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  #16  
Alt 22-11-2001, 09:13
Benutzerbild von Dr. Ralf
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Kampfkunst: Krav Maga und FAST Defense früher Karate, WT, Thaiboxen, TKD
 
Registrierungsdatum: 18.10.2001
Beiträge: 448
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Hallo Klaus,
lies das, was ich geschrieben habe noch einmal durch und du wirst sehen, dass ich eben nicht alte Konzepte in das Licht von Mythen und Märchen gestellt habe, auch wenn das jetzt so prima in deine Argumentation passt. Ich kann auch nicht nachvollziehen zu was ich plötzlich nicht mehr stehen soll.
Ich stehe dazu, dass meiner Meinung nach viele der „Heldengeschichten“ im KK-Bereich auf Hörensagen basieren. Es gibt für sie letztendlich keinen Beweis und man kann sie glauben oder nicht. Ich stehe auch dazu, dass ich gesagt habe, dass viele dieser Geschichten im Reich der Mythen und Märchen anzusiedeln sind. Wenn ich in heutigen KK-Schulen sehe wie manche Sifus, Sensei ...Weisgottwaslehrer von ihren Schülern hochgelobt werden und welche tollen Eigenschaften ihnen zugedichtet werden, dann mag ich mir gar nicht vorstellen was da alles dazukommen kann, wenn solche Geschichten über Generationen hinweg weitererzählt werden. Also ist es letztendlich korrekt wenn ich darauf hinweise, dass man heute schlecht nachvollziehen kann, was an den Geschichten wirklich dran ist. Diese dann als Argument zu verwenden um neuere Kampfstile zu kritisieren halte ich für wenig sinnvoll. Noch eines, ein Uraltmeister aus China kann noch so super sein, die Qualität seines Stiles für eine Person heutzutage zeigt sich nicht in dem, was dieser Mensch irgendwann gemacht hat, sondern darin was für die Leute heutzutage davon umsetzbar ist. Deshalb kann man sich hinter diesen Taten so lange verstecken wie man will, effizient für den Einzelnen ist der Stil nur, wenn es dem Einzelnen auch vermittelt wird, selber solche Leistungen zu vollbringen. In diesem Fall muss man sich dann auch nicht auf die Geschichten der Vergangenheit stützen, sondern kann hier und heute klarmachen was das System so effektiv macht mit ein bisschen Intelligenz geht das sogar argumentativ. Zu all diesen Aussagen stehe ich.
Weiterhin bin ich der Meinung, dass hier kein einziges stichhaltiges Argument vorgebracht wurde, weshalb ein neuentwickeltes System grundsätzlich schlechter sein muss als ein System mit Tradition. Letztendlich läuft hier die Argumentation doch immer darauf hinaus, dass irgendwann früher irgendjemand mal irgendetwas geniales gemacht hat und früher überhaupt alles besser war. Dann wird erzählt, dass früher die Leute um ihr Leben kämpfen mussten. Wenn mit solchen Argumenten hantiert wird, dann muss es doch erlaubt sein zu sagen, dass früher diejenigen die höchste Überlebenschancen hatten die sich Konfrontationen entzogen haben. Damit ist dieser Überlegenheitsanspruch der traditionellen Stile sehr schnell in Frage zu stellen, zumal die moderneren Stile ja durchaus auch relevante Dinge aus den traditionellen Stilen übernommen haben. Das waren meine wesentlichen Aussagen und noch mal : DAZU STEHE ICH.
Dass du mir vorwirfst ich würde die traditionellen Stile schlecht machen halte ich im Hinblick auf dein erstes Posting wirklich für dreist. Wer meine Postings liest, der sollte selbst bei extremen Tunnelblick erkennen, dass ich lediglich den Anspruch der Überlegenheit ablehne, dass ich aber jeder KK (auch den traditionell chinesischen, die ich z.T. sehr schätze) zubillige gute Leute hervorzubringen. Nichts anderes habe ich geschrieben.
Gruß Ralf
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  #17  
Alt 22-11-2001, 09:32
MisterDevil
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Standard Brrrrrrrrrrrrrrrr ruhig ihr Zwei

Endlich ist mal wieder eine interessante Diskussion mit hervoragenden Postern hier am laufen.

Ich denke Ihr habt beide teilweise recht.

Aber es wäre doch schade wenn diese Diskussion zu einer retorischen Schlammschlacht verkommt.

Ihr seid doch beide groß und gescheit (das erkennt man daran das ihr es schafft euch zu beschimpfen ohne Kraftausdrücke zu benutzen ).............also reicht euch die Hände und singt mit mir :

Haaaaaare, hare krishna .......!!!

Grüßle

der kleine MD
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  #18  
Alt 22-11-2001, 13:21
Benutzerbild von Klaus
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst:
 
Registrierungsdatum: 31.08.2001
Ort: NRW
Beiträge: 7.113
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Um aus diesem Kuddelmuddel mal rauszukommen, was wer nicht gesagt haben soll kann und wollte, folgendes sei, rein faktisch, von mir dazu zusammengefasst:

Es sind nicht alle Stile dadurch "weiterentwickelt" daß sie was anderes machen als über wirklich extremste Zeiträume entwickelte Komplettsysteme für alle Bereiche des Lebens, kämpferisch, körperlich, seelisch. Diesen Eindruck erwecken Leute oft und gerne dadurch, daß man diese Systeme einfach für veraltet erklärt, ohne überhaupt zu wissen wovon man redet - man kennt diese Stile ganz einfach gar nicht, oder nur einen von 73.578 verschiedenen und schliesst mal kackfrech auf den Rest. Dann verkauft sich der eigene Geschäftsansatz, oder die Überzeugung halt einfach besser, wenn alle anderen irgendwie mit dem Makel verstaubter Liebhaberei behaftet sind. Was man zwar nachher in Abrede stellt, aber immer, immer und immer wieder in den beigefügten Nebensätzen wiederholt.

Tatsächlich gibt es auch in den Zirkeln der traditionellen Stile Entwicklungen, Dinge zu vereinfachen, zusammenzufassen oder eine Auswahl zusammenzustellen, ganz einfach weil das Programm einen Umfang hat, daß alleine die Details irgendwann sich in der Vielzahl an Möglichkeiten verlieren.
Das Ergebnis ist weder besser noch moderner, nur für jemanden der nicht den ganzen Tag und halbe Jahrhunderte Zeit hat, ist es schlicht und ergreifender so besser zu üben, mit einem Verlust der so weit wie möglich auf Details oder Extreme beschränkt wird.

Trotzdem kommt da niemand auf die Idee, Kernpunkte zu entfernen die man nicht richtig verstanden hat, oder die einem zu anstrengend waren, und nennt das ganze trotzdem immer noch "ZXY Kung-Fu". Mir ist gleich wenn das jemand macht OHNE den Anspruch man hätte diesen verstaubten alten Kram weiterentwickelt, und das wäre ja nur gesundheitsschädlich und veraltet. Solche Lügen treiben mich zur Weissglut, nicht weil die alten Stile so viel besser in die heutige Zeit passen würden wenn man immer noch trainiert um Leute mit einem Schlag ins Jenseits zu befördern. Sondern weil die Kernpunkte auch höchst sportliche und gesundheitsfördernde Wirkungen haben, und das in der "heutigen" Zeit wirklich eine Bereicherung des Allgemeinwissens darstellen würde, und da lasse ich mir Gerede bar jeder Sachkenntnis einfach nicht gefallen. Irgendwann will man mal doch vielleicht an den Deutschen Sportbund treten und sich sachlich über diese Ansätze unterhalten, und da ist eine Wand von Scheinargumenten von selbsternannten Experten ohne auch nur fundamentalste Sachkenntnis nicht gerade förderlich.

Zusammenfassend kann man über Deine "Geschichten" die folgende Unterscheidung treffen:
  • Märchen

    Niemand fliegt über Häuser, keiner kann Wände mit seiner Konzentration zum Einsturz bringen, und Kämpfe zwischen Schlangen, Drachen und Phönixen werden in letzter Zeit immer seltener beobachtet.
  • Übertreibungen

    Gestern ist Meister X noch aus dem Stand auf ein Halbgeschoss gesprungen, das in ca. 1,50 Höhe im Raum anfängt. Morgen ist er schon runtergesprungen, hat einen Gegenstand aufgefangen, und hat dann einen Salto rückwärts auf das in ca. 3,5 Metern Höhe befindliche Dachgeschoss vollzogen.
    Leider alltäglich, aber ich finde es schade daß damit Leistungen in den Dreck gezogen werden, die die Fähigkeiten heutiger Turner im Alter von 60 Jahren doch deutlich übersteigen.
  • Tatsachen

    Tatsachen sind Dinge die man selbst erlebt hat. Leute die sich mit 60 noch so bewegen wie andere nicht mal mit Mitte 20, die sich nicht langsam aus dem Stuhl quälen, sondern mit einem Satz aus dem Sitzen heraus in den Lauf springen um ihre S-Bahn zu bekommen. Also nicht in Tibet, sondern im Münchner "Donisl", und auch nicht erzählt sondern daneben gesessen. Wie willst Du solche Dinge als "Märchen" beurteilen, nur weil Du nie dabei warst ?


Die Relevanz solcher Übungen liegt im Altagsbezug. Ich würde mir wünschen daß mit dem Minimalprogramm versehene Senioren nicht mit der Gehhilfe über den Flur schlurfen und müde ihre Kekse mümmeln, sondern ihren Alltag auch mit 70 noch gebacken bekommen. Du denkst vielleicht nur bis zu "was ist wenn man diesen Kick jetzt anders herum dreht", und verstehst unter sowas "Systeme". Trainingsansätze die sich auf 147 verschiedene Liegestützen, und "Sparring" beschränken.
Mir ist das scheißegal, ob Leute sich so gegenseitig auf die Omme hauen wollen, wer jemanden findet der es mitmacht, schön.
Nur die Substanz alter Stile, die einfach noch nicht wirklich weit verbreitet und bekannt sind, in die Märchenwelt verbannen, weil man keinen kennt der sowas kann, ist mehr als hanebüchen. Man kann Ansätze aus der Medizin, wo meinethalben alte Operationsmethoden wirklich Schaden anrichten, nicht mit Gesundheitsübungen vergleichen, die man mal eben nach drei Minuten aus dem Handgelenk "verbessert", oder halbwegs sinvoll verstehen kann.

Von diesem ganzen Kram ist mir nur der alltags- und gesundheitsbezogene wichtig, und wenn da einige selbsternannte Koryphäen (denen Du Dich hoffentlich nur mangels gegenteiliger Erfahrung anschliesst) glauben, man kann das alles auf Legenden reduzieren, weil man nur den Hauruck-Schlagdrauf-Aspekt sieht, der richtet auch Schaden für den Ruf solcher Systeme an. Dazu berechtigt auch ein Doktortitel nicht. Häufig wiederholte Lügen, aus Sachunkenntnis, Böswilligkeit oder reduziertem Blickwinkel, entwickeln öfters mehr unangenehme Eigendynamik als man sich vorstellen kann. Da werden zum Beispiel Fussballvereine lächerlich gemacht, die ihren Spielern Qigong-Übungen beibringen, um die allgemeine Gesundheit zu stärken. Von Radioreportern die nicht mal verstanden haben daß es sich um Qigong handelt, und nicht um die Ohren reiben als Geheimrezept von Rutengängern und Glücksbringer. Auf der anderen Seite wird unkommentiert "hartes Training" als Allheilmittel für den Medaillensegen der Nation mit Hurra bedacht, und die Anzahl an Sportlern die das wegen unzureichend entwickelter Wirbelsäulenmuskulatur mit Bandscheibenvorfällen bezahlen geht dabei irgendwie unter. Dafür macht aber das Geheimrezept von "Bauchmuskelübungen" die Runde, die angeblich sowas verhindern können - und für einige dieser Verletzungen erst verantwortlich sind. Nachgeplappert aus "wissenschaftlichen" Erkenntnissen von Leuten die einfach mal ins Fernsehen gekommen sind, genauso wie der "Forensiker" der Leute am Ohrläppchen identifizieren will und einen Unschuldigen für 9 Jahre in den Knast geschickt hat. Alles Nachplappern, Unsinn reden, Behauptungen, mit Rhetorik geschickt angekobert, in Umlauf bringen und nicht mal 3 Sekunden über die Folgen nachdenken.

Die deutsche "Wissenschafts- und Expertenszene" macht mich so krank, soviel kann ich gar nicht essen wie ich erbrechen müsste.

Geändert von Klaus (22-11-2001 um 20:22 Uhr).
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