Hallo Panther ?
Zitat:
Original geschrieben von Panther
Was ist eigentlich klassisches Jiu-Jitsu? / soweit ich weiß gab und gibt es in Japan sehr viel verschieden Jiu-Jitsu Stile die teilweise nur in der Familie weiter gegeben wurden und jeder war/ist ein anderer Stil?
Panther |
Keine einfache Frage, die Du da stelltst. Ich denke, mit einer umfassenden Antwort könnte man ganze Bücher füllen...
Zunächst mal wäre wichtig zu wissen , was Du unter "klassischem Jiu-Jitsu" verstehtst. Meinst Du die Kampfkunst, die von den Samurai im Japan der Feudalzeit betrieben wurde oder zielst Du mit Deiner Frage auf den Ursprung der verschiedenen "Stile" in Deutschland ab ?
Zum "Jiu-Jitsu" im Japan der Feudalzeit könnte ich folgendes beitragen:
Die genaue Enstehungsgeschichte des Jiu-Jitsu wird wohl heutzutage hundertprozentig niemand mehr aufarbeiten können. Fest steht, daß es im 15.-17. Jahrhundert in Japan eine Vielzahl von Ryu gegeben hat, in denen gelehrt wurde, wie man sich waffenlos gegen bewaffnete und unbewaffnete Gegner zur Wehr setzt. Die größte Anzahl von Ryu wurde wohl in der Tokugawa-Ära erreicht. Unterschiedliche Quellen sprechen hier von bis zu 700 verschiedenen Ryu. Allerdings gab es auch vorher schon Schulen, in denen verschiedene waffenlose Verteidigungstechniken gelehrt wurden. Hierzu sollte man wissen, daß im Laufe der Jahrhunderte die Bezeichnung für die waffenlosen Kampfkünste oft wechselten. In der Literatur erscheinen hier die Begriffe Kukuseku, Yawara, Wajutsu, Taijutsu, Torite, Koshi-no mawari, Shubaku, Kumiuchi und Kempo.
Die in dieser Zeit gelehrten Kampfkünste hatten aber alle zum Ziel eine waffenlose Verteigigung gegen einen (in der Regel) bewaffneten Angreifer zu ermöglichen, wenn man z.B. vom Pferd gefallen oder entwaffnet war. Die gelehrten Techniken bezogen sich also in aller Regel auf eine Situation auf dem Schlachtfeld, so daß die Erfinder der Techniken alle Besonderheiten von Bewaffnung und Rüstung der Samurai ausnutzte. So konnte man zum z.B. beim Angriff von hinten, den Helm des Feindes packen und ihn dann mit dem Riemen seines eigenen Helmes ersticken, oder man konnte ihn mit dem hinteren Helmrand das Genick brechen. Auch wahr es wohl möglich den Haltering des Köchers, an der Rüstung eines Samurai, als Haltegriff für einen Wurf zu verwenden.
Weiterhin wurden sämtliche Waffen, oder Waffenteile (Schwertgriff) zur Unterstützung einer waffenlosen Technik, wie z.B. eines Hebels verwendet. Es handelte sich also um den kombinierten Nahkampf von Kenjutsu und Jujutsu-Schulen. Die sich daraus ergebende Einschränkung der Bewegungsfreiheit läßt den Schluß zu, daß eine Vielzahl heutiger Techniken damals nicht bzw. in anderer Form ausgeführt wurden. In Rüstung war es wohl schlicht unmöglich einen Yoko-Geri-Kekomi zum Kopf des Angreifers zu treten. Auch dürfte es viele Varianten des "Eindrehens" in den Gegner damals nicht bzw. nur in anderer Form gegeben haben. Ich denke diese Liste ließe sich beliebig weiterführen...
Das in dieser Zeit praktizierte "Jiu-Jitsu" ist mit Sicherheit "klassisch", ich gehe aber mal davon aus, daß es aber wohl in der heutigen Zeit nicht mehr, oder wenn nur sehr schwer zu finden sein wird. Wer trainiert denn heutzutage noch voll bewaffnet und in Rüstung... ?
Hoffe, daß beantwortet Deine Frage ein wenig...
Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, sagt mir doch bitte Bescheid ? allwissend bin ich ja auch nicht !
Wenn sich Deine Frage eher auf den Ursprung der verschiedenen "Stile" in Deutschland bezog, bin ich wohl "ein wenig" am Thema vorbei

Die Antwort darauf gibt´s dann im nächsten Posting.
Gruß Slow-Fox