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#106
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| Das "Davor" und die taktile Auseinandersetzung kann man auch allgemein als psychische und physische Bereiche gegenüberstellen. Zitat:
Latente Bereiche sind in ihrer "Handhabung" wesentlich komplexer. Latent meint: alle Bereiche, die ein Außenstehender oder gar der Trainierende selbst "erahnen" muss. Natürlich ist das auch bei einer körperlichen Auseinandersetzung der Fall, wenn eine Prügelei außerhalb der Trainingsstätte komplettes Neuland ist. Wird hier auch vielfach diskutiert und dies begründet auch, warum sparringsintensive Stile eine höhere SV-Relevanz leisten als reine Bewegungslehren ![]() Bei einer (verbalen) Deeskalation kommt es hingegen darauf an, unter psychischem Stress verbal und gestikulär derart zu reagieren, dass das Gegenüber von einer "friedfertigen" Lösung überzeugt ist. Dieses Verhalten zu trainieren erfordert eine wesentlich sensiblere Vorgehensweise und kann von keinem regulären Kampftraining umfassend abgedeckt werden. Die wenigsten Menschen sind mit der eigenen Psyche so vertraut, dass sie ihre Emotionen auch in angespannten Situation grundlegend beherrschen können. Für die Deeskalation ist es dann noch erforderlich, diese zu beherrschen und zu steuern. Der Trainer soll darüber hinaus als Außenstehender die Handhabung des eigenen Gefühlslebens vermitteln. Hinzu kommt auch noch die Emotion des Agressors, die zu bewerten ist. Da prallen wirklich riesige Baustellen aufeinander. Also, ja, mit Sicherheit ist das "Davor" viel schwerer zu lehren. Ich schließe mich daher bei der Vermittlung dieser Bereiche einigen Ausführungen an: - Situation ernst nehmen und das auch vermitteln - das eigene Ego hinten anstellen - Versuchen, die Hemmschwelle zwischen Untätigkeit und Aktion sinnvoll zu gestalten (eine Grenze "erarbeiten", ab der verbal und taktil gehandelt werden muss) - und (eigentlich die Voraussetzung für die anderen Punkte) einen Kampf als letzte Möglichkeit sehen Alle übrigen Bereiche sind Feinheiten, die sich ein Schüler imho selbst erarbeiten muss.
__________________ Viele Leute meinen, ich bin oberflächlich. Das stimmt aber nicht! Ich habe auch hässliche Freunde... |
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#107
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| Mein Trainer hat aber gesagt, das... oder auch Mir wurde das aber so gezeigt. etc. |
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#108
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| Richtig. Das ändert nur nichts an der Tatsache, dass dies für mich auf Dauer der einzige Weg für einen Ausbau bzw. die Nutzung persönlicher Fähigkeiten ist. Der Mensch neigt zu Bequemlichkeiten. Eigeninitiative ist anstrengend und erzeugt darüber hinaus noch unbequeme Eigenverantwortung. Aber das sind eben auch wirklich die Chancen, die persönliche Entwicklung wesentlich voranzutreiben. Auch im alltäglichen Training erreichen viele Schüler nach Jahren den Punkt, ab dem der bisherige Trainer kein wertvolles Mehr an Wissen weiterhin vermitteln kann. Auch hier erzielt nur der einen Fortschritt, der sich selbst umsieht, seine Zukunft in diesem Bereich plant. Ich persönlich habe mir die Zeit genommen, in punkto Deeskalationsverhalten mit einem Psychologen aus dem Bekanntenkreis ein längeres Gespräch zu führen. Dazu ein wenig Literatur, Seminare. Man stößt eigentlich mit mittelmäßigem Aufwand immer wieder auf vergleichbare Informationen, mit denen man sich identifizieren kann. Ändert aber alles nichts daran, dass die Initiative von jedem selbst kommen muss.
__________________ Viele Leute meinen, ich bin oberflächlich. Das stimmt aber nicht! Ich habe auch hässliche Freunde... |
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#109
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| Deeskalation hat sehr viel mit Psychologie, Körpersprache und Kommunikation zu tun. Das geht weit über 3 Trainingseinheiten pro Woche hinaus. stark sarkastisch: Prügeln lernt man viel schneller als empathisch denken und nachgeben.... Und die Unsicherheit des Ausgangs dabei muß man aushalten können! |
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#110
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| Zitat:
Vor allem kann man das die ganze Zeit im Alltag üben, während man seine Kampfsportkenntnisse als zivilisierter Mensch eher nur selten anwenden kann.
__________________ Ich wurde durch's Feuer, wie Phoenix geborn. Ich flog durch die Lüfte! ward doch nit verlorn. |
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#111
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| Zitat:
Ist ja schon echt viel (sehr richtiges) geschrieben worden. Aber das ist m.E. der beste Tipp. Ich bin im wesentlichen Verfechter der These, das Target-Hardening die beste Strategie zur präventiven Deeskalation ist. Wenn der Konflikt einmal im Gange ist, hängt das sehr davon ab, ob der andere deeskalierbar ist. Ich selbst habe davon wenig Ahnung davon und habe irgendwann für mich entschieden, im Fall des Falles präventiv zu schlagen. Das scheint aber den Tatbestand des Target-Hardenings zu erfüllen und von daher lebe ich recht friedlich .Grundsätzlich bin ich aber der Ansicht, das Deeskalation ein wichtiges Thema für einen SV-Lehrer ist. Zum einen gibt es genügend Menschen, die aufgrund Ihrer körperlichen Verfassung (Alter,Krankheit) nur noch sehr bedingt wehrhaft zu machen sind und zum anderen gibt es bestimmte Personengruppen (und zu denen zähle ich definitiv Personal in der Sicherheitsbranche) unbedingt deeskalieren können sollten. Denn die meisten anderen Gäste in der Disco oder wo auch immer, wollen i.d.R. nur ungestört feiern. Außerdem haben Läden, in denen die Securities leicht zu provozieren sind, in der Regel keine guten Ruf und schrecken die "normalen" Leute ab. Daher habe ich mich zu einer Kooperation mit einem professionellen Deeskalationstrainier entschieden. Er zeigt, wie man deeskaliert und wir kümmern uns um den "hat-nicht-geklappt-Teil" .Gruß Mario |
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#112
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| Zur Ausgangsfrage, weil a) die Strategie mehr Erfolgsaussichten bietet als Eskalation. Eskaliert einer kann es schiefgehen. Eskalieren beide wird es schiefgehen. Ein Kratzen oder zerissenes Hemd ist auch schon "schief gegangen", auch wenn der Gegner am Boden liegt und Du gerade auf dem Weg zu einem Traumdate warst. b) eine plötzliche Umkehr der Stategie nur von Dir abhängt und durch deinen Gegner nicht vorhersehbar ist. Das ist ein taktischer Vorteil.
__________________ WT-Herb: Boxen ist kein gutes Beispiel für gutes Timing. Ameri-Do-Te: In Master Ken we trust! |
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#113
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| Zitat:
Leider höre ich aber -wenn ich mich so umhöre- dass die psychologische Komponente doch ziemlich vernachlässigt wird. Schau doch einfach mal in die Ausbildungspläne der anerkannten Verbände. Wie viele Stunden "Psycho" wird da den "SV-Trainern mit Lizenz" angeboten? Und was müssen diese kampfsporttechnisch sicher hervorragende Trainer als psychologische Vorkenntnisse nachweisen? |
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#114
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| Die Diskussion ist höchst interessant und ich finde es gut, dass die meisten die Bedeutung der psychologischen Aspekte für die wichtigsten halten. Für mich war der Vergleich mit einem professionellen Bodyguard in einem Buch sehr hilfreich - be your own body guard. Dessen Job ist es, seinen Klienten vor Gefahren zu schützen und ihn wegzubringen. Dabei wenn möglich selbst nicht verletzt zu werden. Er muss ja morgen auch wieder arbeiten. Einen Kampf zu vermeiden ist also nicht feige sondern professionell. Klar muss ein professioneller Bodyguard auch mal zuschlagen, aber nicht weil "was guckst du" oder so . |
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