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  #1  
Alt 28-02-2008, 22:59
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Kampfkunst: Ma-Tsun-Kuen Tai Chi Chuan
 
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Standard Wer braucht denn (noch) eine "Lehrer-Ausbildung"...?

Hi Leute,

es hat schon ein paar Mal Threads hier zum Thema "Taiji-Ausbildungen" gegeben, und jetzt stelle ich mich selbst in die Schießbude.

Ab November biete ich zusammen mit meinem Kollegen und guten Freund Martin Neumann eine "Taiji-Lehrer Ausbildung" in Berlin an, gemäß den Allgemeinen Ausbildungsleitlinien des DDTQ. Also eine Ausbildung im Wochenend-Format (wobei natürlich das eigene Training vor, während und nach der Ausbildung absolut unerläßlich ist). Jahrelang habe ich selber diese Art von Ausbildung ziemlich skeptisch gesehen, und eigentlich tue ich das immer noch! Also warum maße ich mich jetzt an, diesen Schritt zu nehmen? Einerseits, weil wir einfach große Lust auf so einen Projekt haben. Und wenn es aufgeht, ist es natürlich eine schöne Art, etwas dazu zu verdienen. Aber auch, weil es zur Zeit immer mehr Lehrerausbildungen in diesem Format gibt; von diesen sind manche sehr in Ordnung und andere, meines Erachtens, dienen der weiteren Verflachung des Taijiquan. Wir möchten also – innerhalb des gängigen Formats – eine Ausbildung anbieten, die neben der wichtigen (und schönen) Pädagogik und Gesundheitsaspekten auch eine solide Einführung in Taiji als Kampfkunst gibt. Nach der ersten 1½ Jahren, die ein Spektrum in den Bereichen Gesundheit, Kampfkunst und Theorie geben, kommt in den zweiten 1½ Jahren eine Vertiefung entweder in "Taiji Yangsheng" (Gesundheit, spezielle Gruppen) oder Taijiquan (also die Kampfkunst, sprich eine Annäherung an das richtige Taijiquan). Wo ich und Martin hier selber an unsere Grenzen stoßen (was wir selber leisten und was wir vermitteln können), können wir erfreulicherweise auf unseren designierten Berater und Geheimwaffe Fernando Chedel zurückgreifen, der als Gastdozent fungieren wird. Wir sind uns ziemlich sicher, daß wir mit ihm sehr viele Bedürfnisse in diesem Bereich decken können.
Ein drittes sehr wichtige Element in der Ausbildung ist das Transfer von Taijiquan ins tägliche Leben. Das bedeutet, wir fokussieren auch auf die Umsetzung von Taiji-Prinzipien in der Kommunikation (körperlich und verbal) in unterschiedlichen Lebensbereichen: im öffentlichen Raum, bei der Arbeit, in Beziehungen usw. Unseres Erachtens gehört das unbedingt zu einer Kampfkunst als Lebensweg.
Ansonsten werden die verschiedenen Ausbildungsschwerpünkte nicht streng voneinander abgeschieden. Es gibt durchaus Überlappungen und Wechselwirkungen in der Ausbildung.

Es ist vollkommen klar, daß wir nicht am Ende von einer dreijährigen, seminarbasierten Ausbildung keine ausgereifte Taiji-Kampfkünstler einem Zertifikat in die Hand drücken. Das sind wir beide ja selber nicht - wir sind noch voll im Lernprozeß . Und es ist in diesem Zeitraum sowieso absolut unmöglich. Aber wir können mit gutem Gewissen sagen, daß wir die Teilnehmer, vor allem der Vertiefungphase-Kampfkunst, auf einen stimmigen Weg bringen können. Das heißt, sie wissen, worum es prinzipiell bei Taijiquan als Kampfkunst geht und wie sie es weiter trainieren können/sollen. Und sie können, als Mindestanforderung, dieses Wissen im Unterricht solide weitervermitteln. Was jeder dann auf Dauer daraus macht, liegt natürlich in der Eigenverantwortung, aber wir fordern weiteres Training und Vertiefung auf eigener Faust über eine weitere 2 Jahren, bevor die AALL-Zertifizierung endgültig wird.

Wir hoffen hiermit, Teilnehmer anzusprechen, die Taijiquan oder auch andere Kampfkünste schon etwas länger trainieren.

Als PDF-Anhang ein Flyer, der ein bißchen mehr Info zum Konzept und Inhalt gibt.

So, das ist die Idee. Es würde mich sehr freuen, wenn Ihr Reaktionen, Kritiken oder Fragen habt. So ein Unterfangen ist schon eine heikele Sache. Aber wie gesagt, dieses Ausbildungsformat wird sowieso immer verbreiteter, und wir denken "wenn sowieso, dann besser auf diese Weise". Oder denkt Ihr, es bleibt Quatsch? Ich bin sehr interessiert, wie die Szene es sieht.

Und, liebe Mods, wenn das Ganze Euch zu sehr nach Werbung riecht, dann einfach löschen.

Schöne Grüße,

Giles
Angehängte Dateien
Dateityp: pdf VorankündigungBITAKAusbildung.pdf (222,8 KB, 55x aufgerufen)
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  #2  
Alt 28-02-2008, 23:16
Benutzerbild von Drachin
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Kampfkunst: Tai Chi Chuan
 
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Beiträge: 477
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Wenn jeder aufgenommen und jeder zertifiziert wird weil er teilgenommen und bezahlt hat, ist es Quatsch, weil

a) sich nicht jeder für Tai Chi eignet
b) sich nicht jeder, der gut in Tai Chi werden kann, zum Lehrer eignet.

Besser, irgendwelche Gürtel einführen, das schadet wenigstens niemand anders.

IMHO.
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Wenn gerade man nicht zum Wettstreit bereit ist, ist auf der Welt niemand, mit dem man in Streit ist.
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  #3  
Alt 29-02-2008, 07:34
Benutzerbild von Dao
Dao Dao ist offline
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Kampfkunst: Taijiquan, Baguazhang, Xingyiquan, Waffen, Neigong
 
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Hi Giles,
natürlich riecht alles was in eine solche Richtung geht nach Werbung und die wollen wir ja hier nicht (Vorteilnahme). Sio wie du deinen Ansatz beschreibst geht es dir in erster Linie um Rückmeldung eueres Angebotes, von daher kann der Thread hier stehen bleiben und diskutiert werden.
Als Anregung für euer Angbeot, fällt mir auf, das ihr die 24 er Peking Form, als zentrale Form anbieten wollt. Das würde ich noch einmal ganz stark überdenken, da ich für mich diese Form nicht anbieten würde. Was sind die Gründe gerade diese Form anzubieten. Drei Jahre Ausbildungszeit lassen andere Formen zu.
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Liebe Grüße Dao
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  #4  
Alt 29-02-2008, 08:21
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Kampfkunst: -
 
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Beiträge: 1.140
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hi giles,

"Das bedeutet, wir fokussieren auch auf die Umsetzung von Taiji-Prinzipien in der Kommunikation (körperlich und verbal) in unterschiedlichen Lebensbereichen: im öffentlichen Raum, bei der Arbeit, in Beziehungen usw. Unseres Erachtens gehört das unbedingt zu einer Kampfkunst als Lebensweg."



magst du da ein paar stichworte dazu geben?
ich finde diese idee interessant, weil kampfkünste in gewisser hinsicht ja 'berührungskünste' sind und (auch) deswegen nicht ersetzt werden können durch rein theoretische und 'akademische' kommunikations'resultate' und -theorien.
auch 'blosses' meditieren trainiert ein 'aufeinander zugehen', 'einander 'im auge behalten' nicht.
somit sehe ich speziell in den kampfkünsten (und in massagen oder in gruppentanzformen) ein feld, wo etwas einfach-menschliches 'wieder?!' seinen ort finden kann, jenseits von allen ideologien, theorien, spirituellen richtungen etc.



viele grüsse

vakuum
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  #5  
Alt 29-02-2008, 08:52
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Kampfkunst: Aufwandslose Bewegung, Liuhe Bafa, Xingyiquan
 
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Beiträge: 468
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Hallo Drachin!


Zitat:
Zitat von Drachin Beitrag anzeigen
Wenn jeder aufgenommen und jeder zertifiziert wird weil er teilgenommen und bezahlt hat, ist es Quatsch, weil

a) sich nicht jeder für Tai Chi eignet
b) sich nicht jeder, der gut in Tai Chi werden kann, zum Lehrer eignet.

Besser, irgendwelche Gürtel einführen, das schadet wenigstens niemand anders.

IMHO.
Ich weiß natürlich nicht, ob Du Giles persönlich kennst bzw. schon einmal bei/mit ihm trainiert hast, aber Du kannst davon ausgehen, daß er und sein "Kollege" sich diese Aktion gut durchdacht haben und niemand zertifiziert wird, der es auch nicht verdient. Einfach "nur" bezahlen und das Zeugnis dann automatisch erhalten - dazu sind seine Qualitätsansprüche einfach zu hoch.


Schöne Grüße,
john_doe
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  #6  
Alt 29-02-2008, 09:22
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Kampfkunst: Ma-Tsun-Kuen Tai Chi Chuan
 
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Vielen Dank für den ersten Feedback! (und dafür, daß der Thread bleibt )

@ Drachin:
"Wenn jeder aufgenommen und jeder zertifiziert wird weil er teilgenommen und bezahlt hat, ist es Quatsch..."
Das sehe ich auch so. Natürlich sprichst du genau einen der Kern(knack)punkte hier an. Man (und ich) könnte argumentieren, die Messlatte müsste so hoch hängen, daß man automatisch nur wenige einem Zertifikat am Ende geben kann. (Und vielleicht verdienen wir selber keinen...). Ich sehen dieses Projekt durchaus als einen Kompromiß, nicht als eine ideale Lösung. Es wird aber garantiert nicht jeder, der bezahlt und teilnimmt, einen "Stempel" nur deswegen bekommen. Das könnte ich schon mir selber nicht gegenüber vertreten. Basisanforderungen am Selberkönnen und Weitergebenkönnen müssen erfüllt werden, und wer diesen nicht erfüllt, wird nicht zertifiziert. Wichtig ist aber auch, daß wir sehen, daß und wie jeder TeilnehmerIn sich weiter entwickelt in den 3 Jahren. Wenn wir ein gutes Verständnis, gute Ziele und ein gutes Auseinandersetzungsvermögen fördern können, und diese schon auf der individuellen Ebene Früchte trägt, dann können die Leute auch danach weiter wachsen. Dafür stehen wir ihnen weiter zur Verfügung.
Und schliesslich stehen wir mit genug Leidenschaft und Liebe für die Sache da, daß keiner sich durchmogeln oder als Konsument sich gebären kann. Jeder wird 'liebevoll' durch die Mangel gedreht, auf der individuellen Ebene....

@ Vakuum:
"magst du da ein paar stichworte dazu geben?
ich finde diese idee interessant, weil kampfkünste in gewisser hinsicht ja 'berührungskünste' sind und (auch) deswegen nicht ersetzt werden können durch rein theoretische und 'akademische' kommunikations'resultate' und -theorien.
auch 'blosses' meditieren trainiert ein 'aufeinander zugehen', 'einander 'im auge behalten' nicht.
somit sehe ich speziell in den kampfkünsten (und in massagen oder in gruppentanzformen) ein feld, wo etwas einfach-menschliches 'wieder?!' seinen ort finden kann, jenseits von allen ideologien, theorien, spirituellen richtungen etc."


Das sehen wir auch so . Ich arbeite seit etlichen Jahren (nebenbei) auch als 'Kommunikationstrainer auf Körperbasis' für unterschiedliche Zielgruppen, wobei ich Tai Chi-Prinzipien für verschiedene Kommunikationsthemen einsetze. Hier unter anderen: Umgang mit verbaler Aggression, Grenzen setzen ohne dabei 'die Luken dicht zu machen' / sich für anderen öffnen zu können, ohne dabei 'schutzlos' zu werden, Deeskalationstechniken (verbal und Körpersprache), die eigene Konfliktfähigkeit steigern (nicht mit 'Konflikt suchen' zu verwechseln!).
Martin setzt sich u.A. intensiv mit "Gewaltfreie Kommunikation" nach Rosenberg auseinander. Taijiquan ist natürlich kein Zaubermittel, aber sie bietet schon etwas sehr wertvolles auf diese Ebene an. Und zwar: Als Kampfkunst macht sie viel Gebrauch von "transformierender Energie". Das heisst, ein Schlag, Stoß oder wie auch immer wird - wenn es anfängt zu funzen - weder "geblockt" noch "ausgewichen", sondern auf verschiedene Weisen "akzeptiert" man die kinetische Energie, lässt sie gewissermaßen in sich hinein und verwandelt sie ein bisschen. Das natürlich ohne den Wucht des Schlages abzukriegen (hoffen wir..), aber immerhin geht man in Kontakt. Daraus entstehen Energien wie peng-jin und lü-jin, zum Beispiel. Wenn man diese Sachen konsequent auf der KK-Ebene trainiert (und das heisst wirklich TRAINING), dann ergibt sich die Möglichkeit, diese Sachen auf anderen interpersonellen Ebenen einzusetzen. Das ist auch ein Prozeß, der seine Zeit braucht, den man selber wollen muß, und der begleitet werden muß, aber Jahren des Ausprobierens und der Erfahrung mit diesem Thema haben mir gezeigt, daß es dann wirklich funktioniert.
Wie es so schön in Cherubins Signatur steht:
"Umgekehrt gilt (auch): Ihre Körperhaltung beeinflusst das Denken."

Und damit sollte die Kampfkunst letztendlich wieder im Dienst des Lebens stehen.


Schöne Grüsse und danke schonmal,

Giles
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  #7  
Alt 29-02-2008, 09:28
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Kampfkunst: Ma-Tsun-Kuen Tai Chi Chuan
 
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Beiträge: 977
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Zitat:
Zitat von john_doe Beitrag anzeigen
Hallo Drachin!
Ich weiß natürlich nicht, ob Du Giles persönlich kennst bzw. schon einmal bei/mit ihm trainiert hast, aber Du kannst davon ausgehen, daß er und sein "Kollege" sich diese Aktion gut durchdacht haben und niemand zertifiziert wird, der es auch nicht verdient. Einfach "nur" bezahlen und das Zeugnis dann automatisch erhalten - dazu sind seine Qualitätsansprüche einfach zu hoch.
Deine Posting kam dazwischen: danke für die guten Worte. Aber es bleibt schwierig und Drachin's Einwand ist ja ein sehr wichtiger. Es wird sich ja für uns im Laufe der Zeit herausstellen, genau wie wir das hantieren können und ob wir dann selber die "Resultate" vertretbar finden oder nicht. Learning by doing, gewissermaßen.
Für mich ist jedenfalls klar: Wenn ich irgendwann feststelle, die ganze Sache ist für mich auf dieser Ebene doch nicht stimmig, dann werde ich mit dem Projekt wieder aufhören.

Schöne Grüsse,

Giles
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  #8  
Alt 29-02-2008, 09:41
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Kampfkunst: Anfänger im Taijiquan (Chen-Stil)
 
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Ort: Baden-Württemberg, Karlsruhe
Beiträge: 342
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Hallo!

Ich sehe solche Lehrer-Ausbildungen sehr kritisch. Einige Gründe hat Drachin ja schon genannt.
Zitat:
Zitat von Drachin Beitrag anzeigen
a) sich nicht jeder für Tai Chi eignet
b) sich nicht jeder, der gut in Tai Chi werden kann, zum Lehrer eignet.
Einen anderen Grund möchte ich hier aber noch ergänzen. Tai Chi ist etwas "organisches", was einfach seine Zeit des Wachstums braucht. Insbesondere braucht jeder individuell unterschiedlich lang dafür, da kann man keine festen Zeiten, die für alle gelten, nennen.
Eigentlich fände ich es besser, wenn jeder, der Interesse hat, irgendwann einmal selbst zu unterrichten, ersteinmal selbst genügend übt und lernt. Ich denke, daß man dann auch selbst merkt, ab wann man bereit ist, zu unterrichten. Eine spezielle Lehrer-Ausbildung ist dann nicht mehr nötig. Die historischen Tai Chi Meister haben sicherlich keine Lehrer-Ausbildung erhalten.
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß momentan einfach sehr viele Leute auf den "Wellness"-Zug aufspringen wollen, um dann mit ihrem "Hobby" Geld zu verdienen. Wenn es um Tai Chi geht, ist das aber in meinen Augen, der falsche Ansatz.

Mit freundlichen Grüßen
Ronny Wolf

Geändert von Ronny Wolf (29-02-2008 um 09:49 Uhr).
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  #9  
Alt 29-02-2008, 10:45
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Zitat:
Zitat von Ronny Wolf Beitrag anzeigen
Ich sehe solche Lehrer-Ausbildungen sehr kritisch. Einige Gründe hat Drachin ja schon genannt.

Einen anderen Grund möchte ich hier aber noch ergänzen. Tai Chi ist etwas "organisches", was einfach seine Zeit des Wachstums braucht. Insbesondere braucht jeder individuell unterschiedlich lang dafür, da kann man keine festen Zeiten, die für alle gelten, nennen.
Eigentlich fände ich es besser, wenn jeder, der Interesse hat, irgendwann einmal selbst zu unterrichten, ersteinmal selbst genügend übt und lernt. Ich denke, daß man dann auch selbst merkt, ab wann man bereit ist, zu unterrichten. Eine spezielle Lehrer-Ausbildung ist dann nicht mehr nötig. Die historischen Tai Chi Meister haben sicherlich keine Lehrer-Ausbildung erhalten.
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß momentan einfach sehr viele Leute auf den "Wellness"-Zug aufspringen wollen, um dann mit ihrem "Hobby" Geld zu verdienen. Wenn es um Tai Chi geht, ist das aber in meinen Augen, der falsche Ansatz.
@ Ronny. Prinzipiell gebe ich dir auch voll recht! In der besten allermöglichen Welten (um mit Candide zu sprechen), wäre es auch so, wie du es beschreibst. Und es wäre natürlich von mir glatt gelogen, würde ich behaupten, ich möchte kein Geld hier verdienen. (Wobei es bei mir etwas über "Hobby" hinausgeht...).

Vielleicht muss man die jetztige Situation in Deutschland kurz betrachten:
Es ist Fakt, daß es zur Zeit sehr viele Ausbildungen in (mehr oder weniger) diesem Format gibt, die auch "offiziell" (von den Kassen, von Sportverbänden usw.) anerkannt werden. Ob man das gut findet, ist eine andere Sache. Aber es ist so. Und diese Ausbildungen schicken jedes Jahr Dutzende (oder Hunderte...?) "zertifizierte Tai Chi-Lehrer" auf den Markt. Von Erscheinungen wie Stephan Langhoff und seinen "Lehrerausbildungen" mal zu schweigen. Ich kenne etliche von den Ausbildungsleitern persönlich (manche recht gut, manche flüchtig). Ich finde einige von diesen Ausbildern sehr gut, und ihre ausgebotenen Ausbildungen sehr solide. Andere finde ich, sagen wir, weniger berauschend. Dazu kommt, daß wirkliche nur ein paar von den vielen Ausbildungen einen expliziten Fokus auf die überprüfbare Kampfkunst (das eigentliche Taijiquan) legen. Viele fokussieren mehr auf die Gesundheitsaspekte - einige von diesen wirklich sehr gut (viel besser als wir das könnten) und einige auch eher allgemein. In dieser Ausbildung wollen wir die Kampfkunst wieder zentraler stellen: für allen Teilnehmer (auch für die, die mehr die Gesundheit betonen wollen) und sowieso für die Leute, die die Vertiefungsphase-KK machen wollen.

Du hast recht, daß die alten Chinesen keine solchen Ausbildungen machten/gaben. Sie lebten auch in einer ganz anderen Gesellschaft, zu einer ganz anderen Zeit. Fernando hat mir einiges von seinem Leher Ma Tsun-Kuen erzählt, der als Mensch und KK-ler auch ein Chineser des alten Schlags war. Und MTK meinte, man sollte immer schauen, was um sich herum passiert, und sich dabei anpassen bzw. die existierenden Strömungen nutzen - ohne jedoch das eigene Ding, die eigene Prinzipien, aufzugeben. Das sei der wahre chinesische Weg, und auch ein Teil des Taiji.

Wie gesagt, es bleibt ein (fragwürdiger) Kompromiß. Aber, um es ein bisschen krass zu sagen:
Besser verdünnten Wein verkaufen, als gefärbtes Wasser. Wenn zur Zeit sowieso viel gefärbtes Wasser unterm Namen "Wein" verkauft wird, und wir den Teilnehmern ganz klar machen, sie sollten möglichst den eigenen Wein immer reiner machen. Und ihnen zeigen, wie sie das tun können und sie dabei unterstützen.

Schöne Grüsse,

Giles
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  #10  
Alt 29-02-2008, 10:56
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Zitat:
Zitat von GilesTCC Beitrag anzeigen
In der besten allermöglichen Welten (um mit Candide zu sprechen), wäre es auch so, wie du es beschreibst.
Das ist nicht von Candide, sondern von Pangloss, und der ist auch nur Leibniz (Ich weiß, Du meinst das Buch, nicht den Hauptdarsteller

Zitat:
Zitat von GilesTCC Beitrag anzeigen
In dieser Ausbildung wollen wir die Kampfkunst wieder zentraler stellen: für allen Teilnehmer (auch für die, die mehr die Gesundheit betonen wollen) und sowieso für die Leute, die die Vertiefungsphase-KK machen wollen.
Das ist doch schon mal ein guter Ansatz. Ich selbst bin eher Individualist und Autodidakt, aber es gibt viele Menschen, die sich in einer geordneten, "offiziellen" Ausbildung mit Lehrplan etc. besser aufgehoben fühlen. Und da ist es doch schön, dass es dieses Angebot auch in einer Form gibt, in der nicht die AOK-Aspekte im Vordergrund stehen

Viele Grüße,

Trinculo
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  #11  
Alt 29-02-2008, 11:05
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Zitat:
Zitat von Dao Beitrag anzeigen
Als Anregung für euer Angbeot, fällt mir auf, das ihr die 24 er Peking Form, als zentrale Form anbieten wollt. Das würde ich noch einmal ganz stark überdenken, da ich für mich diese Form nicht anbieten würde. Was sind die Gründe gerade diese Form anzubieten. Drei Jahre Ausbildungszeit lassen andere Formen zu.
Hi Dao,

ja, genau, der berüchtigte 24er.....

Als erste, im "Basisseminar" (erste 1,5 Jahre) unterrichten wir zwei (relativ kurze) Taijiquan-Formen: die 24er und die 13er Kurzform des MTK-Stils.
Im "Aufbauseminar" kommt die MTK-Fassung der langen Form des Yang-Stils dazu. Beide MTK-Formen sind recht KK-orientert, dienen zum expliziten Üben der 8 Energien, und stehen in starker Wechselwirkung mit Tuishou und (SV-)Anwendung. Das breite ich aber hier nicht aus.

Und was die 24er Peking-Form betrifft: wir schrauben zur Zeit diese Form gründlich auseinander, ändern vieles subtil oder gar nicht so subtil nach den Anforderungen von "will/can this work in practice?" und montieren sie wieder zusammen. Das betrifft sowohl die "Endfiguren" selbst als auch (und eigentlich noch mehr) die Übergänge. Fernando wird auch hier seinen Senf dazu geben. Was am Ende dabei herauskommt darf noch unter dem Namen "24er" firmieren, ist aber definitiv nicht mehr das, was man von den offiziellen chinesischen Sportverbänden und ihren Absolventen serviert bekommt. Wir nennen es salopp "Peking Form Reloaded" .

Trotzdem wollen wir erstmal weiter mit dieser Form arbeiten, gerade weil sie die weitverbreiteste Form ist und fast überall angeboten bzw. gefragt wird. Vielleicht könnte man es eine "subversive" Aktion nennen - wir möchten den "Virus" des "wahren Taijiquan" über einen weitverbreitenen "Träger" in die Gesellschaft wieder einschleusen.... Also nehmen wir auch ein bisschen "Windows Explorer" und nicht nur Firefox oder die anderen coolen Browser.

Das sind wenigstens unsere Beweggründe. Aber gerne noch mehr Einwände oder Vorschläge in diesem Hinsicht! Euere Postings haben mir jetzt schon sehr geholfen, meine Gedanken weiter zu ordnen.

Schöne Grüsse,

Giles
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  #12  
Alt 29-02-2008, 11:11
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Zitat:
Zitat von Trinculo Beitrag anzeigen
Das ist nicht von Candide, sondern von Pangloss, und der ist auch nur Leibniz (Ich weiß, Du meinst das Buch, nicht den Hauptdarsteller
So isses. Zum Glück hatte ich den Namen kursiv gestellt (schwitz)...
Und es geht ja auf Leibniz zurück (der übrigens hervorragende Schokokekse erfand, oder? ).

Schöne Grüsse,

Giles
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  #13  
Alt 29-02-2008, 11:12
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Zitat:
Zitat von GilesTCC Beitrag anzeigen
Vielleicht könnte man es eine "subversive" Aktion nennen - wir möchten den "Virus" des "wahren Taijiquan" über einen weitverbreitenen "Träger" in die Gesellschaft wieder einschleusen.... Also nehmen wir auch ein bisschen "Windows Explorer" und nicht nur Firefox oder die anderen coolen Browser.
Ich freue mich schon darauf Dich im Herbst endlich mal persönlich kennen zu lernen.

Grüße
Christian
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  #14  
Alt 01-03-2008, 09:40
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Kampfkunst: Ma-Tsun-Kuen Tai Chi Chuan
 
Registrierungsdatum: 12.01.2006
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Zitat:
Zitat von Eskrima-Düsseldorf Beitrag anzeigen
Ich freue mich schon darauf Dich im Herbst endlich mal persönlich kennen zu lernen.
Hi Christian,

geht mir ebenso

Giles
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  #15  
Alt 01-03-2008, 23:03
Benutzerbild von BanYan
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Kampfkunst: Tai Chi
 
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Beiträge: 378
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Hallo,

Zitat:
... lieber verdünnter Wein als gefärbtes Wasser ...
Zitat:
...24-er-Form Reloaded ...
Zitat:
... Schwerpunkt Kamfpkunst...
offensichtlich gibt es für dieses "Geiz-ist-Geil" "Billig"-"Kurz/Schnelldurchlauf"-Angebot die entsprechende Kundschaft.

Offensichtlich so viel, daß es sich lohnt, sich dafür als Lehrer ausbilden zu lassen.

Für mich steckt in der Langform sehr viel Erfahrung aus Generationen von Taijiquan-Praktizierenden. Die zusammengestoppelten Figuren, Fair-Lady als eine der schwierigsten Figuren gleich zu Anfang und Übergänge, wie sie holpriger nicht sein könnten, sind für meinen Geschmack nicht das, was wirklich zum Erfolg führt.

Über die Qualität und das Können der Lehrerausbilder kann ich nichts sagen, aber diese Art der Ausbildung (Lehrer oder Schüler) sagt mir persönlich nicht zu.

Zitat:
... Virus des wahren Taijiquans ...
(nee, nicht wirklich ...)

Gruß
BanYan
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