Einzelnen Beitrag anzeigen
  #9  
Alt 30-03-2006, 14:14
Benutzerbild von Klaus
Klaus Klaus ist offline
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst:
 
Registrierungsdatum: 31.08.2001
Ort: NRW
Beiträge: 7.092
Standard

Viel zu plausibel. Das geht nicht. Allerdings sollte man mit so Thesen wie "Zhang hat überhaupt nicht existiert" vorsichtig sein. Erstens wird ja nun ein Büchersturm erwähnt, dem neben natürlichen Bränden einiges zum Opfer gefallen ist, und als simpler Daoist ist er meiner Meinung nach auch zu bekannt um nicht existiert zu haben. Allerdings ohne übermässig bei der Schöpfungsgeschichte von "Innerem Boxen" in Erscheinung getreten zu sein, oder sein zu müssen, und sicher hat das auch nicht ein einzelner nach einem Traum vom Kampf des Kuckucks mit dem Pferd und dessen Kumpan, dem Wildschwein, entwickelt. Obwohl durchaus Träume ein wesentlicher Vorgang bei Daoisten (und nicht nur bei denen) ist, um Pfade zu finden, oder Lösungen. Dabei ist der Traum aber nur Ausdruck des Gefühls von der Lösung, man "erlebt" die Lösung in einem Traum, körperlich. Man muß aber nicht die unsägliche "Tierimitation" bemühen um sinnvoll mit grossen Kräften umgehen zu lernen, denen man sich nicht direkt aussetzen will. Das Bild von einem angreifenden Keiler passt gut an der Stelle. Man geht aus dem Weg und gibt ihm einen von der Seite mit, sonst bricht er einem die Beine. Das war auch Jägern bekannt. Oder das Bild von der Schlange, die nicht weglaufen kann, also weicht sie ein bischen mit dem Kopf zurück und schnellt dann vor wenn sich das angreifende Tier wieder zurückzieht. Solche Bilder die logische Ideen versinnbildlichen kommen in solchen Träumen öfter vor. Ich habe, als ich wieder gelernt habe wütend sein zu können, von einem Bratwurstverkäufer vor einem Fussballplatz geträumt der mich bescheisst, und bin im Traum wüst schimpfend ausgeflippt. Trotzdem hat mich kein Bratwurstverkäufer beschissen den ich "beobachtet" habe, und ich habe auch eigentlich keinen vor diesem Fussballplatz angetroffen. Es passte als Bild aber. Und nach dem Traum konnte ich wütend sein, das erste Mal seit 25 Jahren.

Solche Vorgänge sind allgemein üblich unter Daoisten, und daher kann es gut sein daß in Erklärungen solche Bilder benutzt werden, ohne daß man tatsächlich wie Grimme jahrelang auf der Lauer lag, um Füchse im Kampf zu beobachten und daraus neue Kung-Fu-Stile abzuschauen. Solche und ähnliche Taktiken waren sich er schon lange in inneren Übungen vorhanden die Daoisten und deren Gesinde auf den Bergen benutzten um sich gegen gelegentliche Übergriffe zur Wehr zu setzen. Die hatten intensiven Kontakt mit dem Militär, da sie sich als Berater an allen möglichen Orten aufgehalten haben, seit langer Zeit. In manchen Zeiten hätte kein Kaiser eine Entscheidung getroffen ohne einen Berater zu fragen oder gar auf die Berge zu stiefeln und sich in und um die Klöster inspirieren zu lassen. Da ist die Frage wer wieviel von wem gelernt hat, vermutlich war das ein Hin und Her, und nicht von einem Einzelnen. Diese Taktiken die sich aus einem eher "friedlichen" Ansatz ergeben, und die auf den grossen Körperkräften beruhen die sich aus meditativen Übungen ohnehin mit der Zeit von alleine ergeben (Rumstehen und Circle-Walking ohne Fuchteln war immer im Programm), oder die nötig sind sobald man sich mit spitzen Dingen wie Schwertern befasst, gab es lange vor diesem Taiji von Chenjiagou. Irgendwann hat es ein Substrat, oder eine Person mit einem Hintergrund, nach Chen-Dorf geschafft (Chen Bu soll ohnehin ein Militär gewesen sein), und da sein eigenes Ding gemacht. Ohne daß ein Zhang da in der Nähe war oder mitgespielt hat. Der Weg dieses Taijiquan von Chenjiagou nach Peking und darüber hinaus ist inzwischen leicht nachvollziehbar. Die Legenden um das alles herum waren Ausdruck aktueller Nöte und Motive, wie man dem Artikel entnehmen kann. Wieviel Wahrheit dabei ist, kann man ohne die verbrannten Dokumente nicht mehr klären, und auch in denen wurde mal gelogen.
Mit Zitat antworten