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Alt 22-11-2003, 16:11
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Dr. Ralf Dr. Ralf ist offline
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Kampfkunst: Krav Maga und FAST Defense früher Karate, WT, Thaiboxen, TKD
 
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Hallo Bechti,
sorry dass ich erst jetzt antworte, aber da ich einen Zweikampf mit einer 1100 BMW (sie hatte mit 250kg einfach die besseren Argumente) verloren habe, bin ich zur Zeit etwas außer Gefecht gesetzt und komme deshalb nicht sehr häufig dazu, in den Foren zu lesen bzw. zu posten.
Wo liegen also die Unterschiede zwischen KM und KMM? Zunächst mal muss man klarstellen, dass das KM keine so homogene Geschichte ist, wie es immer dargestellt wird. Wenn ich zum Bsp. die Interpretation von Yaron Lichtenstein (9. Dan KM und einziger KM Ausbilder der außerhalb des Wingate Instituts Ausbilderlizenzen für israelische KM Ausbilder vergeben darf) ansehe, dann sind da auch gravierende Unterschiede zu dem, was in der IKMF gezeigt wird.
Die Kritik von Maor bezieht sich auf das, was z.T. als KM verkauft wird und da gibt es durchaus die tollsten Sachen. Ich will nun nicht auf andere KM Derivate eingehen, sondern auf einige Kritikpunkte, die es am Yanilov System aus der Sicht Maors gibt.

Fangen wir mit der Geschichte der Messerabwehr an. Hier gibt es durchaus im KM die Frontalkicks zum Kopf. Sie sind sowohl auf den Videos des Verbandes zu sehen, als auch in dem Buch der IKMF. Ich selbst habe mit ehemaligen IKMF Leuten trainiert und weiß von diesen, dass diese Techniken durchaus im Programm sind und gelehrt werden.
Ich habe selbiges auch schon auf privaten Videos von Yanilov gesehen. Dabei machte er eben nicht nur diese Kickaktion gegen Leute mit stark vorgebeugter Haltung (was evtl. noch zu akzeptieren wäre), sondern auch gegen aufrechtstehende Personen aus dem Rückwärtsgehen heraus mit dem vorderen Bein. Ich muss gestehen, dass ich in dieser Beziehung mit Maor einer Meinung bin und diese Aktionen, gelinde gesagt, nicht für sehr SV relevant halte.

Weiterhin zeigt man nach erfolgreicher Abwehr und Direktkonter eines Messerangriffs von seitlich oben sowie Fixierung des Messerarmes mit der Hand, Dinge, wie Kniestöße zum Körper. Hier ist aber zu bedenken, dass es ein instinktives Verhalten ist bei Kniestößen die Arme in Form einer Gegenzugbewegung zum Körper zu ziehen. Die Chance sich dabei das eigentlich fixierte Messer in den Körper zu stoßen ist dabei signifikant vorhanden. Dies ist übrigens auch auf dem Messervideo der IKMF zu sehen als die Dame bei beherztem Vorgehen das Messer sehr nahe zum Körper brachte und es einmal sogar zum Kontakt der Klinge mit dem Körper kam.

Weiterhin moniert Maor, dass die Deckung gerade beim Zurückziehen der Schläge sportkampfmäßig sehr nahe zum Kopf gezogen wird. Hin und wieder sieht man sogar ein typisches Zufückziehen der Faust an die Kinnspitze. Es ist aber doch gerade auch in Freefights zu sehen, dass diese Art der Deckung nur beim Einsatz von dicken Boxhandschuhen Sinn macht. Ohne dieselben bietet diese Art der Deckung so gut wie keinen Schutz und ist gerade bei verdecktem Angriff mit Stichwaffen kontraproduktiv.

Die Schlagaktionen werden (so sagt Maor) ferner auch eher punktschlagmäßig durchgeführt. Ich weiß, dass dies bei der IKMF so massiv nicht zutrifft, trotzdem erweckt z.B. das Video den Eindruck. Ich weiß aber auch, dass z.B. Yaron Lichtenstein hier einen Punktschlagansatz lehrt der dem klassischen Karate in nichts nachsteht. Maor besteht aber darauf, dass Schläge so durchgeführt und gelehrt werden, dass man durch den Gegner hindurchschlägt. Unter Stress und dem Einfluß von Adrenalin neigt man dazu zu kurz zu schlagen. Ferner muss man davon ausgehen, dass der Gegner nach hinten ausweicht. Ein Punktschlag wird also unter Stress mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht treffen.

Die Simultanaktion Konter Schlagen ist ferner etwas, was Maor kritisiert. Sie ist etwas, was unter Stress selten gut funktioniert, weil eine Sache dabei meistens zu kurz kommt. Gerade bei überraschenden Angriffen ist die Bewegungsführung, welche zum Schlagen benötigt wird, der intuitiven Abwehr und Ausweichbewegung entgegengesetzt.
Bei vorbereiteten Aktionen ist es dagegen nicht selten sinnvoll schon zu schlagen, bevor die Abwehr einsetzt. D.h. Maor ersetzt die Doktrin vom simultanen Blocken und Angreifen durch ein individuelles Anpassen an die Situation und da realisiert man schnell, dass die Simultanaktion eher selten erfolgt.

Ich persönlich habe nichts gegen die KM Variante, finde allerdings auch, dass ein intuitives Verhalten sinnvoller ist, als das festgelegte kombinierte Vorgehen. Wenn ich Yanilov oder Lichtenstein in diesem Zusammenhang dann vom einzig wahren Weg und nicht zu verletzenden Prinzipien reden höre, dann kommen mir hier sehr starke Assoziationen zur EWTO und zum WT.

Natürlich ist es Maor ferner nicht entgangen, dass in der IKMF auch aerobicartige Kurse angeboten werden. Seine Meinung dazu kannst du dir denken.
Ich selbst habe damit allerdings keine Probleme. Wenn die Leute etwas für ihre Fitness tun wollen und sie nicht glauben, dass dies die ultimative SV ist, dann ist dies meines Erachtens OK.

Die Pistolenproblematik haben wir ja bereits angesprochen.

Es gibt also eine Reihe von Kritikpunkten die Maor am KM hat. Einige teile ich, andere auch nicht. Ich selbst zeige meinen Leuten das, was ich für sinnvoll und durchführbar halte. D.h. ich zeige Dinge, die der einzelne vor Ort auch hinbekommt. Hat der Einzelne Probleme mit manchen Dingen, dann kann er von mir auch die Alternativmöglichkeiten sehen. KM bzw. KMM sollte das sein, was für den Einzelnen funktioniert und nicht das einzig Wahre, das von Yanilov, Lichtenstein, Lichtenfeld, Maor oder wem sonst auch immer auf ewig in einen Fels gehauen wurde. KM/M soll auf den Einzelnen angepasst werden und es soll nicht so sein, dass der Einzelne sich in ein festgelegtes Technik und Prinzipienkorsett reinzwängen muss. Sonst könnten wir gleich WT machen.

D.h. ich unterrichte meinen Leuten quasi Ralf Maga und ich wünsche dir die Freiheit das selbe im Rahmen deiner Möglichkeiten zu tun. Dadurch unterscheidet sich der gute Ausbilder vom reinen Plagiator.
Gruß Ralf
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