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Alt 16-09-2005, 10:03
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Sebastian Sebastian ist offline
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Kampfkunst: Standup + Grappling
 
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2. Allgemeines / Geschichte / Philosophie / Bruce Lee

(2.1) Wie funktioniert Qualitätskontrolle (der Instruktoren) im JKD?


Zitat:
Zitat von jkdberlin
...
Bei Inosanto, Hartsell, Udo Müller und Bustillo musst du pro Jahr eine bestimmte Anzahl von Stunden/Seminaren mit deinen Instructoren trainieren, um die Lehr-Lizenz zu behalten. Da diese Trainer auch auf Seminaren umherreisen, denke ich mal, gewinnen sie auch einen guten Überblick über das Können der Schüler des jeweiligen Instructors.

Andere Instructoren haben andere Stufen, so musst du z.B. nach dem Erreichen einer bestimmten Stufe (sagen wir mal "Full Instructor") diese jählichen Wiederholungen nicht mehr machen. Sein Abitur macht man ja auch nur einmal und muss nicht jedes Jahr wieder zu einem Test zurück aufs Gymnasium D.h. dass das Erreichen dieser Stufe auch sehr viel Arbeit und Vertrauen in Fähigkeiten voraussetzt.
...
(2.2) Inwieweit haben die "klebenden Hände" den Sprung von BL`s Kung Fu Ausbildung in Hong Kong in das JKD geschafft? Wird diese Technik heute noch trainiert? Welchen Stellenwert hat diese Technik im JKD? Ist sie kampfentscheidend wie von WC. etc. dargestellt?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Bruce Lee hat den Chi Sao Drill mit in sein System übernommen, es wurde für ihn zum (vorzeitigen) Schluss seines Trainings immer weiter unwichtig, da er aufgrund seiner Veranlagung, seines Trainings und seiner Attribute immer weniger in die Trapping Distanz kam und die dadurch geschulten Reflexe immer seltener brauchte. Meistens war der Kampf schon vorher vorbei.

Chi Sao wird auch heute noch, in verschiedenen Ausführungen und mit verschiedener Gewichtung im JKD trainiert. Auch hier ist sicherlich die Ausbildung und die Präferenzen des Trainers entscheidend.

Für mich ist Chi Sao ein Drill, der neben anderen Drills wichtig ist. Nicht mehr und nicht weniger.
(2.3) Grund für das "in-den-Hintergrund-Tretens" des Trappings im JKD? zu wenig Training? Unterbewertung?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Wenn man sich das Training in der Seattle Phase ansieht, dann merkt man sehr schnell, dass BL zu diesem Zeitpunkt sehr viel Trapping und Infight Sachen trainiert hat. Nur wurde er wahrscheinlich später einfach in der Tritt- und Schlagdistanz so gut, dass er mit weniger in der Trapping Distanz auskam.
Wäre jedenfalls meine Interpretation.

BL hat Jahre bei Yip Man WC trainiert und bei seinen Reisen nach Hongkong auch weiterhin ihn und andere seiner WC-Lehrer besucht und mit ihnen trainiert. Das Reingehen in den gegner, um ihn ununterbrochen anzugreifen, ist sicherlich eine der Hauptprämissen im JKD. Nur, es geht primär darum, ihn zu schlagen, und nicht darum, seine Extremitäten zu kontrollieren. Wenn ich im Infight treffe, auch ohne Trapping, dann brauch ich Trapping in diesem Kampf nicht. Ein "Hinterherjagen" nach den Extremitäten nur um des Trappings wegen ist falsch.

Der Infight ist eine von mindestens 4 waffenlosen Distanzen. Es ist eine im JKD sehr wichtige Distanz, da es eine Menge anderer Kampfkünste gibt, die wenig in dieser Distanz zu bieten haben. Es wäre also falsch, sich im JKD nicht mit einer Distanz zu beschäftigen, in der man vielleicht einen Vorteil hat. Wobei es zu bedenken gibt, dass sich nicht nur WC mit dem Infight und dem Trapping beschäftigt.
Trapping ist das zeitlich begrenzte Festlegen der Extremitäten des Gegners im Infight, um diesen entscheidend zu schlagen. Derlei Techniken finden sich auch in anderen Kampfkünsten, u.a. im Silat, in den filipinischen Kampfkünsten, bei verschiedenen Grapplingstilen und auch z.B. im Muay Thai Clinch.

Das Problem bei der Erklärung im JKD ist es hierbei, dass es "das JKD" nicht gibt. Letztendlich unterscheiden sich die Interpretationen ja von Instructor zu Instructor, ich kann also nicht für alle und jeden, sondern nur für das sprechen, dass ich kenne. Und dort, wo ich bisher trainiert habe, wurde Wert auf "Trapping" gelegt.

Eine "Lücke" im JKD vermag ich dabei nicht zu erkennen. Auch kein Problem. Man muss einfach nur mal die Augen aufmachen und verstehen, dass es in den Kampfkünsten nicht "den" einzig richtigen Weg gibt. Es gibt mehr als nur das WC-Trapping...
Zitat:
Zitat von Andreas Mertsch
Kompliziert wird es allerdings, wenn man bedenkt, daß gerade im Wing Chun das Jagen der gegnerischen Arme als verächtlich angesehen wird. Der typische 'Seattle-Trapping-Drill' mit Kombinationen aus den 'Reference-Point'-Positionen heraus (Handrücken bzw- gelenke aneinander gelegt), wie wir ihn in den Archiv-Aufnahmen mit BL und Taky Kimura sehen können, scheint in der Tat eine Erfindung von BL selbst zu sein (?), und nicht von seinen Lehrern Yip Man und Wong Shun Leung zu stammen. Nichtsdestotrotz sehen wir bei den Aufnahmen mit Taky noch einiges an Wing Chun mit Choy Lee Fut-Elementen (Low Horse Stance, Backfist).

(2.4) Funktion des Wooden Dummy im heutigen JKD (Inosanto Lineage). Unterscheidungen von der klassischen WC-Anwendung? Unterscheidung der JKD-Holzpuppe von der WC-Holzpuppe? Warum?


Zitat:
Zitat von jkdberlin
In der Inosanto Lineage ist das Training an der Holzpuppe Bestandteil des Curriculums.
Inosanto hat dabei die Übungen in 10 Jun Fan Sets und 10 JKD Sets unterteilt.
Die JKD Holzpuppe ist etwas grösser als die *ing *un HP und hat einen Hals und einen Kopf, wahrscheinlich um zielgenauer zu üben. Zu Unterschieden zwischen *ing *un HP und JKD HP kann ich nichts sagen, kenne kein *ing *un Holzpuppen Training.
(2.5) Inwiefern gehört Krafttraining ins JKD? Gibt es ein JKD-spezifisches Krafttraining?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Neben dem Techniktraining ist das Training von Attributen (Eigenschaften) entscheidend im JKD. Zu diesen Eigenschaften gehören unter anderem natürlich auch Ausdauer und Kraft.

Es gibt keine allgemein-gültiges Krafttraining für jedermann, da jeder Körper anders auf bestimmte Trainingsstimuli reagiert. Letztendlich liegt die Verantwortung für einen fortgeschrittenen Schüler nicht nur in der Hand des/der Trainer, sondern auch beim Trainierenden selber.

Ich selber mache eine Mischung aus einmal pro Woche Krafttraining mit Gewichten für Maximalkraft, 1 - 2 mal pro Woche Training mit Gewichten für Kraftausdauer sowie täglichen Körpergewichstübungen (Kniebeuge, Liegestütz, Ringerbrücke, Bauchmuskelübungen, Rückenübungen, Klimmzüge, Stützmuskulaturübungen u.a.) in verschiedener Anzahl und Ausführung. Dazu kommt dann noch spezielles Training zum Beispiel mit Deuser-Bändern für die Schlagkraft, Armübungen mit kleinen Gewichten oder Stöcken für die Schultermuskulatur und weiteres
(2.6) Unterscheidung zwischen JKD von Larry Hartsell und Dan Inosanto und anderen Lineages?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Larry Hartsell war schon zu seiner Zeit als Originalschüler in der L.A. Schule eher auch dem Grappling zugeneigt. Sein JKD zeichnet sich also sicherlich durch das Einbringen diverser Grapplingsachen aus. Liegt vielleicht auch an seinem Körperbau udn seinen Voraussetzungen. Alles weitere dazu (du wolltest ja auch Links ) findest du auf http://www.jkdassoc.com

Grossartig unterscheiden tun sich die beiden Interpretationen nicht, eher in der Gewichtung auf die einzelnen Distanzen. Insbesondere deswegen, da Larry Hartsell auch noch heute mind. einmal in der Woche mit Dan Inosanto trainiert und bei Inosanto in der Schule Kurse anbietet.

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Hauptsächlich zu nennen ist da natürlich die Inosanto Lineage (zu der ich auch Hartsell zähle). Jun Fan Gung Fu sowie die JKD Concepts auch übernommen in anderen Kampfkünsten.

Zusätzlich gibt es noch die Lineage der "Original" Geschichte, wobei die auch nicht gerade homogen ist. Generell trainiert man dort die Sachen, die BL diesen Jungs bis 1973 mehr oder weniger selber gezeigt hat, bzw. die die Jungs bei Inosanto direkt nach BL Tod trainiert haben. Leider sind hier auch ein paar Leute dabei, die vielleicht insgesamt mal 3 Monate zweimal pro Woche bei BL trainiert haben. Macht sie das jetzt zu besonderen Instructoren? Hm..., ich denke, dass muss jeder für sich selbst rausfinden.
(2.7) Welchen Stellenwert haben Waffen im JKD?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
In dem, was manche Leute "Original JKD" nennen, gibt es kein Training an Waffen. Durch Guro Dan Inosanto haben viele moderne JKD Schulen die Filipinischen Kampfkünste entdeckt und trainieren hier auch alle möglichen Arten von Waffen, Messer - Stock - Speer - bis hin zu Schusswaffen (wo erlaubt).

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JKD ist eine waffenlose Kampfkunst. Viele JKD'ler supplementieren daher ihr Training noch mit Waffenkampfarten, insbesondere den Filipinischen kampfkünsten.
(2.8) Wie intensiv hat BL andere Systeme trainiert, so dass er sie in sein JKD hat einbauen können (wie z.B. Fechten)?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Also, beim Fechten dürfte er auf familiäre Erfahrungen zurückgegriffen haben, sein Bruder Peter war Fechtmeister in Hongkong. Mit den div. chin. Stilen ist das wohl so eine Sache, er selber hatte Unterricht in Tai Chi Chuan und Wing Chun, mit einigen Stilvertretern hat er sich ausgetauscht...
Mit div. Boxern hat BL auch zusammen trainiert, ansonsten kann man davon ausgehen, das er ebenfalls ein grosses Wissen anhand der Lektüre von Büchern sich angeeignet hat
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Judo hat er zum Beispiel in der Seattle Schule trainiert etc. Ich denke, ab einem bestimmten Punkt ähneln sich Kampfkünste eh wieder und man kann Unterschiede wie Gemeinsamkeiten auch so erkennen. Es ist eine Frage der theoretischen Einteilung. Es geht im JKD auch nicht darum, soviele Kampfkünste wie möglich zu kennen oder zu können, sondern darum, seine eigenen Bewegungen so effizient wie möglich zu machen
(2.9) Hat Bruce Lee WT gemacht?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Nein! Bruce Lee hat Wing Chun bei Yip Man, Wong Shun Leung und William Cheung gelernt. WT ist die Interpretation des Yip Man Stiles von Leung Ting und Keith Kernspecht und entstand, wie viele Ableger und Schreibweisen, erst nach dem Tod von Bruce Lee.
(2.10) Ist Bruce Lee als "reicher Schauspieler" zu Yip Man zurückgegangen um sich die letzten Sätze der Holzpuppenform zu kaufen?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Das habe ich auch schon gehört, halte das aber für ein Gerücht. Zu dem Zeitpunkt, zu dem BL als "reicher" Schauspieler zurück nach HK ging, hatte sich sein persönliches Training und sein JKD schon soweit vom Wing Chun entfernt, das die Sachen, die er gerüchteweise "nachlernen" wollte, kaum in sein "Konzept" gepasst hätten. Außerdem hätte er diese "Mängel" jederzeit bei WSL o.a. ausgleichen können. Die Geschichte mit der Wohnung habe ich aus Richtung der Yip Man Söhne auch schon anders gelesen: BL wollte Yip Man die Wohnung aufgrund Respekts für seinen alten Lehrer kaufen und YM hat aus Stolz abgelehnt. Wer weiss...
(2.11) Hat Bruce Lee zusammen mit Inosanto versucht fortgeschrittene WC-Techniken über Stockkampf zu rekonstruieren?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Auch das kenne ich nicht. Guro Dan schreibt selber, er habe BL einige Eskrima Techniken gezeigt, die BL erst gar nicht gefallen haben. Nach einer Weile kam dann BL selber mit Eskrimatechniken an, die laut Guro Dan praktisch einem Largo Mano Stil ähneltem. Ob man darüber Wing Chun Techniken rekonstruieren kann (und wozu das gut sein sollte) ist mir nicht bekannt.

Ich sehe die "keine Chance" zum Nachlernen, die du da anführst, überhaupt nicht. BL hat auch weiterhin Kontakt zu ehemaligen Mitschülern bei YM gehabt, sich auch weiterhin mit diesen getroffen und mit diesen trainiert. Ob er dort irgendwelche Defizite hatte, kann ich nicht sagen. Viele Sachen aus dem Wing Chun passen einfach nicht in die Struktur des JKD, so sind dann die Probleme anders zu lösen. Ein "Kennen" oder "Können" sog. "fortgeschrittener" Techniken löst diese Probleme auch nicht. Alles andere sind Spekulationen.
(2.12) Was ist zu den Skills von Bruce Lee im Ringen zu sagen? Inwiefern sind sie Bestandteil des JKD?

Zitat:
Zitat von jkdberlin
Meines Wissens nach hat Bruce Lee mit einigen Grapplern seiner Zeit Judo, Small Circle JJ und ähnliches trainiert, es gibt die sog "Original Grappling Moves", die Guro Dan und seine Lineage unterrichten, meistens Sachen aus dem Trapping zu Armhebeln, Würgern und einige Fusshebel aus "gefangenen Tritten". Hier im Board in einem anderen Thread wurde schon mal versucht, die Namen der Grapplingpartner aufzuschreiben, muss an wohl mal über die Suchfunktion ran...

(2.13) Was versteht man im JKD unter "Stoppen"?


Zitat:
Zitat von jkdberlin
Stoppen heisst im JKD nicht nur die Waffe oder physisch den Gegner abfangen, sondern seine Angriffsmotivation unterbrechen, ihn in die Verteidigung bringen. Wenn ich also die gegnerische Waffe stoppe, dann mach ich das, indem ich die Waffe in einer Art und weise "schlage", dass dergegner nicht mehr diese Waffe einsetzen möchte. Mir fällt hierzu z.B. das filipinische Gunting ein. Bevor jetzt wieder ein Entrüstungsschrei der "Original JKD" Vertreter kommt, seht euch mal die erste Videoserie von Jerry Poteet an. Das Schlagen auf die Rückhand der Faust des Gegners...

(2.14) Was versteht man im JKD unter "Parry"?


Zitat:
Zitat von jkdberlin
Wenn du Parry nur vom Fechten her kennst, dann kennst du kein Boxen. Parry sind das "Ablenken" der gegnerischen Waffe, leicht und flexibel, nicht wie ein Block, sondern eine Bewegung die im Winkel auf die Bewegungsrichtung der gegnerischen Waffe kurz auftrifft und sie ablenkt. Bestes Beispiel ist der Parry mit der hinteren Hand auf den Führhandschlag des gegners aus dem Boxen
...
Ein Parry wird generell gleichseitig gemacht, d.h. seine Führhand mit deiner hinteren Hand.
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Have a break, have a ...discussion.