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#16
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| Zitat:
http://www.tenshukaku.de/frameset3.html Geändert von itto_ryu (06-02-2006 um 10:31 Uhr). |
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#17
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http://www.tenshukaku.de/frameset3.html Hehehe, tenshukaku ist ne tolle Quelle, aber die Info habe ich aus einem engl. Buch, das "Arms and Armour of ancient Japan" heißt, aber wie hieß der Autor...? Muss ich mal nachsehen. Geändert von itto_ryu (06-02-2006 um 10:30 Uhr). |
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#18
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| [quote=itto_ryu][quote=Dragodan] Habe letztens mal ein Video zum Schwimmen in Rüstung gesehen. Übelst, wirklich übelst Zitat:
![]() Kenjutsu im Wasser ist wirklich ein etwas anderer Schnack. Eine Übung ist zB. im wasser, während man schwimmt auf eine tafel Kanji zu malen. Sah verlixt schwer aus ![]() |
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#19
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| Hmpf, ich merke gerade, dass die Verlinkungen nicht direkt zum Artikel führen. Am besten stelle ich die Inhalte mal direkt rein oder ihr schaut unter dem Bereich Artikel, da sind die Berichte aufgereiht mit "My home is my castle" und "Schimmen als Kampfkunst." |
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#20
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| My home is my castle Belagerungstechniken im historischen Japan 25.000 kleinere und größere Burgen soll es in der Blütezeit der Festungsbaukunst im 16. und 17. Jhdt. in ganz Japan gegeben haben. Provinziale Fehden und ein ewiger innerpolitischer Kleinkrieg ließ immer neue Bauwerke entstehen, alte aufrüsten oder nach vorangegangenen Kämpfen wieder erneut errichten. Die Bushi verstanden sich hervorragend auf das Anlegen von Verteidigungsanlagen und überzogen das Land mit einer Vielzahl von Wach- und Prunkburgen. Bereits seit dem 13. Jhdt befestigten die Japaner zum Schutz ihrer Provinzgrenzen strategisch wichtige Hügel oder Bergkuppen mit Palisaden und einfachen Wällen. Diese Saku genannten primitiven Holzbefestigungen dienten vor allem als vorgelagerte Waffendepots und eventuelle Rückzugsorte bei Einfällen der jeweiligen mehr oder minder feindlich gesinnten Nachbarn. Ein Wachturm und Wirtschaftshäuser erlaubten die Aufnahme von Materialien und Menschen und dienten gleichzeitig als Beobachtungspunkt für das umliegende Flachland. Und ebenso wie ihre Aufgabe im Kriegswesen noch sehr simpel war, war auch ihr Aufbau recht einfach gehalten. Von runder oder quadratischer Grundform, errichtete man auf einem leichten Erdwall (Doi) eine hölzerne Palisadenwand (Sakamogi) und umgab alles noch mit einem trockenen Graben (Hori) um ein direktes Berennen der Wälle zu verhindern. Diese ersten Burgformen hatten noch keine ausgeklügelten Verteidigungsanlagen, verschiedene Stockwerke oder Galerien und sind in ihrem Aufbau etwa mit den frühen Forts der europäischen Entdecker in Amerika zu vergleichen. Lange Zeit spielten diese Saku keine große politische Rolle. Sie taten ihre Schuldigkeit in den einzelnen Provinzkriegen, wurden niedergerannt, wieder aufgebaut und galten im Endeffekt nicht mehr als befestigte Lager. Im 14. Jhdt, in den Sengoku-Kriegen teilte sich das Land jedoch in verschiedene alliierte Parteien. Die einzelnen mächtigen Fürstenhäuser verbündeten sich im Kampf um die rechtmäßige Erbfolge des Kaisers und ihre eigene Stellung innerhalb der politischen Hackordnung. Massenweise wurden die Saku umkämpft in die sich angeschlagene Truppen zurückgezogen hatten und vielfach konnten diese einfachen Palisaden-Befestigungen einer massiven Belagerung nicht standhalten So begriff man schnell den Wert einer festen, geschützten Anlage als Fluchtburg, in der genügend Proviant, Wasser und Nachschub an Waffen gelagert werden konnte und der einer längeren Belagerung auch mit einer kleineren Besatzung längere Zeit widerstand. Die ehemaligen Saku wurden in den kommenden Jahrhunderten zu großen Festungen (Shiro) ausgebaut und es entstand ein weitverzweigtes Netz von territorial abhängigen Burgen zur Absicherung der einzelnen Provinzgrenzen. Diese große Anzahl von Befestigungen ist ein deutliches Zeichen für die politische und militärische Schwäche der herrschenden Zentralgewalt, des Tenno (Kaisers) und des Shogun (oberster militärischer Herrscher). Obwohl jeder der einzelnen Fürsten (Daimyo) ein direkter Untergebener, wörtlich genommen sogar nur Verwalter, des Kaisers über die ihm unterstellte Provinz war, hielten sie die eigentliche Macht des Landes in ihren Händen. Sie nutzten die wirtschaftlichen Ressourcen ihres Gebietes und verteidigten es verbissen gegen jede fremde Einmischung. Dafür boten Burgen einen guten Ausgangspunkt. Neue Festungen schossen wie Pilze aus dem Boden und innerhalb von 250 Jahren waren aus den einfachen Palisadenforts schwer einnehmbare Bastionen geworden. Jede nur mögliche, strategisch wichtige Stelle wurde ausgebaut, jede örtlich vorteilhafte Begebenheit ausgenutzt. Sogar buddhistische Klöster mußten weichen um zu einer Burg umgebaut zu werden. Die Feste Kasagi ist hier als eines der vielen Beispiele zu nennen. Doch die veränderte Kriegsführung während der Muromachiepoche brachte zwangsläufig auch eine Verlagerung des Festungswesens mit sich. Die bis dahin bestehden Bergburgen (Yamajiro) wurden durch im Flachland angelegte Befestigungen (Hirayamajiro) ergänzt. Dazu nutzte man einzel stehende Hügelkuppen oder erschuf durch einen breiten Steinwall eine künstliche Erhebung. Diese neuen Burgen waren um ein vielfaches komplexer als die alten Forts angelegt. Der Grundcharakter der neuen Burg entsprach dem Mehrhof-System, das heißt innerhalb eines abgeschlossenen Bauwerkes bestanden einzeln abriegelbare Höfe (Kuriwa) welche separat verteidigt werden konnten. Am gebräuchlichsten war das 3-Hof-System. Über das befestigte Haupttor (Koraimon) gelangte man zuerst in den äußersten 3. Hof (San no maru), von dort in den 2. (Ni no maru) ehe man schließlich im Haupthof, dem Hon maru, war wo sich die einzelnen Wirtschaftsgebäude und das Herz der Festung, der 3 bis 7 stöckige Wehrturm (Tenshukaku) befand. Um eine bessere Verteidigung organisieren zu können errichtete man extra noch kleinere Ecktürme von 2 bis 3 Stockwerken (Sumi ya gura), baute Pfeilarsenale (Ya gura) aus oder erweiterte die Burg, bei entsprechender Größe und finanzieller Mitte, noch mit vorgelagerten Außenhöfen (Soto guruwa). Diese Festungen waren schwer zu nehmende Schlüsselpunkte und das Rückrad der Verteidigung einer jeden Provinz. Von hier ließen sich Feldzüge logistisch absichern oder man zog sich bei Gefahr in sie zurück. Erstaunlich ist, daß im Gegensatz zu Europa oder China die Burg immer nur millitärischen Zwecken diente. Sie nahm im Kriegsfalle keine Zivilisten in ihren Mauern in Schutz oder diente für die umliegenden Dörfer als Wirtschaftsspeicher. Ebenso ist es vor dem 17. Jhdt nicht üblich gewesen, abgesehen von einzelnen provinzialen Hauptstädten (Yoko machi) mit ihren Prunkburgen, daß sich im Schutz dieser Festungen Menschen ansiedelten. Gerade in Europa ein wichtiger Schritt zur Entwicklung größerer Städte. Ebenso war es in Japan unüblich Städte mit Stadtwällen zu umgeben und so die Zivilbevölkerung gegen Überfällen und Plünderungen zu schützen, denn das System der freien Städte war im klassischen Japan unbekannt. Den einfachen Leuten blieb im Kriegsfalle meist nichts weiter übrig, als sich mit dem notwendigsten Hab und Gut in den Wäldern oder Bergen zu verstecken und auf das Ende der Kampfhandlungen zu hoffen. Durch das Fehlen dieser stadtumfassenden Wehranlagen entstanden in Japan die für die Wohnviertel der Krieger typischen Anlagen (Samurai machi). Diese bestanden aus großen 4-Seiten-Höfen, von 1000 bis 2000 m², umgeben von Mauern mit einem befestigten Torgebäude. Inliegend waren Wohngebäude und Gärten untergebracht, welche der Familie und ihren Bediensteten Lebensraum bot, quasi eine Burg im Kleinformat. Noch heute kann man diese Viertel in Städten wie Kanazawa in gut erhaltenem und rekonstruiertem Zustand besuchen. Trotz, daß die Burgen seit dem 14. Jhdt. immer mehr zu starken Festungen ausgebaut wurden, änderte sich die Technik der Belagerung unter den Samurai kaum. Im Gegensatz zu ihren ausgefeilten und perfektionierten Schlacht- und Kampftechniken und gegenüber den hochentwickelten Belagerungstechniken ihrer unmittelbaren Nachbarn, der Chinesen und Koreaner, wirkte ihre Art erstaunlich primitiv und unterentwickelt. Obwohl sie viele militärische Einflüsse vom Festland übernahmen und ihren Gegebenheiten anpaßten ist der Gebrauch solcher weitverbreiteter Belagerungsmaschinen wie Rammböcke, Sturmtürme oder großer Katapulte weitestgehend unbeachtet geblieben. Dies schien folgende Gründe zu haben: Japanische Armeen waren auch nach der Einführung der großen Heere in der Muromachi-Zeit noch bestrebt ihre Streitkräfte flexibel und bewegungsfreundlich zu halten. Trotz Rüstung und Waffen waren selbst die gepanzerten Ritter, die adligen Krieger, noch recht leicht ausgerüstet, wenn man sie mit den schweren Panzerreitern der gleichen Zeitabschnitte in Europa vergleicht. Japanische Rüstungen bringen selten ein größeres Gewicht als 30 kg und ein Schwert wiegt nicht mehr als 1,5 kg. Das mitführen von schwerem Kriegsgerät würde eine solche Armee eher behindern, als von Vorteil zu sein. Selbst der Bau dieser Maschinen vor Ort setzte eine gewisse Logistik voraus, welche mit einem erheblich langsameren Troß transportiert werden müßte. Eventuell erkannten sie auch die geringe Wirkung der frühen Belagerungstechniken und verzichteten so absichtlich auf deren Einsatz um den Grundcharakter ihrer Heere bei Feldzügen nicht zu beeinträchtigen. Dreh- und Angelpunkt der japanischen Kriegsführung blieb die offene Feldschlacht. Vor der Erfindung des Schießpulvers waren Belagerungen stets langwierige und mühselige Unternehmen. Der Vorteil lag deutlich auf Seiten der Verteidiger und eine entschlossene Burgbesatzung, welche über genügend Proviant und Waffen verfügte konnte Monate in ihrer Festung verharren. Die einzigen Möglichkeiten der Überwindung waren das Abgraben der Wasserzufuhr oder gezielte Brandlegung (japanische Burgen bestanden, abgesehen von den Wehrmauern und eventuell der Basis hauptsächlich aus Holz) um den Gegner zum Aufgeben zu zwingen. Schwere Katapulte hatten nicht die Kraft und die nötige Energie um Mauern zum Einsturz zu bringen. Durch die hohe balistische Flugbahn und den indirekten Einschlagwinkel konnten sie der Außenmauer nie da gefährlich werden, wo es nötig gewesen wäre, an ihrem Fuß. Erst Kanonen konnten durch ihre flache Flugbahn die Wallbasis so beschädigen, daß eine Bresche in der Mauer entstand und der Schutt vielleicht sogar den Graben zuschüttete. Katapulte dienten eher dazu die Belagerten moralisch zu schädigen, war ihre Schadensrate doch nur sehr gering. Die im Mittelalter üblichste Form der Belagerungstechnik war das direkte Berennen von Tor oder Mauern durch die Soldaten, welche versuchten mit Leitern in die Anlagen einzudringen und innerhalb der Festung einen Brückenkopf zu bilden. Verständlicherweise krankt diese Art der Kriegsführung unheimlich an Verlusten von Menschen und Material. Der Ablauf einer solchen Belagerung verlief im Großen und Ganzen nach folgendem einfachen Muster: Nachdem sich die Verteidiger in ihre Burg zurückgezogen hatten versuchte man sie primär von der Außenwelt abzuschneiden. Bambuszäune und verflochtene Barrieren um die Burg verhinderten Nachschublieferungen am Proviant und Mannschaften und erschwerten für die Festungsbesatzung eventuelle Ausfallversuche. Stand die Burg an einem Fluß oder Gewässer war es üblich schwere Taue zu spannen, um auch en Seeweg für Schiffe und Boote zu unterbinden. Danach konnte man nur hoffen, daß die Burg im Idealfall durch ein separates Äquadukt mit Wasser versorgt wurde. Gelang es dieses zu zerstören, waren die Chancen auf einen Sieg schon recht hoch. Verfügte die Befestigungsanlage jedoch über eigene Wasserressourcen mußte man sich auf eine lange Belagerung einstellen. Hierfür errichtete man in gleichmäßigen Abständen hohe, aber einfache Holzgestelle mit kleinen Plattformen, die die Außenmauern der Burg überragten. Diese Türme dienten vor allem als Beobachtungsposten und ermöglichten einen Überblick auf die Innenburg. Teilweise konnte man hier auch Schützen postieren, welche die Belagerten unter Beschuß nehmen konnten, im Normalfall war dies jedoch eher umgekehrt. Aus diesem Grund entwickelte der Feldherr Yamamoto Kansuke, ein General der Familie Takeda, eine rollbare Variante in Galgenform, wobei ein Späher mittels einer festen Holzkiste nach oben gezogen werden konnte und den man in einer besonders heißen Phase auch schnell wieder herablassen konnte. Später schafften Krieger der unteren Ränge Bambuswehre und Holzschilde (Tate) bis dicht vor die feindlichen Mauern. Diese boten den angreifenden Truppen wenigstens einen gewissen Schutz vor den Pfeilen und Steinen der Verteidiger sobald sie versuchten die Wälle zu überwinden. Scharfschützen verbargen sich hinter den Schilden und nahmen die Burgbesatzung auf den Gallerien unter Beschuß. Daraufhin folgte der Sturm mit Leitern... Der Ausgang des Kampfes war daraufhin nicht selten Glück und günstige Wendung des Schicksals. Außerdem praktizierte man das Legen von Feuern, die Unterminierung um Krieger einzuschleusen oder brach einzelne Steine aus den Mauern bis diese brachen. Ein Großteil der Burgen fiel ebenso durch Verrat. 1575 mißlang die Unterminierung der Burg Nagashino durch Takeda Katsuyori, weil die Belagerten einen Gegentunnel in die Erde trieben und das Unternehmen somit zum Einsturz brachten. Mehr Glück hatte 5 Jahre vorher Rokkaku Yoshikata, welchem es gelang bei der Belagerung der Festung Chokoji, einer Bergburg (Yamajiro), das wasserversorgende Äquadukt zertrümmern zu lassen und die Verteidiger zu einem Ausfall zu zwingen. Erst im 16. Jhdt. sammelten die Japaner neue Erfahrungen bei der Belagerungstechnik. Besonderen Anteil daran haben die Provinzkriege der Familien Takeda und Uesugi, welche durch jahrelange Kämpfe mit wechselnden Erfolgen immer neue Methoden erprobten, die vorgelagerten Festungen der anderen Provinz zu überwinden. Ein Resultat dieser Experimente war z.B. der bereits oben erwähnte "Galgen-Spähwagen". Doch erst die Invasion nach Korea öffnete der breiten Masse der Bushi die Augen für neue Methoden und den Umgang mit Festungen und Belagerungstechniken. Im Gegensatz zu den Japanern verfügten die Heere der verbündeten Chinesen und Koreaner schon seit Jahrhunderten über ausreichende Erfahrung im höherentwickelten Festungskampf. Und so lernten die Japaner bei Belagerungen von koreanischen Burgen die Techniken der Verteidiger im Umgang mit heißem Öl, Steinen oder der Armbrust kennen. Ein Schutz vor dieser Kampfart ließ die Samurai schnell neue Belagerungstechniken entwickeln. Und so entstand auch der Kame no kosha (Schildkrötenpanzer), ein hölzerner Wagen mit gepanzertem Dach. Hierfür trocknete man frische Tierhäute über Feuern, was diese widerstandsfähig und unheimlich hart machte. Mit diesen Häute überzog man dann das Dach des Wagen und schützte so die Insassen vor Geschossen oder heißen Flüssigkeiten, welche die Verteidiger von den Galerien auf die Angreifer schütteten. Fuhr man diesen Wagen bis an den Fuß der Mauer, waren die Krieger in der Lage aus einer geschützten Stellung heraus das Fundament des Walls anzugraben. Sobald das Bauwerk nachgab und brach konnten frische Truppen den Schildkrötenwagen quasi als eine Art Sicherheitstunnel benutzen um durch ihn und die Bresche in die Festung zu gelangen. Beim Fall der koreanischen Burg von Tong-nai setzte der japanische Feldherr Konishi Yukinaga lange Bambusgitter zur Überwindung der Mauern ein. Diese ermöglichten , im Gegensatz zu Leitern, mehreren Kriegern gleichzeitig die Überwindung der Wälle und waren durch ihr Gesamtgewicht von den Verteidigern auch nicht so schnell zu kippen. Hauptsächlich waren die japanischen Siege über koreanische Burgen jedoch der Brandlegung zuzuschreiben, was auch ihrer herkömmlichen Kampftaktik entsprach. Da in Japan niemals Kanonen oder andere Geschütze so massiv eingesetzt wurden wie in Europa, vollzog sich auf den Inseln auch keine nennenswerte Weiterentwicklung des Festungsbauwesens nach dem 15. Jhdt, mit der Einführung des Schießpulvers in Japan. Während die europäischen Burgen breite, flache Basteien erhielten, die selbst starken Bombardements widerstanden, blieben die Japaner dabei hohe und steile Außenmauern ihrer Festungen zu errichten. Nach der reichseinigenden Schlacht von Sekigahara (1600), als sich Tokugawa Ieyasu zum neuen Shogun (alljapanischen Militärherrscher) über alle anderen Fürstenhäuser erhob und damit eine 400 jährige befriedete Epoche einläutete, traten die Festungen etwas in den Hintergrund des militärischen Interesses. Das Bestreben galt einer allgemeinen Abrüstung des Landes im innerpolitischen Bereich und eine militärische Schwächung der einzelnen Fürstenhäuser - ein Bestreben, wie es auch in Europa, z.B. Italien oder Deutschland, von vielen Zentralherrschern angeregt wurde. Auf ein Edikt des neuen Herrscherhauses Tokugawa hin mußten alle Burgen im Land, welche nicht ausdrücklich Wohnzwecken der einzelnen Adelsgeschlechter dienten, geschliffen werden. Das heißt, daß fast alle der kleineren Grenzbefestigungen diesem Befehl zum Opfer fielen. Zwar wurden an den Militärschulen noch die Kunst des Festungskrieges, das Chiko jutsu, gelehrt, der praktische Aspekt dieser Kunst entschwand jedoch zusehendst. Lediglich zwei nennenswerte Belagerungskriege fanden noch im 17. Jhdt statt. Dabei handelte es sich einmal um die Rebellion der in der Schlacht von Sekigahara unterlegenen Adelshäuser 1615 in Osaka und 1635 um den Christenaufstand in Hara/Shimabara. Übrigens die einzigen "wirklichen" militärischen Konflikte der Tokugawa-Epoche. Die Burgen dienten, wie bereits erwähnt, in der japanischen Neuzeit eher als Wohn- denn als Schutzburgen. Und so stattete man sie verstärkt innerlich wie äußerlich mit Zeichen von Macht und Reichtum aus. Verzierungen auf Dächern, Schnitzereien und aufwendige Intarsienarbeiten verschönerten die einst praktisch angelegten Festungen, ohne Einfluß auf ihre Wehrhaftigkeit zu nehmen. Schließlich dienten die Burgen jedoch wirklich nur noch Repräsentationszwecken, und die meisten der noch heute in Japan zu besichtigenden Anlagen sind entweder in den letzten friedlichen 400 Jahren zu ihrem heutigen Aussehen gekommen oder sie wurden größtenteils erst nach dem 2. Weltkrieg als Touristenattraktion wieder nach alten Vorbildern aufgebaut. |
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#21
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| Was ist mit den Wurfpfeilen -messern, glaub Shuriken??? die wurden doch von den Samurai getragen!!!! Wurden die auch im Kampf eingesetzt ein Bsp http://www.takedaryu.at/video/shuriken.zip http://www.takedaryu.at/video/shuriken_2.zip Gruß Pedro el Negro
__________________ Paul "Nothing but a good workout" "No Pain no Gain" "OSU" :) |
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#22
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| Samurai im Wasser Schwimmen als Kriegskunst Japan ist eine Insel – umgeben vom Pazifik, dem Ost-Chinesischen und dem Japanischen Meer. Und seit Generationen leben die Japaner im steten Zusammenspiel mit dem Wasser – als eine ihrer Hauptnahrungsquellen und gleichsam als einer ihrer größten Feinde. Seestürme und Flutwellen richteten immer wieder große Verwüstungen an - und immer wieder trotzte das Volk den Naturgewalten. So ist es nicht verwunderlich, daß das Element Wasser auch in der japanischen Militärgeschichte eine bedeutende Rolle spielte. Viele große und einflußreiche Schlachten wurden als Seeschlachten ausgetragen, so die Entscheidungskampf zwischen den Taira und Minamoto in Dan no ura (1185), die Zurückschlagung der mongolischen Invasionen in der Hakada Bucht (1274 und 1281), Kizugawaguchi (1578 und 1579), die Landungsoperationen in Korea (1592 - 1598), der Sieg über die russische Flotte bei Port Arthur und Tsushima (1904 und 1905) und die Kämpfe des 2. Weltkrieges im Südpazifik. Eine Inselnation wie Japan wird über die Jahrhunderte immer wieder unweigerlich in Konflikte verwickelt werden, welche auf dem Meer ausgetragen werden. Insbesondere die Betrachtung der historischen Geschichte bis einschließlich der Tokugawa-Zeit, als die japanischen Heere noch nicht ihren westlichen Charakter angenommen hatten, zeigt, wie sehr sich die Heerführer dieser Situation bewußt waren. Obwohl Japan nie eine Seefahrernation im klassischen Sinne war und hauptsächlich Küstenschiffahrt betrieb, unterhielten die Daimyo der Meeresprovinzen, oder mit entsprechend schiffbaren Flüssen, eigene kleine Flotten, auf denen auch Samurai Dienst taten. In der Zeit der japanischen Bürgerkriege, der Sengoku jidai, als das Land in der Hand der rivalisierenden Daimyo lag, machte sich in der Region des Seto-Binnenmeeres, zwischen den Hauptinseln Honshu und Shikoku, ein Samurai-Clan stark, der bald die Oberhand über das Gebiet gewann. Dieser Clan, die Murakami – Gefolgsleute des Hauses Mori, stützte sich hauptsächlich auf eine starke Flotte, mit der er das Binnenmeer und die dortigen Inseln unter Kontrolle hielt. Wie viele andere Familien der Küstenregion waren ihre Vorfahren Piraten gewesen, die sich später in den Dienst des Militärs gestellt hatten. Unabhängig davon, die Erfahrungen im Seekrieg, die sie in den Jahren ihrer Herrschaft sammelten, legte mit den Grundstein für das Wissen über die maritime Kriegsführung in der späteren Tokugawa-Zeit. Einen dieser Fakten betrifft die Kenntnis des Überlebens im Wasser, also die Techniken des Schwimmens und Tauchens. Zur Ausbildung der See-Krieger vieler Provinzen gehörte neben dem regulären Waffentraining und den technischen Fertigkeiten im Marinedienst auch ein spezialisiertes Schwimmtraining, welches, identisch den Kriegskünsten, in eigenen Schulen (Ryuha) übermittelt wurde. Viele der Initiatoren dieser Schulen waren ehemalige Angehörige des Murakami-Clans. Während der Tokugawa-Epoche (1603 – 1867) entstanden in verschiedenen Provinzen Japans eine Anzahl von Schwimmschulen. Selbst Fürsten und der Shogun waren Anhänger dieser Kunst. Tokugawa Ieyasu (1542-1616), der Begründer der letzten Shogun-Dynastie, war einer dieser Männer welcher auch eine eigene Flotte aus Kriegsschiffen unterhielt (die heutige Nationalflagge Japans, die Hinomaru, geht beispielsweise auf das historische Marine-Banner des Tokugawa-Clan zurück). Er formulierte einst in einem Gespräch mit Todo Takatora, dem Daimyo von Tsu, die wichtigsten Dinge welche ein Fürst praktizieren sollte – Reiten und Schwimmen. Tokugawa hielt es für eine Notwendigkeit, daß ein Krieger schwimmen konnte und ging selbst mit gutem Beispiel voran. In seiner Jugend trainierte er zusammen mit seinen Gefolgsleuten in seinem Geburtsort Okazaki und selbst im Alter setzte er seine Übungen noch im Wassergraben seiner Burg in Edo (Tokyo) fort. (Turnbull) Die Kunst des militärischen Schwimmens wurde in historischen Zeiten als Sui jutsu (Wassertechniken) oder Suiei jutsu (Wasserschwimmtechniken) betitelt, und ab der frühen Meiji-Zeit (ab 1867) in die weniger martialische Bezeichnung Oyogi jutsu (Schwimmtechniken) umbenannt. Hauptaufgabe dieser Kriegskunst war die Ausbildung der Samurai und Seeleute im Schwimmen, um sich über Wasser halten zu können und so vor dem Ertrinken zu retten und spezifische Aufgaben aus dem Wasser heraus zu übernehmen. Dazu kannte man eine Vielzahl von Schwimmtechniken, welche für ganz verschiedene Situationen entwickelt wurden. Typisch für das herkömmliche Schwimmen war, daß es vornehmlich nicht um hohe Geschwindigkeiten, sondern eher um das Überwinden großer Distanzen und Langzeitschwimmen ging. Dabei gab es, abhängig von den einzelnen Schulen, mehrere Varianten für das Schwimmen bei starkem Gegenwind, bei hohen Wellen, gegen, mit oder quer zur Strömung usw. Die meisten Stile praktizierten dafür verschiedene Versionen des Brustschwimmens oder Kraulens in flacher oder seitlicher Lage, welche den jeweiligen Gegebenheiten angepaßt waren. Die Beinbewegungen entsprachen den Schwimmtechniken eines Frosches oder denen des Hundepaddelns. Der Kopf sollte, gegen Wellen und Gischt, meist seitlich gehalten werden. Rhythmus und psychologische Stärke sollen ausschlaggebend für diese Schwimmmethoden sein, einige Schulen trainierten zur Unterstützung dieser Eigenschaften sogar zum gleichmäßigen Klang von großen Kriegstrommeln. Tekiai waffenlose Kampftechniken im Wasser Der Grund für die Techniken des Distanz- oder Steckenschwimmens ist in der Tradition der japanischen Kriegsführung zu suchen. Seeschlachten entsprachen in historischen Zeiten dem Kampf auf dem Festland – mit dem einzigen Unterschied, daß die Krieger die Pferde gegen Boote ausgetauscht hatten. In den Gempai-Kriegen verband man die einzelnen Schiffe einer Flotte häufig mit langen Bohlen und schuf so große künstliche Kampfplattformen. Bogenduelle über lange Distanz bestimmten den Beginn der Schlacht, bevor man zum Nahkampf mit Schwert und Dolch überging. Wer dabei über Bord fiel, mußte sich entweder zum Festland oder zu verbündeten Booten in Sicherheit bringen können. Ausdauer und das Wissen um die Tücken des Meeres waren hier Überlebensgarantie. Als historisches Beispiel für eine solche Begebenheit kann die, für japanische Seite, fatale Seeschlacht von Hansando (1592) während der Koreainvasion (1592 – 1598) zu sehen sein. Diese Auseinandersetzung war Bestandteil massiver Bestrebung durch die Koreaner, die Landung neuer japanischer Truppen auf das Festland, bereits auf See zu vereiteln. Bei Hansando, einer Insel vor der koreanischen Küste, erwartete bereits eine Seestreitmacht die anrückenden Samurai-Schiffe unter dem Befehl von Wakizaki Yasuharu. Die Koreaner, mit besseren Schiffen ausgerüstet und bereits in Kampfposition, versenkten binnen weniger Stunden 47 japanische Fahrzeuge und brachten 12 Schiffe durch entern in ihren Besitz. Zahlreiche japanische Adlige starben im Kampf oder durch Seppuku und über 400 Schiffbrüchige versuchten sich auf die Insel nahe Hansando in Sicherheit zu bringen. Die Koreaner fingen unterdessen an, diese Schwimmer mit Haken in ihre Schiffe zu ziehen und zu töten. Wer dieses Desaster überleben wollte, mußte über gute Schwimmtechniken verfügen, damit er das rettende Land erreichen konnte. Das heißt: Schwimmen um sein Leben – in der Panik zwischen Trümmern, brennenden Schiffen, Ertrinkenden und den Geschossen der Gegner. Oder er mußte in der Lage sein, sich wenigstens vom Wasser aus gegen die von den Schiffen angreifenden Koreaner zu verteidigen... Abhängig von den Spezialisierungen und Einsatzgebieten der einzelnen Schwimmschulen beinhalteten diese Ryu jedoch noch eine ganze Vielzahl von anderen Aufgaben. Treiben lassen um Kraft zu schöpfen, Schwimmen mit gefesselten Füßen oder Händen, Tauchen, das Gehen auf dem Meeresgrund, das Schwimmen zusammen mit Pferden, Bogenschießen oder Musketenschießen aus dem Wasser heraus, Schwertkampf beim Schwimmen, waffenlose Techniken, die Präsentation von Nahrungsmittel oder Sake und vieles andere mehr. Voraussetzung für viele dieser Methoden ist die Fähigkeit sich aufrecht und gerade im Wasser zu halten – das sogenannte Adels- oder Senkrechtschwimmen (Gozen / Tate oyogi), wobei versucht wurde, durch Wassertreten und ähnliche Bewegungen die Hände für kämpferische Aktionen oder Transportaufgaben frei zu haben. Eine große Anzahl von Schulen war auf diese Technik spezialisiert und perfektionierte sie immer weiter, was in der Formen von Sui sho, der künstlerischen Ausführung von Kalligraphien während des Schwimmens, seinen Höhepunkt hat. Adelsschwimmen Gozen oyogi Kraulschwimmen Nukite oyogi Kraulschwimmen Teguri oyogi Rückenschwimmen Ukemi oyogi mit den Füßen abstoßen Ashi geki Aufrecht halten Tate oyogi Schreiben im Wasser Sui sho Treibender Körper Fuyu Rüstungsschwimmen Katchu gozen oyogi Langstreckenschwimmen Enei mit gefesseltem Körper Zenshin garami Tisch präsentieren Haizen oyogi Präsentation von Nahrungsmittel Haizen ukewatashi Präsentation von Alkohol Sake nomi oyogi Gehen auf dem Meeresgrund Kaitei Schwimmen mit Pferden Sui ba Bogenschießen Sui kyu Musketenschießen Sui jyu Schwertkampf beim Schwimmen Sui ken Waffenlose Kampftechniken Tekiai Oben: Koga Tadao, Oberhaupt der Kobori ryu / demonstriert Sui ken jutsu Links: Eine Auswahl von Schwimmapplikationen aus dem Repertoire der verschiedenen Ryu des Suiei jutsu, welche ausnahmslos im Wasser ausgeführt werden. Reine Kampftechniken, wie etwa das Schießen mit Feuerwaffen und Bogen dürften wohl eher nicht als eigenständige Kriegstechniken mit hoher Anwendbarkeit gesehen werden. Man sollte sie eher unter dem Gesichtspunkt sehen, die sensiblen Feuerwaffen, und besonders das Schießpulver und die Pfannen der Luntenschloßgewehre trocken über ein Gewässer zu transportieren um sie von Land aus einzusetzen. Der Schuß mit dem Bogen und die Zündung der Gewehre aus dem Wasser heraus waren eher Geschicklichkeitsübungen statt reale Praktiken. Im Gegensatz dazu waren die Techniken des Schwertkampfes oder des Ringens im Wasser (Tekiai) schon eher anwendbar und hatten praktischen Bezug. Die waffenlosen Techniken entsprachen in vielerlei Hinsicht den Methoden des Ju jutsu vom Festland, das heißt sie basierten hauptsächlich auf Abwehr- und Hebelbewegungen um die Arme des Gegners zu kontrollieren. Viele Anwendungen endeten dann damit, daß der Angreifer unter Wasser gedrückt wurde indem man sein eigenes Körpergewicht auf das des Feindes verlagerte und ihn so durch das Unterbrechen der Sauerstoffzufuhr zur Aufgabe zwang. Zur Ausbildung vieler Suiei jutsu ryu gehörte außerdem das Katchu oyogi (Rüstungs-Schwimmen), was einem Krieger ermöglicht, sich selbst mit einer schweren Panzerung über Wasser zu halten. Bemerkenswert dabei ist, daß die Schulen diese Techniken ausschließlich mit Brustpanzer (Do) und Helm (Kabuto) trainierten. Der Grund dafür liegt in den historischen Vorschriften für die Besatzungen der Kriegsboote. Die Samurai, die auf den Schiffen (Bune) Dienst taten, sollten nur einen Teil ihrer Rüstung tragen, den sie sonst an Land benutzten. Gesichtsmaske (Menpo), Schulterschutz (Sode), Ober- und Unterschenkelschutz (Haidate, Suneate) sollte in den Booten abgelegt werden, da sie sonst zur Gefahr für den Träger werden könnten, wenn er im Kampf über Bord ging. Es war eine allgemeine Kriegstaktik im Seekampf den Gegner durch eine Vielzahl von speziellen, langstieligen Hakenwaffen, wie Kumade (Bärentatze), Nagekama (Lanzensichel) oder Sodegarami (Ärmelgreifer), ins oder aus dem Wasser zu ziehen. Um das Überleben im in der offenen See dann zu garantieren wurde die Rüstung auf ein Minimum reduziert. Seeleute unterhalb der Samuraikaste trugen dagegen meist nur einen leichten Körperschutz aus Stoff, der mit Bambusleisten verstärkt war. Natürlich war das Rüstungsschwimmen auch eine gute Übung, wenn die Krieger auf Feldzügen in voller Montur Flüsse oder andere Binnengewässer überwinden mußten – die ursprüngliche Bedeutung lag jedoch in der Ausbildung der Schiffsbesatzungen. Katchu gozen oyogi Rüstungsschwimmen der Kobori ryu Heute sind in der japanischen Vereinigung für historische Schwimmstile (Nihon Suiei Renmei) 12 verschiedene Ryuha (Lehrsysteme) vertreten. Wie die Schulen der anderen Kampfstile stehen auch die Sui jutsu Ryu in der Tradition der Kriegerkultur, mit eigenem Stilführer (Soke) und als Bestandteil der überlieferten 18 alten Kriegskünste (Bugei juhappan): -------------------------------------------------------------------------------- Suifu ryu Die Suifu ryu ist das traditionelle Kriegsschwimmsystem des Tokugawa-Clans aus der Region Mito. Die Schule wurde von Shimamura Masahiro im Jahr 1619 gegründet, nachdem er durch Erfahrungen mit anderen Systemen eine eigene Sammlung an Schwimmtechniken schuf und als eigene Schule klassifizierte. Charakteristisch für die Suifu ryu sind Techniken zur Überwindung von Gewässern mit speziellen Methoden, wie man sich die Strömung des Wassers zu Nutzen machen kann. Schwimmen in seitlicher Lage mit Kraultechniken sind typisch für diese Schule. -------------------------------------------------------------------------------- Suifu ryu Ota ha Die Ota Linie ist ein selbständiger Seitenzweig der Suifu ryu aus der Provinz Mito, welche durch einen Gefolgsmann namens Ota Sutezou (1831 - 1892) in Tokyo eröffnet wurde. Er gründete seine Schule 1878, welche heute bereits in der 8. Generation besteht. Seine Methode unterscheidet sich nur geringfügig vom Muttersystem, welches er zu verbessern suchte. Außerdem gibt es einige Techniken, welche speziell für die Angehörigen der Marineeinheiten entwickelt wurden. Über diese Verbindung zum japanischen Militär verbreitete sich die Schule relativ schnell über weite Teile Japans und war nicht so stark an einen Clan oder regional gebunden wie die anderen Ryuha. -------------------------------------------------------------------------------- Mukai ryu Der Geschichte nach gründete sich die Tradition auf Initiativen von Mukai Masakazu Shogen, wobei die ersten Aufzeichnungen bis in das Jahr 1807 zurückreichen. Der Schwimmstil hatte sich schnell als Hausschule des Tokugawa-Shogunats in Edo (Tokyo) und als Ausbildungssystem für deren Seeleute etablierte. Seit dieser Zeit ist die Schule Familientradition der Mukai Familie, welche mit ihrem jetzigen Oberhaupt bereits in der 13. Generation besteht. Während der Meiji-Reformation ging die Schule, wie viele andere kleine Kriegskunst-Traditionen, fast verloren. Nur durch die Bemühungen eines ehemaligen Gefolgsmannes des Hauses Sakura, Sasanuma Ryusuke, welcher Inhaber einer Lizenz der Mukai ryu war, konnte die Schwimmtradition wieder erhalten werden und wieder aufleben. Das System ist als Schwimmschule für die offene See konzipiert (Ofunate oyogi – Seeman-Schwimmen) und seine Techniken umfassen dementsprechend Langstreckenschwimmen, Schwimmen gegen Wellen und Strömung sowie Schnellschwimmen für kurze Distanzen. -------------------------------------------------------------------------------- Kankai ryu Gründer der Kankai ryu soll ein herrenloser Samurai namens Taro Akira gewesen sein, der aus der Provinz Kishu (heutige Prefektur Wakayama) stammte. Sein Vater war ein Arzt und er sollte der Familientradition folgen, aber ihn zog es eher zum Waffenhandwerk. So widmete er sich seit seiner frühesten Kindheit den Kriegskünsten und lernte über die Jahre die Schwimmtechniken vieler Schulen anderer Provinzen kennen. Sein besonderes Interesse galt der Entwicklung einer Schwimmtechnik für Langstrecken, worauf er dann seinen eigenen Stil aufbaute. Später wurden hochrangige Angehörige des Tsu Clans aus der Provinz Ise auf diese Techniken aufmerksam und übernahmen sie als Ausbildungsmethode für ihre Krieger (1852). Bereits in der Meiji-Zeit (1878) wurde die Schule für die Öffentlichkeit freigegeben, die vorher nur Angehörigen des Kriegeradels vorbehalten war. In dieser Zeit änderte man die alte, martialische Bezeichnung der Schule von Sui jutsu (Wassertechnik) zu dem zivileren Begriff Oyogi jutsu (Schwimmtechnik) und formte so aus der ehemaligen Kriegskunst eine moderne art der Körperertüchtigung. Im Jahre 1912 übernahm dann sogar die kaiserliche Marine diesen Schwimmstil als Ausbildungsfach für ihre Matrosen und die Techniken der Schulen verbreiteten sich so über ganz Japan. Die Kankai ryu sicherte vor allem das Leben der Seeleute des Tsu-Clans, welche über die Küstenlinie der Provinz pattroulierten. Charakteristisch für die Kankai ryu war das Langstrecken-Schwimmen in größeren Gruppen. Die Erfahrung in dieser Technik sollte den Kriegern ermöglichen, in einer Schlacht, bei Seenot oder bei einem Landungsmanöver mit frischen Kräften und kampfbereit an Land gehen zu können. Zu besonderen Anlässen demonstriert die Kankai Ryu ihre Techniken auch im Rüstungsschwimmen oder in historischen Kostümen. -------------------------------------------------------------------------------- Nojima ryu Im Jahr 1669 wurde der Samurai Hyoe Shigekatsu, aufgrund seiner Fertigkeiten in den Schwimmtechniken, von seinem Clan dazu berufen, ein systematisiertes Schwimmsystem für die Ausbildung der Krieger von Matsuzaka (Provinz Kishu) zu erstellen. Er selbst stammte von der Insel Kurahashi aus der Seto-Inlandsee (heute Präf. Hiroshima), einer Region, welche seit alters her Erfahrungen mit dem Meer, dem Schwimmen und der Schifffahrt hatte. Viele der kleinen Insel und die Wasser der Seto-Inlandsee waren in der Sengoku-Zeit Einflussgebiet des Murakami-Clans, die Zölle von Schiffen auf den Seerouten über die Straße von Mekari und den Onomichi Kanal erhoben. Sie galten im historischen Japan mit Abstand als die besten Seefahrer des Landes, welche ihre Fahrten bis ans chinesische Festland ausdehnten. So soll der Name „Nojima“ eine Anspielung auf einen der Hauptstützpunkt der Flotte des Murakami-Clans gewesen sein, welche in dieser Region tätig war. Shigekatsu schuf die Nojima ryu als Hausschule für den dort herrschenden Kishu-Clan, einen Zweig des berühmten Hauses Tokugawa. Spezialitäten der Schule sind das ruckartige Herausschnellen sowie besondere Handzugbewegungen aus dem Wasser, welche zum Erklimmen von flachen Booten oder der Befreiung aus Seetang oder Wasserpflanzen gedacht waren. Heute besteht die Nojima ryu bereits in ihrer 20. Generation. -------------------------------------------------------------------------------- Iwakura ryu Diese Ryu geht auf Iwakura Shigemasa aus Kumamoto (Provinz Higo) zurück. Der Krieger trat 1649 in den Dienst des Clans von Kishu und brachte dort auch Schwimmtechniken seiner Heimatregion mit, die sich unter den Gefolgsleuten verbreiteten. Auf diesen Überlieferungen gründete sein Enkel 1710 die Iwakura ryu als ein Bestandteil der Kishu-Kriegskunst. Charakteristisch für den Stil sind die “Inatobi-Techniken” (Maultier-Sprung), bei denen sich der Schwimmer ruckartig, weit aus dem Wasser schnellen kann. Sie entsprechen in etwa den Traditionen der Nojima ryu, der anderen Sui jutsu ryu des Tokugawa Kishu-Clans. Die Schule ist heute in Wakayama ansässig. -------------------------------------------------------------------------------- Koike ryu Als auf Veranlassung von Shogun Tokugawa Hidetada im Jahr 1619 Marinetruppen in die Provinzen Suruga (heute Shizuoka) und Kishu (heute Wakayama) verlegt wurden, befand sich unter ihnen auch der Krieger Koike Shigeyuki. Er gründete die Koike ryu, welche in späteren Zeiten zusammen mit der Nojima und Iwakura ryu zu den drei großen Schulen von Kishu gezählt wurde. Heute bestehen von diesem Schwimmstil zwei unabhängige Linien in den Präfekturen Wakayama und Shizuoka, welche sich auf die Überlieferungen der historischen Provinzen stützen. Bewegungen des Brustschwimmens mit ausgeprägter Beinarbeit, mit der man starke Strömungen überwinden, gegen Stromschnellen und die Strudel an den Ufern ankämpfen konnte, sind charakteristisch für diese Schule. Außerdem beinhaltet die Ryu Techniken für das Tauchen, welche in acht verschiedenen Varianten unterrichtet werden. -------------------------------------------------------------------------------- Shinden ryu Sie gilt allgemein als die älteste Sui jutsu Schule Japans. Der Überlieferung nach war ein Samurai aus Ozu, der Gründer dieser Ryu. Er soll die Basis dieses Stils in den Fluten schnell fließender Ströme seiner Heimatprovinz entwickelt haben, welche er als amphibische Manöver deklarierte. Das heißt, seine Techniken waren vor allem für Soldaten gedacht, die Binnengewässer zu überwinden hatten oder die gezwungen waren Kampfhandlungen im Wasser vorzunehmen. Die Schwimmbewegungen mußten demzufolge den starken Strömungen und Strudeln der Flüsse angepaßt sein. Starke Beintechniken waren hierfür die Basis und Grundlagentechnik der Ryu. Über einen Adoptivsohn des 7. Großmeisters der Schule, Masatoshi Minoshima, gelangten die Techniken um 1797 zum Matsuyama-Clan, der ihn als lokale Kriegsschule übernahm. In der 10. Generation wurde Rokuro Uehara Saemon, ein Gefolgsmann des Tsuyama-Clans zum Oberhaupt der Shinden ryu, die somit in drei historischen Gegenden, nördlich des Seto-Binnenmeeres, vertreten war (Ozu, Matsuyama und Tsuyama). Heute gibt es unabhängige Schullinien in Tokyo, Okayama, Kurashiki, Hiroshima, Ozu und Tsuyama. -------------------------------------------------------------------------------- Suito ryu Die Suito ryu ist eine Suiei jutsu Schule von der Insel Shikoku, genauer gesagt aus der Provinz Sanuki (heute Kagawa), worauf sich auch ihr alter Name Sanuki ryu bezieht. Die Herren dieses Landstriches war der Clan der Matsudaira, welcher ab dem 17. Jhdt. in der Stadt Takamatsu residierte und ein Seitenzweig des berühmten Tokugawa-Geschlechts (Shogun) war. Die Provinz Sanuki, eine Küstenprovinz, grenzte nördlich an die Seto-Naikai Innlandsee, ein von einer Vielzahl von Inseln durchzogen Meeresstreifen, welcher die japanischen Hauptinseln Honshu und Shikoku trennt. In der Sengoku-Zeit (1477 – 1600) war dieses Gebiet Tummelplatz für Marineeinheiten ganz verschiedener Provinzen, welche durch ihr eigenmächtiges und zwielichtiges Verhalten später öfters als “Seeräuber” bezeichnet wurden. Die Bewohner der Region hatte also von alters her Erfahrungen in der militärischen Schiffahrt und kannten sich mit den Unbilden und Gefahren des Meeres bestens aus. Im Jahr 1642 beauftragten die Matsudaira einen ihren Gefolgsleute, Imaizumi Hachirouzaemon, andere Krieger im Schwimmen auszubilden. Der Überlieferung nach fanden die ersten Übungen im Graben der Burg von Takamatsu statt. Dies war der Beginn der Suito ryu. Die Matsudaira, selbst Anhänger ihrer Schwimmschule, förderten sie über viele Generationen und praktizierten sie nachweislich auch selbst mit großer Hingabe. Noch heute kann man in Takamatsu ein Tor (Mitsut go mon) zu einer ehemaligen Schiffsanlegestelle an der Küste finden, wo die Fürsten der Überlieferung nach regelmäßig trainierten. Als Besonderheiten der Suito ryu gilt das Schwimmen über lange Distanzen. -------------------------------------------------------------------------------- Yamauchi ryu - Bannerschwimmen Yamauchi ryu Eine recht spektakuläre Schwimmschule ist die Yamauchi ryu aus der Region Usuki. Sie wurde erst im Jahr 1822 von Yamauchi Katsushige, einem Matsuyama Gefolgsmann aus Shikoku, gegründet und obwohl man annehmen könnte es wäre eine sehr “moderne” Schule, beinhaltete die Ryu doch eine Vielzahl von alten, historischen Techniken und Schwimmapplikationen (Oyo oyogi ho). Neben den allgemeinen Schwimmtechniken, praktiziert die Schule eine Form des Wassertretens, ähnlich dem der Kobori ryu. Diese Tate oyogi (Aufrechtes Schwimmen) genannte Technik war Voraussetzung für eine Vielzahl von Varianten, wie z.B. Jingai jutsu (Signalgebung mit dem Muschelhorn), Kyu jutsu (Bogenschießen aus dem Wasser) oder das Obata okiwatari. Obata (Großes Banner) okiwatari ist eine Technik, für welche die Yamauchi ryu berühmt war. Dabei trugen die Schwimmer lange Stangen oder enorme Banner von mehreren Meter Länge durch das Wasser. Angeblich geht diese Tradition auf das Tragen von Heeresbannern und Uma jirushi (Identifikationszeichen) bei der Überwindung von Gewässern zurück. Die Entstehungszeit der Ryu, in der es praktisch keine zwingenden Gründe mehr für solche historischen Kriegstechniken gab, läßt darauf schließen, daß sie vor allem als Geschicklichkeits- und Taktikübung eingeführt und von älteren Schulen übernommen worden sind. Denn bereits seit dem 16. Jhdt lassen sich in der Region Usuki Wassertechniken wie zB. Sui ba jutsu (Schwimmen mit Pferden) oder andere in Aufzeichnungen der ehemals führenden Familien der Otomo und später der Inaba nachweisen. Im Laufe der Meiji-Restauration (ab 1867) geriet die Schule fast in Vergessenheit und konnte erst durch Bemühungen ehemaliger Schüler um 1892 wieder auferstehen. -------------------------------------------------------------------------------- Kobori ryu Eine repräsentative Schwimmschule des südlichen Japans, aus Kyushu, ist die Kobori ryu aus der Provinz Higo. Die um 1756 von Muraoka Idayu gegründete Ryu entspricht wohl am ehesten dem, was man sich unter Kampfschwimmen im klassischen Sinne vorstellt. Die Techniken waren sowohl für das offene Meer als auch für schnellfließende Flüsse gedacht und zeichneten sich durch einen eigenwilligen Schwimmstil (Tosui jutsu) aus, bei dem durch Wassertreten der Oberkörper gerade und recht weit über Wasser gehalten wird. Dies war Voraussetzung dafür, daß der Krieger beim Schwimmen Waffen benutzen oder Material transportieren konnte. Spezielle Techniken der Kobori ryu umfassten hierbei das Schwimmen in Rüstung (Katchu gozen oyogi), den Schwertkampf im Wasser (Sui ken) und sogar Bogen- (Sui kyu) oder Musketenschießen (Sui jyu). Die Schule geht auf eine Tradition aus dem Jahr 1633 zurück, als der Hosokawa Clan die Samurai seiner Provinz Higo von einem Krieger namens Kawai Hanbei Tomoaki, der aus der Region Edo stammte, im Schwimmen unterrichten ließ. Die Männer führten ihr Training vor allem im Seegebiet vor und im Fluß Shira gawa durch, dem traditionellen Übungsgelände der Schule. 70 Jahre später initiierte der Hosokawa-Samurai Muraoka Idayu in Anlehnung an diese Ausbildung eine eigene Schwimmmethode, welche sein Sohn Kobori Tsuneharu zu einem eigenen System zusammenfaßte, welches dem militärischen Training des Hosokawa Clans angegliedert wurde. In späteren Zeiten verbreitete sich die Kobori ryu über weitere Provinzen und wurde zur bedeutendsten Schwimmmethode Kyushus. Sie besteht heute in ihrer 11. Generation. -------------------------------------------------------------------------------- Shinto ryu Eine weitere Schwimmschule von Japans südlichster Hauptinsel Kyushu ist die Shinto ryu. Der Stil geht auf eine Tradition der Kuroda Familie zurück, welche als Gefolgsleute dem Shimazu-Clan in Satsuma dienten. Breits 1533 soll die Schule initiiert worden sein, welche bis heute über 18 Generationen ununterbrochen, innerhalb der Kuroda Familie übermittelt wird. Die Shinto ryu ist somit eine der wenigen Schwimmsysteme, welche noch in den kriegerischen Zeiten der Sengoku-Ära entwickelt wurde. Die Haupttechniken der Schule beinhalten Variationen des Brust- und Kraulschwimmens, sowie Methoden der Kraftsammlung und Ruhepausen während des Schwimmens indem sich der Krieger einfach flach auf dem Rücken an der Wasseroberfläche treiben läßt. |
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Ja, wurden sie. Nur nicht direkt als Tötungswaffe, eher als Ablenkung und um die Schwerthand zu verletzen. Danke für das kopieren, itto. |
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Eiserne Schmetterlinge Japanische Wurfwaffen Bereits seit alters her waren Wurfgeschosse Bestandteil der kriegerischen Ausrüstung in allen Gesellschaftsformen und Erdteilen. Bekannt geworden sind die Bolas Südamerikas, die Wurfmesser der Afrikaner oder die Bumerangs der australischen Ureinwohner. Auch in Japan hat diese Waffenform schon eine sehr lange Tradition. Bereits in den Analen der japanischer Frühgeschichte, dem Kojiki (Shintoistische Mythen) und dem Nihon Shoki (Japanische Berichte der Frühzeit), wird von der Verwendung erster primitiver Wurfwaffen durch Krieger berichtet. Die ältesten bekannten Geschosse waren, wie wahrscheinlich überall in der Welt, herkömmliche Steine (Inji), welche in Japan durch spezielle Schleudern (Honda) eine höhere Reichweite und höhere Durchschlagskraft erhielten, als mit der Hand geworfene Kiesel. Auch im antike Europa, dem vorderen Orient und anderen Regionen der Welt war diese Art von Wurfwaffe sehr verbreitet. Neben diesen Steinschleudern tauchte ein Wurfpfeil (Uchi ne) als eine der ersten wirklichen Wurfwaffen in Japan auf. Seine Verbreitung war sicher sehr begrenzt, war seine Effektivität auf dem Schlachtfeld wohl mehr als fraglich. Sein Einsatz lag wohl eher in der Verteidigung von Haus und Hof und konnte ebensogut von Frauen wie von Männern eingesetzt werden (so auch sein Name Uchi ne - Innen Pfeil). Rein äußerlich glich er in Länge und Aussehen einem sehr starken, stabilen Pfeil, wie man ihn auch zum Bogenschießen benutzt. Schaft, Pfeilspitze uns sogar aus Holz gefertigte Federn bezeugten die eigentliche Herkunft dieser Waffe. Man weiß , daß er teils mit einer Schnur eingesetzt wurde, die Handgelenk des Werfers und Waffe verband, um den Pfeil nach Gebrauch schneller wieder zurückzuholen. Natürlich konnten sich diese kleinen Wurfgeschosse im Kriegshandwerk nicht gegen Fernwaffen wie Pfeil und Bogen durchsetzen. Steinschleudern haben sich nur innerhalb des gewöhnlichen Volkes bis ins hohe Mittelalter erhalten, welche sie vor allem zur Vogeljagd einsetzten, wie man dies auf alten japanischen Illustrationen beobachten kann. Erst ab dem 17. Jhdt. konnte sich eine neue Waffenform etablieren. Diese Version der Wurfwaffen, welche im Westen vor allen durch die Anhänger des Nin jutsu bekannt wurde, war der Shuriken (Handschwert). Die ersten Ryu, welche nun den Umgang mit den neuen, eisernen Klingen trainierten stammten aus dem 14. Jhdt. Dennoch, die eigentliche Blütezeit dieser Waffe begann erst mit der friedlicheren Tokugawa-Epoche, als viele Kampfstile vom Schlachtfeld zur Selbstverteidigung wechselten. Ungepanzerte Gegner und der Einsatz vieler kleinerer Waffenformen im alltäglichen Gebrauch erleichterten dem Shuriken seine Verbreitung unter den Kriegern. Viele große Schulen, wie die Katori shinto-, die Kage- oder die Yagyu ryu führten die Techniken des Klingenwerfens in ihr Repertoire ein. Trotzdem blieben die Geheimnisse des Shuriken nur wenigen Ausübenden offen. Da die Lehre der Wurfeisen innerhalb der Schulen als Geheimlehre eingestuft wurde, blieb die Kentniss in deren Umgang meist nur wenigen Schülern vorbehalten. Der Vorteil dieser Waffe bestand vor allem beim Einsatz von Überraschungsangriffen, ihrem geringen Gewicht und damit verbundenen, mit dem versteckten Tragen in der Alltagskleidung. Der Träger dieser Waffe war primär nicht als solcher zu erkennen. Allgemein trug man mehrere dieser Klingen im Aufschlag der Kleidung oder im Obi verborgen, es sind aber auch Varianten des Tragens im verstärkten Rückenteil der Hakama (Koshiita) überliefert Negishi ryu. Sogar im Kopfhaar sind Shuriken verborgen worden, wie man es von einem Samurai namens Katono Izu überliefert. Aus diesem Grund und der Tatsache des schnellen Einsatzes auf Distanz geriet der Shuriken, ebenso wie etwa die Kusari gama, in einen etwas negativen Ruf. Das ungeschriebene Gesetz des "ehrlichen", traditionellen Kampfes mit Speer, Schwert und Bogen verleitete viele Bushi dazu, die Effektivität dieser Waffe zu Gunsten Ruf und Ruhm zu opfern. Uchi ne Die Japaner entwickelten mit der Zeit eine Vielzahl von verschiedenen Formen und Arten von Wurfeisen, Pfeilen oder Sternen. Die meisten traditionellen Schulen spezialisierten sich jedoch auf einige, wenige Formen von Shuriken, wobei im allgemeinen Wurfklingen in Form von Pfeilen oder Spitzen eindeutig der Vorzug gegeben wurde. Andere exotische Varianten, wie man sie heute kennt und kaufen kann, z.B. Sterne mit geflammten Klingen oder phantastischen Durchbrüchen entstammen eher dem Hirn eines modernen Designers als dem Arsenal einer historischen Ryu. Die Eigenschaften eines Shuriken war vornehmlich von folgenden Fragen abhängig: "Auf welche Distanz muß ich werfen, wie weit ist das Auftreffen einer Spitze gewährleistet (bei Sternen), welche Möglichkeit habe ich die Waffe zu greifen und zu werfen?" Daraus resultierte endgültig die Entwicklung zu den heute bekannten traditionellen Wurfklingen, egal ob als Pfeil oder in Sternform in den verschiedensten Durchmessern und Schliffarten. So ist die Trefferchance eines Achtseitigen Wurfeisens, vor allem bei wechselnden Distanzen, deutlich höher als etwa bei einem rotierenden Pfeil, welcher im unglücklichsten Fall auch mit der Seite am Ziel aufschlagen kann. Die gebräuchlichsten Arten waren : Shuriken (Handschwert) Eisenpfeile oder Nadeln von durchschnittlich 9-12 cm Länge mit verschiedenen Querschnitten (die Shirai ryu von Toro Yoshikane benutzt jedoch auch Klingen von 25 cm Länge). Gebräuchlich waren runde, 4-, 6- oder 8-kantige Formen, welche ein oder beidseitig geschliffen waren. Jyuji shuriken (Kreuzförmiger Shuriken), kreuzförmig miteinander verbundene, an allen vier Seiten angeschliffenen Spitzen. Diese Art war Bestandteil der Ausbildung in der Yagyu ryu. Geworfen wurde diese Form vornehmlich vertikal. Tanto gata shuriken (Dolchförmiger Shuriken), in gerader Tanto-Klingenform, auch mit Quaste zur Flugstabilisierung. z.B. Shosho ryu Happo shuriken (Achtseitiger Shuriken), ähnlich dem Jyuji shuriken aber mit acht statt vier Spitzen. Sha ken / Kuruma ken (Radförmiges Schwert) rechteckige Wurfscheibe mit vier teils auch ausladenden Spitzen. Hishi gata shuriken (Rombusförmiger Shuriken) identisch dem Sha ken nur in rombenförmigen Stil. Letztere beiden Arten sollen das Muster von Münzen als Vorbild haben. Mit einem Loch in der Mitte versehen waren die ersten, bekannten Varianten nicht quadratisch sondern in Rombenform. Auch von den am weitest verbreiteten Wurfspitzen gab es mehrere Varianten: Die Katori shinto ryu bevorzugte z.B. gerade Pfeile mit achteckigem Durchmesser, ebenso die Jikishin- und Shindo ryu, deren Klingen von der Form allerdings an Donnerkeile erinnerten. Ein Shuriken dieser Machart besaß einen natürlichen Schwerpunkt, was das gerade Werfen wesentlich positiv beeinflußte und den Umgang mit dieser Waffe so etwas unproblematischer machte. Gerade, dünne Pfeile mit rundem Durchmesser waren wiederum Besonderheiten der Itto und Shirai ryu. So pflegte jede Kampfschule ihre eigenen Geheimnisse in Technik und Herstellung der Shuriken. Öfters nimmt man an, daß Wurfeisen ausschließlich Waffen des Ninja-Arsenals wären, und weniger von Bushi verwendet wurden. Die Kunst des Nin jutsu war aber nicht nur die Lehre weniger, separater Geheimbünde. Nin jutsu, "die Technik des Verborgenen", war im frühen Mittelalter vorrangig eine Methode der Spionage und der Feindbeobachtung, ähnlich der Fernaufklärungseinheiten moderner Armeen. In diesem Zusammenhang nahmen viele traditionellen Kampfschulen, welche unter anderem auch Taktik und Befestigungslehre unterrichteten Nin jutsu in ihr Ausbildungsprogramm auf. Die Aufgabe einer Ryu bestanden darin, die Bushi bestmöglich auf ihren Beruf als Krieger vorzubereiten und das Training somit weitgefächert und effektiv zu gestalten. Nin- und Shuriken jutsu waren so unter den Kriegern durchaus bekannte Systeme, auch wenn sie nie so verbreitet waren wie der Schwertkampf oder das Bogenschießen. Shin gata shuriken (Nadelförmiger Shuriken), 5 - 10mm Durchmesser und bis 18cm Länge, meist beidseitig spitz Kugi gata shuriken (Nagelförmiger Shuriken), ähnlich dem Shin gata Form, jedoch nur einseitig spitz Hoko gata shuriken (Lanzenförmiger Shuriken), bis 20cm Länge, mit einer Spitze wie ein Speer Matsuba gata shuriken (Kiefernadel Shuriken), in Form einer "Krampe" Die Kunst des Klingenwerfens enthielt mehrere wichtige Gesichtspunkte und Trainingsmethoden, jeweils auf verschiedene simulierte Situation einer Gefahrensituation zugeschnitten. Eine Art, die Tojutsu Heiyo no Kata der Negishi ryu war ein Übungsbeispiel, in dem die Bushi Schwert und Shuriken gleichzeitig handhabten. Aus einer eingenommenen Kampfstellung (Kamae) mit dem Schwert wurden die Pfeile geworfen, ohne daß sich der Krieger durch unkontrollierte Bewegungen mit der Klinge in eine ungeschützte Situation begab. Bei jedem Wurf mußte er seine Schwerthaltung verändern und ständig in Bereitschaft sein, daß Schwert als eigentliche Waffe zu benutzen. Eine andere Methode, das Haya uchi, umfaßte das schnelle Werfen mehrerer Shuriken in kürzester Zeit. Bis zu 5 Eisen mußte der Übende über eine Entfernung von mehreren Metern ins Ziel bringen. Hauptzielpunkte im Shuriken jutsu waren vor allem Gesicht, Fußknöchel und Hände eines Gegners, weshalb vor allem auf das gezielte Werfen besonderer Wert gelegt wurde. Eine Theorie besagt, daß diese Zielpunkte durch die Kleidung der Japaner in historischen Zeiten beeinflußt wurden. Während Füße und Beine nur durch dünne Hakama oder Tabi geschützt waren, war es durchaus üblich in kälteren Zeiten mehrere Überkimono zu tragen. Der Einsatz der Wurfklingen galt primär nicht dem Töten eines Gegners, sondern seiner Einschränkung im Kampf durch Verletzungen an ungeschützten Körperteilen. Ein Rumpftreffer konnte durch dicke Kleidung oder Panzerungen abgeschwächt oder gar unwirksam werden, ein Treffer der Hände oder Füße konnte jedoch verhindern, daß er seine Hauptwaffe voll einsetzen konnte oder seine Beweglichkeit eingeschränkt wurde - nun war man in der Lage seinen Gegner mit dem Schwert zu töten. Der Effekt dieser Formen lag so mehr in Ablenkungsmanövern, um den Feind dann mit den eigentlichen großen Klingenwaffen, wie Schwert oder Speer, zu überwältigen. (Saito - Negishi ryu) Im Trainingsbetrieb galt eine Scheibe aus weichem Holz oder besser noch aus einem Stück alter Tatami, also Reisstroh, als Ziel. Die Wurfdistanzen wurden je nach Stil und persönlicher Leistung gewählt. Im Shuriken jutsu gab es eigentlich keine dogmatischen, genormten Waffen. Jeder Krieger besaß eigene Wufpfeile, die auf seine Fähigkeiten, Gewicht und Größe angepaßt waren. Einige Schulen sahen im Umgang mit dem Shuriken sogar nur eine Übungsform, um im Ernstfall auf dem Schlachtfeld ein Messer oder Ähnliches einzusetzen. Shuriken oben: Hishi gata, Kuruma, Happo gata, Jyuji unten: Matsuba, Hoko, Shin gata, Kugi gata, Tanto gata, Shuriken Je nach Art der Anwendung der Waffe unterschied man von Nageru (werfen) und Uchi (schlagen) im Sinne von angreifen, attackieren. Auf kurze Distanzen konnte man Shuriken im direkten Wurf einsetzen, hingegen bei größeren Entfernungen stellte ein indirekter Wurf andere Ansprüche an Technik, Kamae und Waffenwahl des Ausführenden. Je nach der gewählten Distanz unterscheiden die Schulen zwischen Choku da / Jiki da (gerader Wurf), Hanten da (1/2 Drehung), Ikkaiten da (eine Drehung) und Takaiten da (mehrere Drehungen). Die übliche Wurfart war immer der direkte Wurf, also ohne eine während des Fluges rotierende Waffe. Allerdings hat dieser Stil den "Nachteil", daß seine Effektivität an einer Distanz von 5-6 m scheitert. Im Realfall war dies die grobe Grenze um eine Wurfklinge wirkungsvoll einzusetzen. Doch letztendlich war dies immer von der Kraft und Erfahrung des Werfenden abhängig. Die Wurfarten waren sehr vielseitig. Abgesehen von der Grundart des vertikalen Überkopfwurfes gab es auch horizontale oder sogar akrobatische Unterhandwürfe. Sogar aus Sitz und Kniepositionen sind Übungen für das Klingenwerfen entwickelt wurden. Neben der verschiedenen Wurfarten spielte auch die Simulation einer realen Kampfsituation in der Ausbildung des Shuriken jutsu eine Rolle. Einige Formen bezogen sich auf das werfen in unterschiedlichen Rhythmen. Manji als einzelne Übungstechnik für Solowürfe und die Formen Toji und Jikishi mit 2er und 3er Rhythmus für eher praktische Anwendungen. Ähnliche praktische Hintergründe hatten Übungstechniken wie das Torimai oder das In yo arasoi welche das Werfen aus der Bewegung oder auf unterschiedliche Ziele simulierten. Im Allgemeinen fand diese Waffe jedoch eher im Bereich der Selbstverteidigung oder beim Einsatz von Kommandounternehmen als auf dem realen Schlachtfeld Verwendung. Einige Shuriken-Experten sprechen sogar davon, daß die Eisenpfeile ursprünglich nur Übungsgeräte waren, welche den Krieger vorbereiten sollten jede ihm zur Verfügung stehende Waffe als Wurfgeschoß einzusetzen - vom "Eßstäbchen bis zum Schwert". So konnte man die Schwertbeimesser Kozuka und Kogai, mit welchen ab der Muromachi-Epoche die Langschwerter ausgestattet wurden, als Wurfpfeile einsetzen. Praktisch gab es keine Limits für die Wahl der Waffe. Es sind Geschichten überliefert, daß die Bushi fast alle Klingenwaffen, vom Dolch bis hin zum Schwert, in kritischen Situationen in der Art des Shuriken einsetzten, man denke nur an das Duell zwischen Miyamoto Musashi und Baiken Shishido, welches Musashi durch das Schleudern seines Kurzschwertes entschied. Doch wahrscheinlich blieb die Technik des Klingenwerfens immer nur einzelnen Individualisten vorbehalten. |
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Ja, die Legende vom Shuriken, der die Stirn des Gegners durchbohrt ist doch etwas übertriebene Fantasie. |
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| Das mit der Legende höre ich zum ersten mal. Klar, vieles Mystik, doch ansich sind Shuriken, Shaken und wie sie heißen ne verdammt interessaten Waffengattung. Besonders eine gute Ergänzungswaffe. |
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