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Alt 24-01-2006, 08:59
Jörg B. Jörg B. ist offline
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Kampfkunst: historisches Fechten und mehr
 
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Und da haben wirs mal wieder: Ausschließliche 'praktische Erfahrung' in einem nicht auf Ernstkampf ausgerichteten, sportlichen Regelwerk, und nichts anderes sind die diversen Regelwerke des Reenactment-Fechtens, erlaubt nicht unbedingt Rückschlüsse auf den historischen Gebrauch.

Denn was im Rahmen eines modernen Regelwerks funktionieren muss, ist i.d.R. durchaus unterschiedlich zu den damaligen Anforderungen. Der Schlüssel liegt wie immer bei den hist. KK in der Vergangenheit.

Nochmal zur Info: Die auf der von Ivain verlinkten Seite gezeigten Positionen basieren auf den Arbeiten von meinem 'Kollegen' Stephen Hand und Paul Wagner aus Australien.

Beide sind sowohl Reenactors als auch historische Fechter. Sie haben in einem ziemlich langwierigen Prozess haufenweise Bildmaterial aus dem frühen und hohen Mittelalter gesichtet und dies mit Quellen aus späteren Zeiten (z.B. Talhoffers Abb. zum Kampf mit den riesigen Duellschilden und italienische Anweisungen aus der Renaissance zum fechten mit dem 'rotella') verglichen.

Ergebnis: Für den Gebrauch eines flachen (oder nur leicht gekrümmten Schildes) im Einzelkampf gibt es einige Prinzipien, die durchgängig vom Frühmittelalter bis in die Renaissance nachweisbar sind.

Dazu gehört v.a. die 'offene' Schildhaltung. Die Schildaussenseite weist beim Rechtshänder nach links, die vordere Schildkante ist auf die linke Schulter des Gegners ausgerichtet.

Hiermit wird die linke obere Blöße (die gefährdetste Blöße beim Kampf Rechtshänder gegen Rechthänder, und die Blöße, die am einfachsten angegriffen werden kann) geschlossen, auch die Zentrallinie ist gut geschützt. Damit zwingt man den Gegner dazu, ein weniger gut zu erreichendes Ziel anzugreifen und weitere Wege zu gehen.
Der Trick bei der Sache ist der, daß man den Schild eben nicht starr festhält, bzw. diesen mit viel Kraft hin und her bewegt, sondern sich die Massenträgheit des Schildes zu Nutze macht und sich quasi um den Schild herumbewegt, um angegriffene Blößen zu decken.

Die Interpretation ist beileibe noch nicht vollständig, was mir Stephen letzten September auch bestätigt hat, und deckt wie gesagt nur den Gebrauch eines flachen Schildes im Einzelkampf ab.

Aber da funktioniert sie sehr gut.
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(James A. Keating)
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