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  #1  
Alt 28-12-2010, 14:44
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Standard Einstiege und Infight im Messerfechten

Hi Leute,
ich habe mal eine Frage an alle Leute hier, die sich mit Messersparring beschäftigen.

Wir haben im Training festgestellt (wie eigentlich erwartet), dass es gegen einen geübten Messerfechter extrem schwierig ist, einen Einstieg hinzubekommen, wie er typischerweise in den allermeisten KKs gelehrt wird (Stichwort Halbdistanzdrills). Der Gegner schafft es praktisch immer sein Messer wieder aus dem Check/aus der Parade rauszubekommen oder sein Distanzverhalten lässt einen Einstieg von vorneherein gar nicht zu.

Aufgekommen ist das Thema bei uns im Sparring neulich, weil wir mit Helmen und Handschuh an der linken Hand trainiert haben um zu simulieren, dass man ja auch von der linken Hand geschlagen werden kann. War aber im bisherigen Sparring ein Trugschluß, weil in 99% der Gefechte, niemand so nah kam, dass man mit der linken Hand hätte schlagen können.

Wie sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Wie stark ist nach eurer Erfahrung der Einfluß der getragenen Schutzausrüstung auf das Kampfverhalten?

Zur Erläuterung: Wir sparren normalerweise mit Holzmessern, Augenschutz und Schienbeinschonern. Es ist absolute Priorität, selbst nicht getroffen zu werden. Erst an zweiter Stelle kommt, den Gegner zu treffen.

Geändert von Jadetiger (28-12-2010 um 14:53 Uhr).
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  #2  
Alt 28-12-2010, 15:53
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@Mod
Ups, hab gerade gesehen, dass ich den Thread im falschen Forum aufgemacht habe. Verleg ihn bitte ins "Waffen"-Forum. Danke!
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  #3  
Alt 29-12-2010, 00:32
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Zitat:
Zitat von Jadetiger Beitrag anzeigen
weil in 99% der Gefechte, niemand so nah kam, dass man mit der linken Hand hätte schlagen können
das ist logisch, weil ihr ja nicht so trainiert, dass einer (oder beide) den unbedingten "tötungswillen" haben, also auf teufel komm raus körper- oder hals-/kopftreffer landen will. da ist doch keiner so "doof", aus der largo distanz raus und in die richtig gefährliche zone reinzugehen.
wenn wir das trainieren (bei erstbester gelegenheit entsprechende treffer landen zu wollen), dann gibt es meist massiv mit der freien hand auf die glocke. unter diesen bedingungen (bedingtes sparring, aufgabe: lethale treffer und nicht nur hände ritzen) ist auch ein check mit konter immer wieder mal drinn.
es liegt halt in der natur der sache: will man sich nicht ernsthaft verletzen, sollte man auf distanz bleiben und allenfalls den "anfliegenden" waffenarm kontern. was heißt das für die "realität"? im grunde, dass, wenn sich zwei menschen mit messern in einer duellsituation befinden, mit entsprechendem raum zwischen sich,bevor es losgeht, beide gar nicht "richtig" kämpfen wollen, weil das lebensgefährlich wird. man muss dafür ja "reingehen". wenn das aber keiner will, warum dann das duell? das ist die theorie der abschreckung in anwendung. zwei gleich hochgerüstete, die sich auf distanz belauern und besser nix anfangen, weil man selbst bei nem angriff drauf gehen würde.

was anderes sind "überfallartige" messerattacken aus halb- oder nahdistanz. da ergibt sich nur das problem, dass der überfallene ja nicht mit nem gezogenen messer durch die gegend läuft, also erst einmal waffenlos abwehren und distanz schaffen muss, um sein messer zu ziehen. und dann ist man wieder in einer art duellsituation...

reingehen im zuge eines konters (evtl. inklusive checking hand und ähnliches) ist also etwas, das nur zustande kommen kann, wenn der "aggressor" wirkliche "tötungsabsicht" hat und dabei auf seine eigene sicherheit pfeift, weil ihm sein ziel (abstechen) wichtiger ist. da muss also, wie in echt, einer so richtig in rage sein. das kann man aber nur trainieren, wenn man eben nicht sagt: alles tun, um nicht getroffen zu werden, sondern: "alles tun, um lethal zu treffen". clever als defensivstrategie ist das nicht, aber man braucht halt unbedingt zumindest eine person, die das durchzieht, sonst bleibt man immer im, wie du richtig sagst, "messerfechten", man bleibt in der langen distanz und keiner will es wagen...
außerdem: in "echt" würden die treffer auf die hand zb. körperliche reaktionen hervorrufen, die evtl. den entry ermöglichen, nur ist das mit schutzausrüstung wohl kaum gut genug zu simulieren und wer will schon "echt" kämpfen,nur um mal auszuprobieren, wie das "richtig" abläuft...

das ist halt das problem mit den ganzen messersachen....
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  #4  
Alt 29-12-2010, 08:35
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Damit wäre das Trainingsziel ja klar.
Partner 1 : lethale Treffer (ohne Rücksicht auf Verluste), mal technisch sauber, dann plump und brachial
Partner 2 : so wenig Treffer wie nötig kassieren; Konter, wo möglich
(ohne Treffer/Schnitte ist schlicht unrealistisch)
__________________
Der Glaube versetzt Berge und verschüttet dabei
nicht selten die Toleranz. © Prof. Michael Marie Jung

Geändert von Daimyo (29-12-2010 um 08:38 Uhr).
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  #5  
Alt 29-12-2010, 11:13
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Danke ambasaal! Gute Analyse der Situation.

Zitat:
Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
was anderes sind "überfallartige" messerattacken aus halb- oder nahdistanz.
Sowas üben wir nur ab und an mal zur Abwechslung. Ich trainiere ja Messerfechten als Duellkunst. Nicht SV.

Zitat:
Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
außerdem: in "echt" würden die treffer auf die hand zb. körperliche reaktionen hervorrufen, die evtl. den entry ermöglichen, nur ist das mit schutzausrüstung wohl kaum gut genug zu simulieren und wer will schon "echt" kämpfen,nur um mal auszuprobieren, wie das "richtig" abläuft...

das ist halt das problem mit den ganzen messersachen....
Die Körperliche Reaktion gibt es bei uns schon, da wir mit Holzwaffen und ohne Handschutz fechten. So kann man in der Tat eine Einstiegsmöglichkeit für einen letalen Treffer erzeugen!

Sparrt ihr auch ab und zu ohne "Tötungswillen"? Also als Duell aus der Largo Distanz?
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  #6  
Alt 29-12-2010, 11:59
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Es sollte kein Sparring geben, ohne den Willen, den anderen entscheidend zu treffen - das ist Zeitvergeudung, da dem Sparring die Schärfe abkommt. Es geht aber darum, einen entscheidenden Treffer anzubringen, ohne dabei selbst entscheidend getroffen zu werden. Und das ist eben die Schwierigkeit am Messerkampf bzw. am Fechten per se.

Da kann es schon vorkommen, wenn beide Kontrahenten über die nahezu gleichen Fertigkeiten verfügen, dass erst einmal lange so gut wie nichts passiert.

R.
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"Wenn ich nach Berlin reise, wenn ich nach London fahre, wenn ich nach Paris fahre oder nach Madrid, finde ich Neapel. Das Schicksal dieser Städte ist es, Neapel zu werden." Curzio Malaparte

Geändert von roberto (29-12-2010 um 12:21 Uhr).
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  #7  
Alt 29-12-2010, 14:32
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Zitat:
Zitat von roberto Beitrag anzeigen
Da kann es schon vorkommen, wenn beide Kontrahenten über die nahezu gleichen Fertigkeiten verfügen, dass erst einmal lange so gut wie nichts passiert.
Ja, ich habe auch festgestellt, dass sich bei meinen Schülern mit zunehmender Übung die Phase des Abtastens immer länger wird. Man kreist in weiter Mensur, liest das Verhalten des Gegners, lauert auf eine Lücke oder auf einen Moment der Unaufmerksamkeit. Optisch passiert da nicht viel aber zwischen den Kontrahenten baut sich ein extrem starkes Spannungsfeld auf.
Sehr gut kann man sowas auch sehen bei Kendoturnieren mit hochrangigen Kämpfern (All Japan kendo 8 dan tournament 1999 Clip 1).
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  #8  
Alt 29-12-2010, 14:48
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Zitat:
Zitat von Jadetiger Beitrag anzeigen
da wir mit Holzwaffen und ohne Handschutz fechten.
autsch! das hatte ich überlesen.

Zitat:
Zitat von Jadetiger Beitrag anzeigen
Sparrt ihr auch ab und zu ohne "Tötungswillen"? Also als Duell aus der Largo Distanz?
ja, sogar hauptsächlich, weil es für einen einstieg in die verschiedenen sparring-spielchen am besten geeignet ist: largo verschafft gute beinarbeit, meidbewegungen und vor allem eben diese konfrontation mit der "realität" einer auseinandersetzung mit messern: genau die erwähnte vorsicht, die angst, reinzugehen, den respekt vor der waffe. außerdem ist es auch konditionell (wg. längeren wegen), flexibilitäts- (wg. meidbewegungen mit "zurückfederndern" kontern a la fechten u.ä.) und speed- fördernd.
ich teile den sparring-part des trainings meist in drei teile: largo (hände als ziel), largo mit dem ziel auch körpertreffer zu landen (zb. durch weit gestreckte "fechterische" stiche als konter) und eben spielchen, in denen es zumindest bei einer person um den unbedingten willen geht, in offensiver weise an körper (falls helm im spiel, auch an den kopf) "heranzukommen". manchmal wird das ganze noch mit nem boxhandschuh für die freie hand ergänzt und es darf damit reingeholzt werden, wenn's sich anbietet.
wir nutzen dabei übrigens gepolsterte übungsmesser mit stabiler klinge. da sind wir eher softies .

Zitat:
Zitat von Jadetiger Beitrag anzeigen
Ja, ich habe auch festgestellt, dass sich bei meinen Schülern mit zunehmender Übung die Phase des Abtastens immer länger wird. Man kreist in weiter Mensur, liest das Verhalten des Gegners, lauert auf eine Lücke oder auf einen Moment der Unaufmerksamkeit. Optisch passiert da nicht viel aber zwischen den Kontrahenten baut sich ein extrem starkes Spannungsfeld auf..
genau das! beim letzten sparring hab ich mich 3min. mit meinem trainingspartner "umkreist" und außer einigen fakes und mitten in der aktion abgebrochenen "überfällen" kamen insgesamt 2 treffer an der waffenhand, einer an der freien hand und ein stich in den bauch zustande. das war alles. sah aber bewegungsmäßig "cool" aus, hat man uns hinterher gesagt....

Geändert von amasbaal (29-12-2010 um 14:56 Uhr).
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  #9  
Alt 29-12-2010, 15:10
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Zitat:
Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
genau das! beim letzten sparring hab ich mich 3min. mit meinem trainingspartner "umkreist" und außer einigen fakes und mitten in der aktion abgebrochenen "überfällen" kamen insgesamt 2 treffer an der waffenhand, einer an der freien hand und ein stich in den bauch zustande. das war alles. sah aber bewegungsmäßig "cool" aus, hat man uns hinterher gesagt....
Ich habe genau das vor ein paar Wochen mit einigen fortgeschritteneren Schülern mal als Experiment zuerst mit Softknifes, dann mit Holz und dann mit Aluminium ausprobiert (immer ohne Schutzausrüstung, daher nur mit Fortgeschrittenen). Es war wirklich sehr faszinierend, wie stark sich das Adrenalinlevel und die daraus resultierende Wachheit unterschied.
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  #10  
Alt 29-12-2010, 23:19
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Ich empfehle mal mit freiem Oberkörper, die Augen komplett bedeckender Schutzbrille und 2-3 zusammengetapten brennenden Räucherstäbchen als Waffensimulator zu sparren.

Wer danach noch Bock hat, kann ja mal point d'arret's probieren.
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  #11  
Alt 29-12-2010, 23:41
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  #12  
Alt 30-12-2010, 12:40
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Zitat:
Zitat von Jörg B. Beitrag anzeigen
Ich empfehle mal mit freiem Oberkörper, die Augen komplett bedeckender Schutzbrille und 2-3 zusammengetapten brennenden Räucherstäbchen als Waffensimulator zu sparren.

du sadist.

.... aber endlich mal ne brauchbare alternative zu diesen hypermodernen, unbezahlbaren elektro-schockknives... und so schön altmodisch
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  #13  
Alt 30-12-2010, 13:38
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Also ich würd das ja jeden Tag trainieren, aber man kann da ja keine Klingenparaden anbringen. Das ist der einzige Grund...
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  #14  
Alt 30-12-2010, 13:38
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Zitat:
Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen

du sadist.
Ich? Sadist? Nicht doch!

Zitat:
Zitat von amasbaal Beitrag anzeigen
.... aber endlich mal ne brauchbare alternative zu diesen hypermodernen, unbezahlbaren elektro-schockknives... und so schön altmodisch
Eben!
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  #15  
Alt 30-12-2010, 13:45
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Zitat:
Zitat von Jadetiger Beitrag anzeigen
Also ich würd das ja jeden Tag trainieren, aber man kann da ja keine Klingenparaden anbringen. Das ist der einzige Grund...
Dann nimm point d'arret's.

18 mm dicken Hartholz-Dübelstab nehmen, auf Messerlänge kürzen und Kanten verrunden, in eine Stirnseite ein kleines, ca. 2 cm tiefes Loch bohren, einen etwas dickeren Nagel in das Loch hauen, weniger als 1 cm Überstand lassen, Kopf abzwicken, das herausschauende Stück vierkantig anschleifen und sauber polieren.

Dringt nicht weit ein, tut weh und man kann damit auch parieren.
Beim Wechsel zwischen Trainingspartnern desinfinzieren nicht vergessen.
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