Einzelnen Beitrag anzeigen
  #13  
Alt 11-10-2002, 16:54
Armin Armin ist offline
KKB-Userstatus: Beginner
Kampfkunst: Yip Man Ving Tsun
 
Registrierungsdatum: 02.03.2002
Alter: 37
Beiträge: 178
Post Ok, mal sehen.

Hallo Suchender,

schönen Text hast Du da. Selbst verfasst?

Im Prinzip stimme ich Dir zu. Ich sehe auf den ersten Blick allerdings einen, meines Erachtens, schweren Fehler: So wie Du es darstellst, hat man beim "Kämpfen" folgenden Ablauf: Gegner kommen lassen, Kontakt aufnehmen und über taktile Reize den Gegner kontrollieren und kampfunfähig machen. Das klingt für mich nach zu starker Betonung der Chum Kiu.

Wie verbindet man das mit "Angriff ist die beste Verteidigung", wenn die erste Bewegung mehr kontaktsuchend, als angreifend ist? Ausserdem sehe ich hier, also jetzt speziell in dem von Dir beschriebenen Chi Sao-Konzept, die Umsetzung von "Stoß vor, wenn der Weg frei ist" nicht.

Lass' uns doch mal bei dem Konzept bleiben. Wann ist denn der Weg frei? Wenn die Deckung offen ist? Wohl eher nicht - versuch' mal bei einem Boxer durch die Deckung zu gehen, das macht viel Aua. Ist der Weg frei, wenn ich die Arme unter Kontrolle habe? Manchmal - vergessen wir die Beine nicht. Also müssen Arme und Beine unter Kontrolle sein? Nicht schlecht, aber dann brauche ich ja nicht mehr vorzugehen - ich bin ja schließlich schon da!

Das von Dir genannte Konzept bezieht sich also fast vollständig auf die "Vorkampfphase" und der Weg ist dann frei, wenn mich mein Gegner ohne einen zusätzlichen Schritt mit seiner längsten "Waffe", dem Sidekick", angreifen kann. In dem Moment gehe ich vor und nur dann nehme ich mit meiner Antwort seine Frage vorweg.

Das wäre geklärt. Aber was mache ich genau? gehe ich vor und "fische" nach seinen Armen um "suchende Hände" einzuetzen? Oder gehe ich nicht eher vor, greife dabei mit einem Tritt und (dann) einem Schlag an und versuche mich dabei so gut wie möglich zu decken? Wohl eher das letztere.

Und noch einen Schritt weiter: Wann brauche ich denn dann den Chi Sao-Reflex bzw. die taktilen Reize? Das brauche ich doch nur, wenn die gegnerische Position, also Stand, Arme und Beine, stabiler sind als meine Position und ich trotz Keil nicht "eindringen" kann. Erst dann erfolgt die von Dir beschriebene "entspannte" Verformung in eine andere Position.

ABER: Ich benutze z. B. den Bong Sao oder Tan Sao nicht als Selbstzweck, nach dem Motto: Schau mal wie toll ich nachgeben kann. Vielmehr benutzt man doch die Verformung um in eine andere, bessere Position zu kommen und von dort aus wird der Angriff fortgesetzt.

Insgesamt benötigt man Chi Sao also maximal 1/100 oder 1/1000 Sekunde - bis eben der Treffer da ist.


Bis dann,

Armin.