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#1
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| Hallo ![]() Teilweise werden in Kampfsportarten auch Tugenden vermittelt. In diesem Thread soll es nicht darum gehen, auf welchen richtigen oder falschen historischen Fakten die beruhen, oder ob jemand die Auswirkung des japanischen Neokonfuzianismus auf die Aufräumarbeiten in Fukoshima verstanden hat. Mich würde einfach interessieren, ob in eurem Kampfsport neben den reinen Techniken auch soziale Verhaltensweisen explizit unterrichtet werden, oder ob sich euer Training auch ohne direkte Ansage in dieser Richtung ausgewirkt hat (z.B. "ruhiger geworden", "habe mehr Selbstbeherrschung und Disziplin...") Ich kenne z.B. aus KK-Schulen von Koreanern, bzw. Leuten, die Ihre Ausbildung in Korea genossen haben, dass da an den Wänden verschiedene Tugenden oder Verhaltensweisen ("Respekt", "niemals Aufgeben...") drappiert sind, so dass man die beim Üben ständig vor Augen hat, ohne das explizit nochmal drauf hingewisen wird. Als Anregung hier mal ein Beitrag mit einer Liste von möglichen Tugenden. Zitat:
__________________ Ich wurde durch's Feuer, wie Phoenix geborn. Ich flog durch die Lüfte! ward doch nit verlorn. Geändert von Simplicius (04-02-2012 um 07:31 Uhr). |
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#2
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| Wir unterrichten bei unserer ganz kleinen Gruppe explizit Dinge wie Respekt, Disziplin und Höflichkeit. Das ganze teilweise auch mit Diskussionsrunde. Dinge wie Teamwork oder Ehrgeiz versuchen wir indirekt zu vermitteln, zum Beispiel durch Gruppen- und Teamspiele. In der großen Kindergruppe gibts das nicht in dieser Art. Dort beobachten wir die Kids und wenn jemand negativ auffällt gibts ne klare Ansage. Wenn es noch mal vorkommt, gibts ein klärendes Gespräch. Ist allerdings die Ausnahme. Dinge wie Ehrgeiz und Siegeswille etc. vermitteln wir indirekt im Training. Zum Beispiel bei Drillübungen anfeuern wenn sie aufgeben wollen. Oder wenn sie sich zurückziehen, weil sie gegen einen größeren Gegner antreten müssen. Dann wird Mut zugesprochen und gesagt, dass sie es zumindest versuchen sollen. Bei den Erwachsenen ists meist unterschwellig. Kampfgeist wird beim Drill oder Sparring vermittelt. Höflichkeit etc. wird vorgelebt. Im SV-Training gibts auch entsprechende Beispiele, die vermitteln sollen, dass es besser ist sich nicht provozieren zu lassen etc. |
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#3
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| Also bei um im Training ist es so, dass wir meist eine recht kleine Gruppe sind, was dazu führt, dass man sich untereinander recht gut kennt! So hat man dann zumindest schonmal Respekt vor den Trainingspartnern, weil sie ja in der Regel mal sowas wie "Kumpelstatus" bei einem haben! Was die Motivation in Richtung "Nicht aufgeben" usw. angeht macht unser Trainer immer gerne folgendes: Wenn er merkt, dass einige am schlappmachen sind, feuert er uns nochmal richtig an, meist mit solchen Kommentaren wie: Na los, ihr Schrotthaufen! Da das ganze allerdings meist mit einem Lächeln rüberkommt, fasst das keiner als Beleidigung auf und ich muss sagen: Es hilft! Man denkt sich dann doch oftmals noch, dass man jetzt nicht aufgeben will und zwingt sich dazu, weiterzumachen! Das sind so meine Erfahrungen zu diesem Thema! |
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#4
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| Im aikidô, wie ich es kenne, werden keine Werte, Moralvorstellungen, ethische Grunsätze, religiöse Dogmen, gesellschafltiche Normen oder dergleichen unterrichtet. Konkrete Werte bzw. genau genommen deren Deutung, sind immer abhängig sind von ganz unterschiedlichen sozialen, politischen, ethischen, religiösen usw. Faktoren und Kontexten. aikidô, wie es bei uns geübt wird, hat aber sein Zentrum in Japan und ist weltweit vernetzt und daher ganz bewußt für Menschen aus unterschiedlichen Kontexten offen gehalten. Bis dahin, daß es Lehrer gibt, die z.B. gemeinsame Seminar mit Juden und Palästinenser unterrichten oder auch in Nordirland aikidô mit ansonten verfeindeten Guppen geübt haben. Was dagegen sehr konsequent unterrichtet, korrigiert und geübt wird, ist Etikette. Treue, Pflich, Loyalität hat für einen amerikanischen aikidoka, der es gewohnt ist, morgens in der Schule den Fahneneid zu leisten eine qualitativ andere Bedeutung als für einen Japaner, für den es auch heute noch durchaus üblich sein kann, in einem streng hierarchisch strukturierten Gesellschaftssystem bedingungslos in hinter seinem Uni-Lehrer zu stehen und ihm z.B. eigenes Wissen zu überlassen, als für jemand in meinem Kontext, der die Freiheit hat, Objekte von Treue oder Loyalität selber zu wählen. Güte ist im islamischen Kontext (jedenfalls in der Theorie) eine konkrete religiöse Pflicht, die sich in Währungsbeträgen quantitativ messen läßt, in bestimmten christlichen Kontexten kann sich Güte konkret in der Form der Befürwortung körperlicher Züchtigung von Kinder ausdrücken (ist sogar hier im Forum konkret so formuliert worden) oder Güte kann als ein Charakterzug oder Wesensmerkmal verstanden werden dessen Inhaltliche Füllung interessanterweise auf Mythische oder Märchenhaft Erzählungen zurückgeht. Die inhaltliche Ausformung von rei, Höflichkeit kann sich in eher westlich gerägten Ländern gegenüber arabischen oder auch asiatischen Ländern deutlich unterscheiden. usw. Nein, im aikidô, wie ich es kenne, werden keine konkreten Werte oder dergleichen unterrichtet. Das Üben eines budo verändert einen Menschen auch ohne das nachhaltig. |
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#5
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| Wie hat das Üben eines budo dich nachhaltig verändert?
__________________ excuse me while i kiss the sky |
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#6
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| Verändert nicht jeder Sport und jede Maßnahme, die motiviert und regelmäßig wahrgenommen wird, den Menschen? Hängt so etwas auch nicht nur vom Sport oder der Maßnahme ab, sondern auch von der Ideologie, Lebensphilosophie und der Sozialisation eines jeden Menschen? Eine asiatische Philosophie lässt sich schon allein deswegen so schwer umsetzen, weil sie aus einem ganz anderen gesellschaftlichen System und einer ganz anderen Historie heraus gewachsen ist. So z. B. ist Handball als Mannschaftssportart überaus erfolgreich und vermittelt Werte, wie z. B. Pflicht u. Loyalität, Mut, Respekt, Zusammengehörigkeit, und Fairness. Auch das Turnen schafft hier als sogenannter "Elitärsport" einen guten moralischen und ethischen Einfluss auf den/die Ausübenden. Andererseits gibt es auch negativbeispiele, wie Banker, die aufgrund ihrer Ausübung eine ganz andere Form von Moral entwickeln (müssen). Spannend wird es dann, wenn ein Banker auch einen Kampfsport ausübt: Wie hoch ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass er moralisch durch den Kampfsport in eine andere Richtung geführt wird? Auch finde ich, dass es viele Nicht-Kampfsportler gibt, die sich dennoch mit der asiatischen Philosophie befassen. Will sagen: Derartige Tugenden hängen nicht an einem Kampfsport oder dessen Ideologie, sondern am Menschen selbst und seinen Absichten...
__________________ Immer gut drauf - wenn nicht, dann schlecht drauf. |
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#7
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| Zitat:
Ohne eine gewisse Verlässlichkeit (Grundform von Treue/Loyalität) ist ein miteinander sehr erschwert. Die Fähigkeit zu Liebe/Mitgefühl ist für mich die Grundform von Güte. Wie Du schreibst, gibt es sehr unterschiedliche Formen von Höflichkeit die Grundlage wird allerdings Rücksichtsnahme/Respekt sein. Entsprechend kann ich, aus dem Wunsch, mich dem Gegenüber angemessen zu verhalten und eine angenehmes Miteinander zu gestalten, je nach Kultur verschiedenen Ausformungen der Höflichkeit anpassen, so ich die denn kenne. Die meisten Menschen werden es wohl angenehm empfinden, wenn ich auf deren Sitten Rücksicht nehme und eventuell bemühe Ihre Sprache zu sprechen. Von oben verordnete Verhaltensregeln können IMO hohl werden. Man vergisst den eigentlich Grund und die Verbindung mit den eigenen Bedürfnissen und fühlt sich durch die Pflicht vielleicht sogar abgestoßen. Das Schlagen aus Güte heraus erinnert mich an eine Anekdote die Koichi Tohei in einem seiner Bücher beschrieb: Ein Lehrer rechtfertigte das Verhauen seiner Schüler eben mit seiner Liebe zu ihnen. Tohei empfahl diesem, das nächste mal, wenn er einen Schüler schlagen wolle, sich der ganzen Liebe und des Mitgefühls für dieses Kind bewusst zu machen, es also wirklich zu fühlen und dann aus dieser Emotion heraus zuzuschlagen. Keine Ahnung, ob Tohei diese Haltung auch lebte, die Geschichte zeigt jedoch für mich den Unterschied zwischen aufgesetzter Güte (Armensteuer) und Güte aus einem inneren Bedürfnis heraus. Nicht nur auf Budo bezogen, sondern auch auf ganz profanen Kampfsport, wie Boxen und dergleichen.
__________________ Ich wurde durch's Feuer, wie Phoenix geborn. Ich flog durch die Lüfte! ward doch nit verlorn. |
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#8
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| Es liegt in der Natur der Kampfkünste, dem Aktiven nicht nur rein technische und praktische Fertigkeiten zu vermitteln, sondern ihm auch die Möglichkeit zu bieten, sich in seiner Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Für viele Eltern ist gerade dies ein Hauptgrund, ihre Kinder zum Kampfsportunterricht zu schicken. Auch in den SENKI Martial Arts gibt es einen solchen philosophischen Unterbau, dessen Kern sich in unseren Werten ausdrückt. Die SENKI Werte sollten regelmäßiger Bestandteil des theoretischen Unterrichtes sein und von den Instruktoren vorgelebt werden. Respekt Behandle Deine Trainingspartner wie Freunde. Verhalte Dich gegenüber Deinen Lehrern und Trainingspartnern höflich und zuvorkommend. Erkenne die Leistungen anderer im SENKI an. Bescheidenheit Spiele Dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über Deine Erfolge nicht mit Übertreibung. Orientiere Dich an den Besseren und nicht an denen, deren Leistungsstand Du schon erreicht hast. Hilfsbereitschaft Hilf Deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Sei ein guter Trainingspartner und unterstütze als Fortgeschrittener die Anfänger. Hilf den Neuen, sich im Dojo zurecht zu finden. Selbstbeherrschung Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin. Verliere im Unterricht nicht die Beherrschung und sei bei allen Übungen konzentriert und voll bei der Sache. Mut Kämpfe mit vollen Einsatz und gib Dich niemals auf. Traue Dich auch, Neues und vermeintlich Unangenehmes auszuprobieren. Sei aber auch mutig genug, eine Niederlage einzugestehen Ehrlichkeit Trainiere und kämpfe immer fair, ohne negative Hintergedanken und ohne unsportliche Handlung. Dies ist der Grundrahmen. Diesen versuchen wir zu vermitteln. Diese Werte hängen auch in unseren Dojos. ![]() |
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#9
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| Mein Senf dazu, wie sich der Kampfsport auswirkt, bzw was er fördert, ist Respekt Das Respekt nicht heißen muss, das man sich unter oder über jemanden stellen muss, um Respekt zu zeigen oder respektiert zu werden Vorallem ist der Trainer, der von allen respektiert wird, mehr ein Kumpel und weniger ein persönlich distanzierter Meister (dem man eher Ehrfurcht, denn Respekt zollt) Ehrgeiz/Entschlossenheit Sogut wie jeder will irgendwie irgendwas erreichen und arbeitet hart daran es zu erreichen, was auf alle im Gefahrenbereich abfärbt (Weiß garnicht wie gut das jetzt hier überhaupt rein passt, aber trotzdem )Umgang und Einschätzung von fremden Leuten (natürlich im Zusammenspiel mit der Selbsteinschätzung) Man kann die Starken von den Schwachen, die Mutigen von den Ängstlichen, usw... besser unterscheiden, liegt aber größtenteils an dem Typ der Leute, mit dem man so herumtrollt und dementsprechend geht man, dank weniger Ungewissheit, gelassener/selbstsicherer mit ihnen um Das natürlich alles vollkommen passiv
__________________ ALABAMA MAN !!!! AKTIV UND SCHNELL UND STÄRKER |
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#10
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| Sven und F3, ihr sprecht von "ihm" und "man". Wie wirkt sich der Kampfsport bei euch persönlich aus, in der Persönlichkeitsentwicklung, was Werte und Tugenden betrifft? Wie meinst du das "passiv"?
__________________ excuse me while i kiss the sky |
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#11
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| Das passiert alles mehr oder weniger unbewusst und wird auch unbewusst "vermittelt" Zum Persönlichem, bin eben ein richtiger Haudegen geworden ,die Kumpels die Boxer waren, hatten in den schäbigsten Diskotheken immer die gelassenste Ausstrahlung gehabt und haben eindeutige Provokationen "dankend" angenommen, tja das fand ich kuhl und habs adaptiert ![]()
__________________ ALABAMA MAN !!!! AKTIV UND SCHNELL UND STÄRKER |
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#12
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| einzuschätzen was ich kann und vor allem was ich nicht kann. Dazu bin ich wesentlich offener anderen KK/KS/Systemen gegenüber geworden. Genau kann ich das aber gar nicht benennen. Dazu bin ich zu lange dabei. ![]() Natürlich halte ich all unsere Werte permanent ein. ![]() |
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