Hm, wenn ich das so lese, bin ich echt mal mehr als geschockt.

Also, irgendwie packt einen da schon die Wut.
Ich kann nur von Glück sagen (und meinen Eltern - besonders meiner Mutter - danken), dass ich in einer relativ "heilen Welt" aufgewachsen bin.
Ich meine, ich hab auch schon mal ein paar auf's Maul gekriegt (eine große Klappe hatte ich schon immer und ich hab mich auch eingemischt, wenn ich alleine war und 5 Leute auf einen losgegangen sind, meistens hab ich dann halt auch ein paar abbekommen), aber nie besonders tragisch.
Ich konnte es sogar erfolgreich vor meinen Eltern verbergen, wenn ich etwas abgekriegt hatte, so gut und relativ leichtverletzt (sichtbare Verletzungen, wie Nasenbeinbruch oder ähnliches habe ich immer auf's Fussballtraining geschoben, kann ja schon mal passieren...) kam ich immer weg. (Meine Mutter wäre im Stande gewesen und hätte Personenschützer für mich engagiert, wenn sie davon mitbekommen hätte, dass mich jemand auf dem Kieker hat...)
Zu meiner Zeit waren Schlägereien bei uns immer so, dass die Schlägerei (auch wenn mehrere auf einen los gingen) genau dann vorbei war, sobald einer blutend zu Boden ging. Treten auf einen zu Boden liegenden gab es damals noch nicht, da gab es nur Keile, ein bisschen Blut und danach ein gemeinsames Bier an der Bar und alles war vergessen...
Als ich dann etwas später für Ordnung in einer Jugenddisko gesorgt habe, war es schon ungleich heftiger, aber auch da haben wir erfolgreich durchgegriffen und dank meiner Connections aus der Grundschule zu wirklich jedem potentiellen Schlägergrüppchen (die ganzen "großen Brüder" der Türken waren in meiner Klasse gewesen, der hiesige Oberdealer auch und außerdem einige späteren Punks, mit allen habe ich mich immer gut verstanden, das hat mich mehr als einmal gerettet) ließen sich richtig derbe Sachen vermeiden...
Wirklich passiert ist mir also nie etwas, auch wenn ich mehrmals nur eine Winzigkeit daran vorbei geschrammt bin. Das liegt aber auch daran, dass ich extrem vorsichtig, umsichtig und aufmerksam erzogen wurde, so dass ich bis heute schon lange im Voraus erkennen kann, wann etwas gefährlich werden könnte!
(Und es hat auch damit zu tun, dass mein bester Freund und ich beide sehr große Gärten mit Klettergerüsten, etc. hatten, so dass wir immer unter Aufsicht gespielt haben und nie auf einem Spielplatz oder sonst wo alleine unterwegs waren, auch mit 8 oder 9 noch nicht.....)
Aber wenn ich obige Geschichten so lese und mir vor allem die Statistik anschaue, werde ich schon ziemlich sauer. Es ist erschreckend, finde ich, wie viel passiert!
Und im großen und ganzen ist man hilflos, man kann nicht mit den Kindern nach Hause gehen und darauf achten, wie ihre Eltern sich verhalten, wenn sie unter sich sind, man kann nicht rund um die Uhr an der Seite des eigenen Kindes sein, um auf es aufzupassen, etc.. Das einige, was man machen kann, ist, die Augen offen halten und beim kleinsten Verdachtsfall von irgendwas die Polizei oder/und das Jugendamt einzuschalten! Ich sage immer, ich bin dazu da, die Augen offen zu halten. Herauszufinden, ob ich ein übersensibler Beobachter bin, der unter Verfolgungswahn leidet, oder ob ich wirklich etwas entdeckt habe, wo Polizei und/oder Jugendamt einschreiten sollten, ist deren Job, meiner ist es, alles anzuzeigen, was mir irgendwie komisch erscheint!
Damit lässt sich vieles nicht verhindern und kontrollieren, aber vieles lässt sich eben auch verhindern und deswegen sollte das wirklich jeder machen!
Eine andere Methode, die ich persönlich aber weniger mag, auch wenn sie sich (leider) als sehr effektiv erwiesen hat:
Ein Exfreund einer meiner Freundinnen war auch mal so einer, der kein nein akzeptieren konnte, er hat es bitter bereut (mehr sag ich sicher nicht, gab nämlich keine Anzeige und keinerlei Strafverfolgung und das soll auch so bleiben) und seine Lektion gelernt.
Und wenn das auch nicht verhindert, dass so etwas je wieder passiert, es verhindert zumindest mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass so etwas einer meiner Freundinnen je wieder passiert!!
Das erschreckendste daran war, dass es offensichtlich doch Situationen und Geschehnisse gibt, bei denen Gewalt eben doch eine Lösung darstellt. Vielleicht nicht die beste, aber eine mögliche Lösung - und das hat mich geschockt!
Das war für einen Gewalthasser wie mich die schlimmstmögliche Erkenntnis...
Wenn ich mir obige Statistik noch einmal anschaue, dann muss ich sagen, ich bin wirklich geschockt, es ist schrecklich, wie viele Übergriffe es doch immer wieder gibt. Und global gesehen ist man hilflos, deswegen bleibe ich dabei, jeder muss versuchen, das, was er in seiner Umgebung dazu beitragen kann, zu tun, um solche Taten zu verhindern.
Dazu gehören Dinge wie hinschauen, bei jedem Verdacht, z.B. dass der Nachbar seine Kinder schlägt oder missbraucht, sofort zur Polizei rennen. Bei jeder Schlägerei einschreiten oder wenigstens die Polizei zu rufen, etc. .....
...und dann kann man nur noch hoffen, dass solche Umfragen in absehbarer Zeit etwas weniger schrecklich aussehen!
Ciao,
Häschen
PS: Ich möchte allen Opfern für ihre ehrliche und offene Darstellung danken. Es ist sicherlich schwer, sich dazu zu äußern und es gehört sehr viel Mut und sicher viel Überwindung dazu, das hier zu erzählen.
Ich finde, es sollte viel öfter über derartige Dinge geredet werden (wieso nicht Fernsehspots, wenn die Regierung schon hohe Schulden macht, dann doch mit so was, ein Opfer erzählt vor der Kamera... Jeden Abend jemand anderes, täglich um fünf vor Acht auf jedem Sender oder etwas in der Art, das wäre doch einmal eine Idee), damit jeder kapiert, dass so etwas eben leider keine so seltenen Taten mehr sind, die nur in Ghettos amerikanischer Großstädte vorkommen, sondern leider überall und jeder Zeit geschehen können.
Und nur, wenn wir alle jederzeit aufmerksam hinsehen, haben wir eine reelle Chance, so etwas zu minimieren!