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  #31  
Alt 21-12-2003, 09:02
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Ich glaube, ein grosses Problem beim Erkennen des JKD im Kampf ist doch immer noch das typische Schubladen-Denken, so wie du es hier auch beschreibst. Wenn WSL Boxen und Wing Chun erkannte, woran hat er es erkannt? An welcher Technik? Und warum sollte zum Beispiel ein Führhandschlag aus dem Boxen und nicht aus dem JKD kommen? Woran hat er welche Wing Chun Teile erkannt? Erkannte er den Unterschied zwischen Bruce Lees Interpretation des Wing Chuns und des JKDs?
Wenn ich zum Beispiel einen Dum Tek aus der JKD Struktur im Training mache, kommen ab und zu die Trainierenden , die früher Wing Chun gemacht haben, auf mich zu und sagen: "hey, das ist doch Wing Chun", eben weil es diese Technik auch im Wing Chun gibt. Aber es ist kein Wing Chun, weil die Struktur und die Plattform anders sind. Es wird aber, von jemanden, der dies so gelernt hat, als Wing Chun erkannt. Ich für meinen Teil habe daraus zwei Schlüsse gezogen:

a.) Man kann eine Kampfkunst nicht allein an den verwendeten Techniken erkennen.

b.) Da bestimmte Techniken in diversen Kampfkünsten verwendet werden, werden Kampfkünste, die anhand von Techniken "erkannt" werden sollen, leicht verwechselt.

JKD besteht aus Elementen aus dem Boxen und dem Wing Chun, gepaart mit einigen Prinzipien aus dem Fechten (aber alle diese Elemente gibt es vielleicht auch in anderen Kampfkünsten), verbunden mit einer JKD-typischen Struktur und JKD-typischen Prinzipien (die es auch vielelicht wieder in anderen Kampfkünsten gibt); JKD ist aber kein Wing Chun oder kein Boxen. Wenn jemand Wing Chun trainiert und Boxen und das dann kombiniert kommt er nicht zwangsläufig zum JKD.

Auf die JKD Plattform kann man bestimmte andere Elemente setzen, wenn diese notwendig sind. Das Ziel in der SV ist es, sicher nach Hause zu kommen. Das Ziel im Sport ist es, seinen Gegner zu besiegen. Beide Aufgaben erfordern unterschiedliche Strategien. Für beide Aufgaben kann man im JKD Elemente zur Problemlösung finden. Nur sind halt die Strategie und Mittel für beide Aufgaben unterschiedlich.

Grüsse
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Frank Burczynski - J.A.B. JKD Akademie Berlin + IMAG e.V. http://www.jkdberlin.de


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  #32  
Alt 21-12-2003, 13:13
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Stimme Franks posting 100% zu.

Die meisten Techniken der Kampfkünste (Kick, Punch, Knie usw.) findet man in fast allen Schulen und Systemen. Die Unterschiede liegen in der Trainingsmethode, Einstellung, Instructor Aufsicht/Betreung und tatsächlichen praktischen Anwendung des einzelnen Schülers. Sprich wenn zwei das Selbe machen ist das noch lange nicht das Gleiche

Zum ursprünglichen thread möchte ich sagen das man kein ergänzendes oder begleitendes Training benötig wenn man JKD lernen möchte. Noch ist es notwendig alles zu lernen was BL trainierte. Sonst müsste jeder Tai Chi und Cha Cha Schritte sowie Tam Toy und Hung Kuen Formen auch auf seinen Trainingsplan setzen. Keines dieser drei Dinge wird dein JKD besser machen.

Grüsse,

Bob Dubljanin
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  #33  
Alt 21-12-2003, 14:28
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Da muss ich aber auch nochmal meinen Senf dazu geben, auch wenn´s arg ketzerisch ist:

Wenn man JKD als reine "idee" sieht, dann kann (fast) alles JKD sein. Wenn powerside forward kein Kriterium für JKD (zwangsweise) ist, dann ok, let go. Wenn intercepting nicht zwangsläufig teil von JKD ist, ok then! Wenn vertical fist punches kein Teil von JKD sind, ok.

Selbst wenn man sagt, JKD sei das, was sich nach training von jun fan in einem entwickelt, ist das arg schwammig. Vielleicht traniere ich Jun Fan und dann später HK Ryu und das, was ich nachher mache ist dann vielleicht aufgrund persönlicher Präferenzen 15 % JKD, 85 HK Ryu aber dann als ganzes trotzem wieder JKD !?

Das ist doch alles Marketing-Scheiss! JKD ist JKD und keiner sagt was, wenn jemand was anderes macht, aber selbst die Professionells die hier posten haben VIEL Erfahrung in Grappling, Kali, Pentjak Silat und was auch immer, was Ihren "persönlichen" Stil beeinflusst...was ist es denn dann? Jun Fan? tailormade JKD?
Es ist auf alle Fälle nicht Bruce Lee´s JKD und auch nichts, was dem nahe kommt, technisch gesehen - sondern höchstens von der Grund Idee.
Brandon Lee sagte einmal, er käme sich dumm vor, im Interview zu sagen, er würde Jeet Kune Do machen, auch wenn er eine Menge Training darin erhakten hätte, er würd e sich wohler dabei fühlen zu sagen, das er versuchen würde seine eigene Version von dem zu machen was für seinen Vater JKD war.

Ich selbe mache auch kein JKD. Ich habe Training in Jun Fan, Karate und Wing Chun und HK Ryu und sollte ich in allen Sachen mal einen Trainergrad haben, kann ich GETRENNT alles unterrichten, aber wenn ich mische ist es kein JKD.

Selbst Inosanto sagt, wenn ein Drill nicht Jun Fan ist-

und eine Frage an Bob:

Wenn es Attribute schult, die man im JKD braucht, macht es Dein JKD nicht besser?
Boxer gehen Bäume fällen um einen guten bodymechanic für hook zu bekommen? Muss man deswegen um Boxen zu lernen Bäume fällen? Nein. Aber es verbessert Dein Boxen unter Umständen extrem.
Muss man um JKD Trapping zu lernen Wing Chun lernen? Nein. Trotzdem verbessert es Ausführung und Verständnis der close range fesseltchniken, bzw. des hitting with every movement extrem.
Wasmuss man tun?

"When you talk about combat, baby, you better train every part of your body"
BL

Wenn zum JKD kein ergänzendes Training notwendig ist, frage ich mich warum BL DI einen Fitnessplan gemacht hat, der nichts JKD-artiges beeinhaltete, nur stretching, krafttraining etc.

Klar, ich kann auch einem den lead puch mit dem entsprechenden waist twist und fallin step zeigen und "beibringen", wenn er nichts dazu macht wird er aber damit sooo schwach sein, das sein Gegenüber sich schüttelt und ihn dann auffrisst während little laughing JKD boy sich wundert, das sein Gegner nach dieser wissenschaftlichen, revolutionären Bruce Lee Jeet Kune Do Mega-Technik nicht KO gegangen ist, wo das doch eigentlich passieren sollte.

Geändert von JFJKDHKRYUBOXEN (21-12-2003 um 14:48 Uhr).
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  #34  
Alt 21-12-2003, 19:12
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Zitat
„Da muss ich aber auch nochmal meinen Senf dazu geben, auch wenn´s arg ketzerisch ist:“

Keine Sorge wir sind hier in ´nem guten Diskussionsforum und keiner Inquisitionskammer Teil uns einfach mit was Dir zum Thema auf dem Herzen liegt.


„Wenn man JKD als reine "idee" sieht, dann kann (fast) alles JKD sein. Wenn powerside forward kein Kriterium für JKD (zwangsweise) ist, dann ok, let go. Wenn intercepting nicht zwangsläufig teil von JKD ist, ok then! Wenn vertical fist punches kein Teil von JKD sind, ok.“

Wer ist „man“? Wer sieht JKD als reine Idee? Powerside forward, intercepting usw. sind JKD „Ideen“ die man durchaus OHNE irgendwelche Art von Wing Chun Training erlernen und anwenden kann.


„Das ist doch alles Marketing-Scheiss! JKD ist JKD und keiner sagt was, wenn jemand was anderes macht, aber selbst die Professionells die hier posten haben VIEL Erfahrung in Grappling, Kali, Pentjak Silat und was auch immer, was Ihren "persönlichen" Stil beeinflusst...was ist es denn dann? Jun Fan? tailormade JKD?“

Was jedem sein persönlicher Stil auch sein mag – diesen zu als DEN Weg zu unterrichten, ist das Schlammloch in das viele Kampfkunstlehrer treten. JKD bleibt JKD, nicht mehr und nicht weniger, wie Du es selbst sagst. Was andere Kampfkünste (Silat, Grappling usw.) jetzt mit unserem thread zu tun haben sollen verstehe ich nicht. Mein Punkt drehte sich ausschließlich um WC und JKD.


„Ich selbe mache auch kein JKD. Ich habe Training in Jun Fan, Karate und Wing Chun und HK Ryu und sollte ich in allen Sachen mal einen Trainergrad haben, kann ich GETRENNT alles unterrichten, aber wenn ich mische ist es kein JKD.“

Wer hat Dir erzählt, dass Du irgendwas „mischen“ solltest? Und wer erwartet das dann jkd dabei rauskommt?


„und eine Frage an Bob:

Wenn es Attribute schult, die man im JKD braucht, macht es Dein JKD nicht besser?
Boxer gehen Bäume fällen um einen guten bodymechanic für hook zu bekommen? Muss man deswegen um Boxen zu lernen Bäume fällen? Nein. Aber es verbessert Dein Boxen unter Umständen extrem.
Muss man um JKD Trapping zu lernen Wing Chun lernen? Nein. Trotzdem verbessert es Ausführung und Verständnis der close range fesseltchniken, bzw. des hitting with every movement extrem.
Wasmuss man tun?“

Mein Lehrer hat zu solchen Fragen einen guten Spruch: „You don´t go surfing – to get balance“. Wenn man seinen Haken verbessern möchte hakt man mehr. Period. Um einen besseren Fingerstich zu bekommen übt man den Fingerstich. Ich glaube nicht an diese Attribut Idee „dieses“ zu üben um „jenes“ zu bekommen. Spezialisierte sowie ergänzende Hilfsmittel und –methoden können sicherlich unterstützen aber haben den Stellenwert der richtigen Wahl des Griffbandes zum Tennischläger. Die richtigen Grundschläge und Spielpraxis sind wichtiger. Hierzu hat weiter oben Frank auch auf die Innovationen und Entwicklungen in der Sportwelt und allgemein und der Kampfkunst im besonderen hingewiesen. Eine kritische von Fall zu fall Analyse bringt die Resultate ob man etwas annehmen oder ablehnen sollte.


Abschließen möchte ich mit einem kleinen Auszug der neuen Webseite meines geschätzten JKD Kollegen David Carnell aus Stoke-On-Trent, England. Dave ist langjähriger JKD Lehrer und hat als ehemaliger WC Mann zur Definition von JKD folgendes zu sagen hat:


Many claims have been made over the years with regards to the proper definition of Bruce Lee's art of Jeet Kune Do. To some it is a process of "Change", others see it as just a form of "modified" Wing Chun, whilst many recognize Jeet Kune Do to be simply a mixture of various different elements from numerous fighting styles, all combined to hopefully, at a later stage form something meaningful to the individual concerned.

However ... There is but ONE definition of Jeet Kune Do (As stated by the Jun Fan Jeet Kune Do Nucleus) ...

"Jeet Kune Do is the complete body of technical (physical, scientific) and philosophical (mental, social and spiritual) knowledge, that was studied and taught by Bruce Lee during his lifetime. It is concerned solely and exclusively with Bruce Lee's personal evolution and process of self-discovery through the Martial Art, as supported by written record (personal papers and library) and oral recollections (by those students who spent time with and/or studied under him)."

A distinction is made between this body of work (Jun Fan/Jeet Kune Do), and the individual student's own personal process of self discovery through the martial art, as each student is free to use all, some or none of Bruce Lee's teachings to assist him !!. Jeet Kune Do accepts you as you are and is not about setting up restrictions or "Ways" of doing things - It seeks to be a source of inspiration and delight for those who possess an interest in Bruce Lee, and the martial viewpoints that he created.

Jeet Kune Do should be considered as the "Root" that was established by Bruce Lee, and NOT the ultimate goal of any practitioner, as students are expected to modify, add, and delete all aspects of Jeet Kune Do until they develop something that is uniquely their own (You the individual become, through this process of self-discovery your own best teacher).

Quelle: http://www.stevewan.co.uk/

Grüsse,
Bob Dubljanin
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  #35  
Alt 26-12-2003, 11:12
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Danke Bob,

war eine informative Antwort.
Das mit dem " you don´t go surfing to get balance" ist ein interessanter Standpunkt, den ich perönlich für mich aber nicht gut umsetzen kann.
Fängt bei Dingen wie beweglichkeit an, ich werde nicht beweglicher (als Beispiel) im Sidekick, wenn ich jeden Tag sidekicke, hab ich alles versucht, wohl aber durch gut durchdachtes stretching und krafttraining. Aber im Prinzip stimme ich Dir voll zu, grundsätzlich werden Schögäge natürlich durchs Schlagen an sich besser.

Wenn man JKD als das "komplette" alles das was Bruce Lee zeitlebens lehrte sieht, ist es dann nicht schade, das die allermeisten Schulen LA- JKD only lehren, schliesslich würde ja dann BL´s "modified wing chun" auch dazu zählen?
Denn, soweit ich weiss änderte sich zwar von jetzt auf gleich der Name zu JKD aber nicht radikal die Techniken und die einzelnen Schulen lehrten auch verschiedene Sachen?
Ist das, was Taky und sein Sohn machen nicht "näher" am Wing Chun als am Kickboxen (Richard Bustillo)?
Danke auf jeden Fall, ich bin immer wieder überrascht, wie niveauvoll man hier auch über kontroverse Ansichten dirskutieren kann und muss dem Board insgesamt mal ein Kompliment machen
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  #36  
Alt 27-12-2003, 08:55
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Zitat:
Zitat von JFJKDHKRYUBOXEN
Wenn man JKD als das "komplette" alles das was Bruce Lee zeitlebens lehrte sieht, ist es dann nicht schade, das die allermeisten Schulen LA- JKD only lehren, schliesslich würde ja dann BL´s "modified wing chun" auch dazu zählen?
Ist dem so?
Ich fand es zum Beispiel auf den beiden "Nucleus" Seminaren, auf denen ich war, interessant zu sehen, welche Übungen und Drills aus der Seattle Phase in der Los Angeles Phase übriggeblieben sind, welche Veränderungen manche durchlaufen haben und welche komplett eliminiert wurden, weil sie nicht mehr in die Struktur passten. Genau das gleiche geht mir durch den Kopf, wenn ich die Bücher von DeMile und Glover oder Cox lese. Oder Videos aus den jeweiligen Phasen sehe.
Es sind bestimmte Dinge im JKD verblieben, andere Dinge wurden stark modifiziert oder eliminiert, um sie an die Struktur anzupassen oder weil sie halt nicht passten.
Ich denke, so geht es jeder Kampfkunst, die sich entwickelt. Und auch jedem Kampfkünstler.

Grüsse
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Frank Burczynski - J.A.B. JKD Akademie Berlin + IMAG e.V. http://www.jkdberlin.de


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  #37  
Alt 27-12-2003, 19:04
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Da dies ein ziemlich guter Thread ist, er aber verschiedentlich abdriftet, wäre es vielleicht an der Zeit, ein paar Dinge zusammenzufassen...und auch anzufügen:

Alle, die in diesem Thread schreiben, sind sich offenbar einig, dass es ein Curriculum des JKD gibt, das unabhängig vom Wing Chun (und auch anderen Kampfkünsten wie Kali, Silat, Muay Thai usw.) ist, und dieses auch lern- und unterrichtbar ist, wofür Leute wie Tim Tackett, Chris Kent und Co. der lebende Beweis sind. Der Punkt, an dem sich die Geister scheiden, ist wieder einmal die Person Bruce Lees und dessen persönliche Entwicklung. Während er noch das Alphabet und die Grammatik (Formen, Chi Sao) eines traditionelles Systems gelernt hat, das sich in mehreren Jahrhunderten unter evolutionärem Druck entwickelt und auch in Vergleichskämpfen gegen Vertreter anderer Systeme als erfolgreich erwiesen hat, bevor er anfing, seine Methoden zu ändern, behauptet Wilfried hier, dieses fundamentale Rüstzeug fehle seinen Schülern und deren Nachfolge-Generationen. Obwohl Frank anführt, dass man nicht die einzelnen Stufen einer Disziplin lernen müsse, um die aktuelle Version lernen zu können (wie bei seinem Beispiel, dem Hochsprung mit dem Rücken zur Latte, und dessen Vorstufen), sehe ich hier einen Unterschied, da wir hierbei von der Entwicklung einer Person, die später nahezu in Eigenregie stilprägend war, und nicht von den Änderungen einer Disziplin, bei der mehrere Generationen mitwirken, reden. Die exogene Änderung einer Tätigkeit im Hinblick auf ihre Variationen ist IMHO nicht mit der endogenen Entwicklung einer Person oder ihres internalisierten Bewegungs-/Kampfstiles (= im neuromuskulären System verankert) gleichzusetzen. Muss man diese denn 1:1 kopieren, ein Anspruch, der hier der kritischen Partei unterstellt wird? Nein, aber es ist nur logisch, dass wenn zur Erreichung eines bestimmten Leistungsplateaus bestimmte Stufen erforderlich sind, diese von jedem, der ein ähnliches Niveau erreichen will, durchlaufen werden müssen - individuelle Unterschiede in punkto Körperbau, Bewegungsstil, Temperament usw., die sich beim "Endergebnis" auswirken, seien jetzt mal außen vorgelassen. Des weiteren behauptet Wilfried hier auch nicht, man müsse die alten Shaolin-Kampfkünste, aus denen sich Wing Chun entwickelt hat, erst lernen (was dem Vergleich mit dem Hochsprung eher entsprechen würde), sondern dass man ohne gute Beherrschung der Wing Chun-Grundlagen (die bei BL noch gut entwickelt waren) nicht in der Lage ist, einige seiner modifizierten Methoden, deren ursprüngliche Version aus dem Wing Chun stammten, zu beherrschen, geschweige denn vollständig zu verstehen. Es gibt wohl auch keinen Physikstudenten, der nicht zuerst die klassische Newton'sche Mechanik kennenlernt, bevor er sich mit Einstein'scher Relativität beschäftigt. Jeder JKDler, der keinen kompetenten Wing Chun-Lehrer aufsucht, um zu prüfen, was von seinem Chi Sao und Trapping übrigbleibt, und damit auch letztendlich die Wurzeln seines eigenen Kampfstils erforscht, verbleibt hinter der Philosophie: to discover the cause of ignorance weit zurück, da er die Sicherheit seines eigenen Reviers nicht verläßt. Und so etwas muss ja nicht öffentlich, sondern kann auch hinter verschlossenen Türen geschehen. Und hierbei will ich das Ergebnis solcher Begegnungen gar nicht vorweggreifen. Es stimmt zwar, dass der eine oder andere JKDler bereits Wing Chun trainiert hat, aber dann fallen Namen wie xy, und bei Kennern der Szene gibt's betretene Gesichter. Verzichten wir jetzt mal auf Begriffe wie Schwarze Schafe, Mittelmäßige, Fragwürdige, Spreu und Weizen, es gibt aber durchaus Leute, die wissen, wer von wem wielange gelernt hat, und wieweit er mit seinem Studium des Wing Chun gekommen ist, bevor er sich selbstständig gemacht hat, und wie sein Wing Chun zu beurteilen ist. Innerhalb eines engen Familienkreises wird solch ein Wissen als "oral tradition", worin Außenstehende keinen (vollständigen) Einblick haben, weitergegeben. Das solch ein interdisziplinärer Austausch in größeren Massen nicht mehr als eine liebenswerte Utopie ist, ist mir auch klar. Es bleibt jedem Einzelnen zu erforschen, inwieweit das das Alphabet und die Grammatik beim überlieferten JKD-Curriculum bereits vorhanden sind.

Supplemental Training / Fitness

Wilfried meint hier, dass einige Aspekte des späteren JKD (die Entwicklungsstufe in L.A.), vornehmlich die, die wenig mit der frühen Wing Chun-Basis zu tun haben, nur ihre volle Wirkung entfalten können, wenn man die hierzu erforderlichen Attribute aufweist. Und hier befindet er sich in guter Gesellschaft, denn nichts anderes hat Tackett in Franks altem Forum behauptet. Attribute wie Kraft, Schnelligkeit, Timing, Rhythmusgefühl, Koordination, Präzision, Distanzgefühl, Beweglichkeit, Wachsamkeit, usw. Tackett hierzu: "That's the reason why I still don't get it." Auf einem höheren Leistungsniveau, auf dem sich z.B. Wettkampfsportarten befinden, ist das JKD nicht immer allzu überzeugend für Sportler, die solch einer Leistungsebene entspringen oder diese auch nur kennen. Ich selbst kenne mehrere Aussagen von Personen, die von Seminaren des ehemaligen JKD-Nucleus (B.L.E.F.) oder von Einzelseminaren seiner damaligen Vertreter eher ernüchtert waren - Statements wie "Schlechtes Wing Chun", "modifiziertes, verwässertes Kickboxen", "hitting without force is pointless", usw. Solche Statements beziehen sich einerseits auf die Technik, andererseits auf die Attribute (z.B. force). Dass das nicht heißt, dass man von diesen Leuten nichts Wertvolles lernen kann, steht auf einem anderen Blatt. Das ist IMHO auch etwas, was Joe Lewis, der nicht soviel von der JKD-Szene hält, verwechselt.
Selbst Bruce Lee hat sein JKD nicht gegen Profi-Fighter von Weltrang (sind Karatekas wie Chuck Norris und Bob Wall heute wirklich noch ein Maßstab?) getestet, so dass ich mich frage, was bei heutigen MMA-Fightern aus dem JKD-Camp noch von den Original-Jun Fan-Methoden übrigbleibt. Trotz mangelnden evolutionären Drucks über Jahrzehnte und Jahrhunderte, dem ältere Stile ausgesetzt waren, und des fehlenden praktischen Vergleichs gegen professionelle Fighter von Spitzen-Niveau standen Bruce Lee und sein persönliches JKD doch irgendwie auf einem anderen Blatt als seine Nachfolger und deren JKD-Version/Interpretation, wie man verschiedenen Aussagen seiner Schüler entnehmen kann (z.B. Bob Bremer: "No JKD man today is even close!") Was unterschied BL von seinen Schülern? - IMHO eine Kombination mehrerer Faktoren, die keiner seiner Nachfolger mehr in dieser Intensität und Vollständigkeit aufweisen konnte: Er besaß sehr gute Erbanlagen, gut entwickelte Grundlagen eines traditionellen Systems, das sich in Auseinandersetzungen als praktikabel erwiesen hatte, einen scharfen, analytischen Verstand, fanatischen Trainingseifer, einen traditionskritischen, ketzerischen Forscherdrang, und in physischer Hinsicht: ein enormes Pensum an Supplemental / Overload training! Ich verweise hierzu auf Glovers Buch "Bruce Lee between Wing Chun and JKD", unter anderem Seite 63. Zum Background des Autors: Jesse hat die erste Zeit mit Bruce Lee in Amerika verbracht, als dieser noch ein sehr praktisch veranlagter Kampfsportler war, und an kommerziellen Unterricht oder Schauspielerei noch nicht im Entferntesten dachte. Wenn man bedenkt, dass Bruce Lee in diesem Zeitraum nur zur Schule gehen mußte, weder verheiratet noch Vater noch Kampfsportschulleiter oder Schauspieler war, und die beiden sich nahezu jeden Tag getroffen haben, ist es gut möglich, dass sie mindestens genauso viel Zeit miteinander verbracht haben als Bruce Lee mit jedem seiner späteren Senior-Schüler / Assistenzlehrer. In diesem Zeitraum konnte Glover sehr viel von Bruce Lees persönlichen Trainingsmethoden sehen. Möchte aus rechtlichen Gründen hier aber nicht aus diesem Buch zitieren. Ob Bruce Lees Methoden seit seinem Tod einer Verwissenschaftlichung (Szientismus) und Stilisierung zu einer philosophischen Lehre unterliegen, und falls ja, dieses mit äußerster Skepsis zu betrachten ist, vermag ich nicht ausreichend zu beurteilen.

Grüße,
Andreas

Geändert von Andreas Mertsch (28-12-2003 um 13:53 Uhr).
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  #38  
Alt 27-12-2003, 19:55
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Eine gute Zusammenfassung der Diskussion und ein guter Artikel. Gefällt mir.

Manche deiner Grundvoraussetzungen und Annahmen teile ich zwar nicht, aber was wäre ein Diskussionsforum, wenn wir alle die gleiche Meinung hätten...

Grüsse
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  #39  
Alt 27-12-2003, 20:09
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Hi Frank,

danke für Deinen Kommentar! Noch ein paar Feinheiten an dem Artikel vorgenommen, und gleich gibt's im Fernsehen auf DFS eine Fortsetzung der Muhammed Ali-Story ....

Grüße

Geändert von Andreas Mertsch (28-12-2003 um 13:51 Uhr).
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  #40  
Alt 27-12-2003, 21:52
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[quote=JFJKDHKRYUBOXEN]Danke Bob,
Ist das, was Taky und sein Sohn machen nicht "näher" am Wing Chun als am Kickboxen (Richard Bustillo)?
QUOTE]

Well, hier sind wir wieder am Anfang unserer Diskussion. Näher an was genau? Wie Du meiner angehängten Definition von Carnell entnehmen kannst ist JKD weder Kickboxen noch WC. Beides sind klasse Kampfkunstsysteme, aber Du brauchst sie nicht wirklich wenn du JKD lernen möchtest.

Viel Spass beim Training,

Bob Dubljanin
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  #41  
Alt 29-12-2003, 13:05
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Also,

ich finde, so ein kleines bisschen drehen wir uns schon im Kreis hier.

These I: Jeet Kune Do ist eine eigenständige Kunst, die kein Kckboxen und Wing Chun ist und völlig unabhängig davon gelehrt und gelernt werden kann.
Das setzt ein vollständiges und komplettes Curriculum von A-Z voraus, nach dessen Beherrschung man sagen kann: "Ich habe JKD gelernt ( und kein Kickboxen mit Wing Chun)." JKD ist wissenschaftlich konzipiert und benutzt allgemeingültige Prinzipien um physikalisch, das heisst im Sinne von Energieerzeugung-/übertragung gegen Energieaufwand gerechnet die "optimale" Technik zu gewährleisten. (ähnlich Ted Wong Definition)

These II: Jeet Kune Do ist ein offenes System, das als Grundkern das sog. Jun Fan Gung Fu hat und den Schüler danach dazu ermuntert, sich alle erdenklichen Künste anzugucken und sich allen erdenklichen Situationen auszusetzen um im Fall der Fälle "artfremde" Dinge zu implementieren und im Fall der "Nichtmeisterung" einer Situation nach Lösungen zu suchen. So lernt man sein ganzes Leben lang neue, bessere Möglichkeiten in allen Distanzen zu kämpfen, es kann aber sein, das am "Ende" der Resie vom ursprünglichen Jun Fan Kern nix mehr übrig ist, das Ergebnis bleibt aber "erweitertes, transzendiertes JKD"

These III (mein Instructor):

JKD ist nur der Name, den BL seinem Versuch in allen Distanzen bestmöglich zu kämpfen gegeben hat. Die Essenz des JKD ist es, Systeme oder Prinzipien aus diesen, die sich mit der einen oder anderen Distanz beschäftigen zu behrrschen UND sie sinnvoll und fliessend miteinander zu verbinden, "flowing from one art to another without thinking". Man kann zwar das, was BL machte auch lehren, wird aber damit auf die Fresse fallen, wenn man es nicht auch wie BL benutzen kann. Jun Fan Gung Fu als Art wäre zwar gut, aber nur ein Anfang um eine Idee zu bekommen, was so alles passieren kann und nach Jun Fan sollte man sich tiefer in die Materien einarbeiten.

These IV:
BLEF- JKD ist die Summe der physischen und psychischen Entwicklung, die BL zeitlebens durchgemacht, unterrichtet und entwickelt hat.


Ich bin bei allen Definitionen skeptisch,
meiner Meinung nach war Jeet Kune Do vordergründig ein Marketinggag von Bruce Lee damit er sagen konnte, er hätte einen Stil erfunden, dessen Meister er natürlich war und der den Celebrities was appetitliches, gut klingendes anbiten konnte anstatt zu sagen ich unterrichte so eine Art Wing Cun, aber vereinfacht mit physiologisch optiniertem Kickboxen gemischt,
das klingt halt nicht so gut

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  #42  
Alt 29-12-2003, 13:41
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Zitat von JFJKDHKRYUBOXEN
Ich bin bei allen Definitionen skeptisch,
Ich auch

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  #43  
Alt 29-12-2003, 13:51
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Zitat:
Zitat von JFJKDHKRYUBOXEN
These II: Jeet Kune Do ist ein offenes System, das als Grundkern das sog. Jun Fan Gung Fu hat und den Schüler danach dazu ermuntert, sich alle erdenklichen Künste anzugucken und sich allen erdenklichen Situationen auszusetzen um im Fall der Fälle "artfremde" Dinge zu implementieren und im Fall der "Nichtmeisterung" einer Situation nach Lösungen zu suchen. So lernt man sein ganzes Leben lang neue, bessere Möglichkeiten in allen Distanzen zu kämpfen, es kann aber sein, das am "Ende" der Resie vom ursprünglichen Jun Fan Kern nix mehr übrig ist, das Ergebnis bleibt aber "erweitertes, transzendiertes JKD"

These III (mein Instructor):

JKD ist nur der Name, den BL seinem Versuch in allen Distanzen bestmöglich zu kämpfen gegeben hat. Die Essenz des JKD ist es, Systeme oder Prinzipien aus diesen, die sich mit der einen oder anderen Distanz beschäftigen zu behrrschen UND sie sinnvoll und fliessend miteinander zu verbinden, "flowing from one art to another without thinking". Man kann zwar das, was BL machte auch lehren, wird aber damit auf die Fresse fallen, wenn man es nicht auch wie BL benutzen kann. Jun Fan Gung Fu als Art wäre zwar gut, aber nur ein Anfang um eine Idee zu bekommen, was so alles passieren kann und nach Jun Fan sollte man sich tiefer in die Materien einarbeiten.

...

Ich bin bei allen Definitionen skeptisch,
meiner Meinung nach war Jeet Kune Do vordergründig ein Marketinggag von Bruce Lee damit er sagen konnte, er hätte einen Stil erfunden, dessen Meister er natürlich war und der den Celebrities was appetitliches, gut klingendes anbiten konnte anstatt zu sagen ich unterrichte so eine Art Wing Cun, aber vereinfacht mit physiologisch optiniertem Kickboxen gemischt,
das klingt halt nicht so gut

These III ist mir durchaus sehr sympatisch, wobei ein Teil der Wahrheit vielleicht auch in These II steckt, auch das zuletzt gesagte zu dem sogenanntem "Marketinggag" beinhaltet sicherlich ein nicht ganz kleines Körnchen Wahrheit.

Ich war immer ein großer Fan von Bruce Lee und habe mich früher recht ausgiebig mit Jeet Kune Do beschäftigt. Nun ja, wie dem auch sei, auf unserer neuen Vereinshomepage habe ich mal vor einiger Zeit im Rahmen eines anderen Themas meine Meinung zu Bruce Lee und Jeet Kune Do zum Besten gegeben und ich will Euch jetzt nicht davon verschont lassen:

"..., will ich noch erläutern, warum Sie auf dieser Seite einem Bildnis von Bruce Lee begegnen. Viele sehen in Bruce Lee den besten Kämpfer aller Zeiten und glorifizieren ihn über alle Maßen. Mal davon abgesehen, dass ich diese Ansicht nicht teile, war Bruce Lee während meiner Kampfsportjugendjahre mein absolutes Vorbild. Ich besorgte mir alles Material, auch aus Übersee, was irgendwie von Bruce Lee handelte. Je reifer ich wurde, um so mehr wurde mir klar, dass Bruce Lee's größter Verdienst nicht kämpferischer Natur, obwohl seinen physischen u. kämpferischen Fähigkeiten enorm waren, sondern intellektueller Natur war und ist. Durch ihn habe ich gelernt frei zu denken und immer zu probieren was funktioniert für MICH (!) aus einer Kampfkunst und was funktioniert für MICH (!) nicht. Dieser individuelle Ansatz, der von Systemen ungebunden ist, macht Bruce Lee in meinen Augen unsterblich!

Und denjenigen, die heute schwadronieren, "Jeet Kune Do ist so und nur und genau so, bla bla bla ...", sei ins Gedächtnis gerufen, dass Bruce Lee gerade solche Aussagen ablehnte und die Geisteshaltung, die sich dahinter verbirgt aufs schärfste verurteilte!
...."

So und das war auch schon, mehr gibt es aus meiner Sicht und Erfahrung nicht zu dem Thema zu sagen. Jetzt überlasse ich mal ganz schnell wieder das Feld zum thread den JKD-Spezialisten (ernsthaft!).

Bis dann
Chuckybabe
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  #44  
Alt 29-12-2003, 14:45
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Kampfkunst: Selbstverteidigung,Tai Chi Chuan,Kampfkunst allgemein
 
Registrierungsdatum: 01.12.2003
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besser geht es nicht...respekt!!!
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