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Alt 18-03-2004, 21:22
gazi gazi ist offline
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Hallo collison_course,

zunächst wüsste ich nicht warum du dich entschuldigen solltest. Du hast deine Erfahrungen und Schlussfolgerungen geschildert, die ich teilweise auch teile und als richitg ansehe. Was die Objektivität angeht kann sich wohl keiner erhobenen Hauptes erheben und behauptet er hätte sie gepachtet. Ich weiss auch das ich selbst nicht besonders objektiv bin und oft dazu neige in solchen Diskussionen automatisch eine voreingenommene kategorische Stellung (pro Muslime...) einzunehmen. Aber wenn wir alle alles objektiv betrachten würden, gäbe es dann überhaupt noch irgendwelche Diskussionen????????????????

Zu deinem letzes Post möchte doch ich einiges anmerken, weil ich glaube das wir teilweise aneinander vorbeireden, obwohl wir doch das selbe Ziel im Auge haben und anscheinend hast du einige Aussagen nicht so verstanden wie ich sie eigentlich ausdrücken wollte.

Du sagtest:
"...mir geht es darum aus Eigeninteresse seine Religion wieder ins richtige Licht zu rücken...daran scheint aber nur wenigen Leuten etwas zu liegen."
und
"...es liegt an den Millionen gläubigen Moslems, diesen Namen nicht den Terroristen zu überlassen...wer anders könnte die Welt von der Friedfertigkeit des Islam überzeugen, wenn nicht sie ?"

Richtig. Hier scheint die Masse der Muslime in Europa (und ich versuche hier wirklich nur über Muslime in Europa und vorallem Deutschland zu sprechen, es wäre doch etwas überheblich die Probleme der ganzen Welt lösen zu wollen) noch nicht erkannt zu haben das sie selbst in der Öffentlichkeit und in ihren eigenen Reihen (obwohl es doch vermehrt geschieht) klare Positionen beziehen und Probleme aktiv angehen müssen. Und Probleme gibt es sehr wohl, wenn es möglich ist das "Islamistische" (ich kann mich mit dem Wort zwar nicht anfreuden, aber was solls) Gruppierungen es schaffen aus ihren Reihen (also den islamischen Gemeinden in Europa) Leute zu rekrutieren (noch schlimmeres Wort), auch wenn es noch so wenige sein mögen: wichtig ist hier nicht die Anzahl/das Verhältnis, sondern das dort gebildete Gewaltpotential.
Achtung, ich sage nicht pauschal das alle Muslime dies nicht erkannt haben, aber für die Mehrzahl wird es wohl leider stimmen.

Deine folgende Aussage bestärkt dies auch:
"Die Minderheit, als Ausrede möchte ich auch nicht wirklich gelten lassen, denn als es um Demonstrationen gegen Israel ging, säumten tausende Araber und auch Türken (wohl auch ganz sicher gläubige Moslems) usw. Berlin's Strassen."

Offensichtlich sind der Mehrheit der Muslime immer noch die Probleme der Herkunftsländer weit aus wichtiger als die Probleme in ihrer neuen Heimat. Dies wiederum schafft wieder neue Probleme und importiert auch welche.
(das soll jetzt nocht heisen das man sich den globalen Problemen verschliesst, ist in Zeiten der Globalisierung ist das auch gar nicht möglich). Man darf hier auch nicht vergessen das Muslime auch durch Medien beinflusst werden; keiner ist Immun gegen die Flut der Bilder gegen die er sich täglich SELBST stellt.

Meinen Verweis auf die oftmals sozial-schwache Schicht hast du anscheinend nicht ernst genommen, aber ich sehe genau hier ein wichtiges Problem. Wenn ich mit Leuten spreche, die noch nicht mal wissen bzw. sich nicht dafür interessieren in welche Klasse ihr Kind geht (nicht gelogen) oder noch nicht mal wissen das ihr Kind ein Studium begonnen hat (auch nicht gelogen), dann wirst du mir wohl zustimmen das es sehr sehr schwer ist diese Menschen für soziale Fragen zu begeistern. Dies ist jetzt aber kein Problem das aus dem Islam herrührt, sondern eine Frage des Bildungsgrades und der sozialen Kompotenz. Es ist nun mal der typische Lebenslauf den wir hier in Deutschland bei den Gastarbeitern leider sehr oft antreffen, in den USA verhält sich das zum Vergleich anders.

Du hast mich gefragt:
"Ist Menschlichkeit, Respekt und Toleranz schwer auszuführen ?"

Ganz klar "Nein". Es ist aber schwer sie verständlich zu äußern, wenn man z.B. die Sprache nicht richtig beherrscht. Was ich aber eigentlich meinte war nicht auf diese Dinge bezogen. Ich wollte eigentlich darauf hinweisen, das viele Moscheen bereits an einfachen internen "bürokratischen" Verwaltungsarbeiten scheitern, die "Öffentlichkeitsarbeit" ist oftmals praktisch garnicht vorhanden.

Du sagtest:
"...ahso, Anteilnahme muss man einfordern, dachte immer sie sei ein natürliches Ergebnis."

Nein, muss man natürlich nicht. Aber eine "öffentliche Anteilnahme und Kooperation" muss man für mein dafürempfinden schon einfordern, zumindest die Politik muss das. Die Anteilnahme muss man als natürliches Ergebnis voraussetzen.

Du sagtest:
"Meiner Ansicht nach, läuft aber eben noch viel zu viel verkehrt."

Offensichtlich, ist das so. Es läuft irgendetwas erheblich schief. New York, Istanbul, Madrid; das waren mit Sicherheit keine Vorboten einer glücklichen Zeit. Heute sieht man in den Nachrichten, wie sich Serben und Albaner ans Blut gehen und hat das mulmige Gefühl die Dinge würden sich rückwärts entwickeln statt vorwärts. Das schlimmste ist das man irgendwie aus keiner Richtung etwas wirklich sinnvolles und konstruktives hört.

Wir müssen hier zusammenarbeiten, Muslime und Nicht-muslime an einem Tisch.
Die Muslime müssen vermehrt Initiative zeigen, bereit sein sich an den Tisch zu setzen und dies auch zeigen. Entsprechende Strukturen bilden, rauskommen aus den Hinterhöfen und zu dem werden, was sie eigentlich seit langem sind, ein mitverantwortlicher Teil dieser Gesellschaft. Die Muslime müssen auch aufhören Schwarz-Weiss zu malen bzw. diese Weltsicht aus dem Ausland zu übernehmen, sie müssen sich von diesem Gut-Böse denken lösen.
Die Nicht-Muslime, also vorangig die Politik und die Gesellschaft, muss bereit sein einen Stuhl mehr an diesen Tisch zu stellen und den neuen Partner ernst zu nehmen. Den Muslimen muss ein ehrliches Vertrauen entgegengebracht und das Recht auf ihre "Andersheit" und gleichezeitigen Zugehörigkeit bestätigt werden. Auch die Nicht-Muslime müssen sich vor den Gut-Böse-Gedankenspielen hüten.
In einer Gesellschaft gibt es immer zwei Parteien, die zusammenarbeiten müssen. Es gibt bereits ernsthafte Bemühungen, diese verpuffen leider viel zu oft und viel zu schnell.

Viele blumige Worte, geht aber nicht anders.

Zu den Dinge, die dich stutzig machen kann ich jetzt nichts sagen. Es könnte sein das man dir wirklich Schwachsinn erzählt hat, vielleicht hat man es nur falsch vermittelt, vielleicht kannst du auch einge Dinge einfach nicht nachvollziehen, weil es Fremd ist, musst du auch nicht. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen und kann z.B. trotzdem etliche Dinge des Christenstums nicht nachvollziehen oder für mich akzeptieren.

Das warst dann, muss noch ein bissel üben für die Prüfung "Algo auf Graphen", nun werde ich aber Off-Topic.

Gruss
EN
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