Bonn (ddp). Großmütter wussten es schon immer: Bei Erkältung hilft Hühnersuppe. Tatsächlich gilt Hühnersuppe schon seit Jahrhunderten als bewährtes Hausmittel bei Erkrankungen der oberen Atemwege. «Schon im 12. Jahrhundert wurde die lindernde Wirkung von dem jüdischen Gelehrten Moshe ben Maimon beschrieben. Amerikaner bezeichnen die Hühnersuppe daher scherzhaft auch als 'jüdisches Penicillin'», berichtet die Bonner Ernährungswissenschaftlerin Birgitta Tummel.
Amerikanische Wissenschaftler haben versucht, dem Effekt der Suppe auf die Spur zu kommen und im Labor herausgefunden: Hühnersuppe kann durchaus Entzündungsprozesse hemmen und Symptome eines grippalen Infektes wirksam abmildern.
Die Forscher hatten Hühnchen und Gemüse, darunter Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Sellerie und Petersilie als Zutaten benutzt. Und siehe da: Der flüssige Anteil der Suppe stoppte bei den Zellkulturen die Bewegung bestimmter weißer Blutkörperchen, die Entzündungen und Schwellungen der Schleimhäute in den oberen Atemwegen auslösen.
«Einzelne Bestandteile der Suppe wie das Hühnerfleisch, aber auch das mitgekochte Gemüse, hatten eine geringe entzündungshemmende Wirkung. Die geballte Kraft aller Komponenten zusammen verstärkte die Wirkung», erläutert die Oecotrophologin.
Auch die heißen Dämpfe der Suppe tun ihre Wirkung, denn Schnupfenviren sind temperaturempfindlich. «Durch die Dämpfe der heißen Hühnersuppe erhöht sich die Temperatur in den Atemwegen zwar nur minimal, aber das reicht offenbar aus, um die Viren an ihrer Vermehrung zu hindern. Hühnerbrühe sollte daher über den Tag verteilt getrunken werden», empfiehlt Tummel.
Außerdem werden durch die Dämpfe und die Flüssigkeitszufuhr die trockenen Schleimhäute befeuchtet und so der Abfluss beziehungsweise das Abhusten der Sekrete befördert. Tummel: «Untersuchungen haben gezeigt, dass der Verzehr von Hühnersuppe den Abfluss der Sekrete deutlich stärker erhöht als beispielsweise heißes Wasser.» Verantwortlich dafür, glauben die Wissenschaftler, sind bestimmte Aromastoffe in der Suppe.
Gute Nachricht für Singles: Es muss nicht unbedingt eine frisch gekochte Hühnersuppe sein. Auch Fertigsuppen zeigten im Labor die wohltuenden Effekte.
Nicht zuletzt spielt wohl auch die seelische Verfassung bei der Gesundung eine nicht zu unterschätzende Rolle. «Allein der Duft von Hühnersuppe weckt bei vielen die Erinnerung an liebevolle Zuwendung in der Kindheit», vermutet Tummel.
Manche Wissenschaftler verweisen zusätzlich auf das Spurenelement Zink im Hühnerfleisch, das ebenfalls die Immunabwehr stärkt. «Der Zinkgehalt von Hühnerfleisch liegt deutlich unter dem von Rindfleisch, so dass eher zu einem saftigen Steak geraten werden könnte», sagt die Ernährungsfachfrau. Oder darf es vielleicht eine kräftige Gemüsebouillon mit Rindfleisch sein? |