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Offenes Kampfsportarten Forum Hier finden allgemeine Diskussionen zu Kampfkünsten & Kampfsportarten statt, die nicht als eigenes Forum vertreten sind



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  #61  
Alt 30-05-2017, 14:12
Benutzerbild von Schnueffler
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Kampfkunst: Wahrheit des wohltuenden Regens
 
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Persönlich habe ich von den Wettkämpfen relativ wenig Erinnerungen/Emotionen, an die ich mich erinnern kann. Auf dem Weg zur Matte oder Ring war es immer: Herzklopfen bis zum geht nicht mehr und sobald ich dann angekommen war, war alles im Kopf dumpf und verschwommen. Ein kompletter Tunnelblick. Von Außen habe ich nur die Stimme von meinem Trainer mitbekommen, sonst nichts. Keine Zuschauer, keine anderen Rufe, nichts. Mein Trainer und auch teilweise meine Gegner haben immer gesagt, das ich wohl recht ruhig gewirkt habe, immer leicht gelächelt und wenn dann Aktionen folgten, diese hart durchgezogen habe.
In realen Auseinandersetzungen war es immer so, dass ich ruhig und konzentriert war. Dabei war aber immer das Umfeld mit im Auge und ich habe sehr klare Erinnerungen an alles und konnte auch alles sehr detailliert wiedergeben.
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  #62  
Alt 30-05-2017, 14:16
LaraSoft
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Hallo getaar,

es freut mich, deine Frage richtig verstanden zu haben.

Die Frage wäre, wofür oder wogegen das Aufpushen erforderlich ist. Gegen Angst ist, glaube ich, sich zu pushen wirkungsvoll. Ebenso sich schon mit dem eh auf einen zukommenden Adrenalin zu beschäftigen. Wobei ich nicht weiß, wie Adrenalin im Körper wirkt, ob es da für wenigsten eine Zeit lang ein Maximallevel gibt, nach dem der Körper erst einmal "genug" hat und ein Kämpfer dadurch den Kopf quasi frei bekommt.

Da müssten sich jetzt Leute zu Wort melden, die Kampfsituationen aus dem Alltag kennen, wo sie sich so hochpshen konnten, die einen Vergleich haben zwischen pushen und nicht pushen.

Ob das auch rein mental geht? Bedingt, behaupte ich. Gedanken beeinflussen bekannter Maßen auch den Körper.
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  #63  
Alt 30-05-2017, 14:19
LaraSoft
Gast
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Hallo Schnueffler,

oh das ist interessant. Gab es in den realen Auseinandersetzungen vorher ein Hochpushen zwischen dir und dem Kontrahenten. Sachen wie verbale Plänkeleien, schubsen usw?
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  #64  
Alt 30-05-2017, 14:21
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Zitat:
Zitat von geetar Beitrag anzeigen
Hey, danke für deine Antwort, genau DAS habe ich die ganze Zeit gemeint!

Die Frage war, pushe ich mich vorher hoch oder versuche ich mich innerlich frei zu machen, BEVOR ich in den Kampf gehe?
Kämpf doch erstmal ein paar Mal, dann wirst du schon sehen wer du bist.

Alles Theorie bringt nichts, jeder der nicht völlig verblendet ist, weiß das ganz genau.
Stress, Angst, Druck und ein Gegner der eben nicht dein Trainingspartner ist, sind m.E. die einzig richtigen Bedingungen.

Erst wenn du gekämpft hast, weßt du wo deine Schwächen liegen.

Im Amateurbereich Boxen und Muay Thai kann man relativ sicher (D Klasse) Wettkmapferfahrung sammeln.

Wenn man schon immer auf der Straße gekämpft hat, braucht man die Erfahrung weniger, wie ich erlebt habe. (Einfach weil die Leute "wissen wer sie sind", wenn es ernst wird)

Aber vielleicht bin ich einfach zu sensibel und weich, und alle anderen können sich im Ernstfall genau abschätzen und kontrollieren, who knows.
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  #65  
Alt 30-05-2017, 14:26
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Kampfkunst: judo,sv,wt (lang ist her) ,>>> Bewegen lernen, bewegen lassen
 
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Zitat:
Zitat von Spud Bencer Beitrag anzeigen
Kein Nachdenken, Initiative ergriffen, Wohl und Wehe des Gegner interessiert nicht. Das IST der Berserkermodus. Heutzutage sagt man halt "in the zone", das klingt vielleicht sympathischer.


Wir erinnern uns: Laut OP ist Option 2 taktieren, abwarten, Lücke suchen. Wie du grade selbst geschrieben hast, passiert in Notsituationen immer Option 1, also Autopilot, einfach machen, nicht nachdenken. Warum? Weil es halt funktioniert. Nachdenken und vernünftig sein ist zu langsam.

In allen alten Mythen ist der kampfgewandte Held kein kalter Fisch sondern heißblütig bis zum Irrsinn (Bis auf Odysseus). Die werden schon gewusst haben, warum sie das ausgerechnet so beschreiben.
wir reden aneinander vorbei , sorry.

das Problem ist folgendes . der TE vermischt in seiner Fragestellung schon mal Taktik , Einstellung und Zustand.

bleiben wir bei den Zuständen.

A ) Berserker (nur ein Name)... als Freisetzung von ungenutzen Potentialen .

- baut sich auf !
- kann über Affekte (stark aufgeladene Emotionen , Wie Wut , Zorn , Verzweiflung , Angst , Hass , Liebe (in dem Fall aber eine Form der Angst ) usw. ausgelöst werden.
- kann über Drogen stimuliert werden
- kann über Methoden die eine Drogen ähnlichen Zustand auslösen stimuliert werden.
- ist aber sehr Ressourcen verbrauchen mit Folge/Nebenwirkungen.
- der Gewinn für unser System liegt in seiner Entladung

B) Rausch
- Element der Lust kommt dazu
- baut sich immer weiter auf , denn der Gewinn für uns (die Lust ) bezieht dieser Zustand auf ein ständiges MEHR.
- bis hin zur physischen, ev . auch emotionalen Erschöpfung ... Auszehrung
.................................................. ............................................
C) Beobachtermodus. (und ja es gibt mehr und Mischungen)

.... erzeugt gewissermassen ein Bewusstseinszentrum, neben deinem Körperzentrum . du beobachtest deine Handlungen , wie ein Unparteiischer
etwas weiter kommt noch die Beobachtung der Emotionen (Emotionszentrum ) dazu.

es ist nicht so , daß sie abgeschaltet sind. sie sind eher gefiltert .
man kann sie spüren (wahrnehmen ) aber nicht direkt fühlen .

auf Körperebene ist das genauso mit den Schmerzen. man kann spüren da ist etwas , aber man kann sie nicht direkt fühlen .

man könnte also sagen , daß sich dein Bewusstsein in verschiedene Zentren spaltet.

auf höheren Stufen komm noch ein Dritter Part dazu... der Zeuge . er beobachtet Gewissermassen die Handlungen und gleichzeitig den Beobachter der Handlungen.

Auslösung
- durch Plötzliche Intensitäten (wie schon mal beschrieben)
- durch eine Irritierung, Schocken unseres Systems .
das Kann Informationsflut sein. heftige Stöße (Unfälle ,Angriffe) , Fallgefühle (Bergsteigen , Unfälle ) Orientierungsverluste (mehrmalige Überschlagen im Auto , Überschlagen in der Luft bis Kontrolle verloren geht usw.)

kann deshalb auch genauso geübt/trainiert werden

- durch intensive Stöße/Rütteln unseres Körpers . vor allem des Zentrums
- durch Orientierungsverlust >>> Gasse , Erschöpfung erzwingen , dann Reize dazu geben,
- durch Fallsimulationen oder reales fallen, fallen lassen.
- Reizüberflutungen

wichtig dabei ist das der Proband wenig bis keine Gegenspannung erzeugt, sich quasi hingibt. (sonst würde ja eine Fallschule schon genügen ^^)

auf deutsch: Man erzeugt auf physischer Ebene die Qualitäten , die im Normalfall durch den Zustand ausgelöst werden wüden.
Körper ist halt keine Einbahnstrasse. deswegen funzt es.

gibt man jetzt noch einfache Anweisungen dazu , "bewegen" oder Steh auf" oder "Vorwärts" , kann man dem Zustand eine Richtung geben.
man impft ein Programm ein. .. da der Zustand selbst dich in einen Suggestion anfälligen Bereich bringt. (ist deshalb wenig sinnvoll, wenn in Stressdrills, alle was anderes durcheinander schreien)

aber ......... die Anweisungen müssen dem Kern in dir , der schon vorhanden ist nahe kommen. sonst wird eher ein innerer Kampf zusätzlich erzeugt.

ob das Ganze also, dich unterstützt oder nicht (Trainingstechnisch gesehen ) , hängt auch von dem schon in dir vorhandenen Fundament ab und dem darauf gepflanzten (Programm) Baum.
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  #66  
Alt 30-05-2017, 14:37
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Ein Freund der damals im 4. Stock wohnte hat sich mal ausgesperrt. Das ist jetzt schon einige Jahre her, ich war 20 oder 21.
Er hatte aber das Badezimmerfenster offen gelassen (Gaupe).
Da ich darauf bestand und er mich nicht davon abhalten konnte, kletterte ich in grenzenlosem Übermut über den Dachboden das Dach bis zur Gaupe herab, es gab einen Moment in dem ich zurück wollte aber beim Blick nach oben wusste ich, dass es damit für mich gelaufen wäre (abrutschen etc.) auch wenn ich mich da evtl. täuschte.
Ich kroch also mit dem Rücken zum Dach auf allen Vieren weiter Richtung Dachrinne. Todesangst hatte ich, aber es war keine unkontrollierte Panik.
Eher das Gefühl, dass mir da jetzt absolut niemand helfen konnte falls etwas passierte. Ich kam an die Gaupe ran, griff in den Fensterrahmen des offenen Fensters und sprang/schwang mich gefühlt mit einem Satz auf die Fensterbank und stand plötzlich im Bad.
Das selbe Gefühl, dass ich in der Nähe der Dachrinne, sprich am Abgrund hatte, hatte ich auch in den überschaubaren drei Schlägereien in meinem bisherigen Leben.
Es gab nur noch die Flucht nach vorne und wenn ich es riskiert hätte zu viel nachzudenken, hätte ich Fehler gemacht die dieser rein technisch betrachtet eigentlich simplen Situation unangemessen, gegebenenfalls tödlich gewesen wären.
Es war nicht unbedingt wie Fernsteuerung, es war eher so als wäre der eigene Handlungsspielraum so auf das wesentlichste reduziert, dass man sowieso kaum noch eine Auswahl hat.
So war es bei Gewalt auch immer, auch immer diese Frage im Hinterkopf, wie zum Teufel man sich jetzt in eine solche Lage manövriert hat und, dass das doch alles nicht wahr sein darf, ich aber jetzt nun mal mitspielen muss.

Geändert von Korkell (30-05-2017 um 14:40 Uhr).
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  #67  
Alt 30-05-2017, 14:47
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Zitat:
Zitat von LaraSoft Beitrag anzeigen
Hallo Schnueffler,

oh das ist interessant. Gab es in den realen Auseinandersetzungen vorher ein Hochpushen zwischen dir und dem Kontrahenten. Sachen wie verbale Plänkeleien, schubsen usw?
Teils teils.
Einmal blöde angequatsch worden, unter dem Motto: Gib mir deine Jacke, was dann eskaliert ist, einmal du blöde Kartoffel, was glotzt du so, was dann auch eskaliert ist, dann vollkommen unerwartet, weil man mich wiedererkannt hat und andere Sachen, die von meiner Seite aus geplant waren, berufsbedingt.
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  #68  
Alt 30-05-2017, 14:47
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Zitat:
Zitat von Korkell Beitrag anzeigen
Das selbe Gefühl, dass ich in der Nähe der Dachrinne, sprich am Abgrund hatte, hatte ich auch in den überschaubaren drei Schlägereien in meinem bisherigen Leben.
Es gab nur noch die Flucht nach vorne und wenn ich es riskiert hätte zu viel nachzudenken, hätte ich Fehler gemacht die dieser rein technisch betrachtet eigentlich simplen Situation unangemessen, gegebenenfalls tödlich gewesen wären.
.
das ist genau das was ich mal anzusprechen versuchte.

selbst wenn jemanden .b. die Erfahrung durch Schlägerein oder Wettkämpfe fehlen.
kann er dennoch grenzwertige Erfahrungen durch Unfälle , Stürze oder solche Aktionen wie oben beschrieben, gemacht haben .
und genau diese Erfahrenen Zustände, diese Körperbilder (Wahrnehmungen ) in sein Training übertragen.

durch hinfühlen, hinspüren , erinnern , ... es wieder abrufen , das Gefühl und es koppeln.
denn die Zustände sind ja nicht an Kampf gebunden.
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  #69  
Alt 30-05-2017, 14:51
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Sie sind wohl eher an den Überlebenskampf gebunden. Bei meinem Beispiel gab es eben gefühlt kein Zurück mehr.
Ich denke die Kunst ist es im Kampf, durch langes intensives Training also auch Sparring, gewisse Verhaltensweisen und Bewegungen so einzukonditionieren, dass sie in solchen Situationen abrufbar sind.
Man also sein Repertoire für Tunnelblicksituationen erweitert.
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  #70  
Alt 30-05-2017, 21:56
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Kampfkunst: ITF Taekwon-do, Kickboxen
 
Registrierungsdatum: 22.02.2009
Alter: 29
Beiträge: 899
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Finde das Thema interessant. Die Antwort hängt denke ich von der Situation ab, wobei man die 2 Optionen nie als Schwarz-Weiß sehen sollte, es existieren viele Grauzonen dazwischen. Darüber hinaus hängt es vom eigenen Typ ab.

In einer realen SV-Situation "auf der Straße" sehe ich es als vielversprechender an, eher in Richtung der Berserkerseite zu tendieren.
Beim Vollkontakt Wettkampf ist das "Berserkertum" auch noch im gewissen Maße nötig, wobei man hier auch eine gute Portion "abgeklärtheit" braucht.
Im Leichtkontakt würde ich den abgeklärten Modus vorziehen und im Semikontakt schließlich ist für Berserkertum überhaupt kein Platz mehr. Das würde nur dazu führen, dass man in Konter läuft.
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...und zwar so richtig!
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  #71  
Alt 02-06-2017, 14:37
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Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
...
Wie gesagt, man kann, in einem gewissen Rahmen, den Moment hinauszögern in dem das Gehirn von Noradrenalin überflutet wird. Das ist das, was beim Training von Militär und Polizei gemacht wird.
Das Gehirn kennt den Modus "Überlegenheit"=keine Gefahr, kein Noradrenalin. "Herausforderung"=Gefahr für das Leben, aber Chance vorhanden da raus zu kommen=Noradrenalin=Fight und "Überforderung"=eigentlich keine Chance da raus zu kommen=Noradrenalin=Freeze.

...

Man muss so trainieren dass man die richtigen Instinkte entwickelt und dazu muss man ggf. an der Persönlichkeit rumschrauben. Ein gefährliches Spiel, wenn man nicht weiß was man da tut...

Entweder man ist sich seiner Überlegenheit so sicher das man sich nicht fürchten muss,Das ist aber ein hochkomplexes Thema, was man nicht mal annähernd mal eben schriftlich erörtern kann.

Grüße

Kanken
So hochkomplex ist es für den normalen Gebrauch VK-Wettkampf und potentiell weit eskalierende Schlägerei m.E. nicht.

Was Du beschreibst mit dem Gefühl der Überlegenheit, nenne ich für mich immer "Vertrautheit mit der Situation" . Je höher die ist, desto geringer der Stress durch Fremdheit, die oft zu früh in Überforderung mündet.

In einer sich anbahnenden Situation plane ich z.B. auch möglichst immer meinen Fluchtweg ein, für den Fall das sich herauszustellen scheint, dass ich zuviel abgebissen habe.
Wenn ich mich auf Gewalt einlasse, dann weiß ich zwar, dass es bis ins Extrem gehen kann, aber setze mir nur das Ziel, aus der Situation zu kommen.
Nicht unbedingt zu gewinnen oder gut auszusehen.

Hass und Vernichtungswille springt bei mir eh schnell aus der Kiste, aber ich bleib dann trotzdem nicht zu lange dabei.
Vor jemand zu Starkem wegzulaufen, dem ich den Kehlkopf eindrücken will, war was, was ich mir z.B. antrainieren mußte.
Andererseits lasse ich mich auch an Tagen, wo ich merke, dass ich da nicht leicht hinkommen würde, auf nix ein.

Viele Gewaltanwendungen lassen sich für mich auf einem recht niedrigen Niveau abhandeln, aber ich weiß ja nie, was ich anpieke.
Und viel Gewalt ist sehr relativ. Ist mittlerweile nur ein Hobby, das sich ergeben kann.

Mich würde interessieren, wie andere Leute hier im KKB ihre Erfahrungen in freier Wildbahn mit ihrem Training verschachteln.


Um das o.G. Beispiel zu vertiefen :
Dafür ein paar vom-Gegner-löse Methoden für mich unter zunehmendem Druck zu trainieren, erhält mir länger das Entscheidungsmöglichkeiten-Gefühl aufrecht.
Und darüber wird bei mir die Körperchemie länger unter der Extremschwelle gehalten.
Nach meiner persönlichen Erfahrung.

Also klar zu haben, was wofür sich für mich in welcher Situation technisch-taktisch als ideal anfühlt, schafft mir eine semitechnische Krücke.
Grob gesagt gehe ich eher auf Instinkt, wenn ich nicht weiß, was ich für angemessen gerade jetzt halte.

Und wenn mensch schon in Stessüberflutungen war, kann er im intensiveren Sparring auch die Erinnerung daran anzapfen und sich künstlich in grenzwertigere Gefühle bringen.

Sparring und Ernstfall so gegeneinander auszuspielen ist auch so ein persönlicher Ansatz von mir, damit ich z.B. mit dem plötzlich doch die Luft anhalten und ähnlichen Signalen umgehen und das emotional runterfahren üben kann.
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  #72  
Alt 02-06-2017, 15:32
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Mit dem Training gar nicht und das mit Absicht. Meine Erfahrung ist die, dass das in freier Wildbahn keine ausgeglichene Sache ist. Wer antanzt hat die Karten vorher zu seinen Gunsten gemischt.
Wenn mal so ein Konflikt entsteht ist es nicht wirklich ein Problem, aber echte geplante Gewalt ist was anderes. Ein normales Training in einem Sportverein genügt dagegen bei weitem nicht. Es wird darauf gewartet, dass da Widerstand geleistet wird und das ist dann der Anlass den Frust auf das hilflose Opfer loszulassen. Um das ausgleichen zu können anderes Training und eigene zumindest improvisierte Bewaffnung, ansonsten sehe ich da für mich keinerlei Chance. So vorbereitet zu sein und die entsprechende Persönlichkeit zu entwickeln würde mir viel an bürgerlicher Lebensqualität kosten. Entweder man ist mit Gewalt aufgewachsen und reingewachsen oder man lässt es, andere können das dann besser, die haben einen "Vorsprung". Zivilisiertes Kampfkunst trainieren hilft da nicht.
Mache mir mit der Aussage keine Freunde, aber der Hinterhalt damals hat mir in der Hinsicht viele Illusionen genommen. Wäre ich da zum Berserker geworden statt halb in Panikstarre zu deeskalieren stünde ich heute mit zerschnittenem Gesicht da.
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"Ich habe alle diese Degen selbst geschmiedet und übe täglich acht Stunden mit ihnen, um einen Piraten töten zu können." "Du brauchst dringend ein Mädchen mein Freund!" (Fluch der Karibik)
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  #73  
Alt 02-06-2017, 16:30
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Zitat:
Zitat von Billy die Kampfkugel Beitrag anzeigen
Mit dem Training gar nicht und das mit Absicht. Meine Erfahrung ist die, dass das in freier Wildbahn keine ausgeglichene Sache ist. Wer antanzt hat die Karten vorher zu seinen Gunsten gemischt.
Wenn mal so ein Konflikt entsteht ist es nicht wirklich ein Problem, aber echte geplante Gewalt ist was anderes. Ein normales Training in einem Sportverein genügt dagegen bei weitem nicht. Es wird darauf gewartet, dass da Widerstand geleistet wird und das ist dann der Anlass den Frust auf das hilflose Opfer loszulassen....
Mache mir mit der Aussage keine Freunde, aber der Hinterhalt damals hat mir in der Hinsicht viele Illusionen genommen. Wäre ich da zum Berserker geworden statt halb in Panikstarre zu deeskalieren stünde ich heute mit zerschnittenem Gesicht da.
Ich weiß nicht, inwiefern das mehr intellektuelle Spekulationen für den Thread sind...

Aber wenn es das ist, was Du über Dich denkst, ist es halt mit eine Programmierung für Dein Empfinden in solchen Situationen.

Ein Kampf oder eine Situation sagt einem etwas über einen selbst, aber er sagt einem NICHT, wie man "IST".
Oder wie die Situationen "sind".

Diesen Denkfehler findet man oft bei Kampfanfängern, aber durch Deine Fechterfahrung weißt Du vielleicht eher, was ich meine.

In Bezug auf Selbst- und Situationskonzepte.

Was würdest Du denn in Deinem Karate-Training ändern, wäre es Dein Ziel solche Situationsarten mehr zu antizipieren ?
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  #74  
Alt 02-06-2017, 16:57
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Zitat:
Zitat von Gürteltier Beitrag anzeigen

Mich würde interessieren, wie andere Leute hier im KKB ihre Erfahrungen in freier Wildbahn mit ihrem Training verschachteln.
.
ich baue es nur bei 1 zu 1-Training ein. also im privatem , intimen Rahmen.

unterschiedliche Varianten um den anderen heranzuführen
je nachdem wo der Andere steht. mir geht es darum, den Anderen damit zu konfrontieren , um seinem System die Möglichkeit zu geben , es kennenzulernen, Reaktionen zu triggern , seine eigene Reaktionen zu erfahren , zu beobachten .die Konfrontation zu verdauen. >>> das kann manchmal Tage dauern oder länger . (klingt schlimmer als es ist)

ich baue es in mir auf. unterschiedliche Zustände.
A)
- immer agressiver werdend, Aggressiv ist hier nicht wütend oder Zornig oder ähnliches , ruppiger, konsequenter mit entsprechender Körpersprache. vor allem was die Augen angeht.
wenn ich dieses Aggression , wie eine Blase , wie ein Brummen , um mich herum spüren kann , weiss ich , daß der andere dem nicht entgehen kann. sein System wird reagieren.
mein Atem verändert sich. gedrückter, gepresster. jede Aktion wird sofort mit Heftigkeit beantwortet ... bestraft ^^
kommt Freeze .. Pause .
dann von neuem bis er lernt , mein Aufbauen hinzunehmen , die Heftigkeit zu ignorieren und Fokus auf eigener ständiger Handlung bringen .sei es Konter, sei es Schutz. .. Hauptsache nicht innerlich Abschalten und damit die Kontrolle abgeben.

oder

B) bedrängenderes , konsequenteres Vorgehen und dabei im Blick immer teilnahmsloser, fast schon gelangweilt aussehend werden. ... ruhiges aber gezieltes , immer weniger Lücken, Freiräume lassend .

ich fahre mich runter und trotzdem pausenloses Bedrängen.
der Andere interpretiert das meist als , Interessenlosigkeit seitens seiner Person und damit auch seiner Gesundheit. ... was mitunter dann schonmal Freeze bis hin zur leichten Panik führen kann ... erstmal Abbruch... Pause.
Neustarten mit Kooperation , dann wieder hinführen , bis er es akzeptieren kann und es in sich ebenfalls findet. .....diesen kalten Ruhepunkt.

C) ein ständiges switschen zwischen diesen beiden Zuständen., allerdings ohne zu starke physische Angriffe.ich will auf und abbauen. pausenlos. ... sein System will antworten . will reagieren. weil eben ständig eine Art Kommunikation stattfindet. fährt also selbst auch ständig hoch und runter . wenn ich es schaffe ihn mitzunehmen..........System wird überfordert.

D) Hoffen und Verzweifeln ^^
ihn in eine unangenehme bis bedrohliche Situation bringen (Hebel, Würge, Auf Gesicht setzen , such dir was aus^^) bis man wahrnimmt daß er anfängt aufzugeben (Verzweiflung) , dann ein wenig öffnen und seine Reaktion darauf sofort wieder mit einer unangenehmen/bedrohlichen Position/Technik beantworten, bis........ ja genau.. er aufgeben will,... wieder öffnen/zulassen usw . usw.
Auswegslosigkeit >>> Ausweg >>>>> Auswegslosigkeit >>>> Ausweg.
ein ständiges Wechseln zwischen Hoffen und Verzweifeln/Aufgeben.

Ziel ist es ihn dahin zu bringen , daß er beides ignoriert. Es soll ihn nicht mehr interessieren.
Er soll sich bewegen , arbeiten , wuseln , in Aktion bleiben, solange es möglich ist. Möglichkeiten suchen, finden ....... Handlungsfähig bleiben.

er soll aber auch im Gegenzug , immer den Angriff im Blick behalten, selbst wenn er in völlig blöder Position ist. also nicht nur die Tür suchen um zu verschwinden , sondern gleichzeitig den bedrängenden Part, die Stelle , die Position finden welche attackiert werden kann, um überhaupt einen Rückzug zu gewährleisten. denn sonst ist man sofort in der nächsten miesen Position , weil die Kontrolle hergegeben wurde.


zur Info: keines dieser Vorgehen führt zu Verletzungen oder Schäden . ist garnicht notwendig und auch nicht sinnvoll. Heftigkeit steht also nicht für stärker zu schlagen. es steht für INTENSIVER zu schlagen. ich hoffe Einige verstehen was ich damit meine.

die Heftigkeit , gepaart mit dem was ich dabei rüberbringe (auf unbewusster Ebene transportiere ) genügt vollauf.

der Schlüssel ist das Gefühl in mir. bzw. das was ich in mir aufbaue. und nicht das Äußere.(z.b. die Techniken)

das Alles dient nur dem Konfrontieren. für Unerfahrene.

je erfahrener Einer ist, desto weniger kann er über diese Schiene beeinflusst/manipuliert werden.
macht man also solche Spielchen mit Jemanden der sein Inneres gut kennt und in Griff hat, dann kann sich schnell die Manipulation umkehren. ^^
aber darum geht es ja. .. es zu erfahren , um Handlungsfähiger zu bleiben.
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  #75  
Alt 02-06-2017, 17:19
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Sehr anschaulich. Danke. Mache ich immer nur unerklärt im Sparring/Suckerpunchtraining.

Und nebenher als "Willen ausstrahlen/entwickeln" in den normierten Haltungen der festgelegten Partnernübungsformen.
(Sonst wären sie ja leer.)
Ich glaube, dafür sind die - unter anderem - im Karate gemacht.
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