Einzelnen Beitrag anzeigen
  #2  
Alt 24-05-2002, 14:09
Benutzerbild von DieKlette
DieKlette DieKlette ist offline
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: MMA & Modern Combat R.I.E.B.
 
Registrierungsdatum: 16.10.2001
Ort: Münster
Alter: 24
Beiträge: 4.395
Exclamation Weiter geht's...

Generelle Kampfprinzipien :
-sämtliche Kihontechniken sind in der Realität auf ein Bewegungsminimum zu verkürzen.
-im Kampf gilt es "unsauber" zu arbeiten.(Man gewinnt auch keinen Schönheitspreis, aber ein unsauberer zuki kann Wunder wirken.)
-sei "weich" ( die Muskeln müssen locker sein, damit man schnell reagieren kann. Bei zuviel Körperspannung ist man schlichtweg langsam)
-stehe "hoch" (tiefe Stände dienen nur dem Training der Muskulatur sie machen einen langsam und man hat automatisch zuviel Körperspannung)
-halte deine Deckung, man kann nicht alles blocken. Um ehrlich zu sein, kann man das wenigste blocken. Und die Deckung für einen unnötigen Block zu öffenen kann fatal sein.
-Schlage immer mehrmals, man kann sich nicht auf einen Treffer verlassen.
-trete niemals oberhalb der Gürtellinie

Deeskalation:
Das ist eigentlich der wichtigste Punkt von allen. Denn wer will schon kämpfen ? Wie heißt es doch so schön:
"Ein wahrer Krieger ist, wer niemals kämpfen muss."
Sun Tzu

Denn wer kämpft um sein Ego zu befriedigen ist nicht besser als jeder Straßenschläger. Wir wissen alle, was Kampf bedeutet und kennen seinen Schrecken. Folglich wollen wir ihn verhindern, aber wie ?

Zumeist suchen sich Schläger Opfer. Wenn man vom äußeren Erscheinungsbild nicht in die Opferkategorie passt, hat man zumeist Glück. Das läßt sich auch durch eine souveräne und selbstbewußte Ausstrahlung deutlich verbessern. Aber Brillenträger z. B. haben da eher Pech. Ihnen haftet das Vorurteil an sie seien "Pantoffelhelden" und "Bürohengste". Ebenso trifft es Frauen eher als Männer. Obwohl dieser fast immer sexuellen Belästigungen ausgeliefert sind. Gewalt unter Männer bedeutet zumeist Konfrontation mit der Faust.

Es gibt mehrere Phasen der Eskalation. Der Schläger hat sich Dich ausgesucht. Du blickst ihm in die Augen.

1.!!!entscheidenden Stelle!!! :
Nicht den Blick senken sondern seitwärts abschweifen als würde man jemanden suchen, das kann schon alles verhindern. Sonst fühlt sich der Agressor angegriffen.

Er kommt trotzdem auf Dich zu. Er pöbelt Dich an mit einer Sprache die man sonst nicht gewöhnt ist:"Hast Du ein Problem, was guckst Du ? Bist Du schwul, willste ein Photo."
2..!!!entscheidenden Stelle!!!
Jetzt sollte eine passende Antwort kommen. Mit ruhiger Gestik und entspannter Mine sagst Du nur:"Tut mir leid ich habe sie verwechselt. Kommt nicht wieder vor."

Sollte er immernoch unberührt sein, fängt er an zu schubsen:" Willst Du ein paar auf die Fresse, oder was ?"
.3.!!!entscheidenden Stelle!!!
Du nimmst die Hände hoch, Du ballst nicht die Fäuste. Du zeigst die Handflächen offen vor und benutzt sie gleichzeitig als Abstandhalter. Das verhindert die Möglichkeiten eines plötzlichen und direkten Treffer Das ist also eine versteckte Kampfhaltung. Das wird zumeist auch von Zeugen positiv gedeutet. Denn auch sie erkennen nicht, dass Du bereit bist zu kämpfen.
Du sagst nur:"Ich hab' kein Problem mit Dir Kumpel komm, ich geb' Dir ein Bier aus. Danach hau ich ab und dann war's das."

Sollte all das nichts genutzt haben, ist klar was jetzt kommt.
4.!!!entscheidenden Stelle!!!
Sobald er zuschlägt reagierst Du nur noch, blockst und schlägst Kompromisslos zu.

Unterpunkt gemeine Tricks:
1.Falsche Reflexe
Es ist durchaus lustig zu sehen, wie erstaunt der Gegner ist, wenn man ihm z.B. eine Tasche zu wirft. Und ich verspreche, er wird sie fangen. Umso faszinierender ist der Gesichtsausdruck, wenn man indem Moment in dem er die Tasche fängt zuschlägt.

2. Brüllen:
Durch brüllen kann man den Gegner erschrecken. Genau in dem Moment steht er für eine Milisekunde still. Das sollte genügen.

3.Waffen mit denen keiner rechnet:
Kugelschreiber, Glasaschenbecher, Bieflaschen, Deosprays, Nagelpfeile, Handy, Jacken, Stühle, Gläser, Zigarettenanzünder im Auto etc.
Da ist der Kreativität keine Grenze gesetz.



Aber nicht vergessern, auch wenn es schwer fällt. Unnötige Gewalt sollte verhindert werden. In so einer Situation mag das schwer zu beurteilen sein. Dennoch sollte man nicht nachtreten oder unnötig zuschlagen, wenn der Gegner aufgibt. Das muss selbstverständlich sein. Denn schließlich sind wir alle Menschen. Und gerade als Karateka hat man mit seinen Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen.


Weg vom Aspekt Kampf zurück zur Kampfkunst
Heutzutage ist es so, dass der Kampf immer mehr in den Hintergrund rückt. Denn das Mittelalter ist längst vorbei und die alltäglichen Gefahren sind eher finanzieller Natur. Das was die Menschen heutzutage interressiert ist die Kampfkunst als Kunst. Das ist der Grund, warum im Teakwondo so unsinnig hoch getreten und gesprungen wird.
Es sieht einfach ästhetisch und spektakulär aus.
Das ist auch der Grund, warum wir die Kata so flegen. Zum einen beinhalten sie großes Wissen und zum anderen hat gerade eine Karate Kata etwas beeindruckendes und schönes an sich. Ebenso sind die Wu Shu Formen mit ihren verschiedenen Tierimitationen schön anzusehen.
Abgesehen von dem Aspekt der Kunst, ist Kampfkunst auch noch aus anderen Gründen für die Menschen interressant.
Zum Beispiel aus rein gesundheitlichen Gründen. Kampfkunst zu betreiben hält schlicht und ergreifend jung und alt fit. Kinder können so ihre Motorik verbessern, was der Bildschirmgeneration nur gut tun kann.
Und der wichtigste Punk ist wohl der DO. Die Budo Etikette die gerade uns westliche Menschen sehr fasziniert. Kampfkunst als Lebenschule ist gerade für den Alltag eine ungeheure Stütze.

Und was will ich eigentlich ?
Ich möchte all das. Aber bei all diesen positiven Punkten fehlt einer. Genau. Die Selbstverteidigung. Denn ich lerne kämpfen, weil es mir Spass macht und mich stärkt. Aber der Realismus geht bei vielen Kampfkünsten mittlerweile unter.
Ich finde, dass Kampfkunst immer als rundes ganzes gesehen werden sollte. Man darf sie auf keinen dieser Punkte reduzieren. Aber leider ist das heutzutage nicht mehr der Fall. Aber es gibt trotzdem viele gute Schulen. Und es ist für jeden etwas dabei. Jeder muss seinen Weg gehen. Und wenn man will, dann schafft man das auch....

"Der Weg ist das Ziel"

Mit Respekt

Oss

Julian Polzin



P.S.: Ich entschuldige mich für die vielen Tippfehler
__________________
- pain is temporary, pride is forever -
Mit Zitat antworten