... sondern Schaukampf-Kendo ;-)
Sicher sind Dir jedoch die Unterschiede zwischen Kenjutsu und Kendo bekannt (falls nicht, beauftrage eine Suchmaschine Deiner Wahl mit beiden Begriffen, dieses Abstraktion wird allenortes intensiv erläutert), was jedoch viel wichtiger ist, die Zielsetzung beider Strömungen im Auge zu behalten. Im Kendo ist es sportliches Ziel, möglichst viele Punkte durch Treffer zu erreichen, was ein "Sparring" in kompletter Schutzausrüstung natürlich als Grundvoraussetzung für das Training unabdingbar macht.
Ziel des Kenjutsu hingegen ist das SCHNEIDEN. Anders als z.B. beim Arnis/Escrima/Kali, wo - je nach verwendeter Waffe - in den meisten Fällen bei den ersten Treffern in der angewandten Praxis "nur" Verletzungen entstehen würden, wäre bei einem korrekt durchgeführten "praktischen" Treffer mit scharfer Katana im Kenjutsu in der Regel wohl eher eine Amputation oder der Tod die Folge. Mit dieser Zielsetzung im Blick dürfte einleuchten, warum es - anders als im Kendo oder Vollkontakt-Kali - kein "Sparring" im eigentlichen Sinne durchgeführt werden kann, weil es ohne Zerstörung der Waffe bzw. des Gegners praxisnah gar nicht möglich wäre.
Nebenbei: Der Terminus "scharfe Katana" ist irreführend, da eine "stumpfe Katana" eher ein Iaito wäre - letzteres ist allerdings ungeschmiedet und wird eher im Iaido (auch hier gehe ich mal davon aus, dass Du weißt, was sich hinter dem Begriff verbirgt, ansonsten fragen) verwendet.
Partnertraining gibt es im Kenjutsu natürlich trotzdem. Dieses wird aus Gründen der Verletzungsgefahr für Mensch und auch Schwert (!) allerdings nahezu ausschließlich mit Bokken durchgeführt. Wie Telcontar zutreffend ausführt, ist die Katana ggf. für Einzel-Kata eine Wahlmöglichkeit, die meisten bevorzugen jedoch auch hier eher das Iaito, weil die Verletzungsgefahr wirklich immens ist. Ein sehr gut trainierter Partner aus meinem Dojo hat sich allein schon aufgrund der scharfen Spitze bei einem versehentlich fehlerhaften Chiburi und Noto (Reiningen und Einstecken) des ungeschliffenen (!) Schwertes beinahe das Handgelenk durchstochen.
Um schlußendlich konkret auf Deine Fragen zurückzukommen:
Das Training besteht sowohl aus einzelnen Übungen als auch aus Einheiten mit (normalerweise) einem und (seltener) mehreren Partnern. Nach einer kurzen Zeremonie folgt bei uns im Dojo eine kurze Aufwärm- und Dehnphase. Zu den Einzelübungen zählt immer und immer wieder das Ziehen und Einstecken des Schwertes, allerdings hat dies im Kenjutsu weitaus weniger Bedeutung als im Iaido, das beinahe ausschließlich hieraus besteht, sowie die Haltungsüberprüfung (Hände und Körper) und schließlich die Anwendung von Kamae und Formen. Hier wird es etwas unübersichtlich, da sich die Kamae und Formen von Ryu zu Ryu seit über 500 Jahren teilweise komplett unterschieden haben. Es ist also gut möglich, dass Du in zwei verschiedenen Kenjutsu-Dojos vollkommen unterschiedliche Bezeichungen und Ausführungen von Kamae und Katas kennenlernst, die elementaren Basics sind jedoch ähnlich, von daher gehe ich hier nicht näher darauf ein.
Zu den Kamae zählen überwiegend einzelne Meid-, Schneid- und Abwehrbewegungen (oben, unten, links, rechts, Mitte, über Schulter, über Kopf, Verstecken des Schwertes, usw.etc.pp.), in den Formen oder Katas werden diese zu Bewegungseinheiten verknüpft, die sich einzeln (z.B. Katas im Sitzen) aber auch mit Partner üben lassen. In letzterem Falle ist einer meist der Angreifer (Tori) und der andere der Verteidiger (Uke). Teilweise werden die beiden von einer dritten Person auf korrekte Durchführung überwacht.
Die Partnerübungen beschränken sich allerdings nicht ausschliesslich auf Katas. Gerne werden auch einzelne Kamae mit Partner repetetiv durchexerziert, z.B. Meidbewegung/Block und Konterangriff, dem dann nunmehr der Partner ausweicht usw. Bei korrekter Durchführung und erfahreneren Partnern erhöht sich hier schließlich auch nach und nach das Tempo und es kann im Gegensatz zu den Katas auch schon einmal härter durchgezogen werden. Da so ein Bokken allerdings ebenfalls nicht unkaputtbar ist und die Partner keine Vollkontaktausrüstung tragen, ist hier dennoch immer eine gewisse Vorsicht im Spiel. Man kann sich also durchaus schon mit einem Bokken schlagen, allerdings eher in Form von Leicht- bzw. Semikonktakt.
Zum "freien Sparring" siehe Telecontars Ausführungen.
Abschließend möchte ich anführen, dass ich das Training im Kenjutsu persönlich als körperlich weitaus weniger erschöpfend empfinde, als z.B.
JKD oder Capeira, die ich ebenfalls betreibe. Im Kenjutsu erscheinen mir technische und geistige Aspekte etwas bedeutsamer, dennoch sind die Bewegungsabläufe auch vom sportlichen Aspekt nicht zu unterschätzen. Es ist jedoch merkbar, dass man es hier mehr mit Kampfkunst als Kampfsport zu tun hat (nur meine Meinung).