Nicht gleich aus der Haut fahren Klaus. Das Problem ist, dass du allein dich und deine Erfahrungen heranziehst. Da sind soviel Rauschen und Störfaktoren drin, dass du das so lapidar nicht als Beweis heranziehen kannst.
Wenn du so argumentieren möchtest, muss ich dagegen halten, dass ich mit meinem Studiotraining noch schneller sprinte, als jeder Karateka verschiedener Stile mit denen ich mich bis jetzt gemessen habe - gleich welches Level und welche körperlichen Daten die hatten (ich mit meinen unproportional kurzen Beinen, den 1,70m Körpergröße und dabei ca 75kg Gewicht würde von den meisten eher nicht als Sprinter eingeschätzt werden). Stärker bin ich auch als die meisten, zB beim Ringen, pushen, Kraftübungen mit Partner usw. Das liegt daran, dass ich gezielt trainier und nicht mit tradierten Übungen im trüben fische und irgendwie irgendwas mache, was man mir so beigebracht hat, ohne ordentlich zu wissen wofür ich es mache. Ich freue mich immer, wenn die "Muckibuden-Geher sind unbeweglich und langsam und haben eh keine echte Kraft"-Fraktion von mir durch die Gegend geschossen wird.
Aber abseits von solchen Erfahrungen ist es nunmal so, dass komplexe Übungen im Studio Muskelketten und funktionale Kraft schulen. Man muss wichtige Trainingsprinzipien beachten, dann macht einen das Zeug in jeder Hinsicht schneller, stärker, widerstandsfähiger. Man muss aber schon wissen was man macht. Das tun richtig viele leider nicht, die pumpen dann Jahrelang sinnlos in der Gegend rum und begründen dumme Vorurteile, wie du sie auch vertrittst. Dass du das tust sieht man schon daran, dass für dich Fitnessstudio=Isolationsübungen und Geräte ist. Geräte haben ihren Platz in einem Trainings-Leben. Relativ spät in einer Phase, meist in Form von Back-off-Sätzen, oder bei ganz blutigen Anfängern, um gefahrlos eine Grundlage, vorallem in Sachen Koordination, erste Rekrutierung und Bindegewebe zu schaffen. Ansonsten läßt man die 90% der Zeit links liegen und arbeitet schön an freien Gewichten und macht möglichst komplexe Übungen (wie etwa die Grundübungen - Bankdrücken, Langhantel Kniebeugen, Deadlifts usw). Mit der richtigen Trainingskonzeption und Übungsausführung werden dabei eben
nicht isoliert Muskeln trainiert (was tatsächlich unfunktionell wäre), sondern Muskelketten und auch ganz massiv Tiefen- und Stützmuskulatur. Ein guter Trainingsplan variiert alle 4 Wochen etwa, so dass ausgewogen trainiert wird. Dabei ist es dann unerheblich, dass einzelne Übungen nicht exakt dem Bewegungsablauf eines Schlages etwa entsprechen (das tun klassische
KK-Übungen meist auch nicht). In der Summe wird der ganze Körper aufgebaut, spezifisches
KK-Techniktraining besorgt dann den Rest (spezifische Bewegungsökonomie= Technik [intra- und intermuskuläre Koordination]).
Das Problem bei tradierten
KK-Methoden ist, dass sie meist im Kraftausdauerbereich anschlagen. Dadurch werden Training und Trainingskampf natürlich einfacher, ein scheinbarer Erfolg. Um einen härteren Schlag zu erhalten, Schnellkraft zu steigern (Schnellkraft = Maxkraft/Zeit, setzt sich aus Maxkraft [=schweres Gewichtstraining, wenige
WDH], Rekrutierung [=aktivierung möglichst vieler motorischer Einheiten zu einem Zeitpunkt; ist der erste Anpassungseffekt, der beim Gewichteheben erreicht wird, sollte aber noch mal bewegungsspezifisch nachgearbeitet werden] und Bewegungsökonomie zusammen), und das Widerstandsvermögen (Schutzwirkung des Muskelkorsetts) zu verbessern, sind sie nur bedingt geeignet und treten hinter gutem Hypertrophie- und Maxkrafttraining zurück (dabei ist auf sarkomere Hypertrophie zu achten und sarkoplasmatische zu vermeiden, die tatsachlich unfunktionell ist).
Was du mit "innerer Kraft" meinst, weiß ich nicht, darüber kann ich nicht diskutieren. Du sprichst ja auch immer davon, dass Taiji-Größen sehr massig sind und eine besondere Muskelstruktur haben. Davon verstehe ich nichts, kann es nicht in dir mir bekannte Muskelsystematik einordnen. Das müsste mir erstmal jemand erklären. Das einzige, was mir dazu einfällt, ist, dass es sich um Tiefenmuskulaturtraining handeln mag, wie es zB die Core-Programme von Verstegen nutzen: Koordinativ anspruchsvolle Übungen, die die Muskulatur "von innen heraus" wachsen lassen. Läßt sich auch wunderbar im Studio trainieren
Aber ich weiß schon, Klaus, außer dir kann keiner was verstanden haben und du rammst als trainingsfreie Couchwurst (ich zitiere hier frei, no offense intended) immer noch alle Mucki-Buden-Idioten ungespitzt in den Boden. Aber auf einer so individual-empirischen Basis kann man eben nicht diskutieren.