Hallo Mister Little,
was du beschreibst ist das Standard Problem eines
WT Kämpfers gegen einen größeren Kämpfer.
Es ist immer schwer gegen jemanden zu kämpfen, der eine deutlich größere Reichweite hat, vor allem wenn auch das Massenverhältnis zu eigenen Ungunsten unausgeglichen ist. Im Boxen bzw. den Vollkontaktkampfsportarten, versuchen die Leute häufig die Arme des Gegners zu untertauchen um ranzukommen. Eine andere Variante ist die Vorbereitung durch weitreichende Kicks in Kombination mit vernünftiger Körperarbeit. Bei letzterem ist es wichtig, dass gerade das Hauptziel (Kopf) ständig in Bewegung bleibt und kein festes Ziel liefert. Häufig wird der Kopf in der Offensive auch zwischen den Schultern versteckt und der Körper eingerollt um gerade großen Gegnern wenig Trefferfläche zu bieten. Im
MMA Bereich versuchen die Leute ebenfalls die Arme zu unterlaufen und sich gegebenenfalls am Gegner festzukrallen um diesen evtl. mittels Takedown auf den Boden zu verfrachten.
All diese Ansätze sind aber im Standard
WT nicht vorgesehen. Der Kopf der hinten oben gehalten wird ist für den größeren Gegner eine direkte Einladung zum Draufschlagen. Er liegt quasi auf dem Präsentierteller parat. Die weiche Defensive funktioniert gegen schnelle Kettenfauststöße von Größeren nicht und artet eher zu harten blockartigen Bewegungen aus, welche aufgrund der relativ starren
WT Schrittarbeit den Kleineren noch zusätzlich benachteiligt.
Sprüche wie:
-du must schneller sein
-du musst aus der Linie rausgehen
-du musst spontaner sein
-du brauchst ein gutes Timing
bla bla bla
bringen dich dabei auch nicht weiter. Wenn du schneller sein könntest, dann würdest du dies intuitiv einsetzen. Wenn du unter Stress spontan sein könntest, dann würdest du dies auch tun.
D.h. dies sind Sprüche, die dich evtl. bei Laune halten, dir aber im Endeffekt nichts bringen.
Fakt ist, dass jemand mit einer großen Reichweite und großer Körpermasse im
WT gegen einen kleineren
WT’ler eigentlich nur die Universallösung braucht. D.h. bereits mit der offensiven Anwendung von Kick, Kettenfauststößen und dem Übergang in den Knie-Ellbogen-Bereich wird er auch einem deutlich kleineren
WT Lehrer massive Probleme bereiten, selbst wenn dieser Lehrer zig Jahre länger
WT betrieben hat.
Auch das immer wieder betonte aus der Linie gehen bringt nur in der Defensive etwas, wenn der Gegner so blöd ist und dann geradeaus weiter läuft. Dies ist aber meistens nicht so. Die relativ langsame
WT Schrittarbeit verhindert das massive Vorbeirasen des Größeren und dieser wird sich letztendlich einfach wieder auf dich ausrichten und dein Problem beginnt von vorne.
In der Offensive ist das seitliche Rausgehen noch frustrierender. Um an den Armen des Gegners vorbeizukommen, musst du eigentlich so schnell wie möglich die Distanz zwischen dir und dem Gegner überbrücken. Jede Seitbewegung macht aber den Weg automatisch länger und gibt damit dem größeren wieder Zeit um sich auszurichten.
Wie bereits erwähnt, in den Vollkontaktkampfsportarten gibt es einige vernünftige Ansätze für kleinere Leute um an größere ranzukommen. Im
WT liefert man dir dagegen die taktilen Abwehrmechanismen um an den Gegner ranzukommen. D.h. wenn du es mit
WT versuchen willst, dann musst du entweder diese Mechanismen gegen schnelle Schläge zum Funktionieren bringen (du wärst meiner Erfahrung nach allerdings der Erste dem dies wirklich gelingt) oder du benötigst ein gutes Maß an Mut, Schmerzresistenz und körperlichen Attributen um trotz Trommelfeuer an den anderen heranzukommen.
Dies ist meine für dich wahrscheinlich wenig motivierende Analyse deines Problems.
Gruß Ralf