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#1
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| Mit diesem Thema möchte ich ein bisschen zum Denken anregen... Im Jahr 1897 begannen in China Unruhen in der Bevölkerung aufgrund der vielen europäischen, christlichen Missionare und Kolonialherren. Die Widerstandsbewegung Chinas, auch Boxer genannt, versuchten relativ friedlich dagegen vorzugehen, in dem man Eisenbahnlinien zerstörte, Telegrafenmasten absägte und so manches westliche Werk sabotierte... ...allerdings ohne auch nur einen Tropfen Blut zu vergiessen. Bis ein westlicher Kolonialherr aus Wut und Zorn ein chinesisches Kind, das er für einen Anhänger der Boxer hielt, aus nächster Nähe erschoss. Dies war der Beginn des Boxeraufstandes, der nach diesem Ereignis zu viel Blutvergiessen, Elend und Leid geführt hat. Und was mich traurig stimmt, ist die Tatsache, dass der Herr, der diesen Krieg begonnen hat, der DEUTSCHE Kolonialherr VON KETTELER war... Wieder ein Aufstand/Krieg, wo wir Deutschen ganz vorne mitmischen mussten... Für mich persönlich ist dies ein Grund mehr, das was unsere Vorfahren dummerweise bekämpft haben, nun mit allem Enthusiasmus auszuüben um somit zur globalen Völkerverständigung beizutragen. Christian |
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#2
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| Grüss Dich Christian, ich würde das nicht verallgemeinern. Es ist nunmal ein Teil der Menschheitsgeschichte, dass stärkere Völker andere unterdrückt haben. Das Zwanghaft auf seine eigene Herkunft zu münzen finde ich falsch. Es hätte genauso gut ein Amerikaner diesen Schuß abgeben können. Denk doch mal an die Ausrottung der Indianer. Der Weg durch allgemeine Völkerverständigung dergleichen Vorzubeugen ist der einzig richtige Weg. Da fällt mir gerade etwas zu ein. Ich habe Gestern noch "Im Westen nichts neues gesehen" . Dieser Film spiegelt auf der einen Seite die Schrecken des Krieges wieder und auf der anderen Seite zeigt er Gründe auf, warum es soweit kommen konnte Zitat : " Ich wollte Dich nicht töten. Ich dachte nur an dein Gewehr, dein Baionette, deine Handgranaten. Ohne diese Dinge hätten wir Brüder sein können. " Laßt euch das mal durch den Kopf gehen. Mit Respekt Oss Julian
__________________ - pain is temporary, pride is forever - |
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#3
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| Wie kommst du darauf China als Ort der vollkommenheit zu schildern? Man denke doch nur an die Menschenrechtsverletzungen tagtäglich oder an den denkwürdigen Tag des Blutbades auf dem Platz des himmlischen Friedens '89! Kein Volk ist ohne Schuld, nur dass z.B. Deutschland heute soetwas nicht mehr geschieht, im Gegensatz zu beispielsweise China... mfg, Luggage |
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#4
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| Zitat:
in den Sozialwissenschaften gibt es für dieses Verhalten eine Bezeichnung: Positiver Rassismus. Damit wird das Verhalten beschrieben, dass sich einige Menschen als Trotzreaktion zum verbreiteten Alltagsrassismus zulegen: Alles, was von aussen oder vom vermeintlich schwachen kommt, wird glorifiziert. Plötzlich ist dann jeder Schwarze mein Freund, jeder Asiate mein Vorbild und alles was deutsch ist, wird schlecht gemacht. Auch nicht grad die objektive Lösung, oder? Ich bin zwar kein Sozialpädagoge, aber ich freue mich schon auf eine spannende Diskussion! Gruß Dirk |
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#5
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| Hi Dirk, es scheint sich wohl wirklich spannend zu entwickeln... Ich denke nicht, dass ich dem "positiven Rassismus" verfallen bin, denn ich sehe sowohl in China negative Seiten (Menschenrechtsverletzungen, fehlender Umweltschutz,...) als auch positive Seiten in unserer Gesellschaft in Mitteleuropa. Nur leider sind wir Deutschen in unserer Geschichte damit gesegnet, als Unheilstifter Kriege und Auseinandersetzungen anzustiften (1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg,...). Es ist nicht so, dass ich mich dafür schäme, denn meine Generation kann wahrlich nix mehr dafür, aber um so schöner interpretiere ich meine Arbeit als Kampfkunstlehrer, der nun mit seinem Leben versucht, Völker zu verbinden mit der Kunst der Bewegung. Und das ist doch etwas Wunderbares oder nicht? |
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#6
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| Shaolin Quan, wir Deutschen sind nunmal mit einer ungesunden Portion Vergangenheitskomplex "gesegnet". Tja, sicher waren die Dinge nicht besonder schön, aber Deutschland als Bösewicht der Welt darzustellen ist Geschichtlicher Unsinn. Spanier und Portugiesen haben ganze Kulturen in Südamerika ausgelöscht um es sich dort richtig gemütlich einzurichten. Die Nordamerikanischen Siedler haben es ähnlich gemacht. Rückt man ins letzte Jahrhundert, dann findet man brutale Unterdrückung durch die Engländer in ihren Kollonien. Ähnlich betrieben es die Franzosen. Man findet in den USA noch Jahrzente nach dem 2ten WK legale Apartheit, ein Volk welches schockiert war was mit den Juden geschah, verbietet Schwarzen zusammen mit weissen in die Schule zu gehen. Ebenso in Südafrika. Man findet ein Sowjetisches Regime in diesem Jahrhundert, dass es KEINEN Deut besser getrieben hat wie Hitler, sogar im selben Maßstab. Kriegsspiele in Vietnam, die Chemische Keule und Zivilbevölkerung abschlachten wird modern. Ähnlich in Afghanistan in den 70's und 80's. Serben machen sich einen Spaß daraus einen Muslimischen Bevölkerungsteil in Hitler manier zu "entfernen". All diese Sachen sich nicht besonders schön, und das was Deutsche in der Vergangenheit verbrochen haben wird dadurch nicht weniger schlimm, aber wir sich mit Sicherheit nicht die schlimmsten Bösen Buben dieser Welt. Der Unterschied ist wir haben unsere Kriege im eigenen Land verloren, und der Gewinner kann sich Geschichte zurechbiegen und verschönen. Verurteilt jemand die Greueltaten, welche an der Deutschen Zivilbevölkerung im Osten kurz nach dem zweiten WK angerichtet wurden? Ist euch mal aufgefallen wie viele Diskussionen so abdriften das sie irgendetwas mit Rechtsradikalismus zu tun haben? Man hat uns über lange Jahre Nationalkomplexe eingeredet. Jede öffentliche Meinung, die auch nur nach nationalem Selbstbewusstsein riecht wird abgedreht und niedergemacht, was nicht Verfassungskonform ist wird hinter Gitter gesperrt. Das wars erstmal, wer mich jetzt als Nazi beschimpt und meint ich wollte Verbrechen beschönigen, der zeigt mir damit nur das er des Lesens und Nachdenkens unfähig ist und nur ein stupider Nachplapperer ist. Cu Nino
__________________ "Ist der Mann potent, ist die Familie glücklich" |
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#7
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| Vieles von dem was Du schreibst sehe ich ähnlich (nicht alles). Ich sehe bloß in solchen Diskussionen folgende Probleme: - es kann nicht um Aufrechnung von Unmenschlichkeiten gehen, aber Geschichte ist da um daraus zu lernen - leider kommen derartige Äußerungen doch recht häufig aus dem rechten Lager Ich denke Deutschland ist in der Aufarbeitung seiner Geschichte seit ende der 60er Jahre weltweit sehr weit vorne. Aber leider nur, weil der Rest so weit hinten liegt. Man bedenke der japanische Ministerpräsident hat vor ein paar Wochen als erster japanischer Offizieller öffentlich Reue für die Verbrechen im WW II geäußert!! Und der Pabst hat Galilei rehabillitiert. Noch mal zum Boxeraufstand. Waren, das nicht Kung Fu Kämpfer? Immer wenn ich etwas über den Aufstand in Geschichtsbüchern gelesen habe, habe ich sozusagen die Ohren gespitzt. Steht natürlich nie was genaues über die Boxer selber. |
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#8
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| @ nino: gebe dir vollkommen recht, nur dürfen wir nicht aufhören, zumindest im tiefsten inneren, das zu bereuen was passiert ist... ...und für uns selber dagegen vorgehen. ist es schlimm, stolz zu sein, mit kampfkunst für die globale völkerverständigung zu dienen? mit sicherheit nicht.... ...und das sollte unser aller anliegen sein ! @ christoph: ja, die boxer waren kung fu kämpfer, genauer gesagt die weltlichen erben des shaolinklosters, allerdings schlecht (fast schon als sekte) organisiert und mit einer völlig verfremdeten weltanschauung. dennoch hatten sie ein edles ziel im auge, nämlich die traditionen zu wahren... |
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#9
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| Dabei waren die Boxer, besonders ihre Führer, selbst extrem fanatisch. Die Führer, irgendwelche Kampfkunstmeister, haben ihren Gefolgsleuten erzählt, durch das Chi und durch Abhärtungsübungen seien sie unempfindlich gegen die Kugeln der westlichen Gewehre. Tja, die sind dann oft wild drauflosgelaufen und das letzte, was ihnen durch den Kopf gegangen sein wird, war wohl, Scheiße, was hat mir der Kerl für Unfug erzählt. |
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#10
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| oder die kugel an sich... |
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#11
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| Zu einem Polit Thema möchte ich das hier nicht machen... (uups, zu spät). Überall das gleiche, ob veröffentlicht oder nicht. Jeder hat Dreck am stecken und jeder wirds wieder tun. Schuld: Der Kapitalismus. Auch wenns Anfangs nicht so aussieht (Glauben u. ä.) gehts jedem doch im Endeffekt nur um ein grösstmögliches Stück vom grossem Kuchen "Welt" in Form von Geld oder Land (Bodenschätze Bauplatz usw) sprich MACHT. Tja, Politik und Kapitalasmus funktionieren eben nicht (auf die Dauer jedenfalls)... Da ich aber auch nur meckern kann und keine bessere Lösung bieten kann (gibts die überhaupt?) halt ich lieber die Klappe, ne? Z.T. Boxeraufstand. Es ist zwar nicht allzubekannt, aber hatte die "Drachenlady" xixi(?) die ja damals die Zügel in der Hand hatte gar nichts mit dem Aufstand zu tun? Ich habe aus mehreren Quellen, dass Sie Grund zur Eskalation war. Wie? keine Ahnung, aber Sie war ja sehr gerissen... Auf einmal fingen auf jeden Fall alle an tierisch abzugehen, im glauben göttliche Macht mache Sie unbesiegbar (@hausmeister: nicht das Qi, soweit ich weiss)tja, und kurz darauf lagen sie meterhoch gestapelt in den Straßen herum und waren tot. Wenn dieses gemetzel in jemandes WIllen gelegen haben KÖNNTE! Dann doch am ehesten in dem der Drachenkönigin. Nur ne Vermutung. @ Shaolin Quan Das ist eines der kleinsten Dinge die ich mit verachtung den deutschen (bin ja selber einer , ihr wisst wie ich mein) vorwerfe.Das hätte damals echt jeder bringen können. Handlungen aus Emotion heraus (dem Jungen entgegen=Hass (?)) ist nicht SOOO verwerflich die verantwortungslosen Absichten des Staats & co Das ist was gaaanz anderes ![]() |
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#12
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| @ oni: die kaiserinwitwe xixi, so weiss man heute, ist nicht schuld am boxeraufstand. sie hat erst gegen ende des boxeraufstandes, in vollem vertrauen zu den boxern, den missionierenden und kolonialisierenden staaten allesamt den krieg erklärt. aber zu dem zeitpunkt war eigentlich schon alles gelaufen und es war nur eine frage der zeit, bis die alliierten verstärkungstruppen china erreichten... |
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#13
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| Genau. Aber trotzdem nochmal alles dagegen was geht. Ihr konnts ja egal sein. Ging ja sowieso alles zu der Zeit den Bach runter. Es kann nur in Ihrem Willen gelegen haben, oder? Sie muss nicht mal unbedingt was damit zu tun gehabt haben... (ausser: die vernichtung der übergelaufenen Landsleute gegen die Christen, ging dieser Befehl von Ihr an die Boxer? Hab ich irgendwie wage im Hinterkopf) |
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#14
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| Hallo allerseits , also jetzt muß ich doch nochmal meinen Senf zu dieser ganzen Sache hier abgeben : Auch ich möchte zunächst eindringlich vor übermässiger Vereinfachung hochkomplexer historischer Vorgänge warnen und die Darstellung des "Boxeraufstandes" , die Christian hier gepostet hat , die ist IMHO sehr ergänzungsbedürftig ! Natürlich kann und will ich jetzt auch keine umfassende oder gar abschließende Analyse des gesamten Konfliktes abliefern , dennoch hier ein paar Anmerkungen von mir zum "Boxeraufstand" von 1900 : Zu behaupten , der deutsche Gesandte v.Ketteler hätte den ganzen Konflikt BEGONNEN , ist meilenweit davon entfernt , die Ereignisse angemessen wiederzugeben , denn gerade der "Boxeraufstand" wäre ohne seinen historischen Kontext schlicht und ergreifend gar nicht denkbar gewesen und der gute v.Ketteler selber spielte bei all dem höchstens durch seine Ermordung auf offener Strasse eine gewisse Rolle . Alles fing deutlich vor 1897 an , denn die Opiumkriege mit dem britischen Empire waren bereits 1840 - 1842 gewesen und schon 1844 erlangte auch Frankreich ähnliche Privilegien , die u.a. die ungehinderte Betätigung christlicher Missionare sowie eine exterritoriale Rechtssprechung für Ausländer vertraglich garantierten ! In den 50er Jahren des 18.Jhd. wurde das chinesische Kaiserreich dann durch verschiedene Widerstandsbewegungen gegen die herrschende Mandschudynastie erschüttert , die jedoch meist regional begrenzt waren . Eine ernstzunehmende Bedrohung entstand allerdings durch die christlich - konfuzianistische Taiping - Bewegung , die mit der Hilfe ausländischer Söldner niedergeschlagen wurde . Interessant ist in dem Zusammenhang auch , daß das deutsche Reich erst NACH der Ermordung deutscher Missionare 1897 Jiaozhou besetzte , welches per Pachtvertrag erst 1898 zur "Schutzzone" wurde ! Zuvor hatte man lediglich 1861 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China dadurch erpreßt , daß man mit der Unterstützung der Tai Ping-Rebellen gedroht hatte . Zu dieser Zeit , angestachelt auch durch die Niederlage gegen die Japaner (1894/1895) , erlangten vermehrt moderne , liberalistische bis "sozialdarwinistische" Ideen Einfluß in den Kreisen gebildeter Chinesen ( aber auch bei den völlig verarmten Kulis ! ) und diese waren mit dem traditionellen Idealbild einer von Gelehrten geführten Agrargesellschaft kaum noch zu vereinbaren und trugen somit ganz maßgeblich zum späteren Aufstand bei bzw. haben diesen vermutlich überhaupt erst ermöglicht ! Zumindest sind sich die Historiker heute darin einig , daß der gesamte "Boxeraufstand" in einer geschichtlichen Linie mit der damaligen Gesamtsituation Chinas zu sehen ist , die durch einen zunehmenden inneren und äusseren Verfall des Kaiserreichs , seiner Verwaltungsstruktur sowie seiner Bedeutung und vieler traditioneller Werte nachhaltig gekennzeichnet war . Gerade hohe Regierungskreise sahen ihre ( nicht selten auf Korruption aufgebaute ) Machtposition stark bedroht , wie z.B. Prinz Tua , der mittels seines Einflusses auf die regierende Kaiserwitwe Cixi die aufkommende reformistische Bewegung zwischenzeitlich einfach per Staatsstreich ausschaltete ( inklusive ihrer Vertreter , die hingerichtet wurden ) und der später sogar durch ein gefälschtes Ultimatum der Allierten den "Boxern" die Unterstützung des Hofes verschaffte - bis diese dann schließlich Peking plünderten . Nur in einer solchen politischen Krisen - bzw. Umbruchsituation war es überhaupt möglich , daß die z.T. schon Jahrhunderte im Untergrund bestehenden regionalen Geheimbünde erneut eine solche Wirkung entfalten konnten wie zuletzt 1644 als die Mandschu mit Hilfe einer Bauernarmee die Ming-Dynastie stürzte und es ist schlicht falsch , daß eine einzelne Person allein ( zumal ein beliebiger und austauschbarer Gesandter ) einen solchen Konflikt hätte verursachen oder auslösen können , der zum Zeitpunkt dieser ominösen "Erschiessung" auf der Gesandtschaftsstrasse in Peking ohnehin längst losgebrochen war ( Je nach Quelle ist das Opfer v.Kettelers übrigens entweder ein unschuldiges Kind oder ein schwer bewaffneter "Boxer" gewesen , aber letztlich ist das für das Gesamtereignis ohnehin völlig unbedeutend , da die "Boxer" zu diesem Zeitpunkt bereits in Peking eingedrungen waren und das umliegende Land schon verwüstet hatten !) . Der Begriff "Boxer" hat in dem Kontext übrigens nichts mit KK ansich zu tun sondern kam einzig und allein durch den Namen der Geheimgesellschaft "Fäuste der Gerechtigkeit" zustande . Natürlich dürften Mitglieder z.T. auch KK praktiziert haben , man beschränkte sich bei der Belagerung des Gesandtenviertels in Peking dann aber doch eher auf Kanonen aus Kruppscher Fertigung sowie Gewehre soweit halt verfügbar ! Was nun diese "Boxer" anbelangt , die sich vor allem aus stark im Geisterglauben verwurzelten volksdaoistischen Sekten der nordchinesischen Geheimbünde des "weißen Lotos" (die hatten im Gegensatz zum Selbstverständnis der südchinesischen Triaden nix mit nem Shaolinkloster zu tun ) rekrutierten , so ist es schlicht und ergreifend falsch , daß diese tatsächlich so friedlich gewesen wären , wie viele scheinbar glauben möchten , auch wenn das gerade von chinesischer Seite im Zuge der üblichen antiimperialistischen Propaganda bis heute sehr gerne so dargestellt wird ! Man darf nicht vergessen , daß die Geschichte des "weißen Lotos " bis ins ins 4./5. Jhd. n.Chr. zurückreicht und daß gerade diese Bewegung über die Jahrhunderte verteilt nicht nur unzählige bewaffnete Aufstände auf ihrem Konto hatte , sondern zusammen mit den "roten Turbanen" und anderen einst sogar verantwortlich war für die gewaltsame Vertreibung der Mongolen aus China und damit für die Einsetzung der Ming-Dynastie genau wie sie dann später erneut eine nicht unwichtige Rolle beim Sturz derselben spielte ! Alle diese Aktionen waren selbstverständlich stets militärischer Natur gewesen und so ist es geradezu absurd , in den "Fäusten der Gerechtigkeit" sowas wie Pazifisten im Sinne eines M.Gandhi o.ä. zu sehen , deren Ziel zu irgendeiner Zeit "passiver Widerstand" gewesen wäre !!! Die "Boxer" des 19./20.Jhd. betrachteten gemäß ihrem Weltbild alle Ausländer als "Teufel" bzw. Barbaren , die aufgrund von Geisterglauben und Polytheismus z.B. auch für Naturkatastrophen verantwortlich gemacht wurden und die somit selbstverständlich GETÖTET werden sollten (es gibt noch eine Vielzahl von alten Photos auf denen der Aufruf , alle Fremden zu töten , zu sehen ist ) ! Man unterteilte mit fast "deutscher Gründlichkeit" in "Teufel 1. Klasse" ( alle Ausländer ) , "Teufel 2. Klasse " (Chinesenchristen ) und "Teufel 3. Klasse " (Opportunisten z.B. aus der Verwaltung o.ä. ) , was dann , als man sich der Unterstützung des Kaiserhofes gewiß war , step by step die Ermordung von Missionaren , chinesischen Christen aber auch des japanischen Gesandten , des deutschen Gesandten v.Kettelers , allierter Soldaten sowie unzähliger andersdenkender Chinesen (auch Frauen und Kinder selbstverständlich ! ) zur Folge hatte , die nicht selten bei lebendigem Leibe in ihren Häusern verbrannt wurden , denen man die Ohren abschnitt und die Augen ausstach oder die gleich an Ort und Stelle in Stücke gehackt wurden bis dieser ganze Spuk dann endlich mit dem Einmarsch der Allierten in Tientsin bzw. Peking beendet werden konnte ( woran übrigens keineswegs nur Deutsche sondern auch Russen , Japaner , Österreicher , Italiener , Amerikaner uvm. beteiligt waren ) ! Diese ganzen Geheimbünde mit ihren meist daoistisch -buddhistisch -animistischen Weltbildern haben stets ein Eigenleben geführt und ihre eigenen Ziele verfolgt . Sie wurden zu keiner Zeit von den jeweiligen Kaiserhäusern gerne gesehen , es sei denn , man bediente sich gerade ihrer Hilfe . Die "Boxer" standen niemals stellvertretend für DIE Chinesen und haben somit auch keinen "nationalen Freiheitskampf" o.ä. gegen die Kolonialmächte geführt , den viele so gerne sehen möchten ! Davon , daß dieser ganze Konflikt ursächlich von einem einzigen "bösen Deutschen" ausging , kann nach einem Blick in den tatsächlichen Ablauf der damaligen Ereignisse natürlich auch nicht die Rede sein !!! Um es klar zu sagen : ich bin weit davon entfernt , die imperalistische und z.T. fraglos rassistische Politik der Westmächte zu dieser Zeit zu entschuldigen oder gar zu befürworten , ABER ich warne doch nachhaltig davor , irgendeine Seite nachträglich romantisch zu verklären ! Historische Ereignisse stehen nie für sich allein , sind in den seltensten Fällen monokausal und in eine "gut-böse" Schablone passen sie nach meiner Erfahrung auch so gut wie nie hinein . Ironischerweise führte gerade das Scheitern des "Boxeraufstandes" dazu , daß es in China doch noch zu den lange überfälligen umfassenden politischen und gesellschaftlichen Reformen kam , was schließlich 1911 in Nanking die Ausrufung der chinesischen Republik durch Sun Ya Tsen zur Folge hatte ... Grüße , Jürgen |
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#15
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| Hi Jürgen, danke für deinen tollen Beitrag, er ist sehr ausführlich verfasst. Natürlich hast du recht, der Boxeraufstand war nicht mehr aufzuhalten und die Tat von Kettelers letztendlich nur ein Grund ihn ausufern zu lassen, aber Fakt bleibt dennoch: vor dieser Tat wurde niemand getötet! Die Boxer haben den Aufstand meiner Meinung nach äußerst gerecht geführt, Sachbeschädigungen sind entschuldbar,.... die Morde danach leider nicht mehr. Du schreibst unter anderen: "Der Begriff "Boxer" hat in dem Kontext übrigens nichts mit KK ansich zu tun sondern kam einzig und allein durch den Namen der Geheimgesellschaft "Fäuste der Gerechtigkeit" zustande... ...Was nun diese "Boxer" anbelangt , die sich vor allem aus stark im Geisterglauben verwurzelten volksdaoistischen Sekten der nordchinesischen Geheimbünde des "weißen Lotos" (die hatten im Gegensatz zum Selbstverständnis der südchinesischen Triaden nix mit nem Shaolinkloster zu tun ) rekrutierten,..." Das sehe ich anders, die Boxer gingen wirklich auf den "weißen Lotos" und die "Yi He Tuan" zurück, die aber allesamt in der Tradition der Shaolin standen. Nach der Zerstörung des Klosters und dem Verbot der Kampfkünste in der Öffentlichkeit organisierten sich nunmal viele weltliche und auch buddh./taoist. Kampfkünstler in den sogenannten Geheimbünden. Man vermutet ja Heute sogar, dass das Kloster teilweise als Ausbildungsstätte für die revolutionären, antifeudalen und anti-christlichen Aufständler diente.... |
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