So, ich geb jetzt auch mal meinen Senf dazu. Ich habe recht lange und intensiv Jiu Jitsu gemacht, was dem Ju Jutsu sehr ähnlich ist und sich im wesentlichen durch das Konzept der Prüfungen unterscheidet. Ausserdem längere Zeit Karate (Shotokan) und etwas Kickboxen.
Meine Erfahrung ist, das viele Lehrer in Deutschland tatsächlich ihre Verteidigungstechniken zum grossen teil an übertriebenen und sehr "schulbuchmässigen" Angriffen trainieren und trainieren lassen. Dies gilt für die meisten Stile, nicht nur für das
JJ.
Und ich halte das auch für vollkommen richtig wenn es sich um techniken dreht, die für den trainierenden neu sind! Wenn ich eine neue Technik lernen möchte oder eine bekannte Technik in einem neuen Zusammenhang anwenden will sollte ich sie erst einmal beherrschen lernen, zu meiner eigenen Sicherheit und zu der des Partners. Ich kann später immer noch schneller/härter/unsauberer/realistischer (sucht euch was aus) werden.
Das Problem entsteht dann wenn niemals von beiden Seiten (Angreifer und Verteidiger) frei trainiert wird.
In meinen augen geht es beim kampfsport weniger darum sich stur auf seine Techniken zu konzentrieren, sondern letztendlich darum das Prinzip des Kampfes zu verstehen. Das Prinzip des Kampfes an sich ist aber immer das gleiche: "Aktion führt zu Reaktion". Wie meine Reaktion dann zustandekommt (visuell, taktil,...) und aussieht hängt von meinem Stil, meiner Persönlichkeit, der Art des Angriffs usw. ab. Die Reaktion ergibt sich aber immer aus dem Aktion, das heist ich muss mich in jedem Augenblick der aktuellen alge anpassen. Um dieses Prinzip zu verstehen und in mir aufzunehmen und auf einen gegebenen Angriff mit meinem Stil reagieren zu können muss ich natürlich ernsthaft in meinem Stil trainieren, erst langsam und schulmässig, dann schneller und freier. Und ich muss dazu in der Lage sein, mir selber gegenüber einzugestehen, wenn Dinge einfach nciht funktionieren.