Der verhinderte Bombenanschlag auf die Bahnstrecke zwischen Madrid und Sevilla geht möglicherweise auf das Konto der selben islamischen Terrorgruppe, die für das Blutbad des 11. März verantwortlich gemacht wird.
Der benutzte Plastiksprengstoff sei in beiden Fällen der gleiche gewesen, teilte der spanische Innenminister Angel Acebes am Samstag in Madrid mit. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der vermutlich ebenfalls baugleiche Zünder im Besitz der Terroristen gewesen sei, gegen die nach den Attentaten mit 191 Toten und 1500 Verletzten ermittelt wird.
Der Sprengstoff (Goma-2) sei zwar ein starkes Indiz, Schlussfolgerungen auf die Urheber seien dennoch verfrüht, sagte Acebes weiter. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. «Die terroristische Bedrohung ist in jedem Fall ernst und real», betonte er. Wie erst jetzt bekannt wurde, waren bereits am Mittwoch mehrere Verdächtige ertappt worden, als sie sich nahe Madrid an der Bahnstrecke nach Sevilla zu schaffen machten. Sie hätten Löcher an den Gleisen gegraben, um darin Sprengstoff zu deponieren, berichtete die Presse. Die Männer seien jedoch von einem Bahnarbeiter überrascht worden und geflohen.
Nach einer 20-stündigen Unterbrechung konnte der Zugverkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und dem südspanischen Sevilla am Morgen wieder aufgenommen werden. Hunderte Polizisten und Soldaten hatten die 470 Kilometer lange Trasse die ganze Nacht über nach möglichen weiteren Bomben abgesucht. Entdeckt wurde nichts. Nach dem Fund eines Zwölf-Kilo-Sprengsatzes am Freitag werden diese und andere Bahnlinien nun auch vom Militär bewacht. Es ist das erste Mal, dass die spanische Armee derart massiv in den Kampf gegen den Terror einbezogen wird. Auch Bahnhöfe, Flughäfen, Atomwerke oder Erdöl- Raffinerien werden jetzt stärker abgesichert.
Die spanische Botschaft in Kairo hat Presseberichten zufolge am 28. März ein Schreiben erhalten, in dem eine zu El Kaida gerechnete Gruppe mit Anschlägen auf diplomatische und andere Vertretungen Spaniens im Norden Afrikas und in Nahost droht. Um neuen Terror zu verhindern, müsse Madrid binnen eines Monats seine Truppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen, heiße es in der Botschaft. Die Echtheit des Briefes werde zwar noch überprüft, die Drohungen würden aber ernst genommen. Es werde bereits überlegt, spanische Auslandsschulen sowie Kulturinstitute etwa in Marokko einstweilen zu schließen.
Unterzeichnet wurde das Schreiben von den «Abu-Hafs-El-Masri- Brigaden», die sich in einem Brief an die in London erscheinende arabische Zeitung «Al-Quds Al-Arabi» auch zu den Attentaten des 11. März in Madrid bekannt hatten. Tage später hatte El Kaida in einem Video sich selbst zu dem Massaker bekannt. «Abu Hafs» sei ein in Afghanistan getöteter Handlanger von Osama bin Laden, hieß es.
Der erste AVE-Hochgeschwindigkeitszug fuhr am Samstag um 7.30 Uhr vom Atocha-Bahnhof in Richtung Sevilla ab. Um die Reisenden zu beruhigen, fuhr RENFE-Präsident Miguel Corsini in dem Zug mit. Von der Unterbrechung zu Beginn der Osterferien in Spanien waren rund 15.000 Reisende betroffen gewesen. RENFE setzte am Samstag auf der Strecke elf zusätzliche Züge ein. |