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Alt 31-12-2006, 10:06
Melphin2 Melphin2 ist offline
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Kampfkunst: traditionelles Wing Chun, Baguazhang
 
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Eine Diskussion über anfängliches Falschtrainieren hatten wir im Wing Chun Forum bereits. Zumindest habe ich es versucht, eine entsprechende Diskussion anzukurbeln.

In unserer Grundausbildung haben wir viele Bewegungen aus der Sicht eines überkritischen Fortgeschrittenen (der vergessen hat, dass er selbst einmal Anfänger war) "falsch" gelernt. Nur bedeutet dieses "falsch" nicht falsch im herkömmlichen Sinne, sondern heisst einfach, dass die Intention der Bewegung in diesem Stadium des Trainings noch nicht auf das Endprodukt ausgerichtet ist.

Vielfach können "richtige" Bewegungen sowohl vom Anfänger als auch vom Fortgeschrittenen nicht ausgeführt respektive Positionen nicht eingenommen werden. Zum Beispiel weil gewisse Muskelgruppen, Bänder oder Sehnen verkürzt sind, nicht ausgebildet sind, Fehlhaltungen existieren etc..

Der Sinn ist nun, den Anfänger an das Endergebnis heranzuführen, die Muskelgruppen zu dehnen, Fehlhaltungen zu korrigieren usw., was nicht funktioniert, wenn wir den Schüler das Endergebnis "kopieren" lassen (im Gegenteil, wir fördern Fehlhaltungen, Verkürzungen, Gelenkprobleme, Mursk und Krämpfli etc.. Es ist in den hiesigen Kampfkünstigen vielerorts zu beobachten, dass einfach (von einem Video?) abgekupferte Bewegungen "nachgeturnt" werden und dass derjenige Welche nie den Weg zum Endergebnis durchlaufen hat. Vor allem in Kampfkünsten wie Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan aber auch Wing Chun ist mir dieses Phänomen aufgefallen (daher auch vielfach die Diskussionen diese oder jene Kampfkunst nicht funktioniert - respektive dass in "realistischen" Situationen die gelernten Bewegungen verlassen werden, um zu kickboxähnlichem Gehüpfe zu wechseln). Hohlkreuzstellungen, Rundrücken, stark eingedrehte Knie (schmerz!), verkrampfte Schultern, verkürzte Leisten....hab schon so ziemlich alles gesehen.

Es zeichnet meines Erachtens einen Lehrer aus, die verschiedenen Stadien einer Bewegung zu kennen und dem Schüler entsprechend weiterzugeben und ihn in dem für den Schüler richtigen Tempo an das Endprodukt heranzuführen. Einem Anfänger (oder auch Fortgeschrittenen) eine solche "falsche" Bewegung beizubringen ist in dem Fall das einzig "Richtige". Die Intention einer solchen "falschen" Bewegungen ist zum Beispiel in erster Linie, die Schultern zu dehnen (was kaum gelingt, wenn die Bewegung darauf ausgerichtet ist, einen Angriff abzuwehren).

Ich hoffe, ich habe mich halbwegs klar ausgedrückt.

Geändert von Melphin2 (31-12-2006 um 10:10 Uhr).
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