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  #46  
Alt 06-07-2017, 21:44
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Kampfkunst: Muay Thai/Muay Boran, Karate
 
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" Muay thai fighter - a farangs journey to become a thai boxer" von Paul Garrigan.
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  #47  
Alt 06-07-2017, 22:04
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Kampfkunst: Goju Ryu
 
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ich hoffe längere rezensionen sind erlaubt ?! ansonsten eben löschen

Oskar Negt, Keine Demokratie ohne Sozialismus. Über den Zusammenhang von Politik, Geschichte und Moral, Göttingen 2016 (Steidl), 483 S.
&
Oskar Negt, Überlebensglück. Eine autobiographische Spurensuche, Göttingen 2016 (Steidl), 319 S.

Als fünfter Band der Werkausgabe versammelt Keine Demokratie ohne Sozialismus Aufsätze und Reden der 1960er und 1970er Jahre und gehört in jedes einigermaßen gut bestückte Literaturportfolio mit Schwerpunkten zu den bundesrepublikanischen Studentenprotesten und der damit verbundenen Rolle der Kritischen Theorie. Der unprätentiöse Stil, den Oskar Negt bei aller Entschiedenheit für die emanzipatorische Sache hier walten lässt, sucht in der Literatur dieser Jahre vergeblich seinesgleichen. Dies wird besonders in der Nachbetrachtung deutlich.
Thematisch wird viel von dem angegangen, was linkes Denken damals bewegte: darunter eine Parade des Linksfaschismus-Vorwurfs von Jürgen Habermas, die Würdigung Rosa Luxemburgs im Sinne der Kritischen Theorie sowie ein Plädoyer für Ernst Bloch und die Forderung nach einem Ende der Unterernährung der Phantasie im kommunistischen Lager. Darüber hinaus ist Negts Untersuchung der Bewusstseinszustände der gesellschaftlichen Eliten hervorzuheben. Mit seiner Analyse zur politpsychologischen Disposition von Unternehmern und Offizieren gelang ihm 1967 ein Kabinettstückchen: Es liefert trotz seiner Anachronismen auch heute noch genügend Einsichten, die die reflexhafte Empörung über rechte Zirkel in der Bundeswehr und über die Möglichkeit des Wandels einer zuvorderst wirtschaftsliberalen zu einer rechtspopulistischen AfD in einem naiven Licht erscheinen lassen.
Die Krux seiner Thesen und Analysen liegt hingegen darin, dass Negt wenig Berührungsängste zeigt, eine Klasse der Arbeiter und ihre Organisationen erneut aufs Schachbrett gesellschaftlicher Auseinandersetzung zu führen. Er reinthronisiert angebliche Antagonismen des Kapitalismus, die sich schon damals als stumpf erwiesen hatten. Von einem Spross der Kritischen Theorie hätte man schon in den 1970er Jahren eine Aufklärung darüber erwarten dürfen, dass es die intelligiblen Konsequenzen der kapitalistischen Wertform sind, die Arbeiter und Unternehmer gemeinsam im perspektivlosen Joch dieser kapitalistischen Gesellschaft hält, und nicht der Klassenantagonismus, in dem „die Arbeiter“ zudem auch nicht Antagonisten, sondern die andere, im Marx’schem Jargon die „variable“ Seite der kapitalistischen Wertform-Medaille sind.

In Überlebensglück geht Negt seiner frühen Sozialisation nach, die maßgeblich durch Fluchtumstände gekennzeichnet ist. Neben dem anekdotischen Wert sind es einige Exkurse – z.B. die Rolle Dänemarks im Krieg –, die diesen Teil des Buches zum besseren machen. Der andere Teil besteht in ideengeschichtlichen Ausflügen zu Ikonen wie Johann Wolfgang von Goethe, G. W. F. Hegel und insbesondere Imamnuel Kant; sie bleiben aber weitestgehend seicht. Gegen Ende des Buches offenbart sich zunehmend der Anstoß zu jener Spurensuche: die aktuelle Flüchtlingskrise und der Rechtsruck der politischen Landschaft im Zentrum Europas.
So recht wollen sich die ideengeschichtlichen Ausflüge aber nicht mit den autobiographischen Teilen zu einer gelungenen Synthese vereinen. Sie bleiben sich merkwürdig fremd. Auch vermögen die herbeigerufenen deutschen Geistesgrößen nichts gegen das trübe Geistesklima der nach rechts wandernden Mitte auszurichten; von einer rassistisch-chauvinistischen Ur-Rechten ganz zu schweigen. Überhaupt drängt sich die Frage auf, ob sich deutsche Fluchtgeschichten aus der Ära des Zweiten Weltkrieges als Ausgangsfläche für Betrachtungen zur aktuellen Flüchtlingskrise eignen. Sind die Krisen und Kriege heute nicht mehr denn je Ausdruck einer allgemeinen Krise des globalen wertverwertendenden Systems? Sind nicht die erstarkenden faschistischen Auswüchse, egal ob im Islamismus, im Evangelikalismus amerikanischer Prägung oder im Nationalismus, der gerade die europäische Idee zu sprengen droht, Symptome einer nicht mehr integrationsfähigen Gesellschaftskultur, deren Integrativkraft einzig an die ökonomische Verwertungsfähigkeit gekoppelt ist? Mit moralischen Mahnungen wird man dagegen nicht ankommen. Aber diese Einsichten liegen in den Fundamenten der Kritik der politischen Ökonomie bereit und nicht in dem erhobenen Zeigefinger deutscher Idealisten. Bei Negt, so scheint es, hat das Faible für letztere, die ihn schon immer begleiteten, im nun autobiographiewürdigem Alter die Oberhand gewonnen.
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  #48  
Alt 07-07-2017, 07:55
Benutzerbild von sokol
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Kampfkunst: Krav Maga
 
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Thumbs up

Historischer US-Roman, handelt insb. von sozialen Konflikten in den USA während und nach dem 1. Weltkrieg, gut und flüssig geschrieben:

Dennis Lehane: Im Aufruhr jener Tage.

Im Aufruhr jener Tage von Dennis Lehane - Taschenbuch - buecher.de

Geändert von sokol (07-07-2017 um 08:03 Uhr).
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