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Alt 07-05-2008, 20:47
GuanYu GuanYu ist offline
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Kampfkunst: Chen-stil Taijiquan
 
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Es gibt eine ganze Anzahl an Theorien darüber, wer wann was von wem gelernt und dann weitergegeben hat.

Die Chen-Familien-Variante:
Chen Wangting begründet - basierend auf verschiedenen Stilen/Ideen/Übungen, darunter den damaligen Chen-Familien-Stil - eine neue Übungsmethode, die weitergegeben wird bis zu Chen Changxing, der sie etwas abändert (auf zwei bzw. drei Formen reduziert) und an Yang Luchan lehrt. Damit wird Chen Wangting zum Begründer des Taijiquan.
Die Figur des Jiang Fa wird hier mit Chen Wangting in Verbindung gebracht, wird aber als dessen jüngerer "Bruder" (im Sinne von Blutschwur) dargestellt.
Das Zhaobao-Taijiquan ist dabei eine Variante des xiaojia (kleiner Rahmen) Taijiquan aus der Chen-Familie, die über Chen Qingping in das Dorf Zhaobao gekommen ist.

Die Zhaobao-Variante:
In Zhaobao lautet die Theorie genau andersherum, nämlich dass ihr Stil direkt von Zhang Sanfeng abstammt und sich früher oder zumindest zeitgleich mit dem Chen-stil entwickelt hat. Wie die genaue Genealogie lauten soll, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall lief die Überlieferung zu irgendeinem Zeitpunkt über eine Person namesn Jiang Fa. Dieser hat entweder Chen Wangting oder Chen Changxing unterricht.
Mit dieser Version der Entstehungsgeschichte sind die Zhaobao-Leute, so glaube ich, erst vor einigen Jahren aufgetreten. Das liegt wohl auch daran, dass ihr Taijiquan vorher nicht so bekannt war.

Die Yang/Wu-Variante:
Hier wird auch eine Genealogie zu Zhang Sanfeng aufgebaut, ebenfalls über Jiang Fa. In diesem Fall war Jiang ein Zeitgenosse Chen Changxings, der mit seinem Taijiquan (welches ursprünglich von Zhang geschaffen wurde) nach Chenjiagou kam, um dort die Kämpfer zu deklassieren. Daraufhin wurde Chen Schüler von Jiang und lernte Taijiquan. Dieses soll er dann an Yang Luchan weitergegeben haben, und, was besonders interessant ist, nach einigen Theorien NICHT an seine eigenen Verwandten, obwohl der Stil ja natürlich viel hochwertiger ist. [Es dürfte aus meinen Formulierungen offensichtlich sein, dass ich letzter Theorie nicht viel abgewinnen kann; es wirkt meines Erachtens extrem konstruiert und darauf bedacht, dem Yang-stil als einzigen Stil die wahre Überlieferung zu sichern]


Zitat:
Zitat von nagual Beitrag anzeigen
Ich glaube wohl, dass der Chen-Stil schon vorher für die Seidenspulende Kraft berühmt war. Ich glaube aber nicht, dass die Formen vor Entstehung des Xinjia tatsächlich so aussahen wie heute die Laojia-Form von Chen Xiaowang, d.h. wie ein endloses Double-hand-Silkreeling mit Schritt und kleinen Variationen dazwischen.
Der Yang-Stil betont anstelle der Seiden-Kreise sehr stark das Heben und Senken, Öffnen und Schließen sowie gerades Pushen nach vorne, und zwar ohne dass das deutlich sichtbar in Seiden-Kreise eingearbeitet ist. Ich würde vermuten, dass es solche Elemente vor Chen Fake auch öfter im Chen-Stil gegeben hat.
Das ist ein interessanter Kommentar. Häufig werden die Chen-Formen tatsächlich als eine Aneinanderreihung von Chansigong mit minimaler Variation geübt und gezeigt. Zum einen steht sicherlich die - berechtigte - Idee dahinter, mehr Systematik in die Übung zu bringen, indem man grundlegende, immer wiederkehrende Elemente herausfiltert und verstärkt übt. Die Gefahr hierbei ist allerdings, dass die Details und Anforderungen der einzelnen Positionen und Bewegungen verloren geht, auch wenn sie häufig für bestimmte Körpermechaniken und Anwendungen relevant sind. Allerdings glaube ich nicht, dass Leute wie Chen Xiaowang dieses Problem selbst haben, es hängt eher davon ab, wie intensiv man unterrichtet wurde.
In der Pekinger Variante (über Chen Yu), die ich lerne, wird kein großer Wert auf fixe Chansigong gelegt, weshalb die oben genannten Vor- und Nachteile nicht so zum tragen kommen. Ich schätze mal, dass diese Veränderung der Chen-Formen vor allem über die Chenjiagou-Linien lief, und eher ein Ergebnis jüngerer Unterrichtsmethodik ist, und nicht direkt auf Chen Fake zurückgeführt werden kann. [edit: wichtig zu erwähnen ist hier aber auch die Rolle von Feng Zhiqiang! Der ist zwar zumindest in der Chen-Xiaowang-Sparte verschrien bzw. eine Persona non grata, aber er hat ohne Zweifel enormen Einfluss auf die Entwicklung der heutigen Dorf-Methodik gehabt: v.a. in Form von Zhanzhuang und Chansigong. In seinem System findet sich die exakt gleiche, grundlegende Strukturierung und Vorgehensweise wie in Chenjiagou]
Andererseits hat Chen Fake sicherlich enormen Einfluss auf viele Formen des heutigen Chen gehabt - auch die Dorf-Leute. Chen Zhaopi soll ja selber schon von Fake gelernt haben, wenn auch bei ihm der Einfluss wohl nicht so groß war. Wenn man sich Leute wie Chen Qingzhou und Chen Quanzhong anschaut - beide ohne direkten Einfluss von Chen Fakes Taijiquan - sieht man recht deutlich die Unterschiede zu den Pekinger Linien zum einen und zu den anderen Dörflern (die auch von Chen Zhaokui gelernt haben) zum anderen. Einige dieser Unterschiede entsprechen recht deutlich den Punkten, die nagual genannt hat.

Geändert von GuanYu (07-05-2008 um 20:51 Uhr).
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