Thema: kapap
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Alt 10-05-2008, 15:09
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Zitat von muenchen64 Beitrag anzeigen
Hallo Zusammen,

seit einiger Zeit beobachte ich nun die Diskussion darüber was denn nun KAPAP eigentlich so wesentlich von anderen Stilen,
Kampfkünsten etc. unterscheidet. Nun, dies soll ein Versuch sein aus der Sicht eines Schülers (obgleich wir eigentlich alle immer
Schüler sein sollten) den Unterschied zu verdeutlichen. Hierzu möcht ich als erstes vorausschicken, dass wir im KAPAP prinzipiell
alle anderen Stile, Künste, Systeme etc. einmal so akzeptieren wie sie sind - nämlich für den Ausübenden in Ordnung. Für welche
Richtung sich ein Schüler entscheidet möge er für sich selbst festlegen. Stichwort > Toleranz.

Das meines Erachtens besondere an KAPAP ist, dass man es sowohl als Einzeldisziplin ausüben kann, es aber zugleich mit allen
anderen Kampfsportarten kombinieren kann, als - nennen wir es mal Wissenerweiterung. Das Traditionelle und das Neue sind bei
genauerer Betrachtung sehr eng miteinander verbunden. Traditionen, Ehre, gegenseitiger Respekt, diverse Verhaltensformen in den
Dojo´s haben ganz klar ihre Berechtigung, der wesentliche Punkt ist jedoch, "auf der Straße gibt es keine Regeln!" Das "Neue" lebt
in den Grundlagen vom Traditionellen, zeichnet sich aber dadurch aus dass es sich weiterentwickelt. Wir haben neue Gefahren, neue
Risiken ergo sind auch angepasste und modifizierte Techniken in der SV erforderlich - Stillstand wäre hier tödlicher Rückschritt.

Ohne nun in einen Vortrag über die Wertigkeit der diversen Kampfkunstformen zu verfallen, was mir auch nicht zusteht, da ich sicher
nicht alle kenne ;-), muss ich doch auf einen sehr wichtigen Unterschied hinweisen. Kampfkünste haben etwas mit Eleganz, absoluter
Körperbeherrschung und Perfektion zu tun, Kampfsport gleichermaßen aber zudem auch mit Fairness und dem Wettkampfgedanken unter
dem sportlichen Aspekt. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass wir uns hier in einem Bereich bewegen, der sich ganz auf das
Ego des Wettkämpfers konzentriert. Im Bereich der Selbstverteidigung sollte man jedoch den Kernpunkt nicht vergessen, es geht schlicht
ums Überleben nicht um das Ego. >> KAPAP ist lernen um zu überleben.

Um KAPAP zu verstehen ist es wichtig die historischen Wurzeln etwas näher zu betrachten:

KAPAP ist die Abkürzung für "Krav panim-el-panim" was wörtlich übersetzt "Kampf von Angesicht zu Angesicht" bedeutet.
In den 40ér Jahren wurde KAPAP dem Ursprung nach zum Synonym der Überlebensfähigkeit des israelischen Volkes. Man begann
jedoch bereits viel früher inoffiziell die Bevölkerung Israels in Selbstverteidigung > zum Überleben > auszubilden.
Die Hagana (jüdisch nationale Untergrundbewegung) wurde 1920 gegründet und bildete ihre Mitglieder neben vielen anderen Dingen
z.B. auch in Stockkampf (lang, kurz), sowie auch dem Steinewerfen aus. Der Kommandeur der Hagana Rafael Atlas war verantwortlich
für das erste KAPAP-Training innerhalb der Hagana. Ohne zu sehr in die Völkergeschichtliche Entwicklung Israels abgleiten zu wollen,
möchte ich deutlich machen, dass der Ursprung ALLER israelischen Kampfsysteme immer dem Überleben galt.

Ab 1941 mit Gründung der Palmach (Einheit den ersten Vollzeitsoldaten der Hagana) wurden deren Mitglieder als Elitesoldaten in KAPAP
ausgebildet, Zielstellung war hier die Ausbildung der Führungskräfte der späteren offiziellen israelischen Armee. So, - bis dato befinden
wir uns also immer noch im Staate Israel.

Imi Lichtenfeld (Imi Sde-Or) wuchs in der Slowakei auf. In den 30´Jahren kam es dort zu zahlreichen antisemitischen Ausschreitungen
(die braune Soße spare ich mir hier) und er stellte aus jüdischen Sportlern (Ringer, Boxer) eine Schutztruppe gegen die Faschisten zu-
sammen. Diese Truppe wurden durch ihn in Krav Maga zur Selbstverteidigung unterrichtet. Als sich die Lage in der Slowakei dramatisch für
die Juden zuspitzte, floh Imi 1940 nach Palästina wo er sich der Hagana anschloss. Nach Gründung der offiziellen israelischen Armee wurden
die Streitkräfte später von ihm in Krav Maga unterrichtet. Was nun im Laufe der Entwicklung geschah, war schlicht die Koexistenz zweier Systeme
nämlich KAPAP und Krav Maga als Unterrichtsmittel der Selbstverteidigung innerhalb der Armee. Sowohl KAPAP als auch KM wurden von
den jeweiligen Ausbildern weiterentwickelt um sie auch den Polizeien und Zivilisten zugänglich machen zu können. Für die Beschreibung der
Entwicklung des KM mögen sich an dieser Stelle andere berufen fühlen, fakt ist jedoch, dass sich KAPAP ebenfalls weiter modifizierte.

Innerhalb eines Systems - nein, eines Konzepts ist durchaus legal sich im Rahmen der Weiterentwicklung funktionierender Techniken aus
anderen Systemen zu bedienen. Meines Erachtens wird dies in vielen Kampfsportarten so gehandhabt. Immer die Zielstellung im Auge, das
bestmögliche für den Anwender herauszuholen und die Anwendbarkeit hochzuhalten. Hoffentlich sehen es einige von Euch nicht als Nest-
beschmutzung an wenn ich sage dass an der Entwicklung von KAPAP mehrere und nicht nur ein Kopf mitgewirkt haben. Stellvertretend will
ich hier Mr. Josef Nardia erwähnen, der 1950 die ersten Spezialeinheiten in Israel in KAPAP unterrichtete. Avi Nardia, der seinem Vater in die
Armee folgte konnte sich dort vielzählig als KAPAP-Ausbilder bewähren. Er war es schlußendlich auch, der das ursprünglich militärische
KAPAP angepasst für Zivilisten zugänglich machte. Soviel zur Geschichte ...

Art der Lehre und Unterrichtung im KAPAP spiegeln sich in erster Linie darin wieder, wo der durchführende Instructor selbst seine Wurzeln
hat. Der militärische, polizeiliche oder zivile Hintergrund seiner Ausbildung wird sich in der Unterrichtung niederschlagen, da die Anwendbar-
keit diverser Techniken eben innerhalb bestimmter Regularien verlaufen muss. Ein Soldat im Krieg wird nach einer Entwaffnung seines Gegners
alles in Kauf nehmen um erneute Angriffe zu verhindern - zur Not auch den Tod des Feindes. Bei einem Polizisten wird "political correctnes"
erwartet, Zivilisten limitieren sich auf den Bereich der Notwehr / Nothilfe, daher auch die Unterschiede in der Anwendung. Die Videos z.B. auf
Youtube zeigen also eigentlich nur immer den Background des Stiles (Militär, Polizei, Zivil), zudem habe ich festgestellt, dass bei weitem
nicht alles was KAPAP zeigen soll auch wirklich KAPAP ist. Diese Erkenntnis findet sich aber wohl so ziemlich in allen Bereichen wieder.

Warum ich KAPAP für mich gewählt habe? Nun, nach einigen Jahren im JuJutsu, Boxen und diversen Seminaren sowie über zwanzig Jahren
in der privaten Sicherheit (keine Pforte - ) musste ich feststellen, dass die starren Techniken die man in traditionellen Systemen erlernt in der
Realität oftmals nicht funktionieren. Ein Hauptgrund ist der Stress, der Druck handeln zu müssen. Ziel im KAPAP ist es nicht eine Technik
besonders sauber und standardmäßig durchzuführen, sondern die "persönliche" Technik, individuell auf die Bedürfnisse des Users angepasst
im Ernstfall anwenden zu können. Die Technik die bei mir funktioniert!! Hier unterscheiden wir uns definitiv von vielen anderen. Aus diesem
Grunde gibt es auch keine Gürtelprüfungen oder Graduierungen, da hier die Funktionalität leiden würde.

Gürtel kann ich nur nach Standards prüfen, > die Straße hat keinen Standard. > That´s it.

muenchen64
Na da sieh mal einer an - fetter Beitrag!
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