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Alt 31-05-2008, 12:08
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laoshu laoshu ist offline
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Kampfkunst: taiji, wushu, kung fu
 
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Da ich taiji und wushu nicht lerne, um mir ein "Fliegendes Warzenschwein"-Eblem auf den Seidenpyjama zu nähen oder Medaillen umzuhängen, kann ich zur Organisationsstruktur des DWF nichts sagen. Ganz abgesehen davon bin ich körperlich nicht mehr dazu in der Lage, die geforderten, akrobatischen skills (selbst im taiji muss man ja jetzt in der Lage sein, Sprünge auf einem Bein zu landen und in der tiefen Hocke ein Bein um das andere zu wickeln) abzuliefern.
Soweit ich informiert bin, bekommen nur im DWF organisierte Vereine oder Schulen staatliche Sportförderung. Da ich in einem allgmeinützigen Verein trainiere, ist das natürlich wichtig. Viele Schulen sind in dieser Vereinigung organisiert und bezahlen die Beiträge, obwohl sie an keinerlei Wettkämpfen teilnehmen. Jede Form von erzwungener Organisation beinhaltet natürlich den Verlust von Unabhängigkeit. Übernahme von Regeln, Anpassung an Strukturen.
In einem anderen thread erwähnte ich bereits, dass selbst die Heroen der Szene wie jet li auf ihre alten Tage der Entwicklung des wushu kritisch gegenüber stehen. Meiner Meinung nach geht die Tendenz hin zur reinen, körperlichen Höchstleistung und generalisierten, allgemein verbindlichen, wettkampftauglichen Standards, die eben erst eine Vergleichbarkeit der gezeigten Leistung ermöglichen. Um diese Vergleichbarkeit herzustellen, muss die Vielfalt zwangsläufig eingeschränkt werden. Siehe Peking-Form als Wettkampfstandard im taiji.
Wenn nur das Äußerliche zählt, kann alles andere entsprechend vernachlässigt werden. Heutzutage kann jemand im wushu Deutscher Meister werden, ohne jemals mit den philosophischen Hintergründen dieser Kampfkunst in Berührung gekommen zu sein. Darauf gibt es ja keine Punkte.

Die Informationsvielfalt im Internet sehe ich durchaus positiv. Allein am Internet-Auftritt einer Schule lässt sich bereits vieles ablesen. Wo liegt der Schwerpunkt, was will man vermitteln und wie setzt man es um? Ohne das Internet hätte ich bis heute nicht gewusst, was taiji ist und was neijia von waijia unterscheidet.
Dass man eine Sportart auch ohne die üblichen Vereinsstrukturen und ohne Wettkämpfe ernsthaft und intensiv ausüben kann, sehe ich an meinem Sohn, der sehr engagiert Parkour läuft. Hier wehrt man sich, zumindest bis jetzt, erfolgreich gegen eine Vereinahmung und Kommerzialisierung. Selbst Sponsoren halten sich dezent im Hintergrund.

Als ich noch glaubte, in meinem Verein etwas verändern zu können, habe ich mich dafür eingesetzt, den Schülern (vor allem den Kindern) auch zu vermitteln, was sie hier eigentlich für eine Sportart ausüben. Eine uralte Kampfkunst, über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben, die nur wenige in Deutschland können. Eine Kampfkunst, bei der bereits Kinder den Umgang mit Waffen erlernen dürfen (übrigens, im Marketingjargon gesprochen, ein sog. Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen asiatischen Kampfkünsten). Mit diesem Wissen kann man stolz darauf sein, wushu zu lernen, auch ohne Pokale zuhause im Regal.
Aber, wie gesagt, was man wie vermittelt, ist Einstellungssache und abhängig von der jeweiligen Intention.
Leider zählt es in unserer leistungsorientierten Gesellschaft wenig, etwas nur so zu machen. Deshalb ist man ja auch im wushu auf die Idee verfallen, gürtelähnliche Leistungsembleme einzuführen. Wer würde sich hier schon wie die alten chinesischen Meister wieder einen weißen Gurt umbinden?
Ehe ich vollends ins Schwafeln komme....
Alles Liebe,
laoshu
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Wenn die Klügeren immer nachgeben, haben die Dummen die Macht.

Geändert von laoshu (31-05-2008 um 12:11 Uhr).
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