Kampfkunst-Board

Zurück   Kampfkunst-Board > Kampfkünste / Kampfsportarten > Chinesische Kampf- und Bewegungskünste > Kung Fu, Wushu, Kuoshu Sanda, Lei Tai

Kung Fu, Wushu, Kuoshu Sanda, Lei Tai Alles rund um's "Waijia" von der Tradition bis zur Moderne



Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #16  
Alt 09-03-2017, 18:12
Moderator
Kampfkunst: Liechtenauer, Taijiquan & komisches Zeug
 
Registrierungsdatum: 10.12.2004
Ort: Nahe Bonn
Alter: 37
Beiträge: 3.566
Blog-Einträge: 1
Standard

Die Geschichte ist bei einigen Stilen das einzige Mittel, um ein reverse-engineering durchzuführen - soweit möglich - und dadurch kann man bestimmte Einflüsse voneinander trennen. Man kann sich immer mal zu jedem Stil fragen "was war die erste Idee dahinter?". Oder was hat den ersten Praktiker des Stiles so hervorgehoben, dass andere ihm(oder ihr) gefolgt sind? Und dann kommt noch hinzu - warum dies und jenes verändert, adaptiert etc wurde.

In jedem Kampfkunst Stil, der schon ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel hat, gibt es Einflüsse aus:

-Kriegswesen
-Duellwesen
-Zivile Selbstverteidigung
-Sport bzw öffentliche Kämpfe
-Folkloristische Elemente
-religiöse/spirituelle Elemente

Das findet sich mit der Zeit überall. Dann wird auch ein ggf (Natur)philosophischer Unterbau (der sich mit der Zeit auch gerne mal wandelt) und einige Praktiken besonders hervorhebt bzw andere mal ausblendet.

Mir hat das beim Liechtenauer System und beim Xing Yi in der Praxis sehr geholfen. Beim Taiji leider weniger. Das ist bekanntermassen unverfolgbar obskur.

Gruss, Thomas
__________________
Erschrickstu gern / keyn fechten lern
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
Werbung
  #17  
Alt 10-03-2017, 11:41
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: HEMA, Karate (inaktiv)
 
Registrierungsdatum: 24.01.2014
Alter: 32
Beiträge: 1.848
Standard

Zitat:
Zitat von T. Stoeppler;3565417mal ausblendet.

Mir hat das beim Liechtenauer System und beim Xing Yi in der Praxis sehr geholfen. Beim Taiji leider weniger. Das ist bekanntermassen unverfolgbar obskur.

Gruss, Thomas


Tai Chi scheint ja generell ein sehr komplexes und nur schwer zu verstehendes Thema zu sein. Zumindest für mich. Selbst bei der rein historischen Betrachtung der Dinge ist alles andere als leicht einen klaren Überblick zu bekommen.

Dein Versuch das theoretische Wissen mit dem praktischen Wissen, das ich aus meinem Üben von Yang TC (nur gesundheits orientiert ohne Anwendungen) bekommen habe, habe ich gar nicht erst versucht.

Sorry für das OT. Dir ist es also Gelungen das Wissen aus den Lichtenauer Versen in dein praktisches Üben zu integrieren?

Falls ja Respekt, die Verse sind ja recht blumig geschrieben..

Geändert von karate_Fan (10-03-2017 um 15:54 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #18  
Alt 10-03-2017, 12:27
Benutzerbild von beniwitt
KKB-Userstatus: Intermediate
Kampfkunst: ;-)
 
Registrierungsdatum: 07.08.2007
Ort: Allgäu
Alter: 39
Beiträge: 429
Standard

Zitat:
Zitat von T. Stoeppler Beitrag anzeigen
Die Geschichte ist bei einigen Stilen das einzige Mittel, um ein reverse-engineering durchzuführen - soweit möglich - und dadurch kann man bestimmte Einflüsse voneinander trennen. Man kann sich immer mal zu jedem Stil fragen "was war die erste Idee dahinter?". Oder was hat den ersten Praktiker des Stiles so hervorgehoben, dass andere ihm(oder ihr) gefolgt sind? Und dann kommt noch hinzu - warum dies und jenes verändert, adaptiert etc wurde.

Mir hat das beim Liechtenauer System und beim Xing Yi in der Praxis sehr geholfen. Beim Taiji leider weniger. Das ist bekanntermassen unverfolgbar obskur.
Auf alle Fälle spannend und wird bestimmt auch immer wieder von kleinen Erfolgserlebnissen und einem tieferen Verständnis der Materie belohnt werden. Doch macht so ein Forschen auch erst wirklich Sinn, wenn man schon ein gewisses handwerkliches Grundwissen und Können mit sich bringt. Sonst kann man zu solchen Quellen oft kaum einen konkreten Bezug herstellen.

Deswegen find ich es meiner Meinung nach einfach wichtig nicht beides direkt zu vermengen und Geschichte/Tradition nicht zu einer Voraussetzung zum eigentlichen Verständnis eines Stils zu erheben.
Sinn des Trainings und Idee von bestimmten Übungen erschliessen sich nicht aus historischer Einordnung, sondern richten sich als allererstes nach der Zielsetzung des Praktizierenden.
__________________
https://www.benjamin-witt.com
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #19  
Alt 10-03-2017, 15:47
Moderator
Kampfkunst: Liechtenauer, Taijiquan & komisches Zeug
 
Registrierungsdatum: 10.12.2004
Ort: Nahe Bonn
Alter: 37
Beiträge: 3.566
Blog-Einträge: 1
Standard

Hi Karate_Fan

Zitat:
Zitat von karate_Fan Beitrag anzeigen
Sorry für das OT. Dir ist es also Gelungen das Wissen aus den Lichtenauer Versen in dein praktisches Üben zu integrieren?
Ja auf jeden Fall - passt alles auch ganz gut. Natürlich ist das wie immer eine Interpretationssache; mit den Jahren (ich habe damit ungefähr 2002 so angefangen) sieht man das auch hin und wieder etwas anders.

@Beniwitt
Sehe ich genauso. Handwerk ist Handwerk, ohne geht's halt nicht. Wenn man jetzt aber z.B. ein Stilmonstrum wie z.B. Pek Kwar oder so hat, da wird's dann schon interessant in welchem Kontext was wo wie eingefügt wurde. Dann kann man das System eben auch als gut sortierte Bibliothek sehen, wenn man so will.

Wenn man jetzt z.B. sich das Xing Yi Quan anguckt, dessen Entwicklung von Basisdrills bishin zu den deutlich komplexeren heutigen Systemen mit verschiedensten Neigongeinflüssen - da kann man schon schauen, was man wo braucht. Manchmal gibt's spannende bzw eigentlich logische Paralellentwicklungen (Xing Yi´5 Elemente & Liechtenauers 5 Haue).

Gruss, Thomas
__________________
Erschrickstu gern / keyn fechten lern
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #20  
Alt 13-03-2017, 10:33
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 39
Beiträge: 4.287
Standard

Sicher ist Kämpfen Handwerk, aber bestimmte Dinge sind in einen größeren Überbau eingebettet und es kann nicht schaden zu verstehen wie einige Anweisungen zu verstehen sind. Klar, der Lehrer erklärt es und gibt einem den Kontext, aber ich zumindest bin gewohnt wichtige Dinge noch einmal selber zu erarbeiten und das Gesagte/Gehörte darin zu integrieren.
Ist wie eine Vorlesung. Man hört etwas, muss es aber dennoch selber lernen. Dazu braucht man, neben der Vorlesung, noch ein Buch und vor allem natürlich Übungen um das Gelernte zu verstehen und zu festigen.

Ist wie mit Anatomie.
Man hört die Vorlesung beim Prof. (Lehrer), man hat die Übungen (Präperationskurs) mit den Tutoren (fortgeschrittenen Schülern), bei dem der Prof immer mal wieder vorbeikommt und hilft. Man hat das Eigenstudium am Präparat und man hat das eigenständige Lernen der Theorie.
Präparieren ist Handwerk, so wie operieren (ist halt präparieren am Lebenden), aber ohne das richtige theoretische Wissen wird es schwer wirklich weit zu kommen.

Nimm folgendes:
Zitat:
The Tao gives birth to One.
One gives birth to Two.
Two gives birth to Three.
Three gives birth to all things.

All things have their backs to the female
and stand facing the male.
When male and female combine,
all things achieve harmony.

Ordinary men hate solitude.
But the Master makes use of it,
embracing his aloneness, realizing
he is one with the whole universe.
Tao Te Ching, Kapitel 42

und das hier:



Wie willst du daraus effektives Kämpfen generieren wenn du die Theorie und den Kontext dazu nicht kennst?

Es ist extrem wichtig zu verstehen wo diese Dinge entstanden sind und wofür sie stehen. Der Lehrer kann das natürlich erklären (tut er auch) aber das heißt nicht dass du es verstehst, dazu musst du dich damit selber beschäftigen.

Die beiden o.g. Dinge sind absolut essentiell für das Bagua, aber ohne den historischen Kontext kann man es nicht verstehen, geschweige denn in einem Kampf anwenden...
Was für Leute früher "Allgemeinwissen" war ist für einen Europäer des 21. Jhd. sehr sehr weit weg...

Es gibt einen Grund warum die Chinesen lange geglaubt haben Westler könnten ihre KK nicht verstehen, das war nicht nur Nationalismus.

Versteht mich nicht falsch, so etwas sind keine Dinger mit denen man sich am Anfang befassen muss! Ich denke nur je weiter man geht und je ernsthafter man es betrachtet, desto wichtiger wird es.

Grüße

Kanken

Geändert von kanken (13-03-2017 um 10:59 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #21  
Alt 13-03-2017, 11:07
Benutzerbild von beniwitt
KKB-Userstatus: Intermediate
Kampfkunst: ;-)
 
Registrierungsdatum: 07.08.2007
Ort: Allgäu
Alter: 39
Beiträge: 429
Standard

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Tao Te Ching, Kapitel 42

und das hier:



Wie willst du daraus effektives Kämpfen generieren wenn du die Theorie und den Kontext dazu nicht kennst?

.......

Die beiden o.g. Dinge sind absolut essentiell für das Bagua, aber ohne den historischen Kontext kann man es nicht verstehen, geschweige denn in einem Kampf anwenden...
Könntest du das vielleicht ein wenig konkretisieren in wie fern du aus den beiden oberen Zitaten aus welchem Kontext auch immer effektives Kämpfen generieren kannst und wie es für das Bagua essentiell ist. Ich kann das bei bestem Willem nicht ganz nachvollziehen?

Grüße

Beni
__________________
https://www.benjamin-witt.com
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #22  
Alt 13-03-2017, 11:16
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 39
Beiträge: 4.287
Standard

Die beiden Dinge enthalten die Quintessenz dessen, was ich momentan im Bagua kann und kenne.
Für mich sind es sehr konkrete Anweisungen für den Kampf. Das zu erläutern wäre aber sehr komplex und gehört auch nicht in die Öffentlichkeit.
Es war nur ein Beispiel für etwas was man nur im historischen Kontext verstehen kann.

Grüße

Kanken
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #23  
Alt 13-03-2017, 13:19
Benutzerbild von Doc Norris
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Blinden den Stock wegnehmen
 
Registrierungsdatum: 25.07.2011
Ort: "Fast" am "Weißwurstäquator"
Beiträge: 3.604
Standard

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Mich würde mal interessieren in wie weit in Euren Schulen und Traditionen auf die Geschichte des Stils und der Techniken eingegangen wird und erklärt wird was man anRitualen warum macht, bzw. wo diese Dinge herkommen. ...
Das Interessiert bei uns keinen.

Persönlich sehe ich das wie mein Trainer. Obwohl er sich mit der Geschichte und Tradition des Karate auseinandergesetzt hat, sieht er das Philosophie und Geschichtszeug vielmehr als Hobby für alte Leute.

Aus diesem Grund hebe ich mir das Zeug auch für das "Alter" auf. Wer weiß, vielleicht interessiert es mich dann ja mal.

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
...
Der Hintergrund ist der, dass ich von Anfang meiner KK-Laufbahn an "gezwungen" würde mich mit der Geschichte und dem "Warum?" auseinanderzusetzen.
...
Das ist in der Tat übel.
__________________
Zitat.: ciws
"Ja, weil gegen MMAler niemand eine Chance hat. Die vergiften unser Trinkwasser und fressen Nachts unsere Kinder."
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #24  
Alt 13-03-2017, 15:36
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 39
Beiträge: 4.287
Standard

Zitat:
Zitat von Doc Norris Beitrag anzeigen
Das ist in der Tat übel.
Och, das hat mir viel Scheiß erspart und mich letztendlich zu meinem jetzigen Lehrer gebracht. Es kann einen schlimmer treffen...

Man kann gestandene Karateka immer schön durcheinander bringen wenn man sie nach dem Ursprung ihrer "HJ-Uniform" fragt (das war nämlich durchaus auch ein Gedanke von Kano und dem DNBK...) und was Grundschulgymnastik nach preußischem Vorbild mit militärischen Drill nach "Sgt. Yabu" mit dem zu tun haben für das der friedliche "Budo" (Achtung Ironie!) steht...

Schau Dir an wo mangelndes Wissen und Verständnis dessen, was man da tut, das Karate hingeführt hat. Wir viele Leute glauben noch immer die Mär vom Waffenverbot auf Okinawa und dem unbewaffneten Kampf von Bauern gegen die bösen Satsuma?
Daraus werden dann solche dummen Gedanken wie "Kyusho" geboren.

Wie viele Leute halten auch heute noch das ganze moderne Wushu-Gedöns für authentische KK und "Shaolin" für die Wiege der chinesischen KK?

Grüße

Kanken

Geändert von kanken (13-03-2017 um 15:45 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #25  
Alt 13-03-2017, 17:51
Benutzerbild von Doc Norris
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Blinden den Stock wegnehmen
 
Registrierungsdatum: 25.07.2011
Ort: "Fast" am "Weißwurstäquator"
Beiträge: 3.604
Standard

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
...

Man kann gestandene Karateka immer schön durcheinander bringen wenn man sie nach dem Ursprung ihrer "HJ-Uniform" fragt (das war nämlich durchaus auch ein Gedanke von Kano und dem DNBK...) und was Grundschulgymnastik nach preußischem Vorbild mit militärischen Drill nach "Sgt. Yabu" mit dem zu tun haben für das der friedliche "Budo" (Achtung Ironie!) steht... ...
Das der Weg des Kriegers wenig mit "friedlichem parlieren" zu tun hat, kann man sich mit einem Minimum an "Verstand" auch so erschließen - heißt ja immerhin "Weg des Kriegers" und nicht des "Schwätzers".

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
... Schau Dir an wo mangelndes Wissen und Verständnis dessen, was man da tut, das Karate hingeführt hat. Wir viele Leute glauben noch immer die Mär vom Waffenverbot auf Okinawa und dem unbewaffneten Kampf von Bauern gegen die bösen Satsuma?
Daraus werden dann solche dummen Gedanken wie "Kyusho" geboren. ...
Naja, ohne die betreffenden Personen wäre die KK-Welt ziemlich langweilig. Man muss ja schließlich über irgendwas lachen können. Die Jungs und Mädels haben jedenfalls einen guten Unterhaltungswert.

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
...
Wie viele Leute halten auch heute noch das ganze moderne Wushu-Gedöns für authentische KK und "Shaolin" für die Wiege der chinesischen KK?

Grüße

Kanken
Das Problem ist doch vielmehr, dass es schön anzusehen ist und mystisch verkauft wird. So dass der Eindruck entsteht, dass dem so sein. Den Leuten, die auf so perfekte Inszenierungen hereinfallen, kann man also nicht wirklich einen Vorwurf machen. Der Zauberer im Zirkus und dessen Tricks wirken immerhin auch "echt", obwohl man eigentlich weiß, dass dem nicht so ist.
__________________
Zitat.: ciws
"Ja, weil gegen MMAler niemand eine Chance hat. Die vergiften unser Trinkwasser und fressen Nachts unsere Kinder."

Geändert von Doc Norris (13-03-2017 um 17:56 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #26  
Alt 13-03-2017, 19:01
Gast
Gast
Kampfkunst:
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Ist wie mit Anatomie.
Man hört die Vorlesung beim Prof. (Lehrer), man hat die Übungen (Präperationskurs) mit den Tutoren (fortgeschrittenen Schülern), bei dem der Prof immer mal wieder vorbeikommt und hilft. Man hat das Eigenstudium am Präparat und man hat das eigenständige Lernen der Theorie.
Präparieren ist Handwerk, so wie operieren (ist halt präparieren am Lebenden), aber ohne das richtige theoretische Wissen wird es schwer wirklich weit zu kommen.
Ist für einen guten Chirurgen auch notwendig, sich in Medizingeschichte auszukennen?
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #27  
Alt 13-03-2017, 19:16
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 39
Beiträge: 4.287
Standard

Ist zumindest ein Pflichtfach im 2. Staatsexamen gewesen...

Grüße

Kanken
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #28  
Alt 13-03-2017, 22:44
Benutzerbild von beniwitt
KKB-Userstatus: Intermediate
Kampfkunst: ;-)
 
Registrierungsdatum: 07.08.2007
Ort: Allgäu
Alter: 39
Beiträge: 429
Standard

Aber es gibt einen eigenes Institut für Medizingeschichte.... Das hat erst mal nichts mit dem Medizinstudium (entspricht Handwerk) an sich zu tun. Auch wenn man in letzterem vielleicht etwas Medizingeschichte streift.

Das ist ungefähr so, wie wenn ich von meinem Lehrer erzählt bekomme, dass Xingyi aus Xinyi entstanden ist und auf Shaolin, Yuefei oder sonst jemanden zurückgeht. Ob ich nun weiss, ob und wie sich Xinyi Techniken im Xingyi gewandelt haben und was und ob Wang Xiangzhai z.B. daraus wiederum gemacht hat, ist erstens kaum wirklich nachzuvollziehen und zweitens geht es einfach am eigentlichen Kern der Kampfkunst vorbei. Das ist von einem Lehrer vermittelt zu bekommen wie ich die Grundelemente der Kampfkunst sinnvoll und effektiv trainieren kann, gemäß einer Zielsetzung. Stell Dir mal vor jeder MMA-Kämpfer müsste erstmal die ganze Geschichte all der Stile die es seit der Entstehung des MMA inzwischen gibt studieren um ein wirklich erfolgreicher und überragender Kämpfer zu werden....

Wie gesagt, natürlich kann es spannend sein irgendwann mal Überlegungen und Nachforschungen anzustellen wie sich das evtl alles entwickelt hat und warum es heute so ist wie es ist. Aber das ist eine ganz andere Fragestellung.

Man erwartet z.B. auch nicht von einem Trainer, dass er mal Hochleistungssportler war und Goldmedaillen gewonnen hat. Tatsächlich sind die meisten Trainer nicht zwingend erfolgreiche Hochleistungssportler gewesen und anders herum wird ein erfolgreicher Hochleistungssportler nicht zwingend ein guter Trainer sein. Ganz einfach weil Handwerk bzw. Hochleistung und Forschung erstmal zwei Wege sind, welche zwar gewisse Kreuzungspunkte haben, aber nicht zwingend mit einander verwoben sind.

Versteh mich nicht falsch, ich finde deinen Ansatz ja prinzipiell sehr gut und sinnvoll, aber ich würde das nicht alles so ohne Unterscheidung in einen Topf schmeissen. Vor allem vor dem Hintergrund wenn man TCMA als ernsthafte KK verstehen will und wie du ja immer wieder betonst im Kontext von brutaler Gewalt. Einen guten Kämpfer kann man ausbilden ohne viel historisches Wissen und den Kontext. Jedoch kann es definitiv im Laufe der Zeit bereichernd sein über den Tellerrand hinauszuschauen und versuchen das gelernte aus einem historischen Kontext heraus zu verstehen.
__________________
https://www.benjamin-witt.com
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #29  
Alt 15-03-2017, 12:41
Benutzerbild von Gong Fu
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Qi Xing Tanglang Quan, Caique Jiu Jitsu, Piper, Libre Fighting
 
Registrierungsdatum: 17.01.2004
Beiträge: 2.446
Standard

Ich persönlich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Man sollte sich zusätzlich auch mit der Sprache und den Märchen/Legenden beschäftigen.
Nur so machen Quanpu wirklich einen Sinn.
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #30  
Alt 19-03-2017, 10:41
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 39
Beiträge: 4.287
Standard

Zitat:
Zitat von beniwitt Beitrag anzeigen
Einen guten Kämpfer kann man ausbilden ohne viel historisches Wissen und den Kontext. Jedoch kann es definitiv im Laufe der Zeit bereichernd sein über den Tellerrand hinauszuschauen und versuchen das gelernte aus einem historischen Kontext heraus zu verstehen.
Das stimmt, bestimmte Dinge kann man ohne ein historisches Verständnis entwickeln, aber ich wüßte nicht wie man z.B. Bagua tiefer verstehen könnte wenn man so etwas:







nicht zumindest schon einmal gesehen hätte (ja, ich weiß, das ist weit vor Dong Haichuang).

Wie will man das "Wechseln" im Bagua wirklich verstehen wenn man das DaoDeJing, bzw. zumindest die Ideen aus ihm, nicht kennt?

Wer Kämpfen auf reines Handwerk reduziert, der wird niemals über Oberflächlichkeiten hinauskommen. Sicher, Kämpfen ist AUCH Handwerk, ohne das macht KAMPFkunst keinen Sinn. Es ist aber eben auch sehr sehr viel mehr und wenn man dieses mehr Kennenlernen will, dann muss man sich auch mit der Geschichte und dem Kontext beschäftigen.

Nimm ein weiteres Beispiel:

Zitat:
Partial means whole
crooked means straight
hollow means full
worn-out means new
Dao De Jing Vers 22

Wie will man die Ideen von wechselnden Zentren oder "öffnen und Schließen" (um mal ein Thema aus einem anderen Faden hier aufzunehmen) lernen umzusetzen, wenn man all diese Dinge nicht vor Augen hat und die Theorie dazu nicht kennt?

Sicher, am Anfang lernt man erst einmal nur die reine äußerliche Motorik, was bewegt sich wie, wo etc. aber wirkliches Verständnis kann, meiner Meinung nach, erst entstehen wenn man die zugrundeliegenden IDEEN kennt und versteht.
Ich wüßte nicht wie ich "Öffnen" und "Schließen", bzw. die Zentren, ohne die kulturspezifische Ideen erklären sollte, jedenfalls ab einem gewissen Punkt.
Am Anfang sind das banale Übungen, bei denen man nix von irgendwelchen Hintergründen erwähnt. Es ist handwerkliches Üben, aber wenn man ab einem gewissen Punkt anfängt Dinge zusammenzuführen, dann wird es interessant und dann brauche ich eben mehr Theorie und diese ist eingebettet in einen konkreten Kontext (jedenfalls so wie ich es lerne).
Die Kunst besteht, in meinen Augen, darin diesen Kontext in unsere heutige Zeit und heutiges Weltbild zu übertragen, bzw. einzubetten.

Noch einmal: Für das reine Handwerk brauche ich das nicht, aber das ist irgendwann limitiert. Das sind Techniken, die ggf. hoch effektiv sind, keine Frage. Wenn man aber auf die Prinzipien zurückgeht, dann kommt man um den Kontext nicht drum herum.

Ich brauche den Kontext nicht um ein annehmbares Niveau im Kämpfen zu kriegen, ich brauche ihn jedoch um irgendwann weiter zu kommen, um wirklich die Kunst zu verstehen (was auch das Kämpfen wiederum effektiver macht).
Wie willst du mit deinen "Sehnen die Sterne ziehen" oder "das Universum bewegen" wenn du nicht weißt (und verstehst) in welchem Kontext solche Lehrsprüche getätigt wurden?
Ohne das Verständnis um die konkrete körperliche Übung zu solchen Sprüchen kommt nur esoterischer Quatsch bei raus, man muss auch wissen wie man das im Kampf konkrete umsetzt, dazu ist das Handwerk GRUNDVORAUSSETZUNG.
Diese Ideen, diese Prinzipien sind "das Studium" was AUF DEM HANDWERK aufbaut.

"Lebendige" Kampfkunst bedeutet für mich diese Ideen und diese Sprache in unseren heutigen Kontext zu übertragen, sie mit unserem Verständnis auszudrücken.

Grüße

Kanken

Geändert von kanken (19-03-2017 um 11:24 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
Antwort


Dieses Thema betrachten zurzeit 1 Personen. (0 registrierte Benutzer und 1 Gäste)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An
[IMG] Code ist An
HTML-Code ist Aus
Trackbacks are Aus
Pingbacks are Aus
Refbacks are Aus

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten Letzter Beitrag
Shen Yun Sektion über Geschichtliche Hintergründe shin101 Off-Topic Bereich 0 24-11-2011 10:40
Hintergründe der Türsteherkriege Perrito loco Security 21 04-04-2008 15:47
Türsteherkrieg in Leipzig/Hintergründe Perrito loco Security 12 10-03-2008 18:20
Einstellung und Hintergründe thomas-- Kung Fu, Wushu, Kuoshu Sanda, Lei Tai 11 29-07-2005 16:33



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 01:00 Uhr.

Powered by vBulletin Version 3.8.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.0 ©2009, Crawlability, Inc.