen wollte :-)

ich weiß natürlich, dass du das nicht so gemeint haben kannst. trotzdem ist mein erster einfall dazu, dass taiji keine vergoldung nötig hat und dass das, was ich bisher an taiji kennengelernt habe, nichts mit güldener pracht zu tun hat (in wien witzelt man gerne darüber, dass das goldene wiener herz aus kaltem metall sei). für mich gehört taiji zur kategorie der geschenke, wie gestern in diversen postings hier besprochen.

dazu muss ich erwähnen, dass ich jemand bin, der ähnlich vom glück verfolgt wird, wie manche leute vom pech verfolgt werden (sowas wie gustav gans). ich bin geschenke des schicksals gewöhnt und rechne geradezu damit. dieses geschenk allerdings verblüfft mich ständig wieder. das ist fast so, als ob man eine zusätzliche dimension zu den drei bisherigen dazukriegt, und nach und nach lernt, damit umzugehen und die vervielfachte komplexheit, die aus dieser zusätzlichen dimension erwächst, als eigentliche einfachheit zu erkennen, durch allerlei verwirrungs- und aha-erlebnissen hindurch, wo alles einem erscheint wie durch hunderte von spiegeln gleichzeitig betrachtet - aufgesplittert und fremdartig, obwohl man alles erkennt. das ungefähr ist für mich taiji, und es ist enorm bereichernd, und kein ende abzusehen.

ich weiss nicht, was taiji für mich wäre, wenn ich vor drei jahren nicht in diesem kurs, sondern in einem anderen gelandet wäre. der inhalt des geschenks wäre ja derselbe - taiji kann alles, was ich darin sehe, und wohl auch alles, was ich noch nicht darin sehe - aber die verpackung wäre vielleicht so umständlich versiegelt, so unklar gekennzeichnet und so schwer zugänglich gewesen, dass ich das geschenk vielleicht gar nicht bemerkt hätte oder keine möglichkeit gesehen hätte, da zuzugreifen.

du fragst nach der lehrer-schüler-beziehung und ich stelle fest, dass die gar nicht leicht zu beschreiben ist. für mich habe ich sie so definiert, dass ich meinen lehrer im unterricht als ein externes krafttier empfinde - allerdings wird das den wenigsten leuten was sagen. krafttiere sind im schamanismus (bzw. in der form von schamanismus, die ich kenne) geistwesen, die einen coachen, einem dinge begreiflich machen und einem sehr aufmerksam immer genau die denkanstöße bieten, die man gerade braucht und verarbeiten kann. außerhalb vom unterricht fällt die krafttierfunktion natürlich weg und ich seh da einfach den menschen, wobei sich im lauf der jahre wie bei anderen schülern, die eine weile dabei sind, eine herzliche familienartige beziehung entwickelt hat (verwandtschaftsgrad ungefähr tante/onkel-neffe, ohne familienmäßigen gegenseitigen einengungsaspekt). dabei spielt sicher mit, dass es eine kleine ein-mann-schule ist und dass die schüler auf mehrere kurse mit relativ geringer schülerzahl aufgeteilt sind, sodass man mit der eigenen gruppe sehr vertraut ist und viel voneinander und vom lehrer mitkriegt (und sowohl die gruppe als auch der lehrer sind menschlich einfach klasse).
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