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  #1  
Alt 20-02-2006, 09:46
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Standard KPST 25: JKD und Technik

Wann immer das Thema sich um JKD und Techniken dreht, trifft man auf 2 Aussagen:

- XYZ macht kein JKD, weil er im Training (im Videoclip, im Buch, auf einem Seminar) diese und jene Technik gemacht hat (Drehkick, Highkick, Spinning Backfist, Double-Leg-Takedown, Jujigatame).

oder

- Ich habe die Bücher von Bruce Lee gelesen (seine Filme gesehen, seine Interviews gesehen) und er meint, dass man nur die besten Techniken aus allen Stilen trainieren muss und schon macht man auch JKD.

In der einen oder anderen Ausführung drehen sich praktisch 75% aller Diskussionen über JKD um eine der beiden Thesen. Nun, ich möchte eine weitere These aufstellen:

- es gibt gar keine JKD Technik.

Man könnte vielleicht bei der einen oder anderen Sache streiten (Jeet Tek, Leg obstruction), aber um zu behaupten, dass das eine oder andere eine JKD-Technik sei, dürfte die Technik in keinem anderen SV-System oder Stil vorkommen. Das wage ich zu bezweifeln. Es gibt keine JKD-Technik - es gibt aber eine bestimmte Art und Weise, Techniken im JKD auszuführen.

Wie in den bereits hier erschienenen Artikel zu den Konzepten und Prinzipien des JKDs gibt es bestimmte "Anforderungen" an alles im JKD, sei es ein Angriff oder eine Verteidigung.
- alle Techniken im JKD (im Standup) erfolgen aus einer bestimmten Struktur, die eine bestimmte Kraftentwicklung, eine Eigenverteidigung, eine Mobilität und Balance bietet.
- alle Techniken im JKD sollen ansatzlos durchführbar sein.
- eine bestimmte Technik ist nicht nur ein Gimmick oder Add-on, sie ist eine bestimmte Problemlösung, ein Puzzleteil.
- ...

...sie funktionieren nach bestimmten Prinzipien, die hier an anderer Stelle genannt wurden. Das heisst, also, wenn jemand eine bestimmte Technik macht, dann kann sie abstrakt im JKD "vorkommen", wenn sie sich nach den Prinzipien ausführen lässt. Man muss also bestimmte Techniken durch ein "Prüfraster" (das habe ich mal "Matrix" genannt) sehen. Lässt sich eine Technik aus der JKD-Struktur ausführen, unter Berücksichtigung der JKD-Prinzipien? Wenn sie es nicht tut, dann ist es kein JKD. Dann mag es trotzdem noch funktionieren (und ich persönlich würde eine funktionierende Technik nie ganz aus meinem Repertoire ausschliessen), aber sie passt nicht in die "JKD-Matrix". So löst sich auch der Knoten der "alle besten Techniken" These. Wenn man alle individuell-funktionierenden Techniken zusammenwirft hat man dann noch eine einheitliche Struktur? Oder muss man vor jeder Technik seine Stellung, seinen Stand und seine Krafterzeugung ändern? Dann gehört es sicherlich nicht zusammen. Dann "telegrafiert" man die Ausführung einer Technik und es ist kein JKD mehr. Das heisst nicht, das man nicht bestimmte Techniken, wie z.B. einen bestimmten Kick aus dem Savate, ins ein JKD integrieren kann. Man betrachtet den Kick halt durch seine "Matrix":
- löst der Kick ein Problem, dass ich an dieser Stelle habe?
- lässt er sich aus der JKD Struktur ausführen?
- lässt er sich anhand der Prinzipien des JKDs für Krafterzeugung, Mobilität, Balance, Deckung etc. ausführen?
- kann ich den Kick ansatzlos treten?
- kann ich nach der Technik weiter aus meiner Struktur arbeiten?

Sollte man alle diese Anforderungen erfüllen können, dann warum nicht? Die Frage bleibt, ob dann der Kick noch speziell als Savate-Kick erkennbar ist oder nicht....

Grüsse
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  #2  
Alt 20-02-2006, 09:57
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Zitat:
Es gibt keine JKD-Technik - es gibt aber eine bestimmte Art und Weise, Techniken im JKD auszuführen.
Wird die Technik dadurch nicht zur JKD-Technik, genauso, wie der Fauststoß im Karate zur Karatetechnik wird, wenn er in einer, für das Karate typischen Art und Weise ausgeführt wird?
Gerade was das Arbeiten mit den vorderen Gliedmassen angeht, ob mit Bein oder Hand, kommen mir die Techniken doch so typisch fürs JKD vor, dass ich sie als JKD Techniken bezeichnen würde.
Ob sie das durch das Prinzip (Interception, non telegraphic usw.) oder die Technik an sich werden, ist IMO eher zweitrangig.

Grüße
Andreas
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  #3  
Alt 20-02-2006, 10:03
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Dabei ist "Interception" aber eine Aufgabe, "non-telegraphic" ein Ausführungsprinzip.

Grüsse
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  #4  
Alt 20-02-2006, 10:09
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ICh dachte schon, die KPST Reihe würde nicht mehr weitergehen

Zitat:
Zitat von jkdberlin
- es gibt gar keine JKD Technik.

......Man muss also bestimmte Techniken durch ein "Prüfraster" (das habe ich mal "Matrix" genannt) sehen. Lässt sich eine Technik aus der JKD-Struktur ausführen, unter Berücksichtigung der JKD-Prinzipien? Wenn sie es nicht tut, dann ist es kein JKD.
Verstehe ich richtig, dass JKD nur ein vorgegebenes "Prüfraster" ist ??
Dann kann ich mir ja den Prüfraster aneignen und es JKD nennen, ich brauche dann gar keine Techniken mehr ??

Und wie erlerne ich die Matrix ?? Erlerne ich die MAtrix nicht anhand der Techniken?? Dann basiert JKD doch auf Techniken und es gäbe doch "JKDtechniken",oder ist es doch so, dass ich die ganze Prinzipien "auswendig" runterrattern muss? (Dann wäre die Frage.. wieviel Prinzipien gibt es im JKD überhaupt--->unendlich??^^, um ein vernünftiges Prüfraster zu haben??

Wenn ich es mir so überlege, dann ist das ja alles sehr, sehr theoretisch...
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  #5  
Alt 20-02-2006, 10:16
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Was willst du mit einem Prüfraster ohne Techniken? JKD ist physisch, zum Kämpfen da, also was soll die ganze Theorie ohne die Praxis?

Natürlich erlernt man die "Matrix" durch die Techniken, siehe oben...es sind Techniken, die nach den Prinzipien ausgeführt werden. Man muss aber immer mehr sehen, als die abstrakte Technik, um sie dem JKD zuzuordnen...oder nicht. Ein Jab kann aus dem Boxen, dem Savate, dem Muay Thai oder dem JKD kommen...man muss ihn im Zusammenhang mit Prinzipien udn Struktur sehen, um ihn zuordnen zu können (falls man das möchte). Daher kann man meiner Meinung nach schlecht einen Box-Jab (einen Jab nach Boxprinzipien) nehmen und sagen, den mische ich jetzt mit einem Thai-Roundkick und nenne das ganze jetzt mal eben "mein JKD". Es fehlt einfach die theoretische Grundlage des JKDs.

Grüsse
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  #6  
Alt 20-02-2006, 10:57
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Zitat:
Zitat von jkdberlin
Dabei ist "Interception" aber eine Aufgabe, "non-telegraphic" ein Ausführungsprinzip.

Grüsse
Wie auch immer, aber durch diese Aufgabe wird die Technik vorgegeben.
Beim Muay Thai klopp ich rein und versuche mein Ziel in zwei Hälften zu teilen, durch diese Aufgabe, wird z.B. die allgemeine Technik des Halbkreistrittes zur Muay Thai spezifischen Technik des schneidenden Schienbeinkicks, beim JKD ist das Ziel zwar auch die Härte, aber die Hauptpriorität liegt auf dem Zeitpunkt des Treffens. Das verändert z.B. die allgemeine Technik des Fuss/Fauststoßes zur JKD-Technik des möglichst frühen Treffens.
Auch die Karatekas haben z.B. den Fauststoß nicht erfunden, aber sie haben ihn zum Karatefausstoß gemacht, weil ihre Hauptprioritäten die Technik vorgaben.

Grüße
Andreas
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  #7  
Alt 20-02-2006, 11:23
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Jau, aber worüber diskutieren wir hier? Nichts anderes habe ich geschrieben. Es gibt eine Ebene hinter der physischen Ausführung einer Technik. Diese Ebene muss betrachtet werden, um die Technik zu identifizieren und sie anzupassen. Ob es eine Technik nach Karate-Prinzipien oder nach JKD-Prinzipien ist...egal. Ich kenn mich bei Karate zu wenig aus, daher würde ich nie so einen Artikel über Karate schreiben.
Der Halbkreistritt im Muay Thai wird nach Thai-Prinzipien getreten. Kann man ihn auch nach JKD Prinzipien treten? Wann genau wird er zu JKD, wann zu Muay Thai? Ist eine Mischung aus einem Halbkreistritt nach Muay Thai Prinzipien und einem Schlag nach Karate-Prinzipien JKD?
Man muss hinter die Techniken gucken, die Prinzipien bestimmen die Identifizierung.

Grüsse
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  #8  
Alt 20-02-2006, 11:36
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Ein Punkt der Diskussion um JKD war immer, dass JKD kein Stil sein soll, wenn man es aber auf diese Ebene bringt, wird es anderen Stilen sehr ähnlich.
Wo ist dann der Unterschied zum Muay Thai? Auch dort ist es möglich, den Stil an sich anzupassen. Auch dort gibt es Prinzipien, eine feste Struktur und Aufgaben. Nur, wenn man JKD eine viel größere Freiheit zugesteht, wird die Unterscheidung in System und Stil plausibel.
Und dann müsste es eigentlich möglich sein, eine Muay Thai Technik zu einer JKD Technik zu machen.
Dies setzt aber auch voraus, das auch die Struktur und die Prinzipien des JKD flexibel sein müssen, da wir uns ja einig sind, dass die die Technik vorgeben.

Grüße
Andreas
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  #9  
Alt 20-02-2006, 13:05
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Bevor wir hier mit Begriffen wie Stil und System herumschmeissen, müsste einmal geklärt sein, was
- wir heute damit meinen
und
- was im Ursprung damit gemeint war.
Eine Muay Thai Technik ist, wenn man sie einer JKD Struktur anpassen kann, auch im JKD einsetzbar. Ist ein Thaikick aus einer JKD Struktur ausführbar oder benötigt man z.B. zur Krafterzeugung die besondere Muay Thai Struktur? Dann wären wir ja wieder bei dem Punkt, bei dem einfach alles JKD ist. Ein System wie JKD zeichnet sich meiner Meinung danach aus, dass es wächst, neue Dinge, die in die Struktur passen, mit dazu nimmt, integriert. JKD hat kein festes Curriculum, es ist aber durchaus lehrbar. Nimmst du dem JKD die bestimmenden Prinzipien und die Struktur, ist es das ganz einfach nicht mehr. Es wird eine undefinierbare Masse, die eigentlich alles und dadurch widerum nichts ist. Die techniken müssen sich den Prinzipien und Zielsetzung des JKDs anpassen lassen, den Anforderungen, die das Individuum daran stellt.

Grüsse
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  #10  
Alt 20-02-2006, 14:38
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"..having NO WAY as way.."

Das ist doch das, was Frank da oben so ausführlich erläutert hat.

Danke an Frank

Greetz
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PS: Freue mich aufs nächste KPST
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  #11  
Alt 20-02-2006, 15:49
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Zitat:
Bevor wir hier mit Begriffen wie Stil und System herumschmeissen, müsste einmal geklärt sein, was
- wir heute damit meinen
und
- was im Ursprung damit gemeint war.
Das frage ich mich auch immer mehr.
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  #12  
Alt 20-02-2006, 15:53
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Zitat:
Zitat von sumbrada
Das frage ich mich auch immer mehr.
Das ist, wenn man es historisch betrachtet, schon immer die wichtigste Frage...

Grüsse
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  #13  
Alt 20-02-2006, 16:57
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Zitat:
Zitat von sumbrada
Das frage ich mich auch immer mehr.
Mir ist das alles zimlich egal - ich trainiere lieber und versuche dabei techniken & Prinzipien zu lernen & zu verstehen

Dennoch, sehr schöner Artikel...

Zum weiter Spielen:
Was ist überhaupt eine "Technik"? Gibt es eine Technik ohne dazugehörige Bewegungsprinzien überhaupt? Oder ist es immer das Prinzip das die Technik formt?
Ein "Fauststoß" - grundsätzlich eine "Technik" (Eine Bewegung mit dem Ziel, die eigene Faust auf geradem Weg auf ein Ziel auftreffen zu lassen...).
Hier gibt es absolut KEINE Unterscheidung im Karate, Taekwondo, Kenpo, Ju-Jutsu, *ing*ung, Kung Fu oder eben JFGF, JKD - erst die speziefischen Unterschiede in der Ausführung (Bewegungsprinzipien) definieren das ganze und machen die "Technik" Individuell und Stilzugehörig - und dann? Ist es dann nicht mehr die gleiche "Technik" oder muss/sollte ich dann ergänzen es ist diese Technik, nach diesen -xyz- Prinzipien durchgeführt?

Quote from a Zen-Master:
Before Studying Zen, a tree was a tree and a river a river - while studying Zen a tree was no longer just a tree and a river no longer a river - having mastered Zen a tree was once again a tree and a river a river...

Gruss,
Mono
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  #14  
Alt 21-02-2006, 15:36
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Ich denke einfach, daß die "Art" der Ausführung eines Fauststoßes diesen zu einer "Karatetechnik" oder "TKD" oder sonstiges Technik macht.

Wobei beim JKD alles erlaubt sein müßte, oder?
Jedenfalls solange es der Situation dienlich ist.

Greetz
ElCativo
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  #15  
Alt 21-02-2006, 15:40
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Zitat:
Zitat von ElCativo

Wobei beim JKD alles erlaubt sein müßte, oder?
Was meinst du mit "alles" und "erlaubt" ?

Grüsse
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