Hi Board,
nach dem durchsehen der letzten threads ("functional
jkd", "trapping funktioniert nicht in NHB", "ich habe gelesen BL hat gesagt..." usw.) hier eine Einladung zu einer kleinen Diskussion. Anbei findet ihr einen meiner Artikel. Nachdem ihr fertig seit mit dem Lesen, meine Frage: Wo würdet ihr
JKD einordnen?
Have fun.
Bob Dubljanin
Was ist die Essenz deiner Kampfkunst?
von Bob Dubljanin © 2001
Trainierst du um erfolgreich an Wettkämpfen teilzunehmen? Bist du Personenschützer oder Polizist und benötigst Kampfkunst Know How für deinen Beruf? Möchtest du lernen dich selbst und deine Familie zu schützen? Bist du ein Militärsausbilder und organisierst ein effektives Trainingsprogramm für deine Einheit? Was auch immer die Motivation und Zielsetzung in deinem Training sein mag, ist es wichtig zu verstehen ob das Kampfkunst Training deiner Wahl die Essenz besitzt die du suchst.
Der berühmte Kampfkunst Forscher Donn F. Draeger definiert die verschiedenen Zielsetzungen von organisierten Kampfmethoden wie folgt:
1. Sport
2. Duell
3. Militär
4. Zivile Selbstverteidigung
Die heutigen Kampfsportarten bieten eine interessante weitgefächerte Wettkampfplattform für den modernen Kampfsportler. Von Non-Contact bis zu Full Contact, bieten die verschiedenen Sportarten für jeden Geschmack etwas. Manche Turniere sind stark reglementiert wie z. B. im Semi Kontakt Kickboxen andere extremere Wettkämpfe wie NHB, Vale Tudo oder Muay Thai erlauben mit (fast) keinen Regeln einen duellähnlichen Zweikampf. Es wird nach einem festgelegten Regelwerk gekämpft, oftmals in einem Runden Format, angelehnt an das moderne Boxen. Es gilt einen Gewinner und Verlierer zu ermitteln. Viele dieser Wettkämpfe sind aufregend zu beobachten und viele hervorragende Athleten partizipieren in den Sportsystemen der Kampfkünste.
In diesem Zusammenhang ist es interessant festzustellen, dass es immer noch ein weitverbreitetes Missverständnis ist die Mainstream Budo – Kampf SPORT arten (Karate, Tae-Kwon-Do, Kickboxing usw.) als “tödliche“ Formen der Selbstverteidigung zu propagieren. Dies ist ein Fehlschluss, da diese populären Sportformen nicht mit dem Einsatzplan für Selbstverteidigung entwickelt wurden. Tatsächlich werden distinguierte Vertreter dieser Sportarten die Ziele mehr als Charakterstärkung, Disziplinschulung, Wettkampf und Körperertüchtigung formulieren.
Nun, dies bedeutet nicht, dass man Kampfsportarten nicht zur Selbstverteidigung, oder zum duellieren, sogar gegebenenfalls in militärischen Operationen einsetzen könnte. Sie wurden nur von ihren jeweiligen Gründervätern nicht hierfür entwickelt. Diesen Unterschied gilt es zu verstehen.
Das klassische Duell wie wir alle es aus Mantel und Degen Filmen kennen ähnelt sehr dem Sportformat. Da in diesem Modus man ebenfalls den Ort und Zeitpunkt der Konfrontation kennen wird, den Gegner sowie die Wahl der Waffen in der Regel kennt und ein Regelformat, oftmals an einen Ehrenkodex angelehnt, die Auseinandersetzung arrangiert.
Nur der Ausgang kann blutiger oder sogar tödlich enden.
Combat zu lernen für das Militär oder als Söldner in den Kampf zu gehen, unterscheidet sich wiederum gravierend im Gegensatz zu Sport oder Duell Kampfsystemen. Man ist Team Spieler mit klar vorgegebenen Aufgaben und Zielen. Dieser Ausdruck von Technik, Trainingsmethode und geistiger Konditionierung ist mit nichts zu vergleichen. Die meisten Zivilisten dürfen sich glücklich schätzen für viele dieser Art Problemstellungen keine Lösungen finden zu müssen.
Jetzt fehlt nur noch die berühmte Kategorie der zivilen Selbstverteidigung anzusprechen. Nun, zu trainieren um sich selbst gesund zu halten und schützen zu können ist sicherlich die Motivation von vielen Schülern der Kampfkünste. Durch die Natur der Sache ist es jedoch die komplexeste Kampfsituation in der man sich vorfinden kann. Zivile Selbstverteidigung ist unberechenbar und kann jeden von uns jederzeit einholen.
Nachts am Parkplatz, im Bus oder der Metro, in der Disco oder einer Bar oder einfach plötzlich auf der Straße. Man wird nicht informiert über die Anzahl der Angreifer, ob diese bewaffnet sind oder nicht, noch über deren Motivation für den Angriff. In der Regel hat man wenig oder keine Gelegenheit sich für die Auseinandersetzung vorzubereiten. Man wird gezwungen zu agieren unmittelbar aus der Situation in die man hineingerät. Eine hocheffektive Militärtechnik mit tödlicher Effizienz mag sich juristisch als unverhältnissmäßiger Einsatz von Gewalt für die zivile Selbstverteidigung erweisen. Eine weltmeisterlich ausgeführte Hebeltechnik mag nicht die beste Lösung sein wenn man von mehr als einem Gegner angegriffen wird. Die schnellste und sicherste Kickboxing Strategie gerät ins Wanken wenn diese plötzlich gegen einen Messerangriff führen muss. Das Ziel und die Ethik in der Selbstverteidigung ist nur zu kämpfen um sich schützen und fliehen zu können um gesund zu bleiben. Nicht um zu “gewinnen“ oder den Gegner zu töten.
Diese Zeilen sollen zu verstehen geben, die Essenz, den Grundkern jeder Kampfkunstmethode zu erfassen und diesen für den jeweilig vorgesehenen Einsatz zu überprüfen. Niemand würde mit einem Jeep ein Formel 1 Rennen gewinnen wollen, noch würde mein eine Formel 1 Rakete auf eine Dschungelstraße schicken wollen. Bereite Dich vor. Sei ein intelligenter Kampfkünstler der versteht WIE man die Techniken und Trainingsmethoden der verschiedenen Systeme einsetzt um das richtige Resultat zu erzielen.