Tag 7
Es ist Sonntag Morgen 06.45 Uhr als mein Wecker mich unsanft aus dem Schlaf reißt. Schnell wecke ich über die Zimmertelefone MatzeOne, den Holländer und den Syrer aus Bonn. Obwohl der Sonntag als Ruhetag gelten soll, haben wir uns für diesen Tag einiges vorgenommen. Nach unserer Karaoke-Nacht einige Abende vorher habe ich mit Yut little ausgemacht, dass wir am Wochenende einen gemeinsamen Ausflug machen und er uns ein wenig Land und Leute zeigt.
Geplant ist eine Tour in den 70
Km entfernten Seeort Rayong. Dort wollen wir seine Familie besuchen und anschließend möchte er uns auf meinen Wunsch ein paar einfache kleine Thai-Gyms zeigen in denen sich sonst keine "Ausländer" einfinden.
Yut little hat versprochen einen Mini-Bus für uns zu besorgen und wir sind gegen 8 Uhr vor dem Gym verabredet.
Bei leichtem Regen treffen wir gegen 8 Uhr vor dem Gym ein. Nach wenigen Minuten fährt ein Pick-Up vor, dessen Ladefläche mit einer Art Zelt bzw. Regenplanne überdacht ist. Amüsiert stellen wir fest, dass es sich dabei um unseren Mini-Bus handelt.

Auf der Ladefläche sind ein paar Decken ausgebreitet und Leonard Sitpholek samt Freundin begrüssen uns lächelnd von der Ladefläche. Erfreut darüber, dass die beiden auch mit von der Partie sind, nehme ich mit MatzeOne und dem Holländer ebenfalls auf der Ladefläche Platz. Unser Syrer gesellt sich zu Yut little und dem Fahrer nach vorne. Schon geht die lustige Fahrt los.
Nach ca. 1 Stunde Fahrt erfolgt der erste Stopp an einem Berg. Am Berg auf einem Felsen ist ein rießiger goldener Buddha angebracht. Uns wird erklärt, dass dieser Buddha aus reinem Gold vor einigen Jahren als Zeichen der Ehrbietung für den König von Thailand geschaffen wurde. Anhand der großen Busparkplätze stelle ich aber auch fest, dass es sich hierbei wohl mittlerweile auch um ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen handelt. Da wir aber so früh morgens dort sind, können wir den Anblick in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit genießen.
Weitere 45. Minuten später halten wir auf einer Nebenstrasse an zwei Holzhütten. Wir folgen Yut little hinter die Häuser und finden dort einen selbstgebauten Boxring und selber gemachte Sandsäcke einfachster Art. Yut erklärt uns, dass in diesem "Gym" vorwiegend sehr junge Thailänder (Kindesalter) aus der Ortschaft trainieren.
Weiter geht es richtig Rayong. Gegen halb elf morgens halten wir in der Nähe von Rayong an einem einheimischen Strandrestaurant. Unsere Thais haben Hunger und wir entschließen uns zu einem warmen "Frühstück". Die Speisenauswahl überlassen wir der Freundin von Leonard die fröhlich drauf los bestellt. Schnell ist der Tisch voll mit Shrimps, Krappen, gedünsteter Fisch, gebratener Fisch und diversen anderen Gerichten. Für mich ist es eine völlige neue Erfahrung morgens um halb elf bereits ein Festmahl an Seafood und warmen Hauptgerichten aufgetischt zu bekommen. Trotzallem war dieses Essen mit Abstand das beste Essen während des kompletten Aufenthaltes. Frischer kann Seafood vermutlich gar nicht sein und ich schlage mir ebenso wie die anderen den Bauch mit den verschiedensten Gerichten voll.
Die Thais sind für diesen Tag unsere Gäste und wir begleichen die Rechnung im Restaurant. Insegsamt für 8 Personen bezahlen wir 35 € für einen Tisch voll mit super Essen. In Deutschland wäre dies unbezahlbar.
Nach dem Aufenthalt im Restaurant geht es weiter durch Rayong in Richtung Dschungel. Nachdem wir auf eine Art Feldweg abbiegen und wir ca. 10 Minuten durch den Dschungel kurven, gelangen wir auf eine Lichtung auf der zwei große Holzhäuser stehen. Hier wohnt die Familie von Yut Little. Wir lernen den Bruder und diverse andere Verwandte von Yut kennen und werden herzlichst empfangen. Derweil braust Yut little mit unserem Syrer auf einem Moped davon und erscheint 15 Minuten später mit einem Korb voller Getränke und Eiswürfeln wieder. Wir lassen uns auf der Terrasse des einen Hauses nieder. Eine thailändische Flasche Whiskyl, mehrere Flaschen Singha Beer und Soda wird vor uns aufgebaut. Yut fängt fröhlich an zu zechen, der Syrer ist schnell mit von der Partie. Obwohl ich zunächst nur Soda zu mir nehme, genehmige ich mir zum Schluss doch noch ein Glässchen vom thailändischen Whisky. Während wir es uns auf der Terrasse gut gehen lassen und ein wenig quatschen, schlachtet die Familie von Yut schnell ein Huhn für uns und bereitet dieses in einem Topf über einer offenen Feuerstelle für uns zu.
Obwohl mein Bauch noch immer voll vom "Frühstück" ist, esse ich einige Stunden später etwas von dem für uns geschlachteten Huhn, um nicht unhöflich zu sein.
Nach einigen Stunden treten wir den Rückweg an. Zwischenstopp machen wir an einem Gym im Vorbezirk von Rayong. Dort trainiert der 22-jährige Thailänder Mankond. Dieser ist Ratchadamnoen Champion und hat sicherlich noch eine steile Karriere vor sich. Vorsichtshalber habe ich meine Trainingssachen mitgenommen und ich habe auch schnell die anderen zu einem kurzen Training überredet. Zunächst zeigt uns Mankond einige seiner wirklichen kraftvollen Tritte und danach lassen wir uns die Chance nicht entgehen uns mit ihm und seinen Titel-Gürteln zu fotografieren.
Auch in diesem Gym sieht man wohl nie Ausländer. Während wir uns im Gym aufhalten, versammelt sich schnell eine kleine Menschenmenge um das Gym und schauen uns belustigt und fasziniert zugleich beim Training zu. In dem Gym selber, das aus einem überdachtem Ring und ca. 6 Sandsäcken besteht, trainieren fast ausschließlich Jugendliche und Kinder. Unter den Kindern und Jugendlichen sind aber bereits einige Lumpini-Kämpfer dabei, welche aber durch unsere Anwesenheit ihr Training nicht mehr wie gewohnt fortsetzen. Der Trainer des Gyms bietet mir ein Pratzentraining an, woraufhin die Thais weitgehend das Geschehen verfolgen und nicht mehr auf ihr Training konzentriert sind.
Auch MatzeOne, der Holländer und der Syrer besteigen den Ring und wir werden abwechselnd zur Pratzenarbeit herangezogen.
Nach Beendigung des Pratzentrainings fordert mich der Trainer zu einer Runde Sparring auf. Obwohl bestimmt um 20 Jahre älter als ich, zeigt er mir schnell wo der Hammer hängt und ich werde nur so durch den Ring gejagt. Für die umstehenden Zuschauer bestimmt ein lustiges Bild, für mich jedoch eine überaus anstrengende Sache. Obwohl ich die eingesteckten Treffer kaum mehr zählen kann, ist das Sparring absolut kontrolliert und die Treffer wirklich locker.
Eine Stunde später sitze ich mit MatzeOne wieder auf der Ladefläche des Pick-Up und wir befinden uns auf dem Rückweg. Im Großen und Ganzen hat sich dieser Ausflug sicherlich gelohnt, da wir Thailand an diesem Tag mal von einer Seite gesehen haben, die den meisten Touristen sicherlich verwehrt bleiben wird. Es war wirklich interessant zu sehen wie thailändische Familien auf dem Land leben.
Gegen 19 Uhr sind wir wieder zurück im Hotel. Der restliche Abend verläuft wie oftmals zunächst mit einer einstündigen Thaimassage, einem guten Essen im Anschluss und zum Abschluss mit einem Schlummertrunk am Stammtisch der Fan-Treff bzw. Pit-Bull-Bar.
Erschöpft schlafe ich in dieser Nacht sofort ein.