Hallo zusammen,
es gibt signifikante Unterschiede zwischen
KM und KMM. Dies fängt beim Ausführen einiger Techniken an und geht bis zu Unterschieden beim Vorgehen gegen Schuss- bzw. Stichwaffenbedrohung.
Es ist teilweise auch einfach der Streit um den richtigen Weg, bei welchem es dem Einzelnen, der beide Ansätze kennt manchmal schwer fällt, zu entscheiden, was besser bzw. effizienter ist.
Ich gebe ein Beispiel.
Pistolenabwehr bei einer direkten Bedrohung von vorne, wobei die Waffe natürlich in Reichweite der Arme sein muss, um überhaupt eine Chance zu haben.
Die Initialbewegung beider Systeme ist gleich und geht nachdem Prinzip: Bedrohter Bereich aus der Schusslinie herausdrehen und gleichzeitig die Waffe in die entgegengesetzte Richtung wegschlagen, wobei die Waffe mit der wegschlagenden Hand gegriffen wird. Wie dies nun genau passiert und was dabei zu beachten ist, tut jetzt nichts zur Sache.
Der
KM Ansatz ist nun hier, dass man möglichst gleichzeitig mit dieser Aktion anfängt den Gegner mit der anderen freien Hand massiv zu attackieren, weil man sagt, die Abwehr allein kann den Gegner nicht daran hindern, seine Waffe weiter zu verwenden und bricht auch nicht seinen Angriffswillen. Die Folgeaktionen bestehen dann zunächst in einem oder mehreren Schlägen um den Gegner quasi weich zu klopfen und anschließend folgt die entgültige Entwaffnung.
Der Ansatz im KMM ist anders. Zunächst wird die ganze Aufmerksamkeit darauf gelegt die Waffe weg vom Ziel zu lenken und den Körper aus der Schusslinie zu bringen. Diese Aktion bringt die freie Hand sehr nah an die Waffe ran. Deshalb wird mit der zweiten Hand daraufhin direkt zur Waffe gegriffen und diese dem Gegner durch eine massive kurze Drehzugbewegung so entrissen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit der Finger am Abzug abgerissen oder zumindest gebrochen wird. Erst dann wird nach Bedarf attackiert oder die Flucht ergriffen.
Die Argumentation von Maor für seine Vorgehensweise ist folgende. Unter dem massiven Stress einer Schusswaffenbedrohung sind sowohl der Angreifer, als auch der Abwehrende ganz instinktiv extrem waffenfixiert. Der instinktive Wille des Verteidigers ist es, die Waffe unter Kontrolle zu halten und dafür zu sorgen, dass die Waffe nicht mehr auf sich gerichtet werden kann. Der instinktive Wille des Waffenträgers ist es aber die Kontrolle der Waffe aufrechtzuerhalten. Er wird deshalb, sobald er merkt, dass ein anderer die Waffe greift, diese zurückziehen wollen.
Was passiert nun, wenn man mit der Abwehrbewegung gleichzeitig eine Angriffsserie startet. Zum einen sind die Initialbewegungen für einen massiven Angriff und die Abwehr entgegengesetzt, denn wenn ich mit der Faust angreife, dann habe ich die Tendenz dazu, die Schulter dieser Faust in Richtung des Gegners zu drehen. Wenn ich mich aber aus der Schusslinie bewegen möchte, dann muss ich genau das Gegenteil machen, nämlich die Schulter des schlagenden Armes nach hinten wegdrehen. Bring ich unter Stress die beiden Bewegungen durcheinander, dann schaffe ich es evtl. nicht, meinen Körper aus der Schusslinie zu bringen.
Weiterhin ist die Kontrolle des Waffenarms natürlich nicht so gut möglich, wenn ich während ich diesen Arm halte gleichzeitig angreife. D.h. wenn der Gegner, wie zu erwarten, die Waffe massiv zurückzieht und diese Bewegung durch den Impuls meines Schlages ja quasi noch verstärkt wird, dann kann es passieren, dass er es dabei schafft, die Waffe freizubekommen und selbst wenn er schon massiver durch die Angriffe getroffen wurde, ist dann die Gefahr groß, dass man wieder in die Schusslinie gerät.
D.h. der Ansatz von Maor gibt dem eher nach was der Mensch unter diesem Stress sowieso will. Er will die Hauptaufmerksamkeit der Waffe widmen und wird sich instinktiv schwerer tun, wenn er eine Handlung vollziehen muss, die diesem Instinkt widerspricht.
Wie zu sehen ist, handelt es sich um zwei unterschiedliche Ansätze und jeder hat gute Argumente für den seinen. Wie der Einzelne in einer tatsächlichen Bedrohung dann unter dem Stress der Lebensgefahr reagiert, weiß er eigentlich erst, wenn es tatsächlich soweit war. Mein Rat in diesem Fall wäre, sich beides anzuschauen und das zu trainieren, von dem man mehr überzeugt ist, bzw. was einem besser zu liegen scheint.
Allerdings muss man sich für eines entscheiden, denn nichts ist kontraproduktiver, als für ein und die selbe Aktion zwei ca. gleichwertige Lösungen parat zu haben. Die Entscheidungszeit wird dadurch signifikant länger.
Ich denke, dass anhand des Beispiels klar geworden ist, dass es durchaus Unterschiede gibt, aber beide Systeme versuchen, sich realistisch mit Grenzsituationen auseinander zusetzen.
(Um einer Diskussion darüber vorzubeugen, wie sinnvoll es ist, bei einer Waffenbedrohung etwas zu unternehmen, setze ich für obige Reaktionen einfach mal eine Situation voraus, in der jemand einem die Waffe mit den Worten unter die Nase hält: Ich knall dich jetzt ab.)
@marq
Ja es gibt auch Sparring.
Gruß Ralf